Der Bürgerkrieg hat das Land und die Allenders entzweit. Stuart, Duncan, Liam und Edwin erleben die Kriegsschrecken in der Armee der Union, Andrew gerät in Kriegsgefangenschaft, nachdem die Konföderiertenarmee Vicksburg verliert. Kaum einer von ihnen wird den Krieg überleben.
Dara besorgt um ihre Zukunft, trifft viele unkluge Entscheidungen und ihre Depression gewinnt letztlich die Oberhand. Drastische Massnahmen müssen ergriffen werden, um sie zu retten. Zum Entsetzen seiner Mutter heiratet Maurice. Er ist sie nicht bewusst, wie weit sie gehen wird, um das unerwünschte neue Familienmitglied zu bekämpfen.
Eine neue Generation wächst auf und ein schrecklicher Verlust ändert viele Leben für immer.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
aus Hamburg
5/5
05.07.2020
Buch (Taschenbuch)
Das Buch mit dem Paukenschlag – emotional, faszinierend und fesselnd
Amerika im Jahr 1861, der Bürgerkrieg beherrscht zunächst das Leben der Familie Allender.
Die Männer sind im Krieg und viele von ihnen werden nicht nach Hause zurückkehren. In
diesem Teil der Trilogie steht die nächste Generation und deren Leben im Mittelpunkt der
Geschichte. Aus Stuart ist ein Mann mit eigener Familie geworden, der im Krieg seine
Führungsqualitäten unter Beweis stellt und nach dem Krieg erfolgreich im Geschäft seines
Vaters mitarbeitet. In seinem privaten Leben sind – teilweise erschreckende – Parallelen zu
seiner eigenen Kindheit erkennbar und er muss – wie so viele andere auch – tiefgreifende
Verluste ertragen…
Während im ersten Teil der junge Stuart im Mittelpunkt stand, der seiner Mutter oftmals
hilflos ausgeliefert war, ist es in diesem Teil der erwachsene Stuart, der nun selbst Vater und
Ehemann ist. Er verändert sich, der Krieg verändert ihn – aber an Sympathie büßt er nichts
ein. Manchmal möchte man ihn schütteln und fragen, „Wieso tust Du das?“, aber
grundsätzlich ist und bleibt Stuart ein guter Mensch, den der Leser einfach lieben muss.
Gerade deshalb ist es so schwer zu ertragen, wie viele Schläge das Schicksal für ihn bereit
hält. Und jedes Mal ist wie ein Paukenschlag – großartig und mit der entsprechenden
Wirkung geschrieben. Und wenn ein Paukenschlag verklingt, lässt die Autorin mal mehr mal
weniger Zeit verstreichen, sodass sich der Leser auch wieder erholen kann.
Maurice, Stuarts älterer Bruder, hingegen bleibt unnahbar. Es gibt Strecken, da kann man
ihn mögen und dann wieder kann man ihn nur verabscheuen. Mit dieser Figur ist der Autorin
ein herrlich ambivalenter Charakter gelungen. Ein brillanter Kopf mit einem recht verkorksten
Wesen – er ist wohl wirklich das Produkt seiner Mutter und kann sich bis zum Schluss kaum
von ihr lösen. Gerade wegen seiner Ambivalenz ist Maurice für mich einer der wichtigsten
Charaktere in der Geschichte – man weiß eigentlich nie, was als nächstes kommt.
Natalya und Graham rücken etwas in den Hintergrund, aber nicht zu sehr. Das gefällt mir
sehr gut, denn ganz ohne sie hätte der Geschichte etwas gefehlt. Besonders auffällig ist,
dass Natalya zwar nicht mehr den Stellenwert in der Geschichte hat, aber zumindest das
Leben von Maurice und Dara extrem beeinflusst. Sie ist nach wie vor die Giftspritze in der
Erzählung, aber wundersamer Weise scheint auch sie Gefühle zu haben. Grahams
Entwicklung war nicht vorherzusehen und kam bei mir absolut positiv an.
