Kurzmeinung:
Genre: Roman
Handlung: Scharif, der der katholischen Minderheit in Syrien angehört und auf seiner Flucht aus Syrien über die Türkei im Mai 2012 in Deutschland angekommen ist, vermisst seinen besten Freund Sami, mit dem er seine Kindheit und sein ganzes Leben, bis zur Flucht, verbracht hat. Sie teilen große und kleine Geschichten, die sie verbinden. Im Leben geht es nicht nur gut und schön zu. Es gibt Höhen, Tiefen und einige Verletzungen und ein jede hinterlässt mal große, mal kleine Narben in unserem Leben. Samis Leben in Syrien hat, obwohl er noch sehr jung ist, bereits viele Narben. Scharif erzählt uns von diesen Wunden.
Charaktere: Obwohl dies ein Roman voller Geschichten ist, ist dies eine Erzählung von wahren Erlebnissen. Scharif und Sami sind nicht erfunden. Rafik Schami lernt den geflüchteten Scharif kennen, der ihm von sich erzählt. Dabei kann er Sami nicht auslassen, denn sein und Samis Geschichten überschneiden sich sehr. Und so lässt der Autor die beiden Freunde vor unserem Auge entstehen und schreibt eine ganz andere Art von Fluchtgeschichte.
Spannung: Dieses Buch lebt nicht von Spannung. Auch wenn man gespannt ist, was die beiden Jungen so erleben und wie es dazu kam, dass sie fliehen mussten.
Schreibstil: In typischer Schami-Manier bekommen wir viele Geschichten in einer. Denn im Leben von Sami spielen auch der Postbote Elias, Josephine, der Süßigkeitenverkäufer Hasan und noch viele andere eine große Rolle. Und alle haben Spuren und Einkerbungen in Samis Herzen hinterlassen. Der Autor erzählt ein wahres "Märchen" und findet die richtigen Worte, einerseits den Finger in die Wunden Syriens (Drill und harte Schläge in den Schulen, Überwachung der Menschen durch den Geheimdienst, Folterungen der Menschen bei Nichtgefallen ihrer Lebensweise, Äußerungen usw., der Kinderaufstand in 2012 und die unmenschliche Reaktion des Regimes darauf) zu legen und andererseits dennoch eine angenehme Geschichte darüber zu schreiben, die man gerne liest und die der Gewalt etwas die Kraft nimmt, ohne sie zu verharmlosen. Denn Schami will berichten, informieren, die Augen öffnen, den Fokus auf die Menschen legen und nicht die Leser verschrecken. Das ist wahre Schreibkunst!
Ende: Alles spitzt sich zu. Im Laufe der Zeit ist abzusehen, dass die Menschen zwar ein Leben in Ruhe und Frieden haben wollen aber dass es so nicht weitergehen kann. Das moderne Leben und das Internet verhelfen zu großer Vernetzung trotz der alltäglichen Überwachung und der Aufstand bricht aus. Das Regime findet keine Kontrolle außer Freiheitsberaubung, Gewaltausübung und unmenschlicher Folterung bis hin zur Tötung. Menschen, von Kindern bis zu Erwachsenen, sind nicht mehr sicher und müssen fliehen, um ihr Leben zu retten. So trennen sich durch die Flucht die Wege von Scharif und Sami. Und ich hoffe für sie, dass sie irgendwann wieder zusammenfinden und ein glückliches Leben führen dürfen, egal wo das sein mag.
Hörbuch: Der Sprecher trifft genau den richtigen Erzählton für diese Geschichte. Manchmal frech, manchmal melancholisch aber auch hoffnungsvoll, je nachdem, welche Geschichte gerade erzählt wird. Ich habe sehr gerne zugehört und Scharif und Sami auf ihrem Weg begleitet.
Fazit: Da ich eine große vielen kleinen Geschichten bevorzuge, die auch hier angerissen und spannend erzählt werden und dann leider ihren Abschluss finden (müssen), habe ich einen Stern abgezogen. Insgesamt ist Rafik Schami mit "Sami und der Wunsch nach Freiheit" aber sehr gelungen eine Geschichte von Menschen zu erzählen, die lieber in ihrer Heimat geblieben wären, die sich jedoch in Form des Regimes immer mehr gegen sie gewandt und sie schlussendlich vertrieben hat. Wer eine etwas andere Fluchtgeschichte hören will, dem empfehle ich unbedingt diese hier!
