„In dem Jahr, als der Engel
am Eingang zur U-Bahn von mir Abschied nahm,
erblindete ich allmählich.
An meinem fünfzehnten Geburtstag, einem Morgen im Herbst,
nieselte es draußen.
Ich fütterte meine Katze,
und um fünf nach sechs
betrat ich die U-Bahn.“
Ein blindes Mädchen entschliesst sich an seinem 15. Geburtstag dazu, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Mit Furcht und Zittern steigt sie in die U-Bahn und fährt von einer unbekannten Station zu einer anderen. Auf ihrer Reise schwelgt sie in Erinnerungen, tastet sich in ihrer in Dunkelheit gehüllten Welt voran, gleichzeitig findet sie aber auch neue Hoffnung und Orientierung. Als sie sich in den unterirdischen Gewölben verirrt, entdeckt sie neue Ausgänge. Sie bedient sich ihrer Vorstellungskraft, um sich eine bunte, imaginäre Welt um sie herum auszumalen, und findet dadurch Trost in ihrer Einsamkeit zu finden. Auf ihrer Reise sucht sie nacht und findet Antworten für ihr Leben.
Eine Reise in die Imagination.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
monerl
aus Langen
5/5
07.06.2019
Buch (Paperback)
Ein Mut machendes Buch, poetisch und philosophisch
Meine Meinung
Ein Bilderbuch für Erwachsene. Mein erstes dieser Art. Und ich stelle fest, dass sich so ein Bilderbuch für Erwachsene viel schwieriger liest als ein normaler Roman. Viel Bild, wenig Text. Somit ist der*die Leser*in sehr gefordert, das Gesehene zu interpretieren. Und das ist gar nicht so einfach!
Das Grundgerüst, die Rahmengeschichte, bildet der Klappentext. Dieser war für mich sehr verständlich und hat mich neugierig gemacht!
Nun folgen wir dem blinden Mädchen auf ihrem Weg durch die U-Bahnen und wie sie die Welt aufs Neue erkundet. Dabei dürfen wir an einigen ihrer Gedanken und den verschiedenen Fragen teilnehmen, die sie sich stellt, wie z.B. ob es immer noch so wundervoll ist mitanzusehen, wie die Wolken am Himmel sich verwandeln. Wer kennt das nicht?! Als Kind auf dem Rücken in der Wiese liegen und den Wolken zuschauen wie sie vorbeiziehen und in ihnen Formen erkennen. Es machte mich traurig zu wissen, dass das blinde Mädchen dieses Spiel und diesen Anblick nie mehr wieder wird genießen und erleben können. Umherfliegen wie ein Vogel, das wäre doch schön! Aber wäre es immer noch so toll, wenn man nicht sehen könnte? Wie frei wäre man noch, wenn man nicht sehen kann, wo die Hindernisse sind?
“Überall lauern Gefahren auf mich. Ich bin jederzeit bereit, Abschied zu nehmen. Und doch ist die Welt so schön und wundervoll, dass ich mich nicht von ihr trenne möchte.” (Zitat aus dem Buch)
Jimmy Liao hat ein poetisches und philosophisches Buch erschaffen, das so bildgewaltig und traumhaft farbig ist. Seite für Seite steigt das Mädchen in die U-Bahn hinuter und erwartungsvoll wieder nach oben. Ein kleiner, weißer, struppiger Hund begleitet sie und ist auf jeder Seite wiederzufinden. Ob er zu ihr gehört, ist nicht klar. Jedenfalls ist er, neben dem blinden Mädchen, ein feste Größe im Buch. Die Bilder unterstreichen überwiegend den kurzen Text darüber. Es gibt viel zu sehen und zu entdecken, was so extrem im Gegensatz zu dem steht, dass das Mädchen nicht sehen kann. Ich konnte mich kaum sattsehen an diesen vor Farbe sprühenden Bildern.
Wo die Realität sie alleine lässt, behilft sie sich mit ihrer Vorstellungskraft und Fantasie sowie den Erinnerungen aus der Vergangenheit. Auf manches wird das Mädchen für immer verzichten müssen. Dafür gewinnt sie anderes dazu. Selbst scheinbar Unüberbrückbares kann sie schaffen und findet viel Positives in ihrem Leben.
Jimmy Liao beendet sein Buch mit einem schönen und hoffnungsvollen Ausschnitt aus Rainer Maria Rilkes “Die Blinde”. Für mich ist das ein gelungener Abschluss für ein Buch, das lange nachhallen wird.
