Hermann Hesses Betrachtungen und Gedichte über seine Wanderung in das Tessin gehören zu den schönsten Texten des Dichters. Nach mehrjährigem poetischen Verstummen (durch Hesses Einsatz im Dienst der Kriegsgefangenenfürsorge) in den Jahren 1917/18 entstanden, schildern diese Reiseimpressionen gleichnishaft die Grenzüberschreitung aus der Kühle und Abstraktion des Nordens in die Wärme und kreative Sinnlichkeit des Südens, seine Abkehr vom Bürgerlichen zum Vaganten und Abenteurer. Gleichzeitig zeigen sie seinen Wechsel von der Vita activa zur Vita contemplativa: Sie bilden den Auftakt zu den kurz darauf in rascher Folge entstehenden »Klingsor«-Erzählungen, zu »Siddhartha« und »Steppenwolf«.
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17.03.2015
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Tessin - für den Schriftst…
Das Tessin - für den Schriftsteller Hermann Hesse (1877-1962) war die Südschweizer Landschaft eine der wenigen noch vorhandenen „Paradiesgegenden“. 1919 ließ er sich in Montagnola bei Lugano, im Turm der Casa Camuzzi, nieder. Bis zu seinem Tod 1962 lebte er im Tessin und schöpfte immer wieder inspirierende Kraft und schrieb hier einige seiner wichtigsten Werke, wie „Klingsors letzter Sommer“, „Siddhartha“, „Der Steppenwolf“, „Narziß und Goldmund“. Auf vielen Wanderungen genoss er die Schönheit des Tessins zwischen südländischen Palmenhainen und alpinen Berggipfeln. Ob Tessiner Seen oder Berge, er hielt sie nicht nur in Naturbeschreibungen fest sondern auch in farbenfrohen, meist kleinformatigen Aquarellen. Hesse selbst bezeichnete sich selbst zunächst als dilettantischer Maler, doch mit den Jahren konnte er sein Talent verbessern. Und so nahm er bei seinen Wanderungen stets ein Klappstühlchen und seinen Wasserfarben-Kasten mit - schließlich fanden sich 3.000 Aquarelle in seinem Nachlass. Der vorliegende Insel-Band versammelt einige Texte von Hesses Tessin-Aufzeichnungen, die in 23 thematische Kapitel unterteilt sind und jeweils mit einem Aquarell eingeleitet werden. In ihnen kann der Leser nicht nur die Eigenart der Schweizerischen Landschaft entdecken sondern auch in eine poesievolle Landschaftsbeschreibung eintauchen. Hier eine kleine Kostprobe: „Ich habe mich an den Brunnen gelehnt und das Pfarrhaus abgezeichnet, mit der grünen Tür, die mir eigentlich von allem am besten gefällt, und mit dem Kirchturm dahinter.“ Dabei ist Hesse mit Farben nicht weniger poetisch als mit Worten. Fazit: Ein bezaubernder Insel-Band, der Kunstsinn und Ruhe ausstrahlt.
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