Unbedingte Lese- bzw. Hörempfehlung: spannend, berührend, toller Sprach- und Erzählstil
Bei manchen Büchern kann ich manchmal schwer nachvollziehen, warum diese sich nicht monatelang auf den diversen Bestsellerlisten wiederfinden, obgleich sie es mehr als verdient hätten. “Der Wintersoldat” von Daniel Mason gehört aus meiner Sicht dazu.
Das Buch ist historisch, medizinisch und kriegsgeschichtlich spannend zu lesen, niemals banalisierend oder pathetisch, dafür aber berührend und von tiefer Menschlichkeit geprägt. Der Sprach- und Erzählstil anspruchsvoll und trotzdem sehr gut lesbar. Die Hörbuchversion hervorragend gesprochen von Stefan Kaminsky. Ein Werk, an welches ich mich lange erinnern werde, in das ich sehr gerne eingetaucht bin und ausdrücklich weiterempfehlen kann.
NiWa
4/5
11.04.2020
Hörbuch-Download (MP3)
Ein Arzt im Ersten Weltkrieg
Lucius ist Medizinstudent in Wien, als der Erste Weltkrieg ausbricht. Um den Bedarf an medizinischem Personal zu decken, wird die Studienzeit verkürzt. Der frisch gebackene Arzt hofft auf ein gut ausgestattetes Lazarett, wo er von altgedienten Doktoren lernt. Allerdings landet er in einem abgeschiedenen Dorf in den Karpaten, wo außer ihm nur eine junge Nonne über medizinische Kenntnisse verfügt.
„Der Wintersoldat“ ist ein historischer Roman, der dem Leser die Zeit während des Ersten Weltkriegs - aus ärztlicher Sicht - näher bringt.
Nach wie vor sind Romane um den Ersten Weltkrieg relativ rar gesät, was zumindest im Vergleich zum Zweiten Weltkrieg gilt. Schon allein aus diesem Grund hat mich dieses Buch angesprochen, weil ich bisher wenig dazu gelesen habe.
Daniel Mason setzt dem noch eins drauf, indem er einem jungen Arzt die Hauptrolle überträgt. Daraus ergibt sich eine interessante Perspektive auf das Kriegsgeschehen, auf den ärztlichen Umgang mit den Verwundeten, die vorhergehende Ausbildung und die Bemühungen, Behandlungsmethoden und Therapien zu entwickeln.
Denn während des Ersten Weltkriegs haben sich zahlreiche neuartige Phänomene ergeben. Plötzlich galt es Kriegszitterer zu behandeln, mit Gesichtsprothesen zu dienen oder apathische Patienten zurück ins Leben zu holen. Diese grausigen Facetten sind plastisch dargestellt ohne zu sehr ins Detail zu gehen.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der Erste Weltkrieg mit allen Emotionen, die damit verbunden sind. Daniel Mason durchzieht seinen Roman mit einer sanften Liebe und dem Streben nach Erkenntnis, trotzdem lässt er die Wirren des Krieges nicht aus.
Der Erzählstil ist einnehmend. Zuerst kommt man in der Kaiserstadt Wien an, wo der Adel regiert und Lucius seinen Weg sucht. Dementsprechend bedient sich der Autor eines fröhlichen Tons, der mit weiterem Verlauf unheilvoller und verzweifelter wird.
Die Handlung ist fesselnd und der Spannungsbogen hält. Gerade zu Beginn habe ich mich im damaligen Wien wohlgefühlt, es war interessant, sich umzusehen und die medizinische Universität zu erkunden. Lucius Bemühungen stehen im Vordergrund, und dann begleitet man ihn zu seinem Dienst, wo er erstmals als richtiger Arzt praktiziert. Hier trieb es Lucius genauso wie mir den Schweiß auf die Stirn, weil der junge Mann bis dahin kaum ein Skalpell gehalten hat. Zum Glück steht ihm Krankenschwester Margarete zur Seite, von der er sich nicht nur in beruflicher Hinsicht etwas abschaut.
Nach gut drei Vierteln sackt die Anspannung ab und Stagnation macht sich in der Geschichte breit. Hier empfand ich einen Knick, der erst im nachhallenden Abschluss aufgefangen wird. Das Ende bringt leichte Gänsehaut und Bedauern für eine ganze Generation. Ich habe es als authentisch empfunden, und denke, dass zur damaligen Zeit viele Geschichten auf diese Weise ausgegangen sind.
Alles in allem ist „Der Wintersoldat“ ein einnehmender historischer Roman, der sich mit dem Leben im Schatten des Untergangs der österreichischen Monarchie auseinandersetzt. Der Krieg zeigt grausige Gesichter, die dennoch Liebe und Hoffnung nicht vollends verschrecken.
LizzyCurse
5/5
25.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen Grausam- und Barmherzigkeit
Wie soll ich ein Buch beschreiben, das mir nahe ging, das so viel Grausamkeit und so viel Nächstenliebe in sich vereint? An das ich nach der letzten Seite nur einen einzigen heftigen Wunsch richte? Ich weiß es nicht - Die folgenden Zeilen werden mein Versuch sein.
