Vor einem Jahr ist der 11-jährige Aaron ertrunken und seitdem steht im Wendland die Zeit still. Keiner weiß, was damals passiert ist. Die rätselhaften Umstände von Aarons Tod zerstören langjährige Freundschaften und auch die Ehe der Eltern scheint daran zu zerbrechen. Wo war der Vater, als es passierte? Was weiß Bodo, Kripobeamter, Nachbar und bester Freund der Familie? Verbirgt seine Tochter Jella etwas? Unausgesprochene Vermutungen vergiften mehr und mehr das, was einmal Familie und Freundschaft war. Erst durch das Auftauchen einer Fremden wird das Schweigen gebrochen und die schmerzhafte Wahrheit kommt endlich ans Licht.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
5/5
21.09.2023
Buch (Taschenbuch)
Pageturner
UNTER WASSER NACHT
Kristina Hauff
Aaron ist tot. Seine Leiche wurde vor 13 Monaten im Elbwasser gefunden. Die Umstände seines Todes wurden nicht geklärt.
Seine Eltern Sophie und Thies trauern seitdem - allerdings auf ganz unterschiedliche Weise: Thies, Gymnasiallehrer, schweigt und setzt seit dem Tode seines Sohnes keinen Fuß mehr in ein Klassenzimmer, während die Biologin Sophie sich mit Arbeit ablenkt.
Gemeinsam machen sie nichts mehr - das tägliche Miteinander fällt schwer und Zärtlichkeiten fallen ganz weg. Doch nicht nur die Ehe der beiden scheint zu zerbrechen, sondern auch die enge Freundschaft zu Inga und Bodo, die mit ihren Kindern auf demselben Hof im Wendland leben und sich Garten und Scheune teilen.
Beide Paare kennen sich schon ewig, alle vier wohnten während ihrer Studienzeit in einer WG auf der Schanze und gemeinsam protestierten sie in Gorleben gegen die Atommüll-Transporte. Doch jetzt, nach Aarons Tod, können die traumatisierten Eltern den Freunden nicht mal mehr in die Augen schauen.
Doch alles bekommt eine unerwartete Wendung, als ganz plötzlich eine fremde Frau im Wendland auftaucht. Sie gibt vor, jemanden im Ort zu suchen. Scheinbar und ganz zufällig freundet sie sich mit den Paaren an und was das alles mit dem toten Aaron zu tun hat, müsst ihr selber herausfinden.
Kristina Hauff lässt sechs Personen zu Wort kommen. Alle haben zu den Geschehnissen unterschiedliche Perspektiven und Erlebnisse. Ganz langsam und mit viel Geschick führt uns die Autorin zu dem Tag zurück, als ein 11-jähriger Junge in der Elbe ertrank.
Da ich erst kürzlich den neuesten Roman von Kristina Hauff „In blaukalter Tiefe“ verschlungen habe, wollte ich unbedingt das vorherige Buch der Autorin lesen.
Der Schreibstil ist auch hier wieder wunderbar bildlich. Ich konnte förmlich den Hof und das malerische Wendland vor mir sehen und dennoch spürte ich von Beginn an eine kleine unterschwellige Bedrohung, die sich zu einer spannenden Geschichte entwickelte.
Fazit:
Ich konnte den Roman kaum aus der Hand legen und ich kann es kaum erwarten, bis ihr nächstes Buch erscheint.
5/ 5
Bewertung
5/5
29.05.2022
eBook (ePUB)
Schleier der Traurigkeit
Ein Familiendrama bringt Thies und Sophie gedanklich weit weg voneinander und lässt sie sich von ihren besten Freunden entfernen. Als eine unbekannte Frau in das Leben der beiden Familien tritt, kommen Geheimnisse und weitere schreckliche Ereignisse in ihr Leben.
