Preis der Hotlist 2021. Candace Chen arbeitet für einen Verlagsdienstleister am Times Square – zuständig für die Herstellung von Themenbibeln in Asien. So hingebungsvoll folgt sie ihren täglichen Routinen, dass sie erst gar nicht bemerkt, wie tödliche Pilzsporen über New York hereinbrechen – ins Land gekommen durch billige, in China hergestellte Konsumgüter. Das Shen-Fieber greift rasant um sich. Geschäfte schließen. U-Bahnen stehen still. Menschen fliehen. Bald ist sie fast ganz allein in New York. Doch dann muss auch Candace die Stadt verlassen und schließt sich einer Gruppe Überlebender an – in Sicherheit ist sie damit aber noch lange nicht, wie sie bald erfahren wird. Dieses preisgekrönte, kurz vor Corona in den USA erschienene Debüt ist eine bewegende Familiengeschichte, eine originelle Endzeiterzählung und ein aufschlussreicher Pandemieroman. Die beißende Satire auf den modernen Kapitalismus entwirft eine erschreckende Vision dessen, was danach kommen könnte … »Klug, witzig, menschlich und außerordentlich gut geschrieben.« Kirkus Review.
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Faszinierende Postapokalypse
pearl-on-the-rox (Mitglied der Book Circle Community) am 10.02.2024
Bewertungsnummer: 2194105
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Story verfolgt Candace Chen, eine New Yorkerin, die mit den Auswirkungen einer globalen Pandemie kämpft. Die Autorin wechselt geschickt zwischen den Zeitebenen, schafft einen berührenden Kontrast zwischen dem Chaos der Epidemie und Candaces Leben zuvor.
Ling Mas Stärke liegt in der Erforschung der Monotonie des Alltags und der Suche nach Bedeutung in einer entfremdeten Welt. Themen wie Isolation, Identität und die prägende Rolle der Unternehmenskultur werden gekonnt behandelt. Die Protagonistin ist zugleich fesselnd und rätselhaft, ihre Geschichte zieht die Lesenden mit sich, während sie in einer zerbrochenen Welt nach dem Sinn sucht.
Der Schreibstil ist scharfsinnig und erfasst die Trostlosigkeit einer zusammenbrechenden Gesellschaft und bewahrt trotzdem einen subtilen Hauch von Hoffnung. Das Tempo des Romans erlaubt es, die Details der geschaffenen Welt zu geniessen und über deren Implikationen nachzudenken. Bemerkenswert ist, dass der Roman 2018, also vor der COVID-19-Pandemie veröffentlicht wurde und beinahe prophetisch die Umstände beschreibt, die eine solche Krise auslösen kann. Es ist ein packendes Debüt, welches geschickt die Komplexitäten des modernen Lebens erforscht und postapokalyptische Elemente mit einer scharfen Analyse der zeitgenössischen Gesellschaft verbindet. Ich freue mich bereits auf die kommenden Werke dieser herausragenden Autorin.
Ling Mas Debütroman „New York Ghost“ ist ein endzeitlicher Roman, der in einer Welt spielt, in der eine aus China stammende Fieberpandemie fast alles menschliche Leben ausgelöscht hat. Das würde den Inhalt des Romans beschreiben und trifft dennoch die Vielschichtigkeit des Werkes nicht mal im Ansatz. Es gibt mehrere Erzählstränge, die das Buch durchziehen und jeder ist für sich genommen schon sehr lesenswert.
Die Protagonistin Candace Chen ist mit einer Gruppe anderer, noch nicht infizierter Personen unterwegs durch die apokalyptische Welt zu einem sicheren Hafen, den der Anführer der Gruppe Bob, der mit einem religiösen-sektenartigen Charakter die Gruppe führt, für die Gruppe auserkoren hat. Das Shen-Fieber, eine durch Pilzsporen übertragene Erkrankung, die v.a. das Gehirn befällt und die Menschen zu maschienenartigen Zombies werden lässt, die ununterbrochen ihren alltäglichen Aufgaben nachgehen, bis die letzten Impulse im Gehirn aufgehört haben, wurde vermutlich durch Billigprodukte aus China in der ganzen Welt verteilt und hat den Großteil der Menschheit dahingerafft. Candace war als eine der letzten Überlebenden noch in New York und hat ihre Eindrücke und Bilder von der entvölkerten Stadt auf dem Kanal „New York Ghost“ geteilt.
Ein weiterer Erzählstrang erzählt die frühe Geschichte von Candace und ihren Eltern, die einst China verlassen hatten, um in Amerika eine bessere Zukunft für ihre einzige Tochter schaffen zu können. Es erzählt die Geschichte der hart arbeitenden, sehr ehrgeizigen und fleißigen Migranten, die trotzdem nie so ganz Teil der neuen Gesellschaft wurden. Besonders Candace´ Mutter zerbricht psychisch am Fremdsein in dem neuen Land und ihrer fehlenden Aufgabe.
Der dritte Erzählstrang berichtet von Candace´ Leben nach dem Tod ihrer Eltern in New York: Sie arbeitet bei einer großen Firma, die Bibeln auf Kundenwunsch mit den verrücktesten Designs herstellt. Dabei koordiniert sie den Einkauf aus Niedriglohnländern wie China. Sie driftet durch ihr New Yorker Leben, hängt tagsüber in ihrem Bürojob fest und trifft sich abends mit ihrem Freund, einem Freigeist, in dessen Kellerwohnung, ohne zu bemerken, wie die Seuche mehr und mehr um sich greift. Als eine der letzten arbeitet sie in ihrem Büroturm in New York, hängt ihrem geregelten Leben, ihren Routinen nach, setzt ihren Kotaktmann in China zur Produktion weiter unter Druck, während um sie herum nur noch Chaos und Anarchie herrschen. Denn anders als in anderen Endzeitszenarien ist das Shen-Fieber nicht von Mensch zu Mensch übertragbar und lässt die Infizierten auch nicht zu blutgierigen Zombies werden, sondern zu einer Art pflichterfüllende Roboter, die ihre Tätigkeiten bis sie verfault sind weiter fortsetzen. Somit droht Candace v.a. Gefahr durch die Seuche selbst, ihre letzten Mitüberlebenden, der Einsamkeit und der feindlichen Umwelt.
Für mich beinhaltet dieses Buch sehr viel Gesellschafts- und Konsumkritik, einen beißenden, ironischen Humor, spannende Motive und nicht zuletzt eine fast prophetische Vorausnahme der Covid-Pandemie. Denn das Buch ist nicht im letzten Jahr geschrieben worden, sondern 2018, lange vor Covid-19.
Es lässt sich wunderbar lesen, fesselt, ist unerwartet komisch, sehr aktuell und lässt einen trotzdem nicht tief deprimiert zurück.
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