Die Spurensuche nach seinem Vater wird für Edvard zur Suche nach dem eigenen Glück. Er begibt sich auf eine Reise hoch in den Norden Norwegens. Es ist die Reise seines Lebens.
Nach dem Tod seiner Mutter entdeckt Edvard ein Sparbuch auf seinen Namen. Ein kleines Vermögen hat sich angesammelt. Warum hat seine Mutter ihm das Sparbuch verschwiegen? Steckt vielleicht sein vor 50 Jahren verschwundener Vater dahinter? Jetzt will Edvard die Wahrheit wissen und eine erste Spur führt ihn zu einer Bank in Oslo. Auf der Überfahrt lernt er die junge Berliner Journalistin Alva kennen. Auch sie ist auf der Suche - nach sich selbst.
Eine Reise durch Fjorde, Gebirge, einsame Hochebenen und magische Orte beginnt, die beide für immer verändert.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Bewertung
aus Magdeburg
5/5
03.02.2021
eBook (ePUB)
"Glück bekommt man nicht geschenkt"
Edvard, der nach dem Tod seiner Mutter und dem Fund eines gut gefüllten Sparbuches seinen verschwundenen Vater finden will, trifft auf der Überfahrt die junge Alva, die mit ihrem Leben etwas orientierungslos zu sein scheint. Was will sie tun, wo will sie hin? Kann sie ihrer kleinen Tochter eine gute Mutter sein oder ist sie damit heillos überfordert? Alva hat noch viel mehr Fragen ans Leben als Edvard, der sich mit seinen 60 Jahren überraschend auf einen Weg macht, an den er überhaupt nicht gedacht hat. In einer zarten, gefühlvollen und mitunter poetischen Sprache erzählt Alexander Häusser behutsam die Suche der beiden etwas sonderbar erscheinenden, aber durchaus sympathischen Protagonisten nach Antworten und nach sich selbst. Die wunderbare Landschaft Norwegens, die stillen Fjorde und Hochebenen, fernab von allem Lauten, bilden hierfür die Kulisse. Die Landschaft hätte meiner Meinung nach noch etwas präziser beschrieben werden können, jedoch steht hier ja die Suche der beiden Protagonisten im Vordergrund. Diese ist hervorragend und nachvollziehbar gelungen. Nach der Rückkehr der beiden sind sie verändert - und das lässt hoffen.
Alexander Häusser, Jahrgang 1960, lebt mit seiner Familie in Hamburg. Er hat Germanistik, Philosophie und Geschichte studiert.
Fazit: ein sehr berührender und eindringlicher Roman
Bewertung
1/5
16.03.2026
eBook (ePUB)
Nicht mein Geschmack
Die Geschichte hörte sich in der Vorschau und den Bewertungen gut für mich an, deshalb habe ich es auch bis zum Schluß gelesen. In der Erwartung, dass irgendetwas geschieht, dass ich für mich als "rund" oder "schön" bezeichnen kann. Der Ausflug in die Landschaft Norwegens war kurz angekratzt, aber für mich nicht ausreichend. - Keine Empfehlung für Unterhaltung -
Constance Heimann
aus Halle an der Saale
5/5
25.07.2024
Buch (Taschenbuch)
Wie das Reisen verändert
Edvard sucht sein ursprüngliches Glück in der Weite Norwegens. Wird die Tour zur Reise seines Lebens? Als Leserin fühle ich mich sehr verwoben mit der erzählerisch zärtlichen Bildsprache, die Alexander Häusser in seinem Roman spricht.
Ein Sparbuch auf Edvards Namen scheint zum Kompass zu werden. Auf der Spur nach der Wahrheit, nach dem Selbst. Der Charakter der jungen Journalistin Alva wirkt sehr sympathisch auf mich. Magische Orte und ihre Dialoge ziehen mich in den Bann. Als würden beide Personen und der Autor mich mitnehmen in eine Sehnsucht nach Halt und Zugehörigkeit.
Am Tag nach Edvards 10. Geburtstag war sein Vater, ein Trödelhändler, wie gewohnt zu einer seiner Geschäftsreisen aufgebrochen, aber dieses Mal nicht zurückgekehrt. Er sei tot, hatte die Mutter gesagt und ab diesem Zeitpunkt war Edvard der Mann im Haus.
„Ich habe nur noch dich“, mit diesen Worten hatte die Mutter den Sohn an sich gekettet und so wurden „ die Frau ohne Mann und der Junge ohne Vater ... zu einer verschworenen Gemeinschaft.“
Auch später, als Edvard sich in Elsie, ein Mädchen aus dem Dorf, verliebte, konnte er sich nicht von seiner Mutter lösen. Daran ist letztlich die Beziehung zu Elsie zerbrochen.
