Das Buch gibt einen Überblick über die bisherigen Entwicklungen und den gegenwärtigen Stand zentraler Themenbereiche der Arbeitssoziologie. Das Handbuch vermittelt grundlegendes Wissen und gibt wichtige Forschungsbereiche und Diskurse der Arbeitssoziologie wieder. Theoriebestände und empirische Ergebnisse werden aufbereitet, um wesentliche Konzepte und Perspektiven des Faches erkennbar zu machen. Gerade in der gegenwärtigen Phase tiefgreifender Umbrüche in den Formen und Erscheinungsweisen von Arbeit ist ein Blick auf den breiten Bestand von Theorien, Konzepten und Begriffen sowie empirischen Befunden eine wichtige Grundlage für Ausbildung, Forschung und Praxis. Aus dieser Perspektive werden in den Beiträgen gegenwärtige Entwicklungen von Arbeit beschrieben, aktuelle Konzepte für deren Analyse vorgestellt und neue Herausforderungen für die Forschung umrissen.
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Was versteht man unter Arbeit? - ein interessantes Forschungsobjekt
S.A.W am 07.07.2018
Bewertungsnummer: 1116150
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Fritz Böhle, Universität Augsburg, Günter Voß, TU Chemnitz, und Günther Wachtler, Universität Wuppertal, geben einen Überblick über Entwicklungen und Stand der Arbeitssoziologie. Forschungsbereiche und Diskurse, Theoriebestände und empirische Ergebnisse werden aufbereitet, Konzepte und Perspektiven des Faches aufgezeigt, die für die tiefgreifenden Umbrüche in der Arbeitswelt von Bedeutung sind.
Beispiele aus dem Inhalt:
Das Buch beschreibt Arbeit in ihren verschiedenen gesellschaftlichen Ausformungen. Physikalisch ist Arbeit Kraft mal Weg. Im Indogermanischen bedeutet Arbeit eine mühselige Anstrengung. Arbeit ist eine Kraftanstrengung, nützlich, zweckgebunden, ergebnisorientiert und bezahlt. Ursprünglich war damit Lohnarbeit gemeint, dies wurde jedoch durch einen allgemeinen Arbeitsbegriff abgelöst.
Bei Jägern und Sammlern ist Arbeit der Erwerb von Nahrungsmittel, wofür wenige Stunden am Tag reichten.
In der Antike ist Arbeit technische Herstellung unter Nutzung des Feuers (Prometheus)
Das Mittelalter schwankt zwischen Überhöhung und Geringschätzung der Arbeit
Die Raumrevolution der Entdeckerzeit führt zu Welthandel und Eroberungsfantasien.
Das moderne Arbeitsverständnis ist durch Ökonomisierung, Verwissenschaftlichung und Humanisierung gekennzeichnet. Arbeit weitete sich auf immer mehr Felder aus und führte zu einer Übernutzung der Natur, die uns heute Probleme bereitet.
Heute wird Arbeit zunehmend Wissensarbeit.
Arbeit ist wichtig für die Entwicklung menschlicher Fähigkeiten
Braucht eine kritische Analyse der Technologiefolgen
Umfasst die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Felder und Formen.
Im Tertiarisierungsprozess unterliegt Arbeit einem grundlegenden Strukturwandel. Bis 1800 dominierte der primäre Sektor, um 1900 der sekundäre, seit 1970 der tertiäre. Derzeit wandelt sich die Arbeitswelt von der Angestelltensoziologie zu Soziologie der Wissens- und Interaktionsarbeit.
Das 20.Jhdt. war durch zunehmende Rationalisierung und Technikgläubigkeit gekennzeichnet, die aber in den 1970er Jahren zu bröckeln begann.
Die Arbeitsforschung begann mit der Erforschung der Arbeiter und der Produktion, über die Qualifizierungsthese kam man zur Produktion von Organisation und vom Handeln zum Verhandeln
Zusammenfassung: Das Buch glänzt durch eine Fülle von hochinteressanten Theorien und Details, ist klar geschrieben und auch für Nicht-Ökonomen spannend zu lesen.
Rüdiger Opelt, Autor von „Die Kinder des Tantalus. Ausstieg aus dem Kreislauf seelischer Verletzungen.“
Arbeitssoziologie betrifft uns alle!
S.A.W am 10.07.2018
Bewertungsnummer: 1116135
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Fritz Böhle, Universität Augsburg, Günter Voß, TU Chemnitz, und Günther Wachtler, Universität Wuppertal, geben einen Überblick über Entwicklungen und Stand der Arbeitssoziologie. Forschungsbereiche und Diskurse, Theoriebestände und empirische Ergebnisse werden aufbereitet, Konzepte und Perspektiven des Faches aufgezeigt, die für die tiefgreifenden Umbrüche in der Arbeitswelt von Bedeutung sind.
Beispiele aus dem Inhalt:
Der Mensch als wichtiger Vermittler von Arbeitsprozessen wird in der Soziologie oft übersehen bis marginalisiert. Das Subjekt wurde in der Antike als Träger von Eigenschaften gesehen, seit der Renaissance ist er das reflexive und selbstbestimmte Individuum. Beide Menschenbilder tauchen in der Soziologie implizit auf. Von Marx und Weber wurden die negativen Auswirkungen der Industrialisierung auf das Subjekt beschrieben. Das Subjekt wird als lebendiges Arbeitsvermögen oder als fordistisches Kollektivsubjekt, gesehen, in letzter Zeit hält der Subjektivismus Einzug in die Arbeitswelt. Die tayloristische Rationalisierung zeigt Risiken und Belastungen, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken, wenn sie der Arbeitnehmer nicht mehr in der Freizeit kompensieren kann. Ausscheiden aus dem Arbeitsleben zeigt sich oft als Endpunkt einer langen negativen Arbeitskarriere. Man entwickelte daher den Arbeits- und Gesundheitsschutz und setzte auf finanzielle Anreize statt auf Vorschriften. Bei Computerarbeitsplätzen wies die Psychologie auf die einseitige Ausrichtung auf Logik bei Verkümmerung emotional-empathischer Fähigkeit hin. Psychische Belastungen sind schwer erfassbar und nur im Hinblick auf die Gesamtsituation zu verstehen, wobei die work-life-balance in den Fokus rückt.
Der Hauptgrund für die Erfüllung der Anforderungen ist die tiefsitzenden Überzeugung, dass Arbeit der Selbstverwirklichung dient. Lernen in der Arbeit ist wichtig, dem stehen jedoch Leistungsdruck und Null-Fehler-Politik entgegen. Entfremdung entsteht durch die Reduzierung des Menschen auf die Produzent-Kunden-Ebene. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist vor allem für Frauen ein Problem, braucht Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau, Teilzeitarbeit und ausreichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten.
Die betriebliche Organisation war lange durch das Fließband geprägt, splittert sich derzeit aber in die verschiedensten Formen und Modelle auf. Formale Organisationen erstrecken sich inzwischen auf alle Lebensbereiche, lösen sich in der globalen Vernetzung aber teilweise in verschwimmenden Grenzen auf. Organisationen wurden zunächst als rational-funktionelle Gebilde gesehen, erweisen sich in letzter Zeit aber als unberechenbar und chaotisch selbstregulierend. Es gibt Zwangsorganisationen (Gefängnis) utilitaristische (Unternehmen) und normative Organisationen (Kirchen). In den 1980er Jahren verschob sich der Fokus von der Rationalisierung auf die Reorganisation. Neue Technologien sollten mehr Flexibilisierung ermöglichen. In den 1990er Jahren versuchte man Dezentralisierung und Vermarktlichung (Steuerung durch den Markt, just-in-time). Projektarbeit wird zur sozialen Vernetzung gefördert.
Netzwerke werden für den Fortbestand sozialer Ungleichheit verantwortlich gemacht. Die strukturelle Netzwerkanalyse benutzt mathematische Modelle zur Erfassung der Netzwerke. Die Governance-Theorie sieht die Netzwerke als Sozialsysteme, die jeweils durch bestimmte Formen der Kommunikation gekennzeichnet sind. Die systemische Rationalisierung untersucht die Effizienz der gesamten Wertschöpfungskette. Der Transaktionskostenansatz versucht Transaktionskosten zu sparen, indem für verschiedene Subsysteme unterschiedliche governances eingesetzt werden. Der strukturationstheoretische Ansatz betont die spezifischen governances auf Märkten (z.B. Preissignale)
Multinationale Unternehmen sind die Treiber der Globalisierung, vor allem seit den 1980er Jahren. Marktsättigung im Heimmarkt erfordert die Expansion ins Ausland. MNU erwirtschaften 10% des Bruttoweltprodukts und 30% des Welthandels.
Zusammenfassung: Das Buch glänzt durch eine Fülle von hochinteressanten Theorien und Details, ist klar geschrieben und auch für Nicht-Ökonomen spannend zu lesen.
Rüdiger Opelt, Autor von „Die Kinder des Tantalus. Ausstieg aus dem Kreislauf seelischer Verletzungen.“
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