Igelmanu66
aus Mülheim
5/5
18.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vom Traum, ein Schmetterling zu werden
»Inzwischen ist in Syrien so viel passiert, dass man damit Bücher füllen könnte, doch selbst eine Bibliothek würde nicht ausreichen, um alles zu erklären. Es wird Politiker und Historiker noch Jahrzehnte beschäftigen.
Ich aber wollte nur Samis Geschichte aufschreiben, so wie Scharif sie mir erzählt hat. Ich habe es ihm fest versprochen.«
Scharif und Sami wachsen in Damaskus auf. Die beiden Freunde sind unzertrennlich, haben von klein auf alles Schlimme und Schöne miteinander geteilt. In den Wirren des Krieges verschwindet Sami und Scharif gelingt die Flucht nach Deutschland. Dort erzählt er die Geschichte von Sami und seinen Narben
Was für ein wundervolles Buch hat Rafik Schami hier wieder geschrieben! Als ich es zuhause auspackte, hatte ich eigentlich noch viel anderes zu tun, wollte ich eigentlich nur mal kurz reinschauen. Doch wie ein Sog packte mich die Geschichte und ließ mich nicht mehr los.
Der Autor versteht es, einen neugierig zu machen. Kleine eingestreute Andeutungen machten es mir unmöglich, das Buch wegzulegen. Dazu diese großartige Sprache, in der ich versinken könnte! Ich notiere mir beim Lesen immer Sätze und Ausdrücke, die mich besonders ansprechen und bewegen. Diese Liste wuchs im Rekordtempo!
In einzelnen Episoden berichtet der Erzähler über das alltägliche Leben in Syrien. Hochinteressant und sehr berührend! Die Welt, in der Sami und Scharif aufwachsen, erscheint völlig fremdartig und vertraut zugleich. Wenn beispielsweise über die unfassbare Gewalt und Unterdrückung berichtet wird, der die Kinder schon in der Schule begegnen, ist ihre Welt ganz weit weg. Dieselben Kinder und Jugendlichen sitzen aber später vor ihren Computern oder Smartphones und chatten im Internet und schon ist die Welt wieder ganz nah.
Die einzelnen Episoden wirken so lebendig, so echt ich hatte wirklich das Gefühl, ich sitze neben Scharif und höre ihm zu. Diverse Abschweifungen verstärken diesen Eindruck, sie machen alles noch realistischer, denn genau so erzählen Menschen, vor allem, wenn sie viel zu erzählen haben. Sami und Scharif wirken schnell so vertraut, als würde man sie schon lange kennen. Natürlich stellt man kulturelle Unterschiede fest, aber auch so viel Verbindendes, die gleichen Wünsche, Hoffnungen und Lebenspläne, die die meisten Menschen umtreiben. Nur dass der Wunsch nach Freiheit für Sami und Scharif ein sehr viel existenziellerer ist.
Dieses Buch, so unterhaltsam und fesselnd es geschrieben ist, kann helfen, Nähe zu schaffen. Der Krieg in Syrien geht ständig durch die Medien, jeder hat schon erschreckende Bilder voller Not und Zerstörung gesehen. Aber sicher hat nicht jeder präsent, wie die Verhältnisse dort vor dem Krieg waren. Oder dass es Kinder waren, die 2011 den Aufstand ausgelöst haben. Nach dem Lesen des Buchs ist man schlauer und erkennt, dass die restliche Welt sich nicht aus der Verantwortung stehlen darf.
»Ein Diktator braucht und schätzt niemanden mehr als die Gleichgültigen.«
Eine perfekt treffende Aussage, denn ohne eine große schweigende Mehrheit gäbe es für viele Verbrechen keine Durchführungsmöglichkeit, sowohl im eigenen Land als auch in der Welt.
Der Albtraum der Menschen in Syrien ist noch lange nicht zu Ende, aber diese Geschichte bewegt die Herzen und schafft es vielleicht, ein bisschen Hoffnung zu machen.
Rafik Schami wurde selbst in Damaskus geboren und verlebte dort seine Kindheit und Jugend. Als junger Mann kam er nach Deutschland und hat im Lauf der Jahrzehnte viele großartige Bücher geschrieben und zahlreiche Auszeichnungen erlangt. Ich empfinde sein Werk als ungeheuer wertvoll und habe auch dieses Buch, trotz des ernsten Themas, sehr genossen.