Das Cover ist wunderschön, denn es ist mit genau demselben grauen Schleier überdeckt, wie die gesamte Geschichte. Ich erinnere mich an keine Sekunde beim Lesen dieses Buches, an glückliche Gefühle der Charaktere. Alles ist dunkel und voller Traurigkeit. Aber genau das ist es worum es hier auch gehen soll. Denn nichts an dem was passiert, ist glücklich. Das Buch schildert die Zeit nach dem tragischen Ereignis, dem Verlust eines Kindes.
Ich liebe es, wie durch Sprache und Gedanken ausgedrückt wird, wie alle sich fühlen. Die kurzen Kapitel und das hin und her springen der Sichtweisen der Personen, halten das Buch am Leben und geben ihm eine außergewöhnliche Dynamik.
Das Ende ist gelungen, einige Dinge sind immer noch ungeklärt. Aber wie es wahrscheinlich in der Realität wäre, so bleibt das auch hier so.
Ein wahnsinnig gelungenes Buch das es schafft, genau die richtigen Gefühle hervorzurufen.
Bewertung
5/5
10.04.2022
Buch (Taschenbuch)
Was hält echte Freundschaft aus?
Dieses Buch hatte mich schon interessiert, seitdem ich es in der Verlagsvorschau gesehen hatte. Denn allein das Titelbild ist ein echter Hingucker und der Titel so schön philosophisch hintergründig. Doch es kam dann so, wie es mir mit vielen Büchern leider ergeht. Es erschienen viel zu viele schöne Bücher, so dass ich nicht alle geplanten Bücher des Monats geschafft habe. Leider auch diesen nicht. Zum Glück hatte ich allerdings vom Hanser Verlag eine Einladung zu einer Zoom-Veranstaltung mit dem Verlag und der Autorin bekommen und den Termin auch wahrgenommen. Es war eine sehr schöne Veranstaltung, in der sich die Autorin und ihre Lektorin über das Buch unterhalten haben. Dazu gab es auch kurze Momente, in denen Kristina Hauff aus dem Roman vorgelesen hat. Das Ganze hatte mich so begeistert, dass ich „Unter Wasser Nacht“ sofort nach dem zu dem Zeitpunkt aktuellen Buch lesen musste. Es ging gar nicht anders! Eigentlich wollte ich erst etwas Leichtes lesen, aber in das Buch bin ich nicht reingekommen. Ich musste es zur Seite legen und unbedingt den Roman von Kristina Hauff anfangen.
Das Buch beginnt offen. Thies sitzt auf einem Findling an der Elbe und denkt nach. Das macht er oft und gerne seitdem vor 13 Monaten sein 11jähriger Sohn Aaron unter ungeklärten Umständen in der Elbe ertrunken ist. Er bekommt mit, wie die Elbfähre, die von seiner Schwiegermutter gesteuert wird, eine Frau auf seine Seite der Elbe bringt. Eine Frau, die wohl so in den 40ern ist, lange, dunkle Haare hat und eine Reisetasche und ein Rucksack mitbringt. Die Frau unterhält sich kurz mit Edith und geht dann Richtung Stadt. Irgendetwas fasziniert ihn an der Frau, und so folgt er ihr.
Dann lernen wie Sophie kennen. Sie ist Thies Frau. Sie fährt wie jeden Tag in das Labor in Lüneburg, in dem sie arbeitet. Ihre Arbeit hält ihr Leben zusammen, denn so muss sie nicht an die Nacht denken, in der ihr Sohn ertrunken ist. Sie und ihr Mann haben sich seit dem Tod des Sohnes jeweils in sich selbst zurückgezogen und reden gerade über das, was Geschehen ist, nicht miteinander. Sie funktionieren noch, aber leben nicht mehr wirklich.
Im dritten Kapitel lernen wir die andere Familie kennen, die ihr Haus auf dem gleichen Grundstück wie Thies und Sophie haben. Sie waren alle einmal die allerbesten Freunde und hatten so etwas wie ein Bullerbü-Idyll. Doch das ist seit dem Tod von Aaron vorbei. Diese Familie sind Bodo, ein Kommissar, seine Frau Inga, der Sohn Lasse (15 Jahre) und die Tochter Jella, die etwa drei Jahre jünger ist.
