Wenn Sie Amerikaner sind und schwarz, dann ist ihre Chance, von der Polizei erschossen zu werden, höher als wenn sie weiß sind. 21-mal höher. Obwohl die USA sich rühmen, ein post-rassistisches Land zu sein und sogar einen schwarzen Präsidenten gewählt haben, sitzt der Rassismus tief. Dieses zornige Buch ist die Geschichte einer nationalen Schande so intensiv, dass es weh tut.
In einer rasanten Tour de Force erzählt der junge amerikanische Historiker Ibram X. Kendi die wahre Geschichte des Rassismus in Amerika von den Puritanern bis zu Black Lives Matter. Er zeigt, dass der Rassismus nicht nur aus den trüben Quellen von Ignoranz und Hass aufsteigt, sondern von Anfang an dazu diente, Diskriminierung zu rechtfertigen und plausibel zu machen. Sein Buch führt uns durch eine erschreckende Geschichte voller Gewalt, Dummheit und Arroganz. Die Vorstellung, dassSchwarze minderwertig sind und selber schuld an ihrer schlechten Lage, hat sich so tief in die kulturelle DNA der Vereinigten Staaten eingeschrieben, dass der Rassismus bis heute allgegenwärtig ist das ist die bittere Bilanz dieses brillanten Buches.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
20.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Umfangreich und verständlich!
„Irgendwie hatte er [W.E.B. Du Bois] sich seinen Glauben bewahrt, dass man den amerikanischen Rassismus durch Überzeugungsarbeit und Bildung wegerziehen könnte.“
In fünf Abschnitten erklärt Ibram X. Kendi in „Gebrandmarkt“ (Übersetzung von Susanne Röckel und Heike Schlatterer) die Geschichte des Rassismus in Amerika und fängt wirklich beim Ursprung an. Er erläutert er auch den Einfluss von Aristoteles und seiner Rangordnung in den USA - mir war das so gar nicht bewusst und ich fand diese Erklärung total interessant und einleuchtend. Kendi analysiert detailliert die Entwicklung und die verschiedenen Formen des Rassismus und beginnt mit der Kolonialzeit. Dabei werden auch die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Faktoren, die den Rassismus beeinflusst haben, ausführlich behandelt.
Das Buch ist mit über 600 Seiten sehr umfangreich, aber der Autor schafft es, die komplexen historischen Ereignisse verständlich zu erklären. Das ist wirklich nichts im Vergleich zu langweiligen Geschichtsbüchern. Ergreifend fand ich Kendis letzte Sätze im Epilog:
„Es wird eine Zeit kommen, in der wir die Menschheit lieben, in der wir den Mut finden werden, für diese geliebte Menschheit um eine gleiche und gerechte Gesellschaft zu kämpfen, in dem Wissen, dass wir für uns selbst kämpfen, wenn wir für die Menschheit kämpfen. Die Zeit wird kommen. Vielleicht, nur vielleicht, ist sie jetzt da.“
mimitatis_buecherkiste
aus Krefeld
4/5
07.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Interessant und lehrreich
Ibram X. Kendi ist einer der prominentesten Rassismus-Historiker der Welt, mit dem Bestseller Gebrandmarkt hat er eine fundierte und leicht verständliche Kulturgeschichtliche des Rassismus in Amerika geschrieben. Dieses Buch hat der bekannte Comiczeichner Joel Christian Gill adaptiert und illustriert, entstanden ist diese tolle Graphic Novel. Das Buch ist nichts für Kinder, auch für Jugendliche erscheint es mir fast zu anspruchsvoll. Es ist gespickt mit vielen Fremdwörtern und Begriffen, bei denen auch ich immer wieder zur Übersetzung gezwungen worden bin. Dies fand ich bei dieser hochinteressanten und lehrreichen Lektüre nicht tragisch, selten habe ich beim Lesen so unfassbar viel gelernt.