Fazit
Ich habe dieses Buch dreimal gelesen, angeschaut und darüber nachgedacht. Und schlussendlich denke ich herauszulesen, dass der Künstler uns sagen will, wie schön das Leben trotz Einschränkungen sein kann, wenn man es zulässt. Das Mädchen hat ihre Angst überwunden und ist in die weite Welt hinausgegangen. Ihr Mut gibt ihr wieder eine Freiheit zurück, die sie jedoch vorsichtig kennenlernen muss. Dabei stolpert sie, fällt hin, verirrt sich, fühlt sich fremd und hat trotzdem immer irgendwie auch Hoffnung.
“Die Vorstellung macht mir Angst, das Glück könnte ganz nahe sein und ich sehe es nur nicht.”
“Den Kummer von gestern habe ich schon vergessen. Was man vergisst, ist nicht mehr wichtig.”
” Ist das die Endstation? Oder ein neuer Startpunkt?”
Diese drei Zitate nehme ich für mich mit und hoffe, sie nicht zu vergessen. Auch wenn es im Alltag oftmals schwer ist, mich die Melancholie packt, werde ich versuchen an dieses blinde Mädchen zu denken, das nun seine Welt mit den anderen Sinnen entdeckt, auch wenn ihm die Sicherheit und die Schönheit der Farben verloren gegangen ist.
Bewertung
aus Gemmingen
5/5
22.05.2019
Buch (Paperback)
Melancholie und Hoffnung
"Der Klang der Farben" von Jimmy Liao (erschienen bei China- Books) ist ein eindrucksvolles und tiefgründiges Bilderbuch für Erwachsene.
Die Hauptprotagonistin verlor ihr Augenlicht. Seit diesem Tag entdeckt sie die Welt auf ihre eigene Weise: Sie fährt mit der U-Bahn zu für sie, unbekannten Stationen. Anhand ihrer verbliebenen Sinne orientiert sie sich. Wobei sie sich selbst Bilder in ihrem Kopf erschafft, um die zu ersetzen, die sie nicht mehr sehen kann.
Die Bilder in diesem Buch sind surrealistisch. Als Ersatz für ihre Sehkraft setzt die Protagonistin ihre Fantasie ein. So entsteht eine bunte und lebhafte Fantasiewelt. Als Leser taucht man mitten hinein in diese Welt und verfolgt das Auf und Ab der Emotionen mit. Zum einen ist das Buch sehr Melancholisch, denn die Protagonistin ist blind und orientierungslos. Durch ihren Lebenswillen und Entdeckergeist lässt sie sich aber nicht von ihrem Schicksal unterkriegen. Das vermittelt Hoffnung für alle, denen das Leben übel mitspielt. Jimmy Liao schafft es die zwei gegensätzlichen Emotionen Trauer und Hoffnung zu verbinden. Was daraus entsteht ist eine realistische Abbildung des Lebens mit all seine Höhen und Tiefen.
Streiflicht
5/5
21.05.2019
Buch (Paperback)
Bezaubernd, traurig und voller Hoffnung
Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, weil ich „Der blaue Stein“ von Jimmy Liao sehr geliebt habe. Und wieder bin ich verzaubert. Gleichzeitig traurig, voller Hoffnung, Mut und Verwirrung. Das Buch ist wunderschön, die Texte sind zauberhaft und auch hoffnungsvoll, zugleich ist das Buch aber auch traurig, da es um ein erblindendes Mädchen geht. Das Buch hat mich etwas zerrissen zurückgelassen, weil es kein richtiges Ende hat und so viele Eindrücke bietet. Sowohl optisch und auch emotional, bezogen auf die Bilder und die Texte. Immer und immer wieder taucht das Motiv der Rolltreppe auf, die sicherlich auch eine übertragene Bedeutung haben soll. Mal geht es im Le-ben abwärts, dann wieder aufwärts. Und was wäre, wenn wir Wünsche frei hätten? Oder sind wir schon gesegnet, wenn wir einfach nur gesund sind und nicht eingeschränkt.
Wieder begeistert Jimmy Liao mit Farben und Formen, mit der Gestaltung seiner Gedanken in Wort und Bild. Ich liebe seine Art zu zeichnen und die melancholische Note, die sein Werk durchzieht. Auch die Kombination der kräftigen Farben mit den Zeichnungen, die auf den ersten Blick einfach aussehen, aber viele kleine Dinge zeigen und verbergen, wenn man sich nur die Mühe macht, ge-nauer hin zu schauen, finde ich einfach wunderbar.
Wer sagt, dass Bilderbücher nur für Kinder sind, der kennt wohl Jimmy Liao nicht. Er macht Mut, zeigt, dass das Leben nicht immer einfach, aber immer lebenswert ist und auch Freuden birgt, die man erst entdecken und erkennen muss. Sehr weise und wunderschön!
