Es waren einmal drei Geschwister, die lebten arm, aber glücklich mit ihren Eltern in Marseille. Doch eines Tages kommt ihr Vater unter ungeklärten Umständen zu Tode, woraufhin sie Besuch von einer geheimnisvollen Dame erhalten, die ihnen einen magischen Würfel schenkt. Die Jahre ziehen ins Land. Dann wird ihre Mutter unrechtmäßig ins Gefängnis gesperrt. In seiner Verzweiflung wirft der Älteste der Drei den Würfel, und die Fremde kehrt zurück! Sie stellt sich als Aristophania Bolt vor, und sie lädt die Geschwister ein, mit ihr im Königreich Azur zu leben, einem magischen Ort voller Wunder.
Während Mary Poppins die Kinder eines wohlhabenden Bankiers besuchte, hat Aristophania ein Herz für jene, die in der Lotterie des Lebens ein schlechteres Los gezogen haben. Xavier Dorison erzählt ein Märchen voller Fantasie und Tragik, mit viel Herz und einem Schuss Sozialkritik.
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Ein wundervoller Reihen-Auftakt mit viel Magie, aber auch vielen düsteren Momenten
books and phobia aus Halle am 07.06.2020
Bewertungsnummer: 1337752
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Schon als ich das Cover auf der Verlagsseite sah, war es um mich geschehen. Es wirkte so herrlich magisch und farbintensiv. Als ich dann aber die Kurzbeschreibung dazu las, war meine Neugier vollends geweckt. Denn statt Freude und Heiterkeit erwartete mich hier eher Traurigkeit und Verlust. Ich war gespannt, was mich hier erwarten würde.
Als ich das Buch dann in meinen Händen hatte, war von wieder weglegen nicht einmal die Rede. Ich las es in einem Stück, da mich die Welt, die Zeit und besonders die Geschehnisse einfach nur emotional packten. Besonders die Behandlung gegenüber weniger gut betuchten Menschen war dabei ein großes Thema und wurde mit sehr ehrlichen Bildern auch so gezeigt. Egal ob Wohnquartiere oder Arbeitsstellen schön war anders. Das dann die Polizisten nur aufseiten der Mächtigen stand, war da kaum noch verwunderlich.
Was sehr düster und traurig klingt, ist aber leider eine Wahrheit die wir seit Jahrhunderten mit uns herumtragen. Wer Macht hat, will sie behalten und Geld regiert ja bekannterweise eh die Welt. In der Geschichte fand ich mich in Marseille wieder und lernte dabei 3 Kinder und ihre Mutter kennen. Ein schönes Gespann, das mir besonders dadurch gefiel, das die Kinder unterschiedliche Persönlichkeiten und Leidenschaften hatten. Der Älteste stand für seine Geschwister ein, der Mittlere besuchte die Schule und liebte Bücher und das kleine Mädchen strotze einfach noch vor Hoffnung, das ihre Brüder alles gut werden ließen.
Die Mutter spielte in dem Ganzen auch eine große Rolle, da sie ein Opfer der oben erwähnten polizeilichen Übergriffe wurde. Bis jetzt klingt wirklich noch alles sehr hart, aber es verdeutlichte mir noch einmal das Themen wie Mobbing, Gewalt gegenüber Schwächeren oder Korruption keine neuzeitlichen Probleme sind.
Doch genug von dem vielen schlechten. Sowohl am Anfang als auch im weiteren Verlauf des Buches lernte man schließlich Aristophania Bolt kennen. Die ältere Dame, welche auf den ersten Blick zwar edel aber doch eher schwach wirkte, umgab ganz klar ein Geheimnis. Schnell zeigte sich das sie Magie beherrschte, welche aus einem Reich namens Azur kam. Ein paar Informationen gab es dabei schon, aber weiten noch nicht alles. Um so mehr ist mein Interesse geweckt worden, denn ich möchte unbedingt wissen wie es mit Aristophania, den Kindern und dem Reich Azur weitergeht.
Der Auftakt dieser Reihe hätte nicht spannender beginnen können. Neben einer Menge sozialkritischen Themen und der passenden Darstellung von ihr, gab es dann auch die magischen Momente, welche dem Ganzen die Düsternis nahmen. Die Illustrationen waren einfach nur wunderschön und sehr detailliert und erzeugten zusammen mit den stimmigen Dialogen eine packende Geschichte, bei der ich gespannt bin, wo sie mich hinführt.
Düster und phantasievoll
SternchenBlau am 27.11.2024
Bewertungsnummer: 2351504
Bewertet: eBook (PDF)
Märchen beginnen mit "Es war einmal" und sie spielen oft in den Hütten der Armen. "Aristophania" nimmt aber die Armut des neugeborenen 20. Jahrhunderts in Form einer Stahlfabrik. Dort arbeitet Clément, wie sein Sohn im Rückblick erzählt. Der Vater wird ermordet, als er eine alte, noble Dame beschützt, mit der er in einer Art Geheimbund ist. Die Mutter lehnt deren Hilfe ab, und so bleibt den drei Kindern nur ein magischer Würfel, der aber sehr lange nicht gewürfelt wird, um Hilfe zu holen.
Im Hintergrund läuft ein Kampf Gut gegen Böse, obwohl die noble Dame – Aristophania – nie so eindeutig gut ist. Zu viel verheimlicht sie und so sind wir am Ende dieses ersten von vier Bänden nicht so viel schlauer, was diese Hintergründe sind. Trotzdem bin ich der Geschichte sehr gerne gefolgt, weil er nicht nur Exposition, sondern auch einiges an Spannung bietet. Das Kinderensemble ist vielschichtig, schon durch die unterschiedlichen Altersstufen und sie lassen sich von Aristophanias Regeln nicht ins Bockshorn jagen. Die Graphic Novel zeigt die Armut der Arbeiterschaft zu dieser Zeit und auch die berechtigte Wut, die zu Streiks führte – sowie eine Staatsmacht die mit Gewalt dagegen vorging. Leider sind Streikrechte weltweit bedroht, auch in Deutschland werden immer wieder Rufe laut, das Streikrecht einzuschränken. Da ist ein – grafischer – Blick, warum dieses Recht so wichtig ist, umso wichtiger. Die Gewalt wird aber nicht übertrieben dargestellt und so habe ich meinem 12jährigen Sohn, der das Cover total spannend fand, ebenfalls zu lesen gegeben. Er war ebenfalls von der Geschichte angetan und wir möchten beide mit den nächsten Bänden weiterlesen.
Gefallen hat uns beiden auch der Umgang mit den Farben: Die Graphic Novel ist zurückhalten kolloriert, die düsteren Szenen mit Braun- und Blautönen, die fröhlicheren mit Grün und Gelb. Die Natur um Aristophanias Schloss wird so wirklich zu einem Gedicht.
Wir vergeben 4 von 5 Sternen.
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