„…ich habe einen Traum, dass eines Tages die Leute, die mich als Aufrührer beschimpft haben, so tun werden, als hätten sie mich immer unterstützt. Und ich habe einen Traum, dass konservative Politiker überall in diesem großartigen Land mich falsch zitieren, um politische Auseinandersetzungen zu gewinnen. Ich habe einen Traum, dass weisse Mädchen an meinem Geburtstag >BLACK LIVES MATTER< twittern und ihre Social Media-Profilfotos durch Fotos von mir ersetzen, aber sonst nichts für die Umsetzung unserer Ziele tun. Ich sagte, ich habe einen Traum…“ (Seite 198)
Die Graphic Novel geht auf geschichtliche, thematisch wichtige Dinge ein, was dazu führt, dass man ohne Vorwissen viele Einzelheiten schlicht und ergreifend nicht versteht, jedenfalls ging es mir so. Berühmte Personen der amerikanischen Historie habe ich natürlich erkannt, dennoch blieben mir eine Vielzahl der Figuren fremd, sodass ich auch den Zusammenhang nicht hundertprozentig verstanden habe. Dies finde ich nicht tragisch, denn die Kernaussage versteht man auch unabhängig davon. Ich sehe nun eine Menge Dinge anders, hervorheben möchte ich hier als Beispiel den ein oder anderen berühmten Film, der mit Preisen überhäuft wurde und als Klassiker gilt, bei näherer Betrachtungsweise allerdings so rassistisch ist, dass es mir heute den Magen umdreht. Eine Fülle Denkanstöße nehme ich aus der Lektüre mit und bin froh, meinen Horizont erweitert zu haben. Eine Leseempfehlung gibt es dafür von mir.
_lesewesen
4/5
07.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Anspruchsvolle Lektüre
„Gebrandmarkt. Die wahre Geschichte des Rassismus in Amerika“ ist eine Graphic Novel-Adaption zum gleichnamigen Sachbuch von Ibram X. Kendi, welches 2016 den National Book Award for Nonfiction verliehen bekam.
Aufmerksam geworden auf das Buch bin ich allerdings nicht durch diesen Preis, sondern durch eine angekündigte Netflix-Dokumentation. Da lag es natürlich nahe, erst einmal das Buch über Rassismus in Amerika zu lesen, um sich dann später vor den Fernseher zu setzen.
Die von der Größe gut gewählten, klaren Illustrationen hatten mich schon in der Leseprobe begeistert und auch die Idee, dass man anhand von verschiedenen wichtigen Zeitzeugen durch die Kapitel geführt wird, hatten mich angesprochen.
So erlebt man den Rassismus in Amerika zu Zeiten von Cotton Mather, Thomas Jefferson, William Lloyd Garrison, W. E. B. Dubois und Angela Davis, wobei die Kapitel etwa gleich lang sind.
Die Aufmachung der Graphic Novel ist toll, man lernt unglaublich viel, z. B. dass die Entstehung des Rassismus in Amerika auf Schriften der alten Griechen fußten. Allerdings fiel es mir teilweise schwer, mit der Flut an Informationen (verschiedene Persönlichkeiten, Fachtermini, Pamphlete) umzugehen, hier hätte es sicher geholfen, im Vorfeld schon mehr Kenntnisse über die amerikanische Geschichte, ihre Präsidenten und Aktivisten zu haben.
Insbesondere gefiel mir, dass auch der Einfluss von Popkultur erwähnt wurde, wie z. B. die Filme Tarzan und Rocky oder auch literarische Werke.
Wer mehr über Rassismus in Amerika erfahren will, trifft hier auf jeden Fall auf eine gut fundierte Graphic Novel. Ein wenig Geduld ist wahrscheinlich gefragt - für ein einfaches Herunterlesen ist dieses Sachbuch zu dicht. Und wer sich sowieso schon mit amerikanischer Geschichte auseinandersetzt hat, der kommt an diesem Buch sicherlich nicht vorbei.
Bewertung
4/5
25.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wichtiges aber schockierendes Thema
In der Graphic Novel von Kendi wird die Geschichte des Rassismus in Amerika von den Anfängen bis zur Gegenwart bebildert. Zusammengesetzt ist die Novel aus den Biographien der fünf folgenden Personen C. Mather, T.
Jefferson, W. L. Garrison, W. E. B Du Bois und A. Davies. Es ist unfassbar wie tiefgründig verwurzelt der Rassismus in der amerikanischen Geschichte und wie allgegenwärtig er immer noch ist. Die Novel beschreibt ein sehr interessantes aber gleichzeitig sehr schockierendes Thema. Nach meiner ersten Graphic Novel bleibe ich zukünftig lieber bei den Standardbüchern, die sich für mich besser lesen lassen.
Dennoch gibt es aber eine Empfehlung für die Novel.
Übrigens gibt es seit dem 15.11.23 den dazugehörigen Dokumentarfilm auf Netflix (für alle die lieber Fernsehen).
Igelmanu66
aus Mülheim
4/5
27.10.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein präziser und detaillierter Bericht über die Geschichte des Rassismus.
