Feinfühlig, vorurteilslos, unterhaltsam – Colm Tóibíns neuer großer Roman über Thomas Mann
Ein literarisches Ereignis. Colm Tóibín erzählt mit einmaliger Empathie das Leben von Thomas Mann als Roman. Von der Kindheit in Lübeck bis zur Heirat in München, von der Gegnerschaft gegen die Nazis bis zum amerikanischen Exil. Wie viele Gesichter hatte der weltberühmte Autor und Familienvater, der sein Gefühlsleben verborgen hielt, zerrissen zwischen homosexuellem Begehren und familiärem Pflichtgefühl, zwischen der Wonne der Bürgerlichkeit und der künstlerischen Askese? Selten wurde so feinfühlig, vorurteilslos und mit frappierender Leichtigkeit über den legendären Schriftsteller und seine schillernde Familie geschrieben. Ein Künstlerroman, wie man ihn in Deutschland noch nie gelesen hat.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
5/5
20.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hervorragend
Dieser Roman über den hervorragenden deutschen Schriftsteller Thomas Mann und seine Familie konnte mich überzeugen. Wir erfahren viel über sein Lebenswerk, schwierige Beziehungen zu Familienmitgliedern, über seine Frau Katia und seine sechs Kinder. Einen Blick hinter die Fassade des großen Schriftstellers werfen zu können ist großartig. Den Menschen dahinter kennenlernen zu können. Der Autor beschreibt dies sehr authentisch und tiefgründig. Mit vielen Emotionen und Liebe zum Detail schafft es der Autor, uns in eine andere Welt zu befördern. Dieses Buch lässt einen so schnell nicht los.
Manfred Orlick
aus Halle (Saale)
5/5
19.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Erzählerische Biografie
Der irische Schriftsteller und Literaturkritiker Colm Tóibín hat schon zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter auch einige Biografie wie zu Henry James. Nun hat er mit „Der Zauberer“ eine erzählerische Biografie zu Thomas Mann vorgelegt, wobei er sich weitgehend an die Lebensdaten hält. Auf über 500 Seiten geht es von der Kindheit in Lübeck bis zur Heirat mit Katia Pringsheim in München, von der Gegnerschaft gegen die Nazis bis zum amerikanischen Exil, von der Rückkehr nach Europa (Zürich), von einem letzten Besuch in seiner Vaterstadt bis zu seinem Tod im Züricher Kantonsspital.
Obwohl der Nobelpreisträger die zentrale Figur des Romans ist, beschreibt Tóibín auch die Lebenswege der anderen Familienmitglieder und das Zusammenspiel untereinander, z.B. in Dialogszenen. Immer wieder ist Tóibín dabei ein feinfühliger Darsteller der Frauenschicksale im Umkreis von Thomas Mann. Der Roman zeigt auch die Homosexualität und die innere Zerrissenheit des Schriftstellers. Damit ist Tóibíns Anspruch, das Leben Thomas Manns in all seinen Facetten erzählerisch auszuleuchten, durchaus gelungen. Außerdem beschreibt er die Entstehungsgeschichte der wichtigsten Werke. Fazit: Wunderbar wie ein Ire den deutschen Zauberer entzaubert.
Bewertung
5/5
24.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwei geniale Erzähler: Colm Toibin und Thomas Mann
"Der Zauberer" ist sehr nah an Thomas mann Biografie erzählt. Colm Toibin gelingt es,Thomas Mann in all seiner Zerrissenheit darzustellen- und ihn damit ein wenig nahbarer zu machen.Dieser Roman ist absolut lesenswert.
Bewertung
5/5
28.01.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ausgezeichneter Roman mit realem Hintergrund
Bisher habe ich mich mit Thomas Mann nur am Rande auseinandergesetzt. Ich kenne ein paar wenige Bücher von ihm und auch seine Lebensgeschichte habe ich bislang nicht verfolgt. Der neue Roman von Colm Tóibín hat mich neugierig auf den weltbekannten Schriftsteller gemacht.
Der Roman beginnt im Jahre 1891 in Lübeck, wo Thomas Mann mit seinen vier Geschwistern in einer grossbürgerlichen Familie, der Vater ist ein angesehener Kaufmann, aufwächst. Seine Mutter, die brasilianischer Herkunft ist, wird mit ihrer frohen und lebenslustigen Art in der protestantisch geprägten Stadt nie ganz heimisch. So übersiedelt sie nach dem Tod ihres Mannes mit den jüngeren Geschwistern von Thomas nach München. Die beiden älteren Brüder Heinrich und Thomas fühlen sich bereits in jungen Jahren der Lyrik und Dichtung stark verbunden. Beide werden Schriftsteller und durch ihre unterschiedlichen politischen Ansichten entfremden sie sich zeitweise stark. Thomas, der in gehobenen Gesellschaftskreisen verkehrt steht in starkem Gegensatz zu Heinrich, der zeitlebens mit Geldsorgen zu kämpfen hat.
In München lernt Thomas seine zukünftige Ehefrau Katia Pringsheim kennen. Auch sie entstammt einer angesehenen Familie. Es folgen schwierige politische Verhältnisse, welche die Manns ins Exil nach Amerika zwingen. Thomas und Katia können sich nicht mehr mit den Deutschen und deren Gräueltaten im 2. Weltkrieg identifizieren. Ihre eigenen sechs Kinder gehen sehr unterschiedliche Wege, davon erfahren wir viel über die Lebenswelten der exzentrischen Erika und des rebellischen Klaus.
Erst viele Jahre nach dem Krieg kehren Thomas, Katia und Erika für einen Besuch nach Deutschland zurück, wo sie auch die sowjetische Besatzungszone im Osten besuchen. Für die Amerikaner ist dies ein grober Affront, so dass die Manns in ihrer zweiten Heimat in Pacific Palisades nicht weiter willkommen sind. Es folgt ein letzter Umzug zurück nach Europa in die beschauliche Schweiz, wo sie am Zürichsee ihren Lebensabend verbringen.
Colm Tóibín hat alle Charaktere der Familie Mann subtil herausgearbeitet. Die Personen werden so dargestellt, dass weder ihre Lebensformen gewertet werden noch gibt es Verurteilungen von abwegigen Standpunkten. Gerade diese lebensnahen Schilderungen machten das Buch zu einem grossen Lesegenuss. Sehr gelungen finde ich auch die Beschreibungen der inneren Zerrissenheit von Thomas Mann, seine nicht-ausgelebte Homosexualität, seine durchaus besonnene Wesensart und seine Reflexionen zu familiären und politischen Angelegenheiten.
Für mich war es ein sehr informatives und tiefgründiges Buch, welches Fiktion und Realität wunderbar miteinander verbindet. Diesbezüglich möchte ich den sehr schönen Schluss des Romans erwähnen, wo Thomas nochmals zurück nach Lübeck reist und sich der Kreis gedanklich mit Rückblenden in seine Kindheit eindringlich schliesst.
Bewertung
aus Baden-Württemberg
5/5
11.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Annäherung an ein großes Idol
Der irische Romancier Colm Tóibín hat sich an einen Roman herangewagt, in dessen Mittelpunkt der Schriftsteller Thomas Mann (1875 – 1955) steht. Wie das lange Quellenverzeichnis belegt, hat Tóibín dafür umfangreiche Recherchen betrieben, um sich möglichst genau an das biografisch Hinterