Für Stille in lauten Zeiten - Dirk Pope über eine tiefe Freundschaft von zwei beeindruckenden Jugendlichen
Mariella redet nicht, nicht mit der Mutter, dem Vater, nicht mit den Goldfischen, den Lehrern oder Mitschülern. Weil ihre Eltern sich getrennt haben. Weil niemand sie verstehen will. Und weil ohnehin zu viel geredet wird. Je lauter es um sie herum wird, desto leiser wird sie. Mariellas Stille eckt an und fordert heraus. Keiner darf einfach so anders sein. Zum Glück ist da Stan, der gehörlos ist und Mariella akzeptiert, so wie sie ist. Gemeinsam mit ihm findet Mariella eine eigene Sprache. Die Begegnung der beiden bestärkt sie darin, bei sich zu bleiben und schließlich ihre Stimme doch wieder zu erheben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
civetta
5/5
26.10.2020
Buch (Taschenbuch)
Einfach mal leise sein und nachdenken
Mit diesem Buch hat Dirk Pope eine einzigartige Geschichte niedergeschrieben!
Mariella war mir von vornherein unglaublich sympathisch, da ich auch ihre Gedankengänge sehr gut nachvollziehen konnte. Sie hat unglaublich schlaue, fast schon philosophische Gedanken von denen dieses Buch zu einem Großteil lebt und die einen wirklich zum Nachdenken bringen. Der Autor lässt dem Leser bei Mariellas Aussehen sehr viel Spielraum, da weder auf Alter noch Aussehen näher eingegangen wird und das finde ich sehr toll! Mariella ist ein komplett unperfekter, unnahbar und unnormaler Hauptcharakter und ich denke, dass man sie deshalb einfach nur mögen kann.
Stan ist der erste Mensch den diese Stille kein bisschen stört. Auch wenn er gehörlos ist führen er und Mariella unglaublich tolle und auch spannende Gespräche.
Ich finde es toll, mit wie wenigen Charakteren das Buch bis zum Schluss durchhält.
Der Schreibstil ist sehr schön und lässt sich auch sehr flüssig lesen. Größtenteils lebt das Buch nur von Mariella´s Gedanke, die aber so spannend sind, dass es damit vollkommen hinkommt. Auch wenn sie meistens nur sehr kurz sind haben mir die Chatverläufe zwischen Stan und Mariella sehr gut gefallen und auch die mit dem IfaS (Institut für angewandtes Schweigen) waren sehr interessant, auch wenn hier viele ungeklärte Fragen aufgeworfen wurden.
Fazit:
Eine tolles und unerwartet spannendes Buch, welches sehr zum Nachdenken anregt! Ich gebe 5 Sterne und empfehle es ab 13 Jahren besonders aber auch als Schullektüre.
Nicole Lehmann
5/5
30.09.2020
Buch (Taschenbuch)
Ein unglaublich tolles Buch
Mariella spricht nicht. Nie. Seit ihre Eltern sich getrennt haben, kommt dem Mädchen kein Wort mehr über die Lippen. Jedoch stört es sie auch nicht. Im Gegensatz zu allen anderen. Je leiser sie ist desto mehr drängen sie alle zu sprechen. Bis sie eines Tages Stan kennenlernt. Der taube Junge stört sich in keiner Weise an Mariellas Schweigen. Wird Mariella durch die Freundschaft ihre Stimme wiederfinden?
Selten habe ich ein so intensives Jugendbuch gelesen. Mariella ist einsilbig und zynisch. Je lauter die Welt rund um sie ist, desto leiser wird sie selber. Sie hat unglaublich viele Gedanken im Kopf. Sie kann vieles nicht verstehen und hinterfragt fast alles. Warum zum Beispiel spricht man von einer Schulstunde? Diese dauert ja nur 45 Minuten. Es ist also eher eine Richtlinie und sie fragt sich, warum diese nicht auch bei den Noten angewendet wird.
Mariella ist sehr eine interessante Hauptperson. Ihre Gedanken regen zum Nachdenken an. Sie ist schonungslos in ihrem Urteil und analysiert ihre Mitmenschen.
Der Schreibstil des Autors ist sehr schön, anregend und manchmal sogar philosophisch. Manche Szenen lassen uns traurig und hilflos zurück und man möchte direkt helfen. Andere lassen den Leser hoffen.
Ich möchte nicht zu viel über die Geschichte erzählen. Das Buch eignet sich als Klassenlektüre, für Erwachsene und auch für Jugendliche. Manchmal ist Reden Silber, manchmal aber auch Gold. Dieses Buch hat mich begeistert und etwas atemlos zurückgelassen. Es wird mir in Erinnerung bleiben und sicher noch eine Zeitlang nachhallen.
