Kompetenz in Lebensmittelchemie erfordert fundiertes Wissen über Aufbau, Zusammensetzung und Herstellung der Lebensmittel sowie über deren mögliche Veränderungen. Das Lehrbuch stellt eine Sammlung relevanter Fakten und Informationen mit Formeln, Abbildungen und Tabellen bereit. Es bietet eine prägnante Übersicht über das gesamte Gebiet der modernen Lebensmittelchemie. Sein Ziel ist es, dazu beizutragen, Reaktionen und chemische Umwandlungen von Lebensmittelinhaltstoffen zu verstehen, unerwünschte Stoffe in Lebensmitteln zu identifizieren und entsprechende Minimierungsstrategien entwickeln zu lernen sowie Lebensmittel hinsichtlich ihrer Qualität und ihren Sicherheitsbelangen beurteilen zu können. Neu aufgenommen wurden Kapitel zur Lebensmittelsicherung, Lebensmittelreformulation und Lebensmitteltoxikologie sowie beispielsweise die aktuell diskutierten Themen Zucker ohne Kalorien, Mineralölkomponenten MOSH/MOAH, Tropanalkaloide, Glycoalkaloide, Opiumalkaloide, Calystegine und dergleichen mehr. Die Weiterentwicklung des Buches basiert zum einen selbstverständlich auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, trägt zum anderen zunehmend aber auch den gesellschaftlichen Veränderungen in Bezug auf die Wahrnehmung von Lebensmitteln und Ernährung Rechnung.
Dieses Buch richtet sich gleichwohl an Professionale sowie Studierende der Lebensmittelchemie, Lebensmitteltechnologie und Ernährungswissenschaften sowie anderer Life Sciences. Lebensmittelchemisch arbeitende Einrichtungen der Wirtschaft, Behörden und Hochschulen finden hier ein modernes Arbeits- und Nachschlagewerk auf dem Höhepunkt seiner Zeit.
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Lehrbuch mit vielen Fehlern und didaktischen Unzulänglichkeiten
Bewertung am 07.09.2020
Bewertungsnummer: 1373406
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Höchst erstaunlich, dass noch in der 9. Auflage dieses Lehrbuchs viele Fehler und didaktische Unzulänglichkeiten vorzufinden sind und dies bei einem Wissenschaftsverlag wie SPRINGER. Zur Illustration soll im Folgenden eine Auswahl davon vorgestellt werden und zwar lediglich aus dem Kapitel "Lipide" und mit Augenmerk hauptsächlich auf die Chemie.
S. 144, 7. Zeile: Die Anzahl der in der Natur vorgefundenen Fettsäuren ist viel grösser als 200 (vgl. dazu F. Gunstone, "The Lipid Handbook", Taylor & Francis, 2007). Wenn schon eine Zahl angegeben wird, sollte diese mindestens auf einem neueren Stand sein.
S. 145, unteres Drittel, sn (stereochemical numbering): "Danach tragen die C-Atome mit primären OH-Gruppen die Nummern 1 bzw. 3, während das mittelständische C-Atom die Position 2 darstellt." Das Konzept der stereospezifischen Nummerierung wird hier nicht nur unvollständig, sondern auch falsch erklärt. Es müsste heissen: "Wenn in der Fischer-Projektionsformel die OH-Gruppe an C(2) links liegt (Konvention!), dann erhält das obere C-Atom die Nummer sn-1". Eine Veranschaulichung mit den Formeln z.B. der beiden enantiomeren Glycerinphosphaten sn-Glycerin-1-phosphat und sn-Glycerin-3-phospat würde dann zusätzlich zu einem besseren Verständnis dieser speziellen Nomenklatur beitragen.
S. 146, Tab. 7.1, unterste 2 Fettsäuren: Unter "Fettsäuren mit mehreren Doppelbindungen" wären als Beispiele für Fischöl-Fettsäuren die ernährungsphysiologisch wichtigen Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) viel relevanter gewesen als die Clupanodonsäure und die Nisinsäure. Die entsprechenden Formeln von EPA und DHA wären dann erst noch in Abb. 7.5 zu finden. Ausserdem ist der Name Clupanodonsäure veraltet und sollte nicht mehr verwendet werden.