»Die göttliche Vorsehung schicke Afrikaner in die Sklaverei ins christliche Amerika, damit sie von ihren Herren Kenntnis von der ruhmreichen Heilsbotschaft Christi erhielten. Sie sind Menschen, keine Tiere. Allerdings ist ihre Dummheit entmutigend. Afrikaner zu belehren scheint keine geringere Aufgabe zu sein, als sie zu waschen.«
Afroamerikaner blicken auf eine lange Leidensgeschichte zurück. Noch heute ist ihr Leben von Benachteiligungen und Diskriminierung geprägt. Die statistische Wahrscheinlichkeit, von der Polizei getötet zu werden, liegt für einen jungen schwarzen Amerikaner einundzwanzigmal höher als für einen jungen Weißen und die durchschnittliche Finanzkraft weißer Haushalte übersteigt die schwarzer Haushalte um das Dreizehnfache.
Ibram X. Kendi, Professor für Geschichte und Internationale Beziehungen an der American University in Washington, D.C. erzählt die Geschichte Schwarzer in Amerika von den Anfängen bis zur Gegenwart. Überaus präzise und detailliert ist sein Bericht, vermittelt den Eindruck von Vollständigkeit und ist reich an Zitaten.
»Diese Regierung wurde nicht von Negern und nicht für Neger geschaffen, sondern von weißen Männer für weiße Männer. Das Gesetz gründe auf der falschen Vorstellung von rassischer Gleichstellung. Die Ungleichheit der weißen und der schwarzen Rasse sei ein Brandmal von Geburt an.« (Jefferson Davis, 1860)
Für seinen Bericht hat er eine sehr reizvolle Art der Umsetzung gefunden, denn er reiht im Grunde fünf Biographien von Persönlichkeiten aneinander, die zu ihrer jeweiligen Zeit die ethnischen Vorstellungen und Ideen beeinflusst oder vertreten haben. Konkret haben wir es mit Cotton Mather, Thomas Jefferson, William Lloyd Garrison, W. E. B. Du Bois und Angela Davies zu tun. Ich gestehe, dass mir manche der Namen zuvor nicht viel gesagt haben, umso interessanter war zu lesen, wie wichtig ihre Lebensläufe und Gedanken für alle maßgeblichen Debatten zum Thema Rassismus waren und sind.
Als Basis stellt Kendi drei unterschiedliche Standpunkte vor, die seit Jahrhunderten diskutiert werden, schon dabei habe ich viel Neues erfahren, zum Beispiel, dass den Anti-Rassisten zwei Hauptströmungen rassistischer Ideen gegenüberstehen. Dann die vielen Theorien, die aufgestellt wurden um zu ergründen, weshalb es eigentlich Menschen mit heller und solche mit dunkler Haut gibt. Klimatheorie, Fluchtheorie und die Überlegung, ob eine schwarze Seele weiß werden kann ich habe gestaunt, womit sich selbst Gelehrte befasst haben.
Was versteht man unter ethnischer Ungleichheit oder schrittweiser Gleichstellung? Und wie war das mit der Kolonisation? Interessant fand ich auch die Zusammenhänge von Sexismus und Rassismus, denn auch die Gleichheit der Geschlechter wird thematisiert.
Immer wieder gab es Abschnitte, bei denen ich beim Lesen richtig wütend wurde. Manchmal wusste ich nicht, was mich mehr empört, die Grausamkeit der beschriebenen Handlung oder die Argumentation, mit der sie gerechtfertigt wurde.
Vielen berühmten Namen begegnet der Leser, denn natürlich haben Martin Luther King, Malcolm X und Barack Obama ihren Platz im Buch, das neben der Geschichte des Rassismus auch viel über die Geschichte der Vereinigten Staaten erzählt. Bei den Sachinhalten fehlt, so mein Eindruck, nichts.
Persönlich hätte ich es schön gefunden, wenn es noch ein paar Bilder, vor allem aus dem historischen Teil, gegeben hätte. Auch hat mir der Stil nicht immer zugesagt, er war mir manchmal schlicht zu trocken. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass der Autor an einigen Stellen eine Benachteiligung hineininterpretiert, die so eigentlich nicht gemeint war. Ich halte mich wirklich für sensibel, was diese Thematik angeht und fand doch bei einigen Gelegenheiten den von Kendi geäußerten Rassismus-Vorwurf für übertrieben.
Fazit: Ein präziser und detaillierter Bericht über die Geschichte des Rassismus. Sehr wichtig und lesenswert!
»Die Zeit wird kommen, in der die Amerikaner erkennen werden, dass das Einzige, was an Schwarzen nicht stimmt, der Gedanke ist, dass etwas mit ihnen nicht stimmt.«
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