Ahlbeck, 1952: Gemeinsam mit ihren Töchtern Henni und Lisbeth führt Grete eine kleine Pension auf Usedom. Das Leben in der DDR ist nicht einfach für die drei Frauen. Dass sie ein eigenes Unternehmen führen, ist der Regierung ein Dorn im Auge.
München, 1992: Zwischen den Sachen ihrer Mutter Henni findet Caroline einen Brief, in dem es um die Rückeignung einer Villa auf Usedom geht. Noch nie hat Caroline von dem Anwesen gehört. Sie stellt ihre Mutter zur Rede, doch Henni will nicht über damals sprechen, und so beschließt Caroline, auf eigene Faust an die Ostsee zu fahren ...
- Ein Familienroman, der uns mitnimmt in einen Teil deutsch-deutscher Geschichte
- Ein Roman, der zeigt, wie wichtig es manchmal ist, Geheimnisse zu lüften, um die Wunden der Vergangenheit heilen zu lassen
»Eine gefühlvolle, echte und mitreißende Familiengeschichte.«
(Usedom Magazin, 25.11.2020)
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Biene
aus Hessen
5/5
09.06.2026
Buch (Taschenbuch)
interessante Familiengeschichte
Die Handlung spielt in Ahlbeck auf Usedom und erzählt die Geschichte von Grete, die mit ihren zwei Töchtern die kleine Pension "Ostseeperle" in der DDR führt.
Die Kapitel wechseln zwischen den Frauen der Geschichte hin und her, wobei wie gesagt die beiden Töchter Henni und Lisbeth die eigentlichen Hauptpersonen sind. Grete selbst hofft, dass ihr Mann aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause kommt und geht jeden Tag zum Bahnhof. Trotz der Entbehrungen in der Nachkriegszeit führen sie gemeinsam die private Pension weiter.
Schon 1952 deutete immer mehr darauf hin, dass die Oberen der DDR-Regierung das Privateigentum nicht weiter tolerieren wollen.
Mich hat es fasziniert, aber auch schockiert, wie sich die Situation in der DDR im Winter 1953 zugespitzt hat.
Ahlbeck, 1952: Gemeinsam mit ihren Töchtern Henni und Lisbeth führt Grete die kleine Pension Ostseeperle auf Usedom. Doch ihr privates Unternehmen steht dem Aufbau des Sozialismus im Wege.
München 1992: Caroline (die Tochter von Henni) hilft ihrer Mutter beim Entrümpeln ihres Nähateliers und findet einen Brief eines Notars mit einem alten Foto. In dem Schreiben geht es um die Rückübertragung von Eigentum einer alten Villa. Caroline hat noch nie von der Villa gehört und stellt ihre Mutter zur Rede, doch diese schweigt. Kurzentschlossen fährt Caroline auf eigene Faust an die Ostsee, um das Puzzle ihrer Familiengeschichte zu vervollständigen.
Die Familiengeschichte ist mitreißend und berührend. Das "Damals" und "Heute" sehr gut aufgearbeitet und wurde den Lesenden nahe gebracht. Der Schreibstil ist verständlich und gut zu lesen. Es macht Lust auf weitere Bücher der Autorin.
