Ohne die Mücke sähe unsere Welt vollkommen anders aus. Seit 2010 hat die Mücke jährlich etwa zwei Millionen Menschen umgebracht. An zweiter Stelle derselben Statistik rangiert der Mensch (475 000), gefolgt von Schlangen. Die berühmten tierischen Filmungeheuer wie Krokodil, Hai und Raubkatze liegen weit abgeschlagen dahinter.
Der Blick in die Tiefen der Menschheitsgeschichte zeichnet ein vollkommen neues Bild vom Entstehen und Vergehen von Völkern und Staaten. So wäre z. B. George Washington im Unabhängigkeitskampf gegen die Engländer niemals siegreich gewesen, hätte die Anopheles-Mücke nicht geholfen, indem sie 1781 über die Truppen des britischen Generals Charles Cornwallis herfiel und deren Gesundheit und Kampfeskraft quasi zerstörte.
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Wie hat die Mücke die Geschichte der Menschen beeinflusst?
annlu am 25.01.2021
Bewertungsnummer: 1431543
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Welche Rolle spielt die Mücke und die von ihr übertragenen Krankheiten in der Geschichte der Menschheit? Welche großen Schlachten hat sie beeinflusst und wo Kriege und Eroberungen beeinflusst? Historische Ereignisse werden hier unter dem Blickwinkel von Krankheiten, die von der Mücke übertragen werden – allen voran Malaria – untersucht und die Frage aufgeworfen, wie stark ihr Einfluss wirklich war.
Den Beginn bilden zwei Kapitel, die sich der Biologie/Medizin widmen. Hier werden die Mückenarten vorgestellt, die die Haupttäter bei der Übertragung von Krankheiten sind. Anhand von einem bekannten Footballspieler werden aber auch die Anpassungen angesprochen, die der Mensch im Laufe seiner Geschichte durch die Mücke erfahren hat (hier konkret die Sichelzellenanämie). Danach begibt sich der Autor in der Menschheitsgeschichte zurück und untersucht die Auswirkungen der Mücke auf die Menschheitsgeschichte um mit ihrer Bekämpfung und der heutigen Situation abzuschließen.
Wirkten die ersten Kapitel noch etwas steif, so merkte man, dass sich der Autor beim Rest des Buches in seinem Metier bewegt. Von Alexander dem Großen über das römische Reich zu den Kreuzzügen und Dschingis Khan erklärt er wie die von Mücken übertragenen Krankheiten Schlachten und Eroberungszüge aufhalten oder in eine Richtung ändern konnten. Einen großen Teil des Buches widmet er der Geschichte Amerikas. In seinen Ausführungen liest man sein Hauptforschungsgebiet – die Geschichte des Militärs und der indigenen Völker Nordamerikas – heraus. Neben den Kriegen sind es die Kolonialisierungsversuche und ihre Auswirkungen auf die indigene Bevölkerung aber auch der Sklavenhandel, denen er seine besondere Aufmerksamkeit widmet.
Für mich waren die Kapitel interessant, die sich explizit mit der amerikanischen Geschichte und dort im besonderen mit der frühen Kolonialgeschichte auseinandergesetzt haben. Bisher habe ich eher Geschichtsbücher mit europäischem Hintergrund gelesen, sodass ich hier viel Neues fand. Manchmal waren das Kleinigkeiten wenn man die Größe der Menschheitsgeschichte betrachtet – wie etwa die wahre Geschichte rund um Pocahontas – manchmal größere Zusammenhänge.
Um ehrlich zu sein konnte ich mir nicht vorstellen, dass die Mücken – mehr eigentlich der von ihnen übertragenen Krankheiten – eine so große Rolle in der Geschichte gespielt haben. Die Lektüre hat mich eines Besseren belehrt. Die horrende Anzahl an Toten, die auf die Krankheitserreger zurückzuführen ist, lässt sich schwer vorstellen. Die Personifikation der Mücken als General Anopheles, die in bestimmten kriegerischen Situationen einwirkten war dennoch nicht ganz meins.
Fazit: Für dieses Buch braucht es Zeit und ein Interesse sowohl an historischen Ereignissen, die sich großteils auf Auseinandersetzungen fokussieren, als auch an den Auswirkungen von Krankheiten. Unter diesen Voraussetzungen findet der Leser ein umfangreiches Buch voller Details.
