Der Tod von Maurice Sarfati/Moritz Reincke führt drei Menschen familiär zusammen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: seine deutsche Enkelin Nina, seine jüdische Tochter Jöelle sowie seinen palästinensischen Sohn Elias. Nach anfänglichem Gegeneinander versuchen sie gemeinsam die Puzzlestücke zusammenzusetzen, um zu erklären warum ihr deutscher Vater und Großvater drei Familien hatte, die voneinander nichts wussten, was wiederrum nach und nach das jeweilige Bild von ihm zum Einstürzen und zu der Frage führt: wer war er wirklich? Aufmerksam geworden bin ich auf „Jaffa Road“ durch das Cover als auch den Klappentext, der die Story um einen untergetauchten Nazi versprach, aber letztendlich nicht das war, was ich erwartet hatte, sondern viel mehr! Ich gebe zu, dass mich die 550 Seiten etwas „abschreckten“ und ich deshalb das Buch länger vor mir hergeschoben habe – doch damit habe ich ihm völlig Unrecht getan und mich beim Lesen immer wieder darüber geärgert. Meines Erachtens ist es Daniel Speck nicht nur hervorragend gelungen, die Lebensgeschichten der unterschiedlichen Akteure stimmig darzulegen, sondern diese gleichzeitig auch noch mit deren schwierigen politischen Ansichten und daraus resultierenden Problemen zu verknüpfen. Ich habe schon oft versucht, den Nah-Ost-Konflikt zu verstehen. Dank der Schilderungen im Buch habe ich den bis heute schwelenden Konflikt in Israel endlich verstanden, vielleicht auch, weil Schicksale Einzelner plastischer wirken, als die Reduzierung auf die Nationalität/den Glauben. In dieser Beziehung ist „Jaffa Road“ nicht nur ein interessantes und lehrreiches Buch, sondern zugleich im Aufbau in mehrere Zeitebenen UND Ansichten doch eher ungewohnt. Und trotz dieser Vielzahl von Aspekten bzw. Geschichten in der Geschichte, welche leicht den Überblick verlieren lassen könnten, zieht sich der rote Faden sicher durch das ganze Buch. Ein absolut lesenswertes Buch, was noch Lange in mir nachklingt. Definitiv werde die die Vorgängerbände auch noch lesen!
Mareike Kollenbrandt
aus Jülich
5/5
27.05.2021
eBook (ePUB 3)
Lebendige Geschichte
Nina wird nach Palermo gerufen. Es geht um das Testament ihres Grossvaters, der bis zu diesem Zeitpunkt ein Fremder im Leben seiner Enkelin war. Sie trifft sich dort mit ihrer Tante Joelle, die aus einer anderen Beziehung ihres Grossvaters stammt. Vor Ort treffen sie auf Elias, der behauptet, auch ein Kind des Verstorbenen zu sein,
Diese Geschichte wird zu einer Zeitreise und beschreibt das Leben eines Mannes, der immer wieder von vorne angefangen hat. Das allerdings immer mit anderen Familien. Das Buch beschriebt verschiedene Kuturen in verschiedenen Zeiten und führt den Leser so geschickt durch den historischen Hintergrund, dass man gar nicht merkt, wie viel Neues man lernt. Der Nahostkonflikt wird hier leider zu einem Thema, was im Moment auch wieder aktuell ist. Für Nina wird diese Story zur Familiengeschichte, zur Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte.
Bewertung
aus Birr
5/5
18.05.2021
eBook (ePUB 3)
Piccola Sicilia
Daniel Speck schreibt spannend, super recherchiert und er geht ein auf die verschiedenen Charakter der Menschen.
Unglaublich viel Zeitgeschichte steckt in seinen Erzählungen.
Bewertung
aus Graz
5/5
07.05.2021
eBook (ePUB 3)
Großartiges Buch
Das ist nun schon mein drittes Buch von Daniel Speck und wieder bin ich vollauf begeistert. Der Autor versteht es, wie nur wenige, historische Ereignisse in die Rahmenhandlung einzubauen. Die Fragen der familiären Zusammenhänge lösen sich im Laufe des Buchs zur vollen Zufriedenheit auf. Auch dieses Werk (und der Vorgängerband Piccola Sicilia) schreien nach einer mehrteiligen Verfilmung.