Fazit: Unbedingt lesen! Eine großartige Geschichte, mal faszinierend und lustig, mal traurig und schockierend. Und immer sehr berührend.
»Wir träumen alle davon, Schmetterlinge zu werden, doch man will uns nur als Raupen leben lassen.«
Bewertung
aus Meerbusch
5/5
18.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Freiheit - unbezahlbar
Klappentext: Die unglaubliche Geschichte von Sami und seinem abenteuerlichen Leben in den Gassen von Damaskus. Geschichten um Geschichten reihen sich aneinander. Sie alle erzählen von einer innigen Freundschaft, der Sehnsucht zweier Jungen nach Freiheit und dem Ausbruch der syrischen Rebellion
Rafik Schami hat einen sehr emotionalen Roman über eine Freundschaft zweiter Jungen geschrieben, die in Damaskus aufwachsen, unzertrennlich sind, sich wie Brüder fühlen, einen alten sehr weisen Postboten zum Freund haben und deren Wege sich nach dem Aufstand in Daara trennen müssen, da sie in den Untergrund abtauchen müssen. Er erzählt die Geschichte von Scharif und seinem Freund Sami Die beiden Freunde jedoch gehen erst einmal ihren Weg, machen Abitur, studieren Informatik und teilen viele Erlebnisse, traurige, lustige und mutige miteinander. Nachdem Aufstand müssen beide Freunde untertauchen und hier verliert sich Samis Spur .
In 34 kleinen Episoden erzählt Scharif über sein und Samis Aufwachsen in einem armen christlichen Viertel in Damaskus, der Schule, in der die Kinder vom ersten Schuljahr an indoktriniert wurden, in den ersten Kapiteln spürt man Zuversicht, Hoffnung und die Lebensfreude beide Freunde. Von Kapitel zu Kapitel spürt der Leser, wie sich Bespitzelungen durch Spione des Geheimdienstes, Repressalien gegenüber Andersdenkenden, willkürliche Verhaftungen und Unterdrückungen immer mehr zuspitzen, bis zum Aufstand in Daara, im März 2011. Die beiden Freunde jedoch gehen erst einmal ihren Weg, machen Abitur, studieren Informatik und teilen viele Erlebnisse, traurige, lustige und mutige miteinander. Nachdem Aufstand müssen beide Freunde untertauchen und hier verliert sich Samis Spur .
Dieser Roman ist ein sehr bewegender und eindrücklicher Roman über die syrische Gesellschaft, eine Gesellschaft, unterdrückt und geknechtet durch ein diktatorisches Regime, in Schach gehalten durch die Allmacht der Geheimdienste, die über der regierenden Baath Partei stehen. Ein Regime, das keine Widerstände duldet und mit Verhaftungen, Folter und Hinrichtungen reagiert, ein Regime, vor dem Tausende Syrer in den letzten Jahren geflüchtet sind, ihres Lebens nicht mehr sicher.
tigerbaer/heinz60
aus Karlsruhe
5/5
18.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Traum von Freiheit
von der Traurigkeit eines uralten, friedlichen und gastfreundlichen Volkes, dass von der Welt im Stich gelassen wurde nicht erst in den letzten vier, fünf Jahren, sondern seit einem halben Jahrhundert und alle Qualen einer barbarischen Diktatur erdulden musste. (Seite 322)
Durch eine Hör- und Leserunde wurde ich auf das Werk "Sami und der Wunsch nach Freiheit" von Rafik Schami aufmerksam.
Ich durfte das Buch im Rahmen der Runde lesen.
Scharif ist ein syrischer Flüchtling und erzählt dem Autor von seinem Freund Sami. Geschichte um Geschichte reiht sich aneinander und erzählt, wie die beiden Jungen in den Gassen von Damaskus aufwachsen. Aus kindlichen Abenteuern wird jugendliches Engagement und mit der Sehnsucht nach Freiheit erwacht der Wunsch nach Veränderung... eine Rebellion beginnt.
Es gibt Bücher, die dringen dir tief ins Herz und verändern dich. "Sami und der Wunsch nach Freiheit" ist für mich zu solch einem Herzensbuch geworden.
