»Ich wusste schon immer, dass sie mich zum Tode verurteilen würden«, so beginnt dieser Roman. Hier spricht Jesus Christus in der Nacht vor seinem Tod. Mutterseelenallein in seiner Zelle, vertraut er uns seine geheimsten Gedanken an, seine Zweifel, seinen Groll. In Amélie Nothombs Roman wird Jesus tatsächlich Mensch.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
IrinaR_2605
aus Bayern
5/5
23.05.2025
Buch (Taschenbuch)
So gut! Jesus reflektiert seiner letzten Nacht über sein Leben
Jesus Christus spricht in der letzten Nacht vor seiner Kreuzigung. Ganz allein in seiner Zelle, spricht er über Dinge, die ihm in den letzten Stunden seines Lebens durch den Kopf gehen. Dem Leser vertraut er seine Gedanken und seine Zweifel an. Er reflektiert über sein Leben und seine Sehnsüchte.
„Ich glaube. Mein Glaube hat kein Objekt. Ds heißt nicht, dass ich an nichts glaube.“ (S. 120)
In diesem Roman wird Jesus Christis in einen zutiefst menschlichen Porträt dargestellt, seine Verletzlichkeit und innere Konflikte offenbart.
Bewertung
5/5
26.03.2023
Buch (Taschenbuch)
Und schaut ob ein Schmerz dem meinen gleicht
Der Prozess war kurz, das Urteil ist gesprochen und für Jesus keine Überraschung, denn er wusste natürlich schon immer "dass sie mich zum Tode verurteilen würden". Amelie Nothomb versetzt sich in den zum Tode Verurteilten und formuliert seine letzten Gedanken in einer Eindrücklichkeit, die einen schaudern lässt. Vor allem, weil wir zutiefst menschliche Gedanken lesen: von der Liebe zu Magdalena, vom Genuss beim Löschen des Durstes, von der Freude, seinen Körper dem Schlaf zu überlassen und von der Angst und den Schmerzen. Nie hat man die Passion "von innen" empfunden, immer nur von außen: in Bachs Passion, in Gemälden, bei der Kreuzweg-Liturgie. Jeder Satz des Romans ist bedeutungsvoll und richtig , kein Wort ist zu viel - das Buch hat mich sehr berührt!!
rêveur
aus Linz
5/5
25.09.2022
Buch (Taschenbuch)
Eines der besten Bücher, die ich jemals gelesen habe.
Die Handlung und wie konkret sie beschrieben wird ist unfassbar, als würde man alles selber erleben. Man bekommt Eindrücke aus dem Denken des Jesus und was er verspürt. Auch kommt man der Bibel nahe, weil Zitate und Personen vorkommen. Das Buch trägt eine unerklärliche Leidenschaft mit sich. Das beste ,was mir gefallen hat war der Schreibstil. Brigitte Große hat das Buch hervorragend übersetzt. In den letzten Seiten begreift man, warum Menschen an einen bestimmten Glauben glauben. Definitiv Wert zu lesen!
Bewertung
5/5
17.09.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Seht, welch ein Mensch!" (Joh 19,5)
Amélie Nothomb führt uns die Leiden Jesu aus dessen eigener Perspektive vor Augen. Sie erzählt biblische Passagen aus der Sicht des zum Kreuzestod Verurteilten nicht nur nach, sondern verleiht diesen auch neue, manchmal verblüffende Auslegungen, die Jesus von Nazareth als wahren Menschen erscheinen lassen.
Jesus, zum Zimmermann ungeeignet, entwirft in den Stunden vor seinem Tod die Idee eines einfachen Lebens als Schäfer, mit seiner Geliebten, die er lieber schlicht „Magdalena“ nennt, als sie mit ihrem Doppelnamen anzusprechen. Er liebt das Leben und den Wein sowie ausgiebiges Schlafen. Das Atmen frischer Luft versetzt ihn in Entzückung.
Doch sein tiefstes Bedürfnis ist der Durst. Das Wort des Evangelisten Johannes, Jesus gebe den Durstigen ein Wasser, das sie nie mehr dürsten ließe, weist er als unsinnig zurück. Dagegen behauptet Jesus, Gott selbst sei eine Quelle, die den Durst niemals enden ließe. Eine Lust, deren Begehren nicht aufgehoben wird, wenn man sich ihr hingibt.
Kenntnis-, anspielungsreich und sinnfällig lässt Nothomb ein Bild von Jesus entstehen, jenseits von Leibfeindlichkeit und Leidensverherrlichung. Eine wahrhaft liebevolle Vorstellung, die über tradierte Lehren nachdenken lässt.
Buecherseele79
5/5
28.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Jesus ist menschlich
"Ich wusste seit jeher, dass man mich zum Tode verurteilen würde. Der Vorteil dieser Gewissheit: Ich kann meine Aufmerksamkeit Dingen zuwenden, die es wert sind - den Details". (Seite 5)
Jesus in seinen letzten Stunden. In zig Schriften, Bildern, Büchern und ähnlichem wurde darüber gemalt, geschrieben, gedichtet. Und nun nimmt sich Jesus die Zeit und stellt einige Dinge klar und erläutert seine Ansichten.
Der Schreibstil an sich ist leicht, locker, hier und da mit Humor gespickt und doch verliert die Autorin nie den Blickwinkel, um wen es geht - um Jesus selbst. Und nein, es ist keine Blasphemie oder dass die Autorin Gott, die Religion oder Jesus ins Lächerliche ziehen wollte oder es macht.
Jesus gibt sich in diesem Buch, in seinen letzten Stunden, menschlicher als es je der Fall war. Damit berührt das Buch die Menschen, denn auch Jesus empfindet Liebe, Angst, er wird wütend, hadert mit dem auferlegtem Schicksal und kann mit Gott nicht immer einer Meinung sein.
Die kleinen Gesten, gerade auf dem Weg der Kreuzigung, dass hier diese Gesten und Blicke soviel mehr wert sind als manch einer glaubt, das berührt, das regt zum nachdenken an.
Der Geschichte zu folgen stellt keinerlei Probleme dar, denn vieles, was hier erwähnt wird, an Gefühlen und Auslöser, kann womöglich fast jeder irgendwie nachvollziehen.
Jesus wäre nicht Jesus wenn er den Verlauf in der Zukunft nicht wüsste. Mit den Schriften in der Bibel und manch Aussage die er angeblich getätigt hat, da hadert und wettert er ein bisschen, er ist menschlich, er hat Fehler gemacht, er war leichtsinnig, er hat gesündigt, er war einfach Mensch.
Das hat mir an diesem Gesamtkonzept so gefallen. Wie schön es ist einen Körper zu besitzen, wie toll die einfachsten Dinge dich glücklich machen können. Dass jeder Liebe verdient, egal wie griesgrämig er sich gibt. Die Faszination für Durst bzw. ihn löschen, was Jesus hier von sich gibt, das war für mich literarisch fast ein Meisterwerk.
Ich bin von diesem kleinen Buch und der menschlichen Seite Jesus mehr als begeistert und empfehle es sehr gerne weiter.
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