Bewertung
5/5
17.09.2020
Buch (Taschenbuch)
Eine ostdeutsche Familiengeschichte
Kathleen Freitag, eine neue Autorin aus Berlin, hatte mit ihrem ersten Roman das Pech, dass er Ende März 2020 erschienen ist. Also genau in der Zeit, wo die Panik wegen des neuartigen Coronavirus am Größten war und die lokalen Geschäfte geschlossen wurden. Dadurch ist ihr Debüt mehr oder weniger untergegangen. Dazu kommt dann noch das Cover – eigentlich wunderschön, aber im Moment austauschbar, da es zu viele ähnliche Cover gibt. Es vermittelt zusammen mit dem Titel einen schönen Ostseeroman, in dem es um Sommer, Strand und Idylle geht. Aber das Cover ist die Visitenkarte für ein Buch. Häufig entscheidet sich da schon, ob ein potentieller Leser das Buch überhaupt in die Hand nimmt, um den Klappentext zu lesen. Mir ging es ähnlich, als ich das Buch nach dem Lockdown bei mir in der Abteilung entdeckt habe. Doch die Autorin und/oder ich hatten Glück, dass wir beiden auf derselben Veranstaltung Ende August waren, wo ich die Autorin persönlich kennengelernt habe, und wo sie aus dem Buch vorgelesen hat. Das, was sie über ihre persönliche Geschichte und Herkunft erzählt hat, und das, was sie aus dem Roman vorgelesen hat, hat mich dann doch auf das Buch neugierig gemacht. Hier nun meine Bewertung:
Die Inhaltsangabe ist stimmig und wird doch dem Buch nicht wirklich gerecht. Es ist hauptsächlich die Geschichte von Henni und Lisbeth, zwei jungen Frauen, die mit ihrer Mutter zusammen in der Villa am Ostseestrand in Usedom leben. Die Mutter führt dort die Pension Ostseeperle. Ihre beiden Tochter helfen ihr dabei. Henni, die ältere der beiden, ist Anfang zwanzig. Eine junge, zurückhaltende Frau, die den Krieg schon bewusst mitbekommen hat. Sie würde gerne Schneiderin werden, aber ist so pflichtbewusst, dass sie bei ihrer Mutter bleibt. Henni erlebt in diesen Jahren ihre erste Liebe. Lisbeth ist zu Beginn der Geschichte 1952 fünfzehn Jahre alt. Sie ist ein kleiner Wirbelwind, sehr lebenslustig, obwohl sie unter Asthma leidet. Sie ist nicht so pflichtbewusste wie ihre ältere Schwester. Grete, die Mutter, ist eine liebevolle Mutter und eine gute Pensionswirtin, die ihre Gäste gerne verwöhnt. Den Funktionären der neuen DDR ist sie allerdings ein Dorn im Auge, da sie ihre Zimmer privat vermietet. Und so bekommt sie mit der Zeit immer mehr Probleme, ihre Gäste angemessen zu versorgen. In der Zeit 1951/1952 konnten auch noch Gäste aus der BRD nach Usedom reisen. Grete wartet auf die Rückkehr ihres geliebten Mannes, der in Kriegsgefangenschaft sein soll.
Im zweiten Kapitel macht die Geschichte einen Sprung in das Jahr 1992. In dem Kapitel muss Henni ihre Schneiderwerkstatt mit einem Geschäft in München räumen, da ihr Pachtvertrag saftig erhöht wurde. Ihre Tochter Caroline, eine Studentin, hilft ihr beim Ausräumen der Geschäftsräume und stößt dabei auf den Brief, der in der Inhaltsangabe erwähnt wurde. Da ihre Mutter ihr nichts darüber erzählen will, ihr den Brief sogar entwendet und zerreißt, schürt sie Carolines Neugier noch mehr. Und Caroline versucht auf eigene Faust etwas herauszufinden.
Die ganze Geschichte ist sehr spannend erzählt. Wir Leser wissen also schon sehr früh, dass Henni in Westdeutschland lebt und ihren Traum verwirklicht hat. Aber wie ist es dazu gekommen? Und warum schweigt sie darüber so hartnäckig ihrer Tochter gegenüber? Die Geschichte spielt anfangs hauptsächlich in der Vergangenheit. Die Kapitel wechseln zwischen den vier Frauen der Geschichte hin und her, wobei wie gesagt die beiden Töchter Henni und Lisbeth die eigentlichen Hauptpersonen sind.
Mich hat fasziniert, aber auch schockiert, wie sich die Situation in der DDR im Winter 1953 zugespitzt hat. Schon 1952 deutete immer mehr darauf hin, dass die Oberen der DDR-Regierung das Privateigentum nicht weiter tolerieren wollen. Aber was dann geschah, habe ich vorher nicht gewusst. Alles läuft auf eine Aktion der DDR-Führung hinaus, die für die Betroffenen vollkommen überraschend kam. Hat jemand Grete, Henni und Lisbeth verraten?
Der Roman liest sich gut und spannend weg. Erst nach und nach habe ich gemerkt, was da auf die Familie zukam. Aber ich habe nicht damit gerechnet, mit welchen verwerflichen Mitteln die DDR die Menschen enteignet hat. Ein interessantes Stück Geschichte, spannend in einen Familienroman verpackt. Ich freue mich schon, dass Kathleen Freitag einen zweiten Roman für Erwachsene schreibt – „Das Haus des Leuchtturmwärters“ – welches im März 2021 erscheint. Ungefähr zeitgleich erscheint nämlich auch ihr erstes Kinderbuch „Pia Pustelinchen“.
