Es ist der Sommer 1968: In Paris gehen die Studenten auf die Straße, in Vietnam wütet der Krieg, Martin Luther King wird ermordet. Während die Welt in Aufruhr ist, wird im sonnigen Brighton ein aparter Kinofilm gedreht. Hier kreuzen sich die Wege eines Filmproduzenten, einer Schriftstellerin und einer Schauspielerin. Alle drei führen ein Doppelleben: Elfrida, der keine Zeile mehr einfällt und deren Ehe zerrüttet ist, ertränkt ihren Frust in Wodka. Talbot, der Filmproduzent, hat ein geheimes Hobby und macht gute Miene zum bösem Spiel, denn er weiß, dass sein Geschäftspartner versucht ihn auszubooten. In Anny, die umwerfende Hauptdarstellerin, ist die ganze Welt verliebt, aber ihre Liebschaften bereiten dem Filmstar nur Scherereien: Sie hat eine Affäre mit ihrem Filmpartner, und natürlich taucht ihr Liebhaber, ein Philosoph aus Paris, überraschend am Set auf. Außerdem sitzt Anny ihr Ex-Mann im Nacken - und das FBI. Während die Dreharbeiten bei scheinbar ausgelassener Stimmung voranschreiten, rumort es hinter den Kulissen gewaltig. Die Geheimnisse des Trios drohen aufzufliegen. Wie lange kann jeder seine Rolle spielen? Und wer inszeniert das größte Drama?
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Drama am Filmset
Bewertung aus Oberursel am 30.04.2021
Bewertungsnummer: 1488807
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
William Boyd, einer der grossen amerikanischen Autoren der Gegenwart, hat ein neues Buch geschrieben, und ich war super gespannt – vielen Dank gleich an dieser Stelle an den Kampaverlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares!
Auf dem Klappentext steht: „Licht, Kamera, Chaos….Und mittendrin zwei Frauen und ein Mann, die viel zu verbergen haben, und für die alles auf dem Spiel steht.“ Und schon sind wir als Leser mittendrin: Es ist das Jahr 1968, und im englischen Brighton wird ein Film gedreht. Der Mann ist Talbot, ein alternder Filmproduzent, der einen möglichst erfolgreichen Film aus einer skurrilen Story, einer jungen und betörenden Hauptdarstellerin, auf die keinerlei Verlass ist und der das FBI im Nacken sitzt, und notorisch nervigen Kollegen und Drehbuchautoren zu schaffen versucht. Die Frauen sind Annie, besagte junge Fimdiva, und Elfrida, Autorin mit Schreibblockade. Die Schreibflaute dauert mittlerweile 10 Jahre an, und andauernder Konsum von Wodka-Orangensaft und Gin Tonic beflügeln nicht unbedingt die dringend herbeigesehnte Kreativität…. Diese drei Protagonisten bilden das im Trio, das im Titel genannt ist. Ihre Leben berühren sich durch das Filmprojekt, ansonsten haben die drei nicht viel miteinander zu tun, aber besagtes Projekt führt jeden auch an seine ganz persönlichen Grenzen heran. Und jeder wird sich fragen, was im Leben eigentlich wichtig ist, und wohin die Reise noch gehen soll. Jeder der drei des Trios macht seine eigene Entwicklung durch, und am Ende hat jeder seine ganz eigenen Entscheidungen getroffen – ganz wie im echten Leben auch.
William Boyd schreibt hier gewohnt brilliant und temporeich. Ausser den oben genannten Protagonisten weist die Geschichte noch sehr viele weitere Charaktere auf, die allesamt pointiert beschrieben sind, und die sich allesamt perfekt in die Storyline einfügen. Viele kleine erzählerische Fäden in vielen kurzen Kapiteln verdichten sich zu einem grossem Ganzen – perfekt. Spritzige, ironische und witzige Dialoge und Passagen wechseln mit ernsthaften Abschnitten ab. Fridas Alkoholsucht wird beispielsweise einerseits in Ironie gepackt, andererseits aber ist diese Problematik auch ungeschönt dargestellt in ihrem ganzen Aussmass.
Mein Fazit: Das war ein Genuss zu lesen. Spritzig, flüssig, einfach gut geschrieben. So eine kurze Rezension hab ich schon lange nicht mehr verfasst, aber was gibt’s mehr zu sagen, wenn ein Buch einfach gut ist? Bitte lesen!!!