Bewertung
aus Vitzenburg
5/5
07.05.2021
eBook (ePUB 3)
Jaffa Road
Nachdem mir im Vorjahr Piccola Sicilia von Daniel Speck so gut gefallen hat, habe ich mich natürlich sehr über die Erscheinung der Fortsetzung gefreut und hatte auch damit wieder sehr schöne, spannende und zudem informative Lesestunden.
Als die Berliner Archäologin Nina nach Palermo reist, um das Erbe ihres Großvaters Moritz anzutreten, trifft sie dort auf ihre Tante Joëlle und auf Elias, der behauptet, Moritz Sohn zu sein. Alle drei sind sich fremd und stehen vor einem Rätsel. Wie kann es sein, dass Moritz drei verschiedene Familien hatte ohne dass sie voneinander erfahren haben? Wie kann es sein, dass er drei Leben gelebt hat? Sie setzen sein Leben wie ein Puzzle zusammen, erzählen von ihren Müttern, den drei Frauen, die Moritz geliebt hat und schlagen dabei einen Bogen rund um das Mittelmeer. Diese drei so unterschiedlichen Leben sind auf schicksalhafte Weise miteinander verbunden.
Ich habe mich eigentlich für gut informiert gehalten, aber der Konflikt im Nahen Osten ist mir trotzdem fremd und irgendwie weit weg. Wenn man bedenkt, dass nach dem zweiten Weltkrieg zigtausende Juden in den neu gegründeten Staat Israel eingewandert sind, die bisher dort lebenden Araber ihre Heimat, ihr Land, ihre Wohnungen verlassen mussten, waren und sind Konflikte im heiligen Land eigentlich vorprogrammiert. Mit Joëlle als Israelin und Amal als Palästinenserin in wechselnden Perspektiven gelingt es Daniel Speck hervorragend, dass man als Leser beiden Seiten Sympathien entgegenbringen, beide Seiten verstehen kann. Dabei sind alle Charaktere sehr lebendig in Szene gesetzt und wirken mit ihren menschlichen Ecken und Kanten durchweg glaubwürdig und authentisch. Als Leser kann man mit ihnen mitfiebern, mitleiden, an ihren Schicksal Anteil nehmen und ihnen so sehr gern durch die Geschichte folgen.
Leider kann ich nicht wirklich sagen, ob das Buch ohne Kenntnis des Vorgängers gelesen werden kann. Er ist zwar vollkommen eigenständig, erzählt eine völlig andere Geschichte und beginnt mit einen radikalen Neuanfang nach dem Krieg, aber gerade das komplizierte Verhältnis zwischen Yasmina, Victor und Moritz wird erst in der Mitte des Buches aufgegriffen und aufgeklärt. Wem Piccola Sicilia gefallen hat, dem stellt sich die Frage natürlich nicht, der greift hier auf jeden Fall zu. Alle anderen müssen sich vermutlich einfach darauf einlassen.
Für mich war Jaffa Road wieder einmal wie ein eintauchen in eine mir bisher fremde Welt. Das Buch ist an keiner Stelle langweilig oder kitschig, alles passt perfekt zueinander, nichts ist überflüssig und die Geschichte fließt absolut flüssig.
Bei manchen Büchern wünscht man sich ja gern einige Seiten mehr, dieses ist eines davon.
Sehr gern vergebe ich für diesen Roman fünf Sterne und hoffe auf mehr von Daniel Speck.
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5/5
07.08.2023
Buch (Taschenbuch)
Piccola Sicilia 2.0
Die Berlinerin Nina erfährt aus einem Brief vom Notar, dass ihr seit langem verschollener Großvater sie zur Teilerbin einer Villa in Palermo gemacht hat. Als sie dorthin reist, begegnet sie der Jüdin Joelle und dem Palästinenser Elias - wie Ninas Mutter beides Kinder von Moritz! Offenbar hatte er drei Familien und keine wusste von den "anderen Leben". Anhand eines Koffers voller Fotografien beginnen die drei fremden Verwandten die Lebensreise von Moritz zu rekonstruieren. Und plötzlich wird aus der Familiengeschichte eine Weltgeschichte - durch die Nachkriegszeit in Berlin, nach Haifa im neuen Israel bis nach Jaffa, wo der Juden/Palästinenser-Konflikt eskaliert.
Ein Lehrstück in Geschichte - objektiv und spannend!
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