Das Einzige, was ich mir von dem Buch noch gewünscht hätte, wäre ein kleiner Anhang, der noch etwas genauer auf die geschichtlichen Vorgänge im Februar 1953 eingegangen wäre. Ansonsten fand ich das Buch gut so, wie es ist! Eine klare Leseempfehlung von mir!
Bewertung
5/5
06.09.2020
Buch (Taschenbuch)
Tolle Geschichte, die einen in eine andere Zeit und einen anderen Ort hineinversetzen lässt
Eines der besten Bücher, welches ich seit langem gelesen habe. Die Figuren sind sehr gut beschrieben und man fühlt sich direkt hineinversetzt. Der Aufbau der Geschichte ist sehr gut und man kann sich die Zeit nach dem Krieg auf der Insel Usedom gut vorstellen.
hasirasi2
aus Dresden
5/5
22.04.2020
Buch (Taschenbuch)
Ein dunkles Kapitel DDR-Geschichte
Insel Usedom, Ahlbeck 1952: Grete führt mit ihren Töchtern Henni und Lisbeth die kleine private Pension Ostseeperle. Jeden Mittag geht sie zum Bahnhof, wenn der Zug aus Berlin ankommt. Sie hofft auch nach noch 8 Jahren, dass ihr Mann Gustav aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrt.
40 Jahre später findet Caroline in den Papieren ihrer Mutter Henriette ein Foto und Unterlagen zur Rückübereignung eines Hauses auf Usedom. Darauf angesprochen zerreißt diese das Foto. Caroline hatte sie schon oft nach ihrer Vergangenheit gefragt, aber sie schweigt auch jetzt immer noch. „Welcher Geist deiner Vergangenheit jagt dir so eine Angst ein?“ (S. 20) Also beschließt Caroline, sich direkt in Ahlbeck auf die Suche mach der Vergangenheit ihrer Mutter zu machen.
Seit über 20 Jahren fahren wir fast jeden Sommer auf die Insel Usedom und haben schon oft in Ahlbeck gewohnt. Ich fand es toll, so viele Orte im Buch wiederzuerkennen und war erschüttert über das, was in den 50er Jahren passiert ist.
Grete, Hanni und Lisbeth arbeiten hart, um mit dem wenigen auszukommen, was es in der DDR zu kaufen gibt. Für vieles brauchen sie Marken, aber oft gibt es in den Läden nichts dafür. Grete ist froh, dass ein alter Freund ihres Mannes sie unter der Hand regelmäßig mit frischem Fisch versorgt und die Frau ihres Bruders West-Artikel wie Kaffee oder Rum zu ihnen schmuggelt. Aber sie müssen vorsichtig sein, dass das nicht entdeckt wird, sonst droht ihnen Gefängnis.
Henni und Lisbeth hatten keine unbeschwerte Kindheit. Erst war Krieg und danach mussten sie schnell erwachsen werden. Inzwischen ist Henni 20 und damit alt genug für eine eigene Familie, aber das interessiert sie noch nicht. Sie ist ein sehr introvertierter Mensch. Ihre knapp bemessene Freizeit verbringt sie an der Nahmaschine, sie ist geschickt und kreativ, wäre gern Schneiderin.
Lisbeth hätte lieber weiter die Schule besucht, musste aber mit 14 abgehen um ebenfalls mitzuhelfen. Sie ist mitten in der Pubertät, ein Trotzkopf, trifft sich oft mit ihren Freundinnen und flirtet mit Jungs.
„Die Seebadvilla“ lässt ein sehr dunkles Stück DDR-Geschichte lebendig werden. Das Land befindet sich im Umbruch, man will einen Staat nach dem Vorbild der Sowjetunion aufbauen und die wenigen noch privaten Firmen endlich verstaatlichen und Bauern und Fischer in Genossenschaften zwingen. Viele fliehen in den Westen oder wählen den Freitod.