Drei Romane in einem Zum…
Bories vom Berg aus München am 01.04.2025
Bewertungsnummer: 2932011
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Drei Romane in einem Zum umfangreichen Œuvre des schottischen Schriftstellers, Drehbuchautors und Regisseurs William Boyd gehört mit dem Roman «Trio» ein Alterswerk, das er in der ihm vertrauten Szene des Filmgeschäfts sowie auch im Milieu der Autoren und Verlage angesiedelt hat. In drei parallel laufenden Handlungssträngen schildert er am Beispiel seiner drei Protagonisten die Diskrepanz zwischen Innen- und Außen-Wahrnehmung des Menschen, die er als in der unterhaltenden Kunst besonders gravierend beschreibt. Angesiedelt ist dieser Plot im Jahre der gesellschaftlichen Umbrüche 1968. Deren politische Bedeutung wird im Roman deshalb nicht thematisiert, weil ihre Auswirkungen zum Zeitpunkt der revolutionären Ereignisse, wie sie heute historisch gewertet werden, so noch gar nicht absehbar waren. Fernab von den studentischen Unruhen in Paris wird im südenglischen Seebad Brighton ein Film mit dem künstlerisch eher skeptisch machenden Titel «Emily Bracegirdles außerordentlich hilfreiche Leiter zum Mond» gedreht. Nacheinander werden die drei Protagonisten im Roman eingeführt, ihre jeweilige Geschichte wird in drei separaten Handlungsebenen erzählt. Da ist zunächst Talbot, der mit allen Wassern gewaschene, clevere Produzent dieses Films, ein Krisenmanager par excellence, der ahnt, dass sein Co-Produzent ihn ausbooten will. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Privat betätigt er sich klammheimlich mit der Aktfotografie, wobei Männer und Frauen gegen Honorar für ihn Modell stehen. Seine tief in ihm verborgene, homophile Neigung aber lebt er nicht aus, er verdrängt sie, um einen Skandal zu vermeiden. Die junge amerikanische Schauspielerin Anny spielt in seinem Film die weibliche Hauptrolle. Sie erträgt den Stress der Publicity als umjubelter Star nur mit diversen Medikamenten und wechselnden Liebhabern, zu denen auch ihr Filmpartner gehört. Ihr Ex-Ehemann ist ein vom FBI gesuchter linker Terrorist, der in den USA drei Sprengstoff-Attentate begangen hat. Ihm ist bei einer Vernehmung die Flucht aus dem Gefängnis gelungen. Nun taucht er überraschend in ihrem Hotel auf und fordert Geld von ihr, damit er in ein möglichst weit entferntes Land fliehen kann. Die dritte Protagonistin ist die mit dem Regisseur des Films unglücklich verheiratete Schriftstellerin Elfrida. Sie hat nach ihrem erfolgreichen Debütroman eine Schreibblockade, die nun schon zehn Jahre andauert und sie zur Alkoholikerin hat werden lassen. Ihr obsessiv gefasster Vorsatz, nun endlich wieder einen Roman zu schreiben, und zwar über den Suizid von Virginia Woolf, scheitet kläglich.. Mit der hatten die Kritiker sie ja einst bei ihrem Debüt euphorisch verglichen. Dieses Thema aber erweist sich jetzt als Debakel, sie kommt über den ersten Absatz einfach nicht hinaus. Die komplizierten Vorgänge beim Filmdreh und die Probleme und kleinen Katastrophen am Set werden in diesem Roman ebenfalls sehr anschaulich geschildert, man bekommt einen interessanten Einblick in die Usancen einer nach außen hin ja glamourösen Branche. Ähnlich bereichernd sind auch die geschilderten Schwierigkeiten von Elfrida, im Wechselspiel mit Verlagen und Agenten ein neues Romanprojekt zu realisieren. Der turbulente, klug konstruierte und stets eindeutig nachvollziehbare Plot wartet mit vielen überraschenden Wendungen auf, die permanent für Spannung sorgen. Mit vielen Reflexionen über Innen- und Außen-Wahrnehmung demaskiert der Autor psychologisch tiefgründig die menschlichen Verhaltensweisen zwischen sturer Ignoranz und kleinlauter Selbsterkenntnis. Stilistisch angenehm unmanieriert und flüssig lesbar, erzählt der Autor oft in erlebter Rede, womit er die Distanz zu seinen Figuren aufhebt und ihr Innenleben offenlegt. Sie wirken dadurch besonders glaubhaft und realistisch. Als Leser wird man aber leider in der Erwartung enttäuscht, dass die einzelnen Geschichten am Ende zusammen geführt werden, - ein unnötiges Manko. Man hätte die drei Geschichten nämlich auch, jede für sich, als respektablen Roman veröffentlichen können!
Meinung aus der Buchhandlung
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Beim Filmdreh in Brighton läßt William Boyd mit erzählerischer Raffinesse hinter die Lebenskulissen dreier privilegierter Künstler blicken...und läßt diese selbst erzählen.
Mit psychologischer Tiefe, Überraschungsreich und mit Witz.
Mein persönlicher Lese-Tipp.
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