S. 147, Abb. 7.2: Das Schema ist zu klein dargestellt; die Namen der Verbindungen sind kaum lesbar.
S. 149/150, Abb. 7.3 u. 7.4: Zu den Fettsäuremustern wichtiger Pflanzenfette und wichtiger tierischer Fette hätte ich die Angabe der Quelle erwartet. Je nach Quelle können nämlich diese Werte (Bereiche) zum Teil nicht unerheblich voneinander abweichen. Vgl. dazu die höchst empfehlenswerte Monographie von S. Krist, "Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle", Springer, 2013.
S. 151, zweitunterste Zeile: Plötzlich taucht hier der Begriff "Omega-6-Fettsäuren" auf. Die Omega-Nomenklatur wird auch ohne Kommentar in Abb. 7.4. ("Wichtige essenzielle Fettsäuren") verwendet. Bisher wurde aber immer die chemische Nomenklatur (vgl. Tab. 7.1) gebraucht. Hier sollten diese beiden unterschiedlichen Nummerierungsweisen erläutert werden und es wäre auch nützlich gewesen zu erfahren, warum die Biochemie die Omega-Nomenklatur bevorzugt bzw. was der Vorteil dieser Nomenklatur ist. Damit können nämlich Fettsäuren zu biochemisch verwandten Omega-Fettsäurefamilien zusammengefasst werden.
S. 151, Abb. 7.4: Die C-Nummerierung in der Formel für die Arachidonsäure ist falsch.
S. 160, 12. Zeile von unten: "Trans-Fettsäuren werden mittels Infrarot-Spektroskopie identifiziert und quantitativ bestimmt." Hier müsste unbedingt auch die Gaschromatographie erwähnt werden, welche für die Quantifizierung von trans-Fettsäuren eine ebenso wichtige, wenn nicht eine noch wichtigere Rolle spielt.
S. 168, Abb. 7.16: Die obere Formel ist nicht Xanthophyll, sondern stellt ein Vertreter der Gruppe der Xanthophylle dar, nämlich Zeaxanthin. Und auch dies nur dann, wenn in der Formel noch jeweils die entsprechende absolute Konfiguration der beiden OH-Gruppen wiedergegeben wird.
S. 171/172, Abb. 7.19-7.21: Vollständige Formeln von Glyceriden sind zur Darstellung von Umesterungsreaktionen ungeeignet, weil unübersichtlich. Geeigneter wären vereinfachte Schreibweisen mit den Einbuchstabenabkürzungen für die einzelnen Fettsäuren, wie dies in der Fettchemie allgemein üblich ist. Dasselbe gilt auch für die Darstellung der drei diastereomeren Triglyceride in Abb. 7.3 (S. 148).
S. 176, drittunterste Zeile: Ungesättigte Fettsäuren können eben nicht durch Luftsauerstoff mehr oder weniger leicht angegriffen werden. Zuerst muss ein Fettsäureradikal gebildet werden, das dann mit Sauerstoff im Grundzustand reagiert. Zum Glück wird dies dann auf S. 177/178 doch noch mehr oder weniger gut erläutert. Wie man sich die Bildung der Fettsäureradikale im Lebensmittel vorstellt, wird jedoch nicht erwähnt.
S. 177, Photooxidation: In diesem Abschnitt kommt leider nicht zum Ausdruck, was genau Photooxidation ist und wie sich die Photooxidation von der Autoxidation (vgl. oben) unterscheidet. Der Unterschied besteht nämlich darin, dass bei der Photooxdation angeregter Sauerstoff (entstanden durch Photosensibilisierung) direkt mit der ungesättigten Fettsäure in einer En-Reaktion reagiert. (Autoxidation: Sauerstoff im Grundzustand, Reaktion mit Fettsäureradikal.) Eine entsprechende Reaktionsgleichung zur En-Reaktion dürfte dann auch nicht fehlen.
Im Gegensatz zur Autoxidation ist die Geschwindigkeit der Photooxidation mehr oder weniger unabhängig von der Anzahl Doppelbindungen der Fettsäure. Als Beispiel für ein photooxidativ anfälliges Lebensmittel könnte Olivenöl extra vergine herangezogen werden, das als Sensibilisator Chlorophyll enthält (grünliche Farbe) und daher lichtgeschützt verpackt werden muss. (Zur Erinnerung: Olivenöl enthält als ungesättigte Fettsäure hauptsächlich die einfach ungesättigte Ölsäure.)