Nachdem wir nun die beiden Paare und die Kinder kennengelernt haben, wechselt die Geschichte immer zwischen Thies, Sophie und Inga hin und her. Bodo bekommt selbst keine Stimme in dem Buch. Ungefähr ab der Mitte des Buches bekommen aber auch noch Jella, Mara und Edith für kurze Auftritte eine Stimme.
Die Geschichte des Buches ist ein wenig zweigeteilt. Zum einen ist es die Geschichte des zerbrochenen Paradieses. Eine Geschichte der Sprachlosigkeit. Thies und Sophie können nicht mehr mit Bodo und Inga reden, weil diese noch immer das Ideal leben - eine tolle Familie mit zwei wunderbar geratenen Kindern. Sie sind traurig, aber auch neidisch. Sie denken darüber nach, was damals vor 13 Monaten wohl geschehen sein mag. Sie denken aber auch über ihren Sohn nach, der alles andere als ein einfaches Kind war. Aber diesen Gedanken wollen sie einfach nicht zulassen.
Aber auch bei der anderen Familie ist nicht alles so golden wie es scheint. Auch sie leiden natürlich unter der Situation und wissen nicht, wie sie an ihre Freunde herankommen können, wie sie ihnen helfen können. Es herrscht einfach eine unheilvolle Traurigkeit in der Luft.
Der zweite Erzählstrang ist die Geschichte um die mysteriöse Frau namens Mara, die urplötzlich dort auftaucht und anscheinend gleich mit fast allen gut Freund wird. Irgendwie schafft sie es, dass sich Sophie, Inga und Jella ihr gegenüber öffnen, und auch Thies ist von ihr sehr angetan, kommt aber nicht so an sie heran. Nur Bodo bleibt ein wenig außen vor. Doch irgendetwas an Mara ist merkwürdig. Und seit ihrer Ankunft verhält sich auch Edith, Ingas Mutter, anders. Was hat es also mit Mara auf sich?
Die Geschichte liest sich fast wie ein psychologisch dichter Krimi. Was ist wirklich mit Aaron passiert? Warum ist er ertrunken. Es gibt drei Personen aus dem engen Umkreis, die kein Alibi haben. Und wieso schafft es Mara in so kurzer Zeit, dass die anderen sie lieben? Und dann verschwindet sie ebenso plötzlich wieder, hat aber vorher noch Andeutungen gemacht, die der Geschichte um das Verschwinden frische Anhaltspunkte geben.
Ich fand die Geschichte sehr gut aufgebaut. Mir hat gerade das so gut gefallen, dass wir als Leser*innen auch nicht mehr wissen, als die Hauptpersonen preisgeben wollen. Erst nach und nach ergibt sich für uns ein Bild, was geschehen sein kann. Das Ende des Romans, nachdem der Tod von Aaron aufgeklärt ist, hat mich dann allerdings doch überrascht. Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich es mir nicht anders gewünscht hätte.
Bevor ich eine Buchbesprechung schreibe, gucke ich gerne mal, was die anderen bereits geschrieben haben. Bei diesem Buch war ich bass erstaunt, dass es schon 119 Empfehlungen und Bewertungen gab. Und davon haben 14 Leser*innen nur 3 Sterne vergeben, 78 waren für 5 Sterne und 27 für 4 Sterne. Ich kann allerdings die Einwände der Leser*innen, die nur 3 Sterne vergeben haben, verstehen. Gerade das Ende hat mich auch überrascht. So hatte ich es mir nicht vorgestellt. Da mir aber der Rest ausgesprochen gut gefiel und ich die Geschichte auch sehr spannend fand – man merkt schon, dass die Autorin unter ihrem echten Namen Susanne Kliem Krimis schreibt – mir außerdem der Aufbau des Romans und die Sprache gut gefallen haben, habe ich kurzzeitig zwischen 4 und 5 Sternen geschwankt, mich letztendlich aber für die volle Punktzahl entschieden.
Ein großartiger, psychologisch dichter Roman, in dem am Rande auch noch etwas von den Konflikten um das Endlager Gorleben vorkommt.