Nach dem Tod der Mutter stößt der über 60jährige Edvard auf ein Sparbuch, auf das Jahrzehnte lang von Norwegen aus Geld eingezahlt wurde. Warum hat die Mutter die Existenz des Geldes verschwiegen, Geld, das sie notwendig hätten brauchen können? Ist der Vater womöglich garnicht gestorben, sondern lebt in Norwegen?
Kurz entschlossen hebt Edvard das ganze Geld ab und macht sich auf den Weg nach Oslo, um seinen Vater zu suchen. Mit im Gepäck hat er zwei alte Photos; eines zeigt seinen Vater in Wehrmachtsuniform, das andere ist das Bild einer jungen Frau.
Auf dieser Reise begegnet Edvard Alva, eine Frau Anfang Dreißig. Sie ist freiberufliche Journalistin und zu Recherchezwecken unterwegs, auf der Suche nach magischen Orten.
Auch Alva schleppt einen Packen an Problemen mit sich. Ihr Job ist schlecht bezahlt und reicht kaum für das Notwendigste. In ihrer Rolle als Mutter fühlt sie sich völlig überfordert. Vom Vater der 5jährigen Tochter lebt sie getrennt. Schon als Kind begreift sie sich als ungeliebt und zurückgesetzt. Zwischen sich und ihrer Umwelt gibt es eine Scheibe, die sie von allen trennt.
Diese beiden so ungleichen Menschen treffen aufeinander und werden, nach diversen Schwierigkeiten und Missverständnissen, die Reise gemeinsam fortsetzen.
Edvard sieht sich in der Vaterrolle verantwortlich für die unberechenbare, junge Frau und Alva kann ihre Qualitäten als Journalistin einsetzen. Sie weiß, wie und wo man suchen muss, um Näheres über Edvards Vater herauszufinden. Die alten Photos verweisen in die Vergangenheit, die deutsche und die norwegische, die miteinander verbunden war.
Am Ende sind nicht alle Rätsel gelöst, nicht alle Fragen beantwortet. Doch Edvard und Alva kehren verändert von dieser Reise zurück. Edvard kann seinen Frieden machen mit der Vergangenheit, mit seinen Eltern und muss erkennen, dass er selbst Schuld trägt an seinem ungelebten Leben. „ Er hätte ein eigenes Leben haben können. ... Vielleicht war es nur Angst gewesen. Aber man kann auch tun, wovor man Angst hat. Es muss ja nicht leicht sein.“
Und Alva kann sich annehmen, so wie sie ist. „ Und sie dachte: ich muss nicht mehr suchen, was ich brauche. Ich brauche mich.“
Der melancholische Grundton vom Anfang tritt zurück und der Autor entlässt den Leser mit einem Hoffnungsschimmer, denn beide Figuren haben
„ noch alle Zeit“ der Welt, um ihr Leben neu zu justieren.
Alexander Häusser entwickelt seine Geschichte anfangs in zwei parallelen Handlungssträngen, bis beide zusammenlaufen. Er erzählt chronologisch, aber in die Geschehnisse eingebettet sind zahlreiche Rückblenden, Erinnerungen und Reflexionen. Das ist alles äußerst kunstvoll miteinander verwoben. Immer wieder gibt es auch kleine, scheinbar nebensächliche Szenen, die in ihrer Parallelität auf die Veränderungen der Protagonisten hinweisen.
Dabei geht der Autor sehr bewusst mit Sprache um. Da passt jedes Wort, der Rhythmus der Sätze. Für die Natur und die Seelenzustände der Figuren findet er stimmige und ungewöhnliche Bilder und Metaphern. ( So z.B. werden Assoziationen ausgelöst von den Pflanzen auf dem Grab der Mutter zu ihrem Gesicht. „ Winterhart. Er sah ihr Gesicht, ihre Lippen, die in den Jahren so dünn geworden waren und ganz ohne Farbe, als hätten sie sich zurückgezogen, kapituliert vor all dem Ungesagten,...“)
Im zentralen Teil der Geschichte bildet die beeindruckende Landschaft Norwegens die Kulisse. Auch die Sagen- und Mythenwelt sowie die leidvolle Geschichte des Landes fließen in das Buch ein.
Es geht im Roman um das komplexe Beziehungsgeflecht von Eltern und Kinder, es geht um die Sprachlosigkeit und das Schweigen in Familien, um ungelebtes Leben und um die Liebe und den Preis, den man oft dafür zahlen muss.
„ Wer braucht denn Gründe für die Liebe? Liebe braucht kein „ weil“, sondern ein „trotzdem!“
„ Noch alle Zeit“ ist ein feinfühlig und ruhig erzählter Roman auf hohem literarischen Niveau, mit Charakteren, die lange im Gedächtnis bleiben. Es ist eines der Bücher, die man langsam genießen muss und mit Gewinn ein zweites Mal lesen kann.
Es hat es in die Reihe meiner Lieblingsbücher geschafft.
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