Das Zusammenspiel zwischen Natalya, Maurice und Dara hat mir gut gefallen, wenn auch
die Handlungen in mir immer wieder Wut auf Natalya und Unverständnis für Maurice zutage
brachten, aber es ist spannend zu lesen, wie sie ihr Leben gegenseitig beeinflussen und
welche Auswirkungen das hat. Dies ist beispielhaft für alle Figuren, die Heike Wolf zeichnet.
Sie bewirken etwas im Leser – und sei es tiefe Abscheu. Dies gilt nicht nur für die
Hauptfiguren, sondern vielmehr für alle Charaktere. Es gibt keine Figur, die einfach nur da
ist. Jede hinterlässt mehr oder weniger tiefe Spuren beim Leser.
Ein besonderes Schmankerl für mich ist die Menschlichkeit der Charaktere. Keine Figur ist
perfekt. Keine ist nur schlecht oder immer nur boshaft. Und genau deshalb kann die Autorin
unvorhergesehen schreiben – genau wie auch das wahre Leben ist.
Ich mag es, wenn historische Geschichten auf Fakten basieren, die nachvollziehbar und
recherchierbar sind. Einen tollen Roman zu lesen und nebenher etwas zu lernen ist eine
wundervolle Mischung. Diese Mischung serviert die Autorin mit diesem Buch auf jeden Fall.
Die Autorin hat einmal mehr ihre unverkennbare Fähigkeit unter Beweis gestellt, den Leser
mitzureißen. Dabei ist sie keineswegs zimperlich – ganz im Gegenteil! Sie kreiert großartige
Figuren, an die der Leser sein Herz verliert oder sie auch zutiefst verabscheut und dann lässt
sie das Schicksal zuschlagen – erbarmungslos. Keine noch so sympathische Figur bleibt
davon verschont. Sie sagte dazu einmal: „So ist das Leben!“ – Recht hat sie! Dennoch ist es
schwer, sich von lieb gewonnen Figuren zu verabschieden, wenn sie aus dem Roman
gerissen werden.Und dabei ist kein Schicksalsschlag wie der andere, manchmal sind sie kurz und schnell vorbei, manchmal leidet der Leser unsagbar lange mit.
Ich mag die bildgewaltige Art zu schreiben der Autorin sehr. So entsteht beim Lesen ein
stimmiges Bild vor dem inneren Auge, in das sich der Leser hineinfallen lassen kann. Die
Autorin bedient sich vieler Adjektive, die dieses homogene Bild entstehen lassen. Manchmal
hatte ich das Gefühl, ich könnte sogar die Geräusche hören. Ihre Figuren schreibt sie
individuell, jede hat ihre ganz eigenen Eigenschaften. Das bedeutet auf keinen Fall, dass die
Figuren geradlinig bleiben; vielmehr entwickeln sie sich stetig weiter. Eher selten sind ihre
Handlungen vorhersehbar – manchmal schon, aber viel öfter kommt der oben erwähnte
Paukenschlag. Die Formulierungen sind geprägt von einem riesigen Wortschatz; damit hebt sich die Autorin von anderen ab.
Es kommt zu keiner Zeit zu Längen oder gar Langeweile, ganz im Gegenteil. Es passiert
immer wieder etwas Neues. Und das obwohl sich die Autorin in diesem Teil nicht mehr ganz
so breit gefächert über das Territorium der USA bewegt, sondern die Handlungsorte etwas
näher beieinander liegen. Und wie schon im ersten Teil hat der Leser nie einen Zweifel
daran, in welchem Jahr er sich gerade befindet oder wie alt die Figuren sind.
Wer sich also auf Heike Wolf einlässt, sollte gewappnet sein für das Schicksal und jede
Menge Taschentücher dabei haben. Sie erzählt dem Leser schonungslos über die
Grausamkeiten des Krieges, über Liebe, Hass und den Tod – und sie schubst den Leser in
ein Meer aus Emotionen.
Dieses Buch ist das 4. Buch der Autorin, welches ich gelesen habe. Und auch auf die Gefahr
hin, dass ich mich wiederhole: Großartig – ein must read für Fans historischer Romane! Eine
große Geschichte über einen langen Zeitraum, ohne Längen in der Erzählung. Sie packt den
Leser und lässt ihn erst auf der letzten Seite wieder los – oder selbst dann noch nicht! Diese
Geschichte wirkt länger nach!
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