Ich gab Gas. Die Autobahn spulte sich wie ein schwarzes Band vor mir ab. "Sind wir jetzt verreist?", fragte Felix mit kleiner Stimme von hinten. "Ja", sagte ich, plötzlich sah ich schlecht, ich blinzelte mir was aus den Augen. "Jetzt sind wir verreist." Ein ehemaliger Drogendealer, der frisch aus dem Gefängnis kommt. Ein vernachlässigter Junge, der dringend einen Beschützer braucht. Beide verbindet etwas, das Jahre zurückliegt. Um seinem Drogennetzwerk zu entfliehen, fährt Wanja mit Felix ans Meer. Sie finden Unterschlupf auf einem Reiterhof. Doch niemand kann für immer verreist sein, und Wanja muss lernen, Hilfe anzunehmen - nur so kann er die Menschen retten, die er liebt.
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Berührend und spannend
Renate Vorwerk aus Bergisch Gladbach am 02.05.2021
Bewertungsnummer: 1490584
Bewertet: eBook (ePUB)
Ich hatte vorher die „Feuerjäger“ Trilogie von der Schriftstellerin gelesen, eine packende Fantasy-Saga. Und war völlig überrascht, den dieses Buch ist einerseits ganz anders – es handelt in der heutigen Welt. Vergleichbar mit ihrem Fantasybereich ist aber die wunderbare Schilderung der Figuren, die ans Herz wachsen. „Ganz dringend ans Meer“ handelt von einer Odyssee, die eigentlich zum Scheitern verurteilt ist und dennoch für alle zu einem positiven und dennoch glaubhaften Ende führt. Sehr empfehlenswert.
Berührende Geschichte, einfühlsam erzählt
Bücherhöhlenkobold am 20.09.2020
Bewertungsnummer: 1379393
Bewertet: eBook (ePUB)
„Ein ehemaliger Drogendealer, der frisch aus dem Gefängnis kommt. Ein vernachlässigter Junge, der dringend einen Beschützer braucht.[...]“ (Auszug Klappentext)
Die Themen, mit denen „Ganz dringend ans Meer“ sich befasst, sind weder fröhlich noch einfach. Daher fand ich die zu Beginn des Buchs aufgeführten Content Notes (Stichworte zu eventuell problematischen Inhalten) enorm hilfreich. So wusste ich vorher, worauf ich mich einlasse und konnte entscheiden ob ich in der richtigen Stimmung bin, mich potentiell angstauslösenden Themen zu stellen. Wer diese Hinweise nicht braucht oder sich damit nicht spoilern will, kann übrigens ganz einfach darüber hinweglesen.
Über die Geschichte, die Susanne Pavlovic hier erzählt, kann ich nur Gutes berichten. Beschreibungen von Orten und Personen sind detailliert und anschaulich, die Handlung fließt und ich lasse mich einfach darin treiben. Ob schnelle, spannende Szenen oder langsame, tiefgründige: Ich will immer nur weiter lesen und finde weder langweilige Stellen noch Logikfehler.
Der Erzählstil ist freundlich, berührend und humorvoll, ohne dabei jedoch ernste Themen ins Lächerliche zu ziehen. Die Sprache wirkt poetisch und einfühlsam.
Die Figuren beeindrucken mich sehr. Bis zur kleinsten Nebenfigur überzeugen mich alle, mit lebensechten Charakterzügen und ihren ganz eigenen Geschichten, die sich harmonisch in die Haupthandlung integrieren. Ich habe das Gefühl, zwischen den Seiten echten Menschen zu begegnen, die mir wichtig sind. Sowas liebe ich!
Besonders interessant finde ich Hauptfigur Wanja, mit dem ich mich auf den ersten Blick überhaupt nicht identifizieren kann, weil er einfach ein ganz anderer Typ Mensch ist als ich. Es ist unglaublich spannend, diesen fremden Menschen kennenzulernen, seine Motive, Wertvorstellungen und Herausforderungen zu begreifen und am Ende doch immer nachvollziehen zu können, warum er bestimmte Entscheidungen trifft. Auch wenn ich persönlich ganz anders handeln würde.
Die Autorin ermöglicht ungeschönte Einblicke in Wanjas oft unglückliche Vergangenheit und seine problematische, beinahe aussichtslose Gegenwart. Die ganze Welt scheint sich gegen ihn verschworen zu haben und ihn daran hindern zu wollen, ein friedliches, selbstbestimmtes Leben zu führen.
Wanjas Frustration ist beim Lesen spürbar und geht unter die Haut. Trotzdem hinterlässt der Roman kein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, ich habe im Gegenteil immer eine Ahnung, dass „alles gut“ wird, da Wanja stets bereit ist, weiter zu machen und für seine Ziele zu kämpfen. Das macht Mut und bringt mich dieser „fremden Person“ gefühlt näher.
„Ganz dringend ans Meer“ ist ein großartiges Buch, das mich sehr berührt, zugleich aber auch gut unterhalten hat. Es hinterlässt trotz bedrückender Elemente ein positives Gefühl und das Empfinden, etwas Bedeutsames über die menschliche Natur gelernt zu haben.
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