Ein Gerücht, dessen böse Kraft bis in die Gegenwart reicht Eine russisch-jüdische Familie flieht von Ost nach West, von Moskau über Prag nach Hamburg und Zürich. Der Großvater des inzwischen in Berlin lebenden Erzählers wurde Opfer eines großen Verrats, einer Denunziation, und 1960 in der Sowjetunion hingerichtet. Unter Verdacht: die eigene Verwandtschaft. Eine Erzählung über sowjetische Geheimdienstakten, über das tschechische Kino der Nachkriegszeit, vergiftete Liebesbeziehungen und die Machenschaften sexsüchtiger Kultur-Apparatschiks - und zugleich über das Leben hier und heute, über unsere moderne, globalisierte Welt, in der fast niemand mehr dort zuhause ist, wo er geboren wurde und aufwuchs.
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Großartig
David Krieger aus Linz am 12.03.2019
Bewertungsnummer: 332109
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein sehr interessanter Familienroman, der die bedrückenden Lebensverhältnisse im ehemaligen Ostblock auf den Punkt bringt. Maxim Biller schreibt scharfsinnig und sprachlich ausgefeilt, verschiedene Perspektiven sowie Schauplätze erzeugen Spannung.
Hat mir gut gefallen!
Die Geschichte einer russisch/jüdischen Familie und ihr Geheimnis
Bewertung aus Ludwigshafen am 20.01.2019
Bewertungsnummer: 1165863
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte einer russisch/jüdischen Familie und ihr Geheimnis
Eine interessante und spannende Familiengeschichte der Familie Biller
Sechs Koffer
Maxim Biller
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.08.2018
ISBN 9783462050868
Genre: Romane
Inhaltsangabe zu "Sechs Koffer" (übernommen)
Eine berührende Familiengeschichte – und ein virtuoser literarischer Kriminalroman von großer politischer Aktualität.
In jeder Familie gibt es Geheimnisse und Gerüchte, die von Generation zu Generation weiterleben. Manchmal geht es dabei um Leben und Tod. In seinem neuen Roman erzählt Maxim Biller von einem solchen Gerücht, dessen böse Kraft bis in die Gegenwart reicht. 'Sechs Koffer' – die Geschichte einer russisch-jüdischen Familie auf der Flucht von Ost nach West, von Moskau über Prag nach Hamburg und Zürich – ist ein virtuoses literarisches Kunststück. Aus sechs Perspektiven erzählt der Roman von einem großen Verrat, einer Denunziation. Das Opfer: der Großvater des inzwischen in Berlin lebenden Erzählers, der 1960 in der Sowjetunion hingerichtet wurde. Unter Verdacht: die eigene Verwandtschaft. Was hier auf wenig Raum gelingt, sucht seinesgleichen in der deutschen Gegenwartsliteratur: eine Erzählung über sowjetische Geheimdienstakten, über das tschechische Kino der Nachkriegszeit, vergiftete Liebesbeziehungen und die Machenschaften sexsüchtiger Kultur-Apparatschiks. Zugleich ist es aber auch eine Geschichte über das Leben hier und heute, über unsere moderne, zerrissene Welt, in der fast niemand mehr dort zu Hause ist, wo er geboren wurde und aufwuchs. 'Sechs Koffer' ist ein Roman von herausragendem stilistischen Können, elegantem Witz und einer bemerkenswerten Liebe zu seinen Figuren: Literatur in Höchstform – und spannend wie ein Kriminalroman.
Meine Meinung:
Wer hat den Großvater, Schmil Biller, den Taten (jiddisch Tate = Vater) denunziert, als er 1960 von Moskau nach Tschechien mit Dollar im geheimen Versteck reisen will um seinem Sohn Sjoma und dessen Ehefrau Rada zur Geburt des Enkels ein Auto kaufen will. Er wird wegen Devisenschmuggels verhaftet und wenig später hingerichtet. Das komische daran ist, dass er bereits 1958 an der Einreise in die Tschechei gehindert wurde, da er u.a. 400 englische Pfund, 3 goldene Armbanduhren von Omega und einige andere Dinge bei sich hatte. War er es vielleicht selber?
Dima der 1960 kurze Zeit später am Prager Flughafen wegen Devisenschmuggels 700 Dollar in einer Filmdose und Republikflucht verhaftet wird, kommt für 6 Jahre ins Gefängnis.
Im Grunde genommen kann es jeder sein. Seine 4 Söhne Wladimir, Lev, Sjoma und Dima, aber auch Natalia die Ehefrau von Dima und frühere Freundin von Sjoma. Zu dieser Zeit leben Sjoma und Dima in der CSSR, Wladimir in Rio/Brasilien und Lev in Berlin.
Sechs Koffer bezieht sich auf die Verdächtigten und ein Kapitel ist Allgemein. Der Ich-Erzähler (Maxim Biller) macht sich bereits im Alter von 5 Jahren Gedanken und die Suche dauert bis 56 Jahre. Seine Suche verläuft nicht chronologisch, aber das stört das Lesevergnügen nicht. Er bringt auf diesen 200 Seiten verschiedene Eindrücke unter, zum Beispiel, dass weder Russland noch die CSSR die Juden haben will, dass Natalia als Regisseurin ihren Film Hanka Zweigova nur mit Mühe hat zu Ende drehen können, da die Filmindustrie frauenfeindlich eingestellt war. Auch war die Mutter des Erzählers Rada ihr Leben lang eifersüchtig auf Natalia. Sie warf ihr vor: „Wie kann ein Mensch nur so glücklich sein, der Theresienstadt überlebt hat, aber auf dem Weg dorthin seine Schwester für immer verloren hat.“
Familiengeheimnisse gibt es in vielen Familien. Hier steht aber nicht der Verrat im Mittelpunkt, sondern das Vertrauen. Kann ich dem Anderen vertrauen.
Das Buch beginnt mit einem Zitat von Berthold Brecht: „Der Pass ist der edelste Teil von einem Mensch.“ Es drückt aus, wo ein Mensch geboren ist, wo er jetzt wohnt und wohin er reisen darf. Denn kaum einer lebt heute da, wo er geboren ist. Auch die Familie Biller war auf der Flucht von Moskau über Prag nach Berlin, Hamburg, London, Zürich, Montreal und Brasilien.
Ich bin auf diesen Roman in dem Zeit Newsletter „Was für ein Tag“ und die Short-List bei Lovelybooks aufmerksam geworden.
Fazit:
Maxim Biller hat einen wundervollen Roman geschrieben, in dem er scheinbar alles von sich und den Seinen erzählt – und am Ende doch nichts wirklich verrät. Ich war einfach nur begeistert.
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