Der Text des vorliegenden Neusatzes folgt der Ausgabe von 1886.
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-947618-11-8
»Bei einer mir eignen Bedenklichkeit, ... welche in meinem Leben so früh, so unaufgefordert, so unaufhaltsam, so in Widerspruch gegen Umgebung, Alter, Beispiel, Herkunft auftrat, daß ich beinahe das Recht hätte, sie mein »A priori« zu nennen, – mußte meine Neugierde ebenso wie mein Verdacht bei Zeiten an der Frage Halt machen, welchen Ursprung eigentlich unser Gut und Böse habe. In der Tat ging mir bereits als dreizehnjährigem Knaben das Problem vom Ursprung des Bösen nach: ihm widmete ich, in einem Alter, wo man »halb Kinderspiele, halb Gott im Herzen« hat, mein erstes literarisches Kinderspiel, meine erste philosophische Schreibübung – und was meine damalige »Lösung« des Problems anbetrifft, nun, so gab ich, wie es billig ist, Gott die Ehre und machte ihn zum Vater des Bösen.« [Nietzsche in der Vorrede]
Kundinnen und Kunden meinen
3.0/5.0
Zitronenblau
3/5
10.02.2010
Buch (Taschenbuch)
"Lieber will noch der Mensch das Nichts wollen, als nicht wollen"
Die Genealogie ist hinlänglich rezeptiert und bekannt. Im Grunde handelt es sich hierbei nicht um eine Ethik, die fragt: was und wie - sondern warum? Nietzsche bildet eine Art soziologische und psychologische ("Jeder ist sich selbst der Fernste") Abhandlung aus, die auf die geschichtlichen Ursachen der Moral hinaus will: Am Anfang war der Wille - der Wille zur Macht! Nietzsche legt drei Unterhandlungen vor: im Wesentlichen werden in der ersten Unterhandlung Herrenmoral und Sklavenmoral (Ressentiment) besprochen, wobei derjenige, der sowohl Herr als auch Sklave SICH immer als gut und die ANDEREN als schlecht bezeichnet, sodass Gut und Böse zu relativen Begriffen (je nach Moral aktiv oder reaktiv) werden. In der zweiten Unterhandlung kristallisiert sich der Wille zur Macht heraus - durch die Korrelation mit den begriffen "Schuld aus dinglicher Schuld" und "schlechtes Gewissen". Jedoch fiel mir schwer, die Systematik zu erkennen: ist Moral eine Folge von Schuldgefühlen oder schlechtem Gewissen? Oder sind beide eine Folge einer Moral? Einen psychoanalytisch interessanten Satz sehe ich in: "[...] das Leiden des Menschen am Menschen, an sich: als die Folge einer gewaltsamen Abtrennung von der thierischen Vergangenheit, eines Sprunges und Sturzes gleichsam in neue Lagen und Daseins-Bedingungen, einer Kriegserklärung gegen die alten Instinkte, auf denen bis dahin seine Kraft, Lust und Furchtbarkeit beruhte." Das erinnert mich an Schellings notwendiger Bosheit des Menschen, der aus der Finsternis des Schoßes geboren wurde. Freilich sollte man hier sehr vorsichtig sein, wenn man auf der Suche nach Wahrheit ist. Die dritte Unterhandlung thematisiert das Ideal der Askese, das alle die "praktizieren" (wohl eher: "denken", denn "Ein verheiratheter Philosoph gehört in die Komödie"), die sich vom Machtwillen abwenden mit einem Nein. U.a. (teilweise ästhetischen Ausführungen ?) erklärt er dadurch auch den Nihilismus, denn da Nicht-Wollen schlechterdings unmöglich ist, Wille immer ist, entschließt der Mensch sich kurzerhand zum Nichts-Wollen. Letztlich wird - anders noch als m.E. bei Schopenhauer - das asketische Ideal als verderbend eingeschätzt. Dessen eingedenk nun bleibt (für mich jedenfalls) das Fazit offen. Sollen wir Zarathustra fragen? Wahrscheinlich... Irgendwo da muss die "neue Moral" zu finden sein.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.