In der Natur, zu Lande und zu Wasser, existieren Geschöpfe, die uns Menschen in vielerlei Hinsicht das Wasser reichen können. Im Gegensatz zum Menschen wandeln sie das Klima nicht, verursachen in der Folge weder Tsunamis noch Dürreperioden. Keines dieser Mitgeschöpfe behauptet, die Erde oder auch nur einen Teil davon zu besitzen. Der bedingungslose Besitzanspruch, wie ihn moderne Gesellschaften kennen und durchsetzen, führt zum Ungleichgewicht - ja zur ökologischen Ungerechtigkeit.
Ein Plädoyer für einen gerechten Umgang mit der Natur.
Kundinnen und Kunden meinen
3.5/5.0
Sikal
4/5
30.12.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Interessante Denkansätze
Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis oder verheerende Murenabgänge scheint es ja bereits ewig zu geben und haben sicherlich nichts mit unserem Raubbau an der Natur zu tun– so zumindest die Argumentation vieler politischer Gruppierungen. Und wenn der amerikanische Präsident behauptet, wir würden einen Klimawandel brauchen, da es ohnehin zu kalt sei, so jubeln dessen Anhänger sogar noch über seine Worte.
Der Grund dafür, dass es trotz einer gewaltigen Häufung der Anzeichen für einen Klimawandel immer noch Regierungen gibt, die diesen leugnen findet sich in David Boyd’s Buch in wenigen Sätzen auch Seite 216:
„Über die Rechte von Mutter Erde zu sprechen, stellt das gesamte Rechtssystem infrage, auf dem der Kapitalismus aufbaut. […]. Wenn man jemanden umbringt, kommt man ins Gefängnis – wenn man aber einen Fluss verseucht, passiert nichts. Wir müssen zur Verantwortung gezogen werden können.“
Für die Rechte der Natur einzutreten ist ein Unterfangen, welches auf den ersten Blick aussichtslos erscheint – wer möchte schon von einem Regenwurm verklagt werden oder von einem Fluss vor Gericht zitiert werden?
Was für einzelne Personen lächerlich klingen mag, kann für Konzerne existenzbedrohend werden. Sollten sich Ländereien, Flüsse oder Tiere als juristische Personen deklarieren können, und somit vor Gericht ziehen können, würde es für Konzerne schwierig werden, weiterhin Raubbau zu betreiben. Grundwasser müsste bestehen bleiben und somit das Abpumpen von Wasser erschwert werden. Das Abholzen von riesigen Waldflächen könnte unterbunden werden und somit dem Wildwuchs von Monokulturen entgegenstehen oder das immer stärker betriebene Befischen der Weltmeere würde reguliert werden. Nicht zuletzt hätten Ländereien sogar das Recht darauf Einspruch zu erheben, wenn ein Ölkonzern deren Schiefergasvorkommen oder einen Ölquelle anzapfen möchte.
Was das für die multinationalen Konzerne bedeuten würde, kann sich an dieser Stelle jeder selbst ausmalen…
Aber so einfach kann man es den großen Multis eben nicht machen. Wir alle sind Teil der „Mutter Erde“ und ohne sie nicht lebensfähig. Somit ist es nur logisch und ein Teil der Entwicklung unseres Rechtssystems, der Natur gewisse Rechte zuzusprechen. Was bei Tieren teilweise schon ins Bewusstsein des „Tieres Mensch“ dringt – niemand würde heute mehr einen Gorilla das Recht auf Freiheit oder das Recht auf Leben absprechen – scheint bei Pflanzen oder Gewässern noch weit entfernt.
Liest man allerdings das Buch von David Boyd, einem Rechtswissenschaftler, der unzählige Regierungen in Sachen Umweltrecht und Nachhaltigkeit berät, so gibt es doch Anlass zu Hoffnung.
Viele Regierungen sind bereits gewillt, die Rechte der Natur zumindest in einem ersten Ansatz anzuerkennen. Die vielen Erfolge, die Rechtsexperten in Sachen Naturrecht bereits erkämpft haben, erläutert der Autor ausführlich (teilweise ein wenig zu ausführlich) und zeigt so auch den mühsamen Weg derer, die sich für unsere Umwelt einsetzen – für eine Umwelt, die schließlich nicht nur unser Überleben sichert sondern auch das unserer Kinder.
Gertie G.
aus Wien
3/5
27.10.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hat mich nicht vollends überzeugt
„Menschliches Leben ist nur in Solidarität mit der Natur möglich.“(S. 121)
Diesen Satz werden wohl die meisten von uns unterschreiben. Doch warum handeln wir Menschen nicht danach? Ist uns die eigene Bequemlichkeit lieber als der Schutz der Natur? Oder ist der einzelne geneigt, Umweltschutz „den Anderen“ zu überlassen?
Der überwiegende Teil des Buches handelt von und in den USA, die in Sachen Umweltschutz (vor allem unter der aktuellen Regierung) wenig am Hut haben. Doch auch Indien, mit dem dreckigsten aller Flüsse, dem Ganges, wird erwähnt. Einige Länder haben Umweltschutz in der Verfassung verankert, andere nicht.
Der Mittelteil des Buches lässt den nicht juristisch interessierten Leser gelangweilt die Seiten überblättern. Protokolle über langwierige Gerichtsverfahren zu lesen ist leider nicht jedermanns Sache. Dies ist allerdings der Profession des Autors geschuldet, der Umweltexperte und Professor der Rechtswissenschaften an der University of British Columbia ist. Er berät Regierungen wie z.B. von Kanada und Schweden in Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen. David Boyd lebt auf Pender Island in British Columbia.
Fazit:
Ein interessantes Buch, doch wegen des juristisch-lastigen Mittelteils kann ich nur 3 Sterne vergeben.
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