Eine rätselhafte Gestalt taucht in den nächtlichen Straßen Londons auf - und ist ebenso schnell wieder verschwunden. Sie erscheint als Verkörperung all der dunklen Leidenschaften, die in den Tiefen der menschlichen Seele schlummern, eine Ausgeburt des Bösen, die auch vor einem Mord nicht zurückschreckt. Alles, was man über sie weiß, ist ihr Name: Mr. Hyde. Robert Louis Stevensons 1886 entstandene Novelle, die zu den berühmtesten Schauergeschichten der Weltliteratur zählt, ist eine faszinierende Kombination aus packendem Thriller und psychologischer Studie über die duale Natur des Menschen. Sie liegt hier in der meisterhaften Neuübersetzung von Mirko Bonné vor. - Mit einem Nachwort von Dieter Hamblock sowie einer kompakten Biographie des Autors.
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Ein Werk das nicht mit der letzten Seite endet
Bewertung am 08.09.2024
Bewertungsnummer: 2287332
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ich erlaube mir nun die Erkenntnis des Endes an den Anfang zu setzten, wer nicht bereits vor dem ersten Bissen die Marmelade aus dem Berliner saugen möchte springt bitte zum letztem Absatz.
Die eben angekündigte Erkenntnis ist für jene die diese Geschichte bereits gelesen, von ihr gehört oder auf diverse Verweise in Büchern und Filmen gestoßen sind wenig überraschend, Stevenson zeigt durch seine Titelfigur Dr. Jekyll ein mehr oder weniger offenes Geheimnis der Menschheit auf, denn diese entdeckt ,,das der Mensch in Wahrheit nicht einer, sondern zwei ist.“.
Ich muss ehrlich gesagt gestehen das ich die Geschichte bereits kannte, wie so ziemlich jeder der ,,Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ gesehen hat, ich wusste also in Grundzügen worum es geht, dennoch konnte dieses Werk mich durch den Aufbau und das Ende überraschen.
Den viktorianischen Einfluss merkt man zweifellos und jeder der andere Werke aus dieser Zeit kennt wird mir da zustimmen können, es ließt sich durch die Einführung des Rechtsanwaltes Mr. Utterson wie ein Kriminalroman, schließlich versucht dieser das Verhalten von seinem Mandanten Dr. Jekyll und seine Beziehung zu Mr. Hyde zu ergründen. Die Aufgabe des Lesers besteht also darin den Anwalt während seiner Recherche zu begleiten und versuchen eine Erklärung zu finden die den Gesetzen unserer Logik folgt, dabei darf er feststellen das er, sofern Ihm die Einzelheiten der Geschichte nicht Vertraut sind, auch nicht viel erfolgreicher ist als Mr. Utterson.
Schließlich erfolgt die Auflösung wie so oft am Schluss und lässt selbst jene die bereits das Ende kannten staunend und mit einigen Überlegungen zurück, ohne die finalen Konsequenzen für Mr. Utterson aufzuzeigen. An dieser stelle ist also wieder der Leser gefragt, nachdem dieser den Anwalt auf seinem Weg begleitet hat, stellt sich nun die frage wie mit der gewonnenen Erkenntnis umgegangen werden soll, immerhin baut die Geschichte auf dem Zwiespalt der menschlichen Natur auf und zeigt auf das selbst jene von uns mit reiner Weste und gutem Charakter auch eine weniger gute Seite haben, ganz gleich wie gut sie auch versteckt sein mag.
Aus meiner Sicht spielte Stevenson mit dem Gedanken was wohl geschähe wenn diese beiden widersprüchlichen Seiten so voneinander getrennt würden, das aus ihnen zwei eigene Identitäten hervorgehen und ob eine Identität mit den Taten der anderen guten Gewissens leben kann, oder noch viel grundlegender: können beide Seiten gleichermaßen nebeneinander existieren, ohne in ein Ungleichgewicht zu geraten welches in der Überlegenheit einer Identität endet?
Die moralische Komponente die er bei dieser Auflage mit einfließen ließ (die heute gängige Version ist von ihm zu Lebzeiten überarbeitet worden), hebt dieses Werk nicht nur qualitativ, sondern gewinnt in meinen Augen auch an Bedeutsamkeit. Fühlen wir uns denn nicht alle manchmal hin und hergerissen zwischen zwei Seiten Und müssen uns entscheiden welcher wir den Vorzug geben? Wie viel von uns sehen sich in ihren Optionen eingeschränkt, weil ein Fehltritt nunmehr Konsequenzen nach sich zieht die endgültig mit der eigenen Person verbunden und einem zum Nachteil gereicht werden könnten? Diese Überlegungen finden sich in der Figur des Dr. Jekyll wieder und schaffen eine Verbindung zum realen Leben, denn ohne von mir selbst auf andere zu schließen, die wenigsten sind so ehrlich, gewissenhaft und diszipliniert wie Mr. Utterson.
Mein Fazit lautet wie folgt: diese Geschichte ist nicht nur gut geschrieben sondern auch wahnsinnig interessant, denn sie endet nicht mit der letzten Seite. Am Ende mag das Geheimnis als solches gelüftet sein, aber wie soll man nun damit umgehen? Soll man die daraus resultierenden Gedanken wie dieses Buch handhaben, aus den Augen aus dem Sinn? Oder nimmt man sich die Zeit zu ergründen wie Utterson damit umgeht und viel wichtiger noch, wie man selbst damit umgeht. Wie geht man damit um eine pauschale Wahrheit schwarz auf weiß zu sehen und der Frage gegenüberzustehen ob man selbst eher Dr. Jekyll oder Mr. Hyde ist?
Aber um nicht gleich den Teufel an die Wand zu malen, vielleicht ist man auch der trockene Mr. Utterson und geht dem Mysterien der Mitmenschen auf den Grund.
Wer Lust hat, einen Klassiker zu lesen, der schnell durch ist, ist bei dieser Novelle genau richtig!
Bewertung am 19.07.2024
Bewertungsnummer: 2247997
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ich bin durch Zufall auf diesen Klassiker gestoßen und habe ihn dann aufgrund der wenigen Seiten mitgenommen und auch direkt an einem Tag durchgelesen.
Das Buch hat mir von vorne bis hinten so gut gefallen. Es gab eine klare und überschaubare Storyline, die innerhalb der wenigen Seiten gut und verständlich erzählt wurde.
Der Plot der Geschichte war mein persönliches Highlight im Buch und hat mir so, so gut gefallen (Ich liebe ihn immer noch!).
Gerade bei Klassikern tue ich mich manchmal mit der alten Sprache etwas schwer, aber hier kam ich auch diesbezüglich wirklich gut durch das Buch und kann mich da nicht beschweren.
Bisher definitiv mein liebster Klassiker den ich gelesen habe!
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