Lucius, ein hochbegabter Wiener Medizinstudent meldet sich beim Ausbruch des 1. Weltkrieges freiwillig als Sanitätsoffizier und landet in den Karpaten, wo ihm Schnee und Kälte und die Nonne Margarete entgegen wehen. Gemeinsam machen sie sich an die blutige Arbeit, Menschenleben zu retten. Als ein schwer traumatisierter Ungar in das Lazarett eingeliefert wird, begeht Lucius einen folgenschweren Fehler.
Nachdem ich Daniel Masons „Oben in den Wäldern“ gefeiert habe, war ich unglaublich gespannt, mich in diesem Buch zu verlieren. Es war anders, keine Frage. Mehr historisch, nicht so episodenhaft und nicht so manisch - dafür wankend auf der Schneide zwischen Grausam- und Barmherzigkeit.
Lucius ist ein Charakter, den ich sofort nachvollziehen konnte. Trotz dessen, dass er als Sonderling gilt, sucht er sich zielstrebig seinen Weg. Das, was er will - „Die Gedanken eines anderen Menschen sehen zu können“ - gibt ihm Kraft und Auftrieb, trotz der Gräul des Krieges, die ihm immer wieder begegnen im Verlauf des Buches. Die mir immer wieder begegnen. Wer da keinen starken Magen hat, dem würde ich das Buch nicht empfehlen. Es ist umso spannender zu verfolgen, wie Lucius sein Bücherwissen hinten anstellen muss, um von einer Nonne, die nicht mal die Namen der Muskeln und Sehnen kennt, zu lernen, wie man Amputationen vornimmt und Wunden näht. Besonders zu Beginn entbehrt „Der Wintersoldat“ nicht einer guten Prise Humor - natürlich sarkastisch serviert. Gerade dieser Humor zog mich förmlich in den Roman, der eigentlich so viel mehr ist als ein Kriegsroman.
Es geht um die Würdigung des Wissens, ganz gleich auf welche Art es erlernt wurde. Genauso werden grausame Fragen aufgeworfen, die eine Entscheidung sowohl von der Figur als auch vom Leser fordern. Vor allen Dingen Lucius wird dadurch mehr und mehr zur tragischen Figur. Letztendlich schließt sich auf den letzten Seiten ein Kreis, den ich so nicht erwartet hätte und mein Herz seufzen musste. Im Buch geht es genauso um eine zarte Liebe, die alles andere als kitschig ist, wie um die Suche nach Verlorenem und einer tiefen Sehnsucht.
Das Buch hat mich schlichtweg fasziniert. Daniel Mason nimmt einen mit auf eine Reise vom trubeligen Wien, seinen Hörsälen und Teestuben hinein in die unwirtlichen Karpaten, in denen man spürt wie die Kugeln durch die Luft schnellen, zurück in ein verändertes Wien. Diese Stimmungen, die er mit seinen Worten hervorruft, sind so differenziert, das sie mich Schauplatzwechsel um Schauplatzwechsel kalt erwischt haben.
Wichtig und schön kommt der Roman daher. Ich habe ihn sehr genossen.
Juliane
aus Potsdam
5/5
08.02.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großartig!
Ein unglaublich toller, bewegender Roman. Ich habe mich direkt in die Geschichte und die Charaktere verliebt, konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Der Autor zeichnet die Geschichte, die Erlebnisse unglaublich gut, man kann sich in die Handlung hineinversetzen und das Buch kaum aus der Hand legen. Absolute Empfehlung!
Bewertung
5/5
06.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wien 1914: Lucius weiß nicht so recht, wohin mit sich und seinem fortgeschrittenen Medizinstudium. Der Ausbruch des Weltkrieges scheint ihm die Chance zu sein, sein medizinisches Können unter Beweis zu stellen. Er landet in einem Bergdorf in den Karpaten, dessen Lazarett von einer resoluten Krankenschwester betreut wird. Zwischen Amputationen im Akkord und immer widrigeren Umständen nähern die beiden sich an. Der Autor ist ein großartiger Erzähler, von den Familienrunden an der heimischen Kaffeetafel bis zu den blutigen Operationen im Feld: Man will seinen detailreich geschilderten Szenen gerne folgen. Lesen lohnt!
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5/5
06.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Im Winter 1914 meldet sich der Medizinstudent Lucius zum Lazarettdienst. Man schickt ihn in die Karpaten. Dort arbeitet er ohne Operationserfahrungen unter Anleitung von Margarete, einer Ordensschwester, in einer zum Behelfslazarett umgebauten Kirche. Als ein traumatisierter, aber äußerlich unverletzter Soldat eingeliefert wird, findet er ein Heilmittel. Jedoch soll dieser Soldat gleich wieder an die Front. Als Lucius sich als Arzt dagegen stellt, hat das katastrophale Folgen für den Patienten, Margarete und ihn. In diesem sprachgewaltigen Roman geht es um Heilung, Liebe, Hoffnung und Sühne.
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