Streiflicht
5/5
21.05.2019
Buch (Paperback)
Bezaubernd, traurig und…
Bezaubernd, traurig und voller Hoffnung Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, weil ich „Der blaue Stein“ von Jimmy Liao sehr geliebt habe. Und wieder bin ich verzaubert. Gleichzeitig traurig, voller Hoffnung, Mut und Verwirrung. Das Buch ist wunderschön, die Texte sind zauberhaft und auch hoffnungsvoll, zugleich ist das Buch aber auch traurig, da es um ein erblindendes Mädchen geht. Das Buch hat mich etwas zerrissen zurückgelassen, weil es kein richtiges Ende hat und so viele Eindrücke bietet. Sowohl optisch und auch emotional, bezogen auf die Bilder und die Texte. Immer und immer wieder taucht das Motiv der Rolltreppe auf, die sicherlich auch eine übertragene Bedeutung haben soll. Mal geht es im Le-ben abwärts, dann wieder aufwärts. Und was wäre, wenn wir Wünsche frei hätten? Oder sind wir schon gesegnet, wenn wir einfach nur gesund sind und nicht eingeschränkt. Wieder begeistert Jimmy Liao mit Farben und Formen, mit der Gestaltung seiner Gedanken in Wort und Bild. Ich liebe seine Art zu zeichnen und die melancholische Note, die sein Werk durchzieht. Auch die Kombination der kräftigen Farben mit den Zeichnungen, die auf den ersten Blick einfach aussehen, aber viele kleine Dinge zeigen und verbergen, wenn man sich nur die Mühe macht, ge-nauer hin zu schauen, finde ich einfach wunderbar. Wer sagt, dass Bilderbücher nur für Kinder sind, der kennt wohl Jimmy Liao nicht. Er macht Mut, zeigt, dass das Leben nicht immer einfach, aber immer lebenswert ist und auch Freuden birgt, die man erst entdecken und erkennen muss. Sehr weise und wunderschön!
Midnight-Girl
aus NRW
5/5
19.05.2019
Buch (Paperback)
U-Bahn-Schächte sind für sich…
U-Bahn-Schächte sind für sich genommen schon von Zeit zu Zeit unheimlich, stellt man sich allerdings vor in völliger Dunkelheit dort hinabzusteigen, jagt es einem schier eiskalte Schauer über den Rücken. Die blinde Hauptfigur in Jimmy Liaos „Der Klang der Farben“ nimmt die Herausforderung dennoch an und besitzt mit ihren 15 Jahren vermutlich mehr Mut als manch ein Erwachsener. Das Mädchen lässt sich einfach durch die Stadt treiben, von Station zu Station, manchmal orientierungs-, aber niemals hilflos. Dabei geht es gar nicht so sehr darum eine Geschichte ihrer tatsächlichen Reise aufzuzeichnen, sondern vielmehr um Empfindungen und Eindrücke, die sie streifen. Natürlich nimmt auch der Leser die unterschiedlichen Stimmungen wahr, die nicht nur durch die kurze Erzählung, sondern auch visuell durch wundervolle Illustrationen deutlich werden. Nicht immer dreht sich alles um äußere Einflüsse, auch das Seelenleben der Hauptprotagonistin wird betrachtet und dargestellt, schließlich wird erst im Zusammenspiel die ganze Kraft der Imagination klar. Jimmy Liao holt den Leser von Anfang an ab und katapultiert ihn hinein in dieses Bilderbuch für Erwachsene. Glücklicherweise gibt es zahlreiche der grandiosen Bilder zu betrachten, die selbst schon eigenständige Geschichten erzählen. Der Begleittext weist ausschließlich die Richtung, lässt aber noch immer Raum für die eigene Fantasie. Gerne verweilt man bei der ein oder anderen Darstellung länger, nimmt die Atmosphäre in sich auf und versucht zu ergründen wie man selbst sich bei der Betrachtung gerade fühlt. Vielleicht stellt man sich sogar eine ähnlich gelagerte Situation vor. „Der Klang der Farben“ erzählt nicht nur von einer Reise in die Imagination, sondern vor allem vom Suchen und Finden, auch wenn zu Beginn noch nicht ganz klar ist wo die Reise eigentlich hingehen soll und wird. Gerade das aber macht den Reiz aus und man lässt sich gerne darauf ein. Ein ganz und gar liebevolles Buch, poetisch in Bildern und Worten und so herzerwärmend – trotz einiger emotionaler Tiefpunkte – dass man es immer wieder einfach nur anschauen mag, denn es verströmt unglaublich viel Freude und Hoffnung.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.