S. 180, Abb. 7.29: Die Doppelbindung der Ölsäure besitzt die cis-Konfiguration. In dieser Abbildung wird fälschlicherweise die trans-Konfiguration dargestellt.
S. 181, Abschnittsüberschrift "Verhinderung autoxidativen Fettverderbs": Die Autoxidation kann nicht verhindert, sondern nur verzögert werden.
S. 183, trans-Fettsäuren: In einem Lehrbuch der Lebensmittelchemie hätte ich erwartet, dass mittels Reaktionsgleichungen erklärt wird, wie diese in Lebensmitteln unerwünschten trans-Fettsäuren entstehen. Immerhin wird im Stichwortverzeichnis zu diesem Begriff auf 8 Seiten im Buch verwiesen.
S. 183, Abb. 7.32: Nach der Dimerisierung zum Radikal muss im nächsten Schritt (Ausbildung der Doppelbindung) nicht ein Proton (H+), sondern ein H-Atom (H-Radikal) abgespalten werden.
S. 184, Literaturverzeichnis: Die Auswahl der Literatur ist sehr einseitig. Obwohl dieses Lehrbuch "Lebensmittelchemie" heisst, wird keine einzige im eigentlichen Sinn lebensmittelchemische Arbeit zitiert. Mindestens zum autoxidativen Fettverderb, eine der wichtigsten und interessantesten lebensmittelchemischen Reaktionen überhaupt, hätte ich Zitierungen von einführender wie auch weiterführender relevanter Literatur erwartet.
Die 10. Auflage des „Lehrbuchs…
Bewertung am 10.08.2025
Bewertungsnummer: 2953423
Bewertet: Buch (Set mit diversen Artikeln)
Die 10. Auflage des „Lehrbuchs Lebensmittelchemie“ ist inhaltlich ein Schwergewicht: klar strukturiert, übersichtlich gegliedert und mit einer Fülle an Tabellen, Formeln und Abbildungen ausgestattet. Das Werk deckt die zentralen Themen der Lebensmittelchemie umfassend ab und eignet sich nicht nur für Studierende und Fachleute aus Lebensmittelchemie, -technologie und Ernährungswissenschaften, sondern bietet auch für Medizinerinnen und Mediziner eine wertvolle Ergänzung, etwa bei ernährungs- und lebensmittelbezogenen Fragestellungen. Neben diesen Stärken fallen beim genauen Lesen allerdings einige Punkte auf, die in einer zukünftigen Auflage verbessert werden könnten. Vor allem im Kapitel „Abkürzungen, Akronyme, Einheiten und Symbole“ und im Glossar finden sich kleinere, aber auffällige Ungenauigkeiten. Dazu gehören unpräzise oder uneinheitliche medizinische Begriffe („CJD-Syndrom“ statt -Krankheit, „linksventrikuläre Hypertonie“ statt -Hypertrophie), unvollständige Definitionen (etwa bei goitrogenen Stoffen oder Anosmie) sowie orthografische Inkonsistenzen („Kanzerogen“ vs. „Cancerogen“). Auch manche Tabellen sind durch verrutschte Einträge schwerer lesbar, was sich mit wenig Aufwand korrigieren ließe. Diese Schwächen sind nicht gravierend und beeinträchtigen den fachlichen Nutzen des Buches nicht grundsätzlich, vermitteln aber stellenweise den Eindruck, dass die Endkorrektur etwas unter Zeitdruck stand. Mit einer sorgfältigeren Überarbeitung der medizinischen Terminologie, einer Vereinheitlichung der Schreibweise und der Behebung kleiner Formatierungsfehler ließe sich das ohnehin schon sehr solide Werk weiter aufwerten. Insgesamt ist das „Lehrbuch Lebensmittelchemie“ ein empfehlenswertes Standardwerk, das inhaltlich fundiert, praxisnah und vielseitig einsetzbar ist. Für Fachleute wie auch für interessierte Mediziner bietet es eine hervorragende Grundlage – und mit ein wenig mehr Sorgfalt bei Detailfragen könnte es in der nächsten Auflage zu einer noch stärkeren Referenz in seinem Fachgebiet werden.
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