Ungewöhnlicher Streifzug durch die Geschichte der Menschheit
Igelmanu66 aus Mülheim am 28.06.2020
Bewertungsnummer: 1345495
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
»Plötzlich brach ein derart tödliches Fieber unter seinen Soldaten aus, dass innerhalb von sieben Tagen fast alle … unerwartet einen elenden Tod starben … und [Barbarossa] im August seine schwindende Armee abzog. Doch die tödliche Seuche folgte ihm und er musste mit jedem versuchten Schritt nach vorn unzählige Tote zurücklassen.«
Welches ist das gefährlichste Tier der Welt? Verantwortlich für die meisten menschlichen Todesopfer? Wenn man diese Frage stellt, werden viele eins der bekannten Raubtiere verdächtigen. Vielleicht Krokodil? Oder Hai? Mancher wird denken, dass er die Frage durchschaut und auf den Menschen als gefährlichstes Tier der Welt tippen. Schon besser, der Mensch sichert sich einen guten zweiten Platz, liegt aber weit abgeschlagen hinter der Nummer 1. Der Stechmücke.
Schon in der Einleitung überrascht mich der Autor mit passenden Zahlen. Demnach sollen der Mücke beispielsweise im Jahr 2018 830.000 Menschen zum Opfer gefallen sein. Ich denke an die paar Mückenstiche, mit denen ich gelegentlich morgens aufwache und frage mich, wie die Mücke das wohl angestellt hat.
Timothy C. Winegard ist Historiker mit dem Schwerpunkt Geschichte des Militärs und der indigenen Völker Nordamerikas. Er lehrt an der Colorado Mesa University. Der Tatsache, dass in der Literatur gewöhnlich der Fokus auf Herrscher und Eroberer gelegt wird, wenn es um entscheidende Kriegserfolge und historische Ereignisse geht, wollte er mit diesem Buch einen ergänzenden Aspekt an die Seite stellen. Er nennt es die »Unterstützung durch General Anopheles«.
Im Eingangszitat war wieder einmal ein Versuch gescheitert, Rom zu erobern. Beispiele dieser Art zählt der Autor reichlich auf. Da plant z.B. ein mexikanischer Befehlshaber die Mücke als Unterstützer im Kampf gegen die anrückenden amerikanischen Truppen ein. Der Leser verfolgt die Invasion der Perser in Griechenland oder den amerikanischen Bürgerkrieg und begegnet zahlreichen bekannten Namen und geschichtlichen Ereignissen. Ich fand das ziemlich faszinierend: Da werden Pläne gemacht und taktiert, riesige Heere werden aufgefahren – und dann geraten diese in ein Sumpfgebiet und besagte Pläne lösen sich in Heerscharen von Mücken auf. Aber die stechenden Insekten beeinflussten nicht nur den Ausgang von Feldzügen und Kriegen, sondern trugen auch zur Verbreitung des Christentums in Europa bei. Sklaverei, Expansionen, Völkerwanderungen, Ausbreitung von Handel und Landwirtschaft – immer mischte auch die Mücke mit. Die enorme Bedeutung der Malaria hatte ich bislang nicht auf dem Schirm. Hochinteressant!
Der Untertitel des Buchs spiegelt sich im chronologischen Aufbau wider. Der Autor wollte zeigen, wie die Geschichte von Mensch und Mücke miteinander verwoben ist. Das ist ihm, finde ich, gelungen. Was Seuchen vermögen, merken wir leider derzeit alle. Ich hoffe nur, dass diese Zeit keinen größeren Einzug in die Geschichtsbücher finden wird.
Sehr gefallen hat mir auch der Einstieg ins Buch. Da wird neben grundlegenden Infos über Mücken das Thema Verbreitung von Krankheiten durch stechende Insekten ausführlich erörtert und auch dargelegt, was der menschliche Organismus an Verteidigungsstrategien auffährt. Stichwort hier z.B.: Sichelzellenanämie.
Der Schwerpunkt Militärgeschichte wirkt sich natürlich auf die Schilderungen aus, man merkt dem Autor deutlich seine entsprechende Begeisterung und sein umfangreiches Wissen an. Ich fand den Erzählziel auch durchaus unterhaltsam, hätte aber nicht jede Schlacht in einem solchen Umfang benötigt. Letztlich wiederholten sich die Ereignisse, man ahnte schon, was kommen wird. Etwas umfangreicher hingegen hätte ich mir den Anhang gewünscht, da fehlte mir nämlich ein Stichwortverzeichnis. Apropos Anhang: Die nach Kapiteln unterteilten Anmerkungen sind nicht immer stimmig zugeordnet. Lassen sich anhand der Durchnummerierung natürlich finden, doch habe ich persönlich ein besseres Gefühl, wenn ich den Eindruck habe, dass dem Anhang viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde.
Fazit: Ungewöhnlicher Streifzug durch die Geschichte der Menschheit. Mücken sind mir jetzt nicht sympathischer, ich habe aber mehr Respekt vor ihnen.
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