Der Autor hat mir mit dem Buch das Land Syrien nahe gebracht. An der Seite von Sami und seinen Freunden entdecke ich das Leben in den Gassen von Damaskus vor dem Bürgerkrieg. Es ist ein entbehrungsreicher und von vielen Unterdrückungen gezeichneter Alltag, der trotz allen Widrigkeiten auch viele humorvolle Momente kennt und vom Zusammenhalt der Leute geprägt ist.
Anfangs kommen die Geschichten der beiden Jungs überwiegend abenteuerlich daher und sind vom kindlichen Übermut geprägt, der Schatten der Diktatur scheint meist recht weit weg. Mit dem Älterwerden ändert sich der Blickwinkel und es schleichen sich immer mehr ernste Untertöne ein.
Von ihr lernte ich, dass ein Diktator niemanden mehr braucht und schätzt als die Gleichgültigen. (Seite 209)
Durch seine Rolle als Aufzeichner der Geschichte gelingt es dem Autor eine gewisse Distanz zu den Ereignissen zu wahren, die auch ich als Leser einhalte. Beim Lesen verbindet sich die Mischung der Erzählung aus bitterem Ernst und süßem Humor zu einem bittersüßen Leseerlebnis und dringt mit seiner Eindringlichkeit direkt ins Herz.
Eine berührende Erzählung über ein Leben in einer unterdrückten Gesellschaft und dem Traum von Freiheit, der 2011 einen Hoffnungsfunken entzündet hat und den inzwischen so unendlich viele Menschen mit ihrem Leben bezahlen mussten und die dennoch immer noch von Frieden und Freiheit träumen.
Wir träumten alle davon, Schmetterlinge zu werden, doch man will uns nur als Raupen lesen lassen. (Seite 117)
Bewertung
aus Zellertal
5/5
18.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein großartiger Geschichtenerzähler
Rafik Schami ist und bleibt für mich ein großartiger Geschichtenerzähler. In "Sami und der Wunsch nach Freiheit" erzählt er eindrucksvoll die Geschichte von Sami und Scharif und dass auf eine ganz besondere Weise.
Das Buch beginnt damit, dass Schami den syrischen Flüchtling Scharif trifft, der ihm eine Geschichte erzählen will. Und schon sind wir mittendrin in Scharifs Erzählung (auch in der Ich-Perspektive) über seine Abenteuer mit seinem besten Freund Sami. Natürlich ist es eine große Geschichte, aber auch viele kleine, die man eigentlich unabhängig voneinander lesen könnte. Ich habe mich oft an "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende erinnert gefühlt.
Der Schreibstil zaubert, auch wenn er manchmal nüchtern ist, viele lebendige Bilder direkt in den Kopf und nimmt einen mit auf eine wunderbare Reise nach Syrien. Also wunderbar in dem Sinne, dass manche Geschichten wirklich schön sind und die syrischen Gebräuche erklären, wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Aber auf der anderen Seite gibt es auch viele erschreckende Geschichten. Auch wenn man natürlich von den Umständen dort schon gehört hat, kann man sich den Schrecken, mit dem dort regiert wird gar nicht vorstellen. Das geht schon manchmal richtig ans Herz, auch weil in dem Buch sicher nichts beschönigt wird.
Durch den tollen Schreibstil hat man das Gefühl das Scharif dem Leser direkt die Geschichte erzählt.
Wer ein Buch erwartet, das in einem Rutsch eine Geschichte erzählt, wird sicherlich Probleme mit dem Lesefluss haben. Wer sich aber auf die verschiedenen Geschichten einlässt, der wird sowohl den Zauber als auch den Schrecken von Syrien erfahren.
Ich kann dieses Buch nur herzlich weiterempfehlen und gebe aus ganzem Herzen fünf Punkte für dieses Abenteuer.
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5/5
06.10.2021
eBook (ePUB)
Rafik Schami ist ein wunderbarer Geschichtenerzähler. In seinem neuen Buch nimmt er den Leser mit nach Syrien und lässt ihn Teil haben am Leben der beiden Freunde Scharif und Sami. Eigentlich ist es Scharif, der erzählt. Von ihrer Kindheit, ihren Träumen, vom zunehmend schwierigen Leben in Damaskus, vom Ausbruch der Rebellion und der Flucht. Täglich hören wir von zahllosen Schicksalen, aber diese warme, humorvolle, sehr berührende Geschichte hebt zwei davon hervor und bringt sie uns nahe. Ab 14 Jahren
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