Buecherseele79
5/5
24.09.2020
Buch (Taschenbuch)
Sound of Silence
Mariella redet nicht mehr und sie hat ihre Gründe. Doch leider wird das weder von ihren Eltern akzeptiert noch von ihrem gesamten Umfeld. Die Mutter schleppt sie zum Arzt, keiner der Lehrer oder Mitschüler versucht irgendwie mit Mariella Kontakt aufzunehmen. Doch dann trifft Mariella Stan, der auch nicht redet und gemeinsam finden sie einen Weg, Kontakt zu knüpfen.
„Ich glaube, wenn ein Mensch so genau hinzuhören versteht, versteht er den Beat, den Grundton unseres Seins. Ich meine die Vollkommenheit, die übrig bleibt, wenn man alle Geräusche und den Lärm um uns herum ausblendet. Man hört nur noch den Atem, vielleicht sogar das regelmässige Auf und Ab des Brustkorbs und das Herz, das tief drinnen anfängt melodisch zu schlagen. Wahrscheinlich ist es dieser nahezu lautlose Grundton, der seine Musik so einzigartig macht.“ (Seite 57)
Stille. Kann ein Mensch damit überhaupt umgehen? Oder sind wir auf die Geräusche, den ständigen Lärmpegel um uns herum, schon süchtig? Ich finde dass dieses Buch sich sehr gekonnt mit der Thematik Stille, aber gerade mit dem Sinn von Worten, Reden und seine oft daher gesagten Sinnlosigkeit ausspricht.
Der Schreibstil hat mich komplett begeistert! Denn der Autor hat sich sehr intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt, auch wie er mit den Worten spielt, welche Gedankengänge der zu vielen Worten geht, Verbindungen herstellt, das hat mich absolut fasziniert. Die Kapitel sind knackig gehalten, der Schreibstil nimmt mit und das Gefühl des Lesens ist wow.
Mariella redet nicht mehr, von heute auf morgen. Warum auch? Wir begeben uns mit ihr zusammen in die Welt der Schweigsamkeit und wie die Umwelt auf sie reagiert. Erschreckenderweise muss man leider eingestehen, dass dies absolut so stattfinden würde. Ich habe Mariella immer für ihr beharrliches Schweigen bewundert, denn gerade die Klasse macht ihr ordentlich zu schaffen und doch bleibt sie standhaft. Was würden ihre Worte denn bei den Lehrern oder Mitschülern überhaupt ändern?
Warum sie schweigt, das wird zum Ende hin mehr als deutlich. Für den einen wird es eher profan sein, ich konnte diesen Schritt auf jeden Fall nachvollziehen und war schockiert über diese laute Wortgewalt, die man gegen Mariella angewendet hat.
Stan ist ebenso ruhig, aber hier hat es seinen Grund, den der Leser erfahren wird, was ich nicht spoilern möchte. Ich fand die Versuche der Kontaktaufnahme herzlich, die Wortspiele und Andeutungen oft zum piepen, denn beide haben nun mal ihre Situation, versuchen daraus das Beste zu machen und dies kommt beim Leser auch ungezwungen und ungefiltert an.
Gerade Menschen die wenig reden, die die Stille bevorzugen, werden sich in diesem Buch wiederfinden und gerade auch verstanden fühlen. Denn mal ehrlich, wie viele Sätze werden täglich in die Welt geworfen die so nichtaussagend sind, die leere Phrasen enthalten, die gesagt werden damit sie gesagt sind?
Mariella findet hier immer wieder Beispiele und Ansätze die dies stark verdeutlichen, die einen selbst sehr stark zum nachdenken anregen und zeigt dass Leute heute eher lästern, motzen und quasseln, aber wenn es auf eine wichtige Aussage ankommt, dann halten sie den Mund und ziehen sich zurück.
Sound of Silence, für viele ein Graus, denn nur wer laut ist findet Gehör, kommt weiter. Und wenn es still ist, dann muss sich jeder mit seinen Gedanken und seiner Form auseinandersetzen, das versetzt viele wohl in Panik.
Für mich ein Buch, was sich sehr intensiv und gewaltig, mit dieser Thematik Stille und Reden, Worte und ihre Wirkungen auseinandersetzt und welches ich unbedingt empfehlen möchte.
Andersleser
5/5
23.09.2020
Buch (Taschenbuch)
Still und doch aussagekräftig
Ein Buch der ganz anderen Art.