Bewertung
5/5
18.06.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Auftauchen ist schwer
Sophie und Thies haben ihren Sohn Aaron vor einem Jahr verloren. Das glückliche Leben mit ihren Freunden auf dem großen Gehöft an den Elbauen ist seitdem einer bleiern schweren Trauer gewichen.
Und dann kommt eine Fremde, Mara, und jedem tut ihre Anwesenheit auf andere Art gut, jeder verspürt wieder eine Ahnung von Leben.
Bis alle am Ende sich wieder ganz vorsichtig Hoffnung erlauben, passiert sehr viel schmerzliches.
Ein tolles Buch, was man einfach weiterlesen will!
Bewertung
5/5
13.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich konnte das Buch nicht weglegen
Ein zwar dünnes, aber doch großes Buch über Familie, Freundschaft, Trauer, Neid, Verlust und Hoffnung.
Zwei Paare, beste Freunde, leben in engster Nachbarschaft.
Doch die Freundschaft hat einen tiefen Riss, seitdem Sophie und Thies ihr Kind verloren haben und in einer Mischung aus Trauer und Schuldgefühlen, aber auch Neid auf das scheinbar perfekte Leben ihrer Freunde versinken.
Als ein fremde Frau in den Ort und ihr Leben kommt, beginnt eine eigenartige Dynamik im Leben der zwei Familien.
Ich mochte die Entwicklung, die die Geschichten nahm. Zeitweise hatte der Roman auch Züge eines Krimis - er war tragisch, aber auch sehr spannend.
Die Figuren so, dass ich mich in fast alle hinein versetzten konnte, lediglich bei Thies habe ich mich schwergetan.
Interessant fand ich auch die mal völlig andere Beschreibung eines Kindes, fernab der klassischen Zuweisung bei so jung Verstorbenen. Und was dies mit den Eltern gemacht hat.
Bei all der Düsternis war es aber nie richtig hoffnungslos.
Es fällt mir schwer, die Sogwirkung des doch relativ dünnen Buches zu beschreiben, es passt nicht richtig in meine Schubladen.
Aber vielleicht habe ich es gerade deswegen so gerne gelesen?
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5/5
11.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mein neuer Buchtipp für Sie!
Die Atmosphäre der stillen Vorwürfe und des Unausgesprochenen unter den beiden Familien, die vor dem Unglück sehr gute Freunde waren, ist hautnah zu spüren.Selbst der Leser kann die meiste Zeit nur vermuten, welche genauen Umstände zu Aarons Tod führten.Wie würde man selbst in solch einer Situation handeln und mit dem Alltag fortfahren können?
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5/5
06.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Freundschaft zweier Familien, die sich im Wendland ihr gemeinsames Paradies aufgebaut haben, zerbricht, als das einzige Kind von Sophie und Thies auf tragische Weise stirbt. Ein Jahr später haben sich beide in ihrer Trauer eingekapselt und der Zweifel, der Neid, all das Unausgesprochene hat die Idylle zerstört. Da taucht plötzlich Mara im Dorf auf, stellt unbequeme Fragen und auf einmal wird so manche Gewissheit brüchig. Diese hochemotionale, aber völlig kitschfreie Geschichte hat mich mitgerissen – wie die Unbekannte die kleine Gemeinschaft in Aufruhr versetzt und die „Wahrheit“ stückchenweise ans Licht kommt, ist einfach großartig erzählt.
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5/5
23.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Berührend, kurze karge Sätze. Wie bei einer Zwiebel legt die Autorin die Schichten der Familiengeheimnisse frei, die den Tod des Sohns umgeben. Zwei Paare teilen sich Hof, Scheune und den Alltag im idyllischen Wendland. Doch ihr scheinbar perfektes Leben wird zerstört. Der elfjährige, gewaltbereite Aaron ist ertrunken. Eine Fremde taucht auf und bringt die Geheimnisse an die Oberfläche. Allein das Cover so schlicht und eindrucksvoll lädt zum Kauf ein.
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