"Hans Platzgumer ist ein Meister darin, Extremsituationen fühlbar zu machen" (Profil). Der Autor von "Am Rand" fragt in seinem neuen Roman: Ist am Ende nur schuld, wer sich schuldig fühlt?
Eine Kreuzung in Innsbruck. Ein Unfall mitten in der Nacht. Ein Fußgänger ist tot. Was ist passiert? Und wer ist schuld? Andreas Bogner, der die Schusswaffe seines Schwiegervaters eigentlich nur zeichnen wollte? Nicole Pammer, die an diesem Abend ausnahmsweise ein Glas zu viel getrunken hat? Ihre Mutter, die ohne Zögern alle Spuren verwischt? Oder gar der Kunstkritiker Kurt Niederer selbst, der schließlich immer schon sehr genau gewusst hat, wie man anderen das Leben zur Hölle macht? Geschickt webt Hans Platzgumer in seinem neuen Roman ein Netz aus Eitelkeiten und Unzulänglichkeiten. Ist am Ende nur schuld, wer sich schuldig fühlt?
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
YukBook
aus München
5/5
25.01.2025
Buch (Taschenbuch)
Der Roman beginnt mit…
Der Roman beginnt mit Arbeitsnotizen des titelgebenden Protagonisten, die sowohl Unbehagen als auch Neugier in mir weckten. Darin beschreibt der Künstler Andreas Bogner, wie er eine Pistole seines Schwiegervaters studiert, um ihre „Persönlichkeit“ und Brutalität zu porträtieren. Man hat schon ein ungutes Gefühl, dass die Waffe eine unheilvolle Rolle spielen wird, zumal es in Bogners Privat- und Berufsleben nicht zum Besten steht. In einem zweiten Handlungsstrang lernen wir die Studentin Nicola Pammer kennen, die eines Nachts an einer Kreuzung in Innsbruck in einen Autounfall verwickelt wird. Es liegt nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen den beiden Figuren gibt, aber der Autor spannt uns lang auf die Folter und führt außerdem eine dritte Person – einen Kunstkritiker – ein, um dessen Anerkennung Bogner ringt. Anhand dieser Konstellation beschreibt der Autor sehr scharfsinnig, ob und wie Menschen Verantwortung für ihr Handeln übernehmen, mit Schuldgefühlen umgehen und was dabei in ihren Köpfen vorgeht. Sein Erzählstil ist prägnant und schnörkellos, was die Dramatik der Ereignisse verschärft. Ich war verblüfft, wie ich auf gerade mal 140 Seiten ein recht klares Bild der Lebenssituation zweier Menschen bekam, deren Wege sich zufällig und folgenreich kreuzen. Nahestehende können ihnen noch so viel Hilfe anbieten - am Ende müssen sie ihre Konflikte mit sich selbst ausmachen. Ein starkes Buch – dicht und intensiv.
Bewertung
aus Berlin
5/5
09.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schuld
Schuld oder Nichtschuld, das ist die zentrale Frage in dem Roman „Bogners Abgang“ des österreichischen Schriftstellers Hans Platzgumer. Dabei geht es nicht vorrangig um die rechtliche Schuld, sondern die moralische: Ist am Ende nur schuld, wer sich schuldig fühlt?
Ausgangspunkt von Platzgumers Drama, das in moderner Form an eine griechische Tragödie erinnert, ist ein nächtlicher Unfall in Innsbruck. Mit dem Resultat eines toten Fußgängers. Verwickelt in den Vorfall sind mindestens zwei Personen, darunter die junge Studentin Nicola, die angetrunken Auto gefahren ist, und der Künstler Bogner, der inmitten einer Sinnkrise steckt.
In sachlich-nüchternem Ton, eher berichtend als erzählend, zeichnet Platzgumer ein Psychogramm der beiden Protagonisten, wobei – in Anlehnung an den Titel, Bogner im Fokus steht. Der Künstler ist eine tragische Figur, die uns spannende Einblicke in die Kunstwelt und -Szene verschafft, zu der Bogner selbst gehören möchte und nach der er sich verzehrt. Leidenschaftlich verzehrt. Ein bisschen scheint es, als wenn die Kunst das einzige ist, das seinem Leben Sinn (und Feuer) gibt. Und dann kommt Kurt Niederer ins Spiel, ein Kunstkritiker, der wie bereits sein Name verspricht, sich Bogners Kunst auf eher niederträchtige Weise annimmt.