Auch Grete und ihre Ostseeperle sind den staatlichen Organen einen Dorn im Auge. Immer wieder wird sie drangsaliert und bedrängt, die Pension als FDGB-Ferienunterkunft zur Verfügung zu stellen, sich quasi freiwillig enteignen zu lassen, doch sie kämpft. „Meine Mutter würde nie gehen. Es ist, als wäre die Pension mit der Erinnerung an meinen Vater verschmolzen. Verlässt sie die Villa, würde sie damit auch ihre große Liebe aufgeben.“ (S. 222)
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten und auf zwei Zeitebenen erzählt. Stück für Stück kommt man den damaligen Ereignissen auf die Spur. Ich habe bis zuletzt mit Grete und ihren Töchtern mitgefiebert und ihre Angst um ihre Existenz gespürt. Kathleen Freitag schreibt spannend und lebendig, die historischen Hintergründe sind sehr gut recherchiert. Ich hoffe, bald wieder ein Buch von ihr zu lesen.
hasirasi2
aus Dresden
5/5
22.04.2020
Buch (Taschenbuch)
Ein dunkles Kapitel DDR-Geschi…
Ein dunkles Kapitel DDR-Geschichte Insel Usedom, Ahlbeck 1952: Grete führt mit ihren Töchtern Henni und Lisbeth die kleine private Pension Ostseeperle. Jeden Mittag geht sie zum Bahnhof, wenn der Zug aus Berlin ankommt. Sie hofft auch nach noch 8 Jahren, dass ihr Mann Gustav aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrt. 40 Jahre später findet Caroline in den Papieren ihrer Mutter Henriette ein Foto und Unterlagen zur Rückübereignung eines Hauses auf Usedom. Darauf angesprochen zerreißt diese das Foto. Caroline hatte sie schon oft nach ihrer Vergangenheit gefragt, aber sie schweigt auch jetzt immer noch. „Welcher Geist deiner Vergangenheit jagt dir so eine Angst ein?“ (S. 20) Also beschließt Caroline, sich direkt in Ahlbeck auf die Suche mach der Vergangenheit ihrer Mutter zu machen. Seit über 20 Jahren fahren wir fast jeden Sommer auf die Insel Usedom und haben schon oft in Ahlbeck gewohnt. Ich fand es toll, so viele Orte im Buch wiederzuerkennen und war erschüttert über das, was in den 50er Jahren passiert ist. Grete, Hanni und Lisbeth arbeiten hart, um mit dem wenigen auszukommen, was es in der DDR zu kaufen gibt. Für vieles brauchen sie Marken, aber oft gibt es in den Läden nichts dafür. Grete ist froh, dass ein alter Freund ihres Mannes sie unter der Hand regelmäßig mit frischem Fisch versorgt und die Frau ihres Bruders West-Artikel wie Kaffee oder Rum zu ihnen schmuggelt. Aber sie müssen vorsichtig sein, dass das nicht entdeckt wird, sonst droht ihnen Gefängnis. Henni und Lisbeth hatten keine unbeschwerte Kindheit. Erst war Krieg und danach mussten sie schnell erwachsen werden. Inzwischen ist Henni 20 und damit alt genug für eine eigene Familie, aber das interessiert sie noch nicht. Sie ist ein sehr introvertierter Mensch. Ihre knapp bemessene Freizeit verbringt sie an der Nahmaschine, sie ist geschickt und kreativ, wäre gern Schneiderin. Lisbeth hätte lieber weiter die Schule besucht, musste aber mit 14 abgehen um ebenfalls mitzuhelfen. Sie ist mitten in der Pubertät, ein Trotzkopf, trifft sich oft mit ihren Freundinnen und flirtet mit Jungs. „Die Seebadvilla“ lässt ein sehr dunkles Stück DDR-Geschichte lebendig werden. Das Land befindet sich im Umbruch, man will einen Staat nach dem Vorbild der Sowjetunion aufbauen und die wenigen noch privaten Firmen endlich verstaatlichen und Bauern und Fischer in Genossenschaften zwingen. Viele fliehen in den Westen oder wählen den Freitod. Auch Grete und ihre Ostseeperle sind den staatlichen Organen einen Dorn im Auge. Immer wieder wird sie drangsaliert und bedrängt, die Pension als FDGB-Ferienunterkunft zur Verfügung zu stellen, sich quasi freiwillig enteignen zu lassen, doch sie kämpft. „Meine Mutter würde nie gehen. Es ist, als wäre die Pension mit der Erinnerung an meinen Vater verschmolzen. Verlässt sie die Villa, würde sie damit auch ihre große Liebe aufgeben.“ (S. 222) Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten und auf zwei Zeitebenen erzählt. Stück für Stück kommt man den damaligen Ereignissen auf die Spur. Ich habe bis zuletzt mit Grete und ihren Töchtern mitgefiebert und ihre Angst um ihre Existenz gespürt. Kathleen Freitag schreibt spannend und lebendig, die historischen Hintergründe sind sehr gut recherchiert. Ich hoffe, bald wieder ein Buch von ihr zu lesen.
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