Denn 'Still' ist alles andere als still und doch auch irgendwie genau das. Zwar schweigt die Protagonistin durchgehend, hat in dem Buch mit ihren Gedanken aber so viel mitzuteilen, dass es eine eigene und kräftige Aussage hat. Ich finde es wirklich toll, dass der Autor sich an genau dieses Thema gesetzt hat. Denn sind wir mal ehrlich, wird oft nicht auch einfach zu viel Geredet? Sind nicht manchmal weniger Worte mehr? Ich selbst kann nicht mit jedem sprechen, spreche allgemein eher wenig und dennoch nutze ich auch beim schreiben dieser Rezension viele Worte. Aber braucht es immer so viele Worte? Dieses Buch regt zum nachdenken an, jedenfalls hoffe ich das, denn auch wenn nicht alle Figuren gut weg kommen, so sieht die Realität aus. So wie viele in diesem Buch sind, vom Verhalten von den Aussagen, vom Denken; so sind in der echten Welt leider auch viel zu viele Menschen. Denn ich erkenne doch einige Situationen wieder. Ob nun von mir oder von anderen.
Schon vom Schreibstil ist es ein Jugendbuch, das mal auf vollkommen andere Art geschrieben ist. Die Sprache, Mariellas Gedanken - ich liebe die Art und die Formulierung einfach, andererseits könnte gerade dieser besondere und für mich sehr schöne Schreibstil, für so manchen Leser auf Dauer anstrengend werden. Ich persönlich finde es genau so wie es war einfach perfekt und würde gerade wegen des Schreibstils auch Erwachsenen das Buch ans Herz legen.
Es ist erstaunlich wie wenig Sprache im Sinn der wörtlichen Rede genutzt werden, oder wie wenig außerhalb von Mariellas Gedanken und ihrer Sichtweise passieren muss, um ein Buch dennoch spannend zu gestalten, denn langweilig war es nie. Ich schätze, es hat die optimale Länge für ein Buch über die Stille und ihrer Lautstärke. Und es schreit geradezu danach gelesen zu werden und etwas zu verändern.
Bewertung
5/5
21.09.2020
Buch (Taschenbuch)
Grandios auf leise Weise erzählte Geschichte über die Folgen von Mariellas "Nichtsprechen"
Mariella ist mit ihrer Mutter nach der Trennung ihrer Eltern in eine Kleinstadt gezogen. Leise war sie immer schon, aber nun ist sie still und das macht ihr Umfeld zu Hause und in der Schule nervös bzw. eckt sie damit an. Die Lehrer und auch ihre Mitschüler fühlen sich dadurch provoziert und quasi in ihrer "Ruhe" gestört und das, obwohl Mariella keinen Ton von sich gibt. Mariella wird auf alle erdenklichen Arten von Lehrern und Mitschülern gequält/gemobbt. Als an Mariellas speziellem Lieblingsplatz ein Junge sitzt, kommt sie mit ihm ins Gespräch..... Stan macht es nichts aus, dass Mariella nicht spricht, denn er würde sie nicht hören, da er taub ist.
Geschichten über Mobbing... ja, die kennt man leider......denn sie gehören zum Alltag. Diese Geschichte handelt auch von Mobbing und dessen Folgen, aber sie ist ganz speziell durch die Protagonisten Mariella und Stan sowie durch den genialen Schreibstil, von dem ich ich nicht weiss, wie ich ihn richtig in Worte fassen kann. Mariella lässt mich teilhaben an ihren Eindrücken von ihrem Leben und ich kann quasie ihre Gedanken lesen. Dies geschieht schonungslos, offen, ehrlich, manchmal fast objekiv, was die Situationen deswegen umso furchtbarer macht. Sie führt imaginäre Gespräche und lässt mich gleichzeitig teilhaben an ihrem Kennenlernen mit Stan und dem Austausch ihrer Kurznachrichten mit teilweise philosophischen Charakter, doch gerade deswegen auch oft witzig. Ich mag überhaupt die Wortspiele, den Zynismus, ..... und bin gefühlt mitten in einer beginnenden Liebesgeschichte, als etwas unfassbar schreckliches passiert und mir schon beim Lesen die Tränen in die Augen schießen.
Dieser Roman lässt mich trotz vieler trauriger Szenen irgendwie auch hoffnungsvoll zurück. Selten hat mich ein Jugendroman derartig sprachlich und inhaltlich beeindruckt . Wenn ein Deutsch- und Sportlehrer. nämlich der Autor Dirk Pope, den Ort der Story zur Hälfte im Klassenzimmer und in der Sporthalle stattfinden lässt, ahne ich, dass er genau weiss, wovon er schreibt.
Dieses Buch würde sich hervorragend als Schullektüre eignen, denn allen wird der Spiegel vorgehalten - egal ob Schüler*nnen, Lehrer*nnen, Eltern oder dem sonstigen Umfeld. Was können wir alle tun, damit sich manches nicht wiederholt? Es ist nicht nur eine Geschichte über Ausgrenzung, über die Liebe, über die Frage...was ist Behinderung, sondern überhaupt wie gehen wir miteinander um.
...und alles ohne den erhobenen pädagogischen Zeigefinger....genial....Fünf Sterne!
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