Die Tragödie nimmt ihren Lauf … Nicht umsonst startet das Werk mit einem Zitat des österreichischer Psychiaters Reinhard Haller: „Nichts beeinflusst Stimmung und Motivation, nichts Befindlichkeit und Lebensqualität, nichts unser Selbstwertgefühl so sehr wie manche Kränkung.“
Wie bereits in seinem Vorgängerroman „Am Rand“ setzt sich Platzgumer in diesem literarischen Werk mit der Frage der Moral, dem richtigen Handeln auseinander, wobei hier (subjektiv) die Schuldfrage bzw. das eigene (vernichtende) Urteil im Fokus steht. Als wiederkehrendes Element treffen wir in „Bogners Abgang“ auch auf suizidale Gedanken und die Bergwelt.
„Bogners Abgang“ überzeugt durch seine Kompaktheit: Knapp und kurz auf ca. 140 Seiten zeichnet Platzgumer scharf und fein die Protagonisten seiner Tragödie, lässt eine Eigendynamik entstehen und führt uns spannungsgeladen zum Höhepunkt. Final bleibt man als LeserIn ganz sicher mit der quälenden Frage zurück, wer denn nun eigentlich die (meiste) Schuld trägt? Fazit: Kompakt. Spannend. Mit Nachhall.
Bewertung
5/5
30.04.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch mit Tiefgang über Bogners Abgang
„Bogners Abgang“ von Hand Platzgumer ist ein Buch, das viele moralische, juristische und ethische Diskussionen aufwirft. Was ist richtig? Was ist falsch? Wo liegt die Schuld? Und wie unterschiedlich gehen Menschen mit Situationen um? Die Protagonisten Nicola und Andreas werden – ohne voneinander zu wissen – beide in einen Unfall verwickelt, der ihr Leben zu diesem Zeitpunkt einschneidend bestimmt und verändert. Der Autor stellt auf außergewöhnliche Art die Gedankengänge und Taten der beiden dar und man ist als LeserIn einfach gefesselt! Dann noch die Nebenschauplätze, das Experiment des Künstlers Andreas – obwohl das Buch nur wenige Seiten hat, zieht es die LeserInnen in seinen Bann und lässt einen auch darüber hinaus nicht mehr los.
5 Punkte von mir für dieses Buch, das mich wirklich nachhaltig beeindruckt hat!
Azyria Sun
5/5
25.04.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch mit Tiefgang über…
Ein Buch mit Tiefgang über Bogners Abgang Worum geht’s? Ein Mann wird angefahren und stirbt an den Verletzungsfolgen des Unfalls. Aber nicht nur die Fahrerin war in den Unfall verwickelt. Eine weitere Person war noch mit dabei. Jeder fühlt sich schuldig. Doch wer ist schuld am Tod? Wer sich schuldig fühlt? Und wie kann man so ein Erlebnis verarbeiten? Meine Meinung: „Bogners Abgang“ von Hans Platzgumer ist ein Roman, der sich mit dem moralischen Umgang der Menschen zum Thema Schuld beschäftigt. Ist nur schuld, wer sich schuldig fühlt? Wie geht man mit Schuld um? Was ist richtig? Was ist falsch? Am Beispiel eines Unfalls zeigt er auf, wie sich die Gefühle in einzelnen Menschen unterschiedlich entwickeln. Das Buch ist nur kurz, aber intensiv. Mitreißend. Spannend und philosophisch. Zum einen geht es um Andreas Bogner, einen Künstler, der geerbt hat und nicht von seiner Kunst leben muss. Ein Perfektionist, der gerne mal ungewöhnliche Experimente macht, die vom Autor sehr eindrucksvoll beschrieben werden. Er ist verheiratet, lebt aber in seinem Atelier und trifft seine Frau Astrid fast nur am Wochenende. Der Kunstkritiker Niederer ist ihm gegenüber seiner Meinung nach eher negativ eingestellt und er versucht alles, um seine Gunst zu gewinnen; aus irgendeinem Grund ist ihm dies wichtig. Andreas versucht, sich in seiner Kunst zu verwirklichen und etwas Außergewöhnliches zu erschaffen. Aber versucht er es zu sehr? Auch er ist in den Unfall verwickelt. Wie er damit umgeht, müsst ihr aber selbst herausfinden. Ebenfalls beteiligt ist die Studentin Nicola. Sie ist auf dem Weg ins Erwachsenwerden und auch sie ist an dem Unfall beteiligt, geht jedoch fast schon gegensätzlich zu Andreas mit der Situation um. Das Kind in ihr sucht noch die Nähe ihrer Mutter, die Frau in ihr sucht Antworten und Verantwortungen. Wie wird sie sich letztendlich entscheiden? Der Autor fasst die Gedankengänge der beiden sehr schön zusammen. Gut gefallen hat mir auch das unbewusste „Treffen“ der beiden am Ende des Buches. Als sie aneinander vorbeigehen, Nicola sogar auf Andreas aufmerksam wird, jedoch beide weitergehen. Ohne sich zu kennen. Ohne zu wissen, wie tief ihre Leben plötzlich miteinander verbunden sind und was dieses Wissen vielleicht für den einen oder anderen verändern könnte. Der Autor hat mit „Bogners Abgang“ ein Buch geschaffen, das mich noch lange beschäftigen wird. Ein Buch, das juristische, moralische, ethische Diskussionen aufwirft. Das aber auch die menschlichen Stärken und Schwächen nicht außer Acht lässt. Ein Buch, von dem ich gerne noch mehr gelesen hätte und das mir einen Autor gezeigt hat, den ich davor nicht kannte, von dem ich aber auf jeden Fall mehr lesen möchte, da ich wirklich tief beeindruckt war und bin! Fazit: „Bogners Abgang“ von Hand Platzgumer ist ein Buch, das viele moralische, juristische und ethische Diskussionen aufwirft. Was ist richtig? Was ist falsch? Wo liegt die Schuld? Und wie unterschiedlich gehen Menschen mit Situationen um? Die Protagonisten Nicola und Andreas werden – ohne voneinander zu wissen – beide in einen Unfall verwickelt, der ihr Leben zu diesem Zeitpunkt einschneidend bestimmt und verändert. Der Autor stellt auf außergewöhnliche Art die Gedankengänge und Taten der beiden dar und man ist als LeserIn einfach gefesselt! Dann noch die Nebenschauplätze, das Experiment des Künstlers Andreas – obwohl das Buch nur wenige Seiten hat, zieht es die LeserInnen in seinen Bann und lässt einen auch darüber hinaus nicht mehr los. 5 Punkte von mir für dieses Buch, das mich wirklich nachhaltig beeindruckt hat!
fiinchen
aus Bayreuth
5/5
23.04.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Bogners Abgang“ von Hans…
„Bogners Abgang“ von Hans Platzgumer beschäftigt sich mit der Frage nach der Schuld – konkret die Schuld eines Autounfalls. Erzählt wird die Geschichte in zwei Strängen: Andreas Bogner und Nicola Pammer. Die Geschichte spielt in Innsbruck. Dem Autor gelingt es beide Erzählstränge und damit die eigentliche Geschichte des Unfalls erst am Ende des Romans zusammenzubringen und aufzulösen. Damit bleibt bis zum Ende die Spannung erhalten. Das Buch ist nicht allzu dick, trotzdem hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass es etwas fehlt oder unzureichend ausgeführt wurde. Die beiden Figuren Andreas Bogner und Nicola Pammer zeichnet Platzgumer nachvollziehbar und dadurch in gewisser Weise auch sympathisch. Die Anzahl der Figuren in der Geschichte sind meiner Meinung nach vollkommen ausreichend für den Kern des Ganzen. Sprachlich gesehen ist der Roman sehr gut lesbar, sodass man auch direkt in die Geschichte reinkommt. Besonders gefallen hat mir, dass der Autor die endgültige Frage nach der Schuld offenlässt und damit der Leser selbst die Frage für sich beantworten kann oder auch nicht. Denn es zeigt sich, dass die Frage nach der Schuld nicht immer klar zu beantworten ist. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass der Autor mit erhobenem Zeigefinger erzählt. Fazit: „Bogners Abgang“ hat mich überrascht (positiv) und sehr gut gefallen. Der Roman ist auf jeden Fall für alle zu empfehlen, die eine Geschichte zum Nachdenken haben, aber nicht direkt einen dicken Wälzer in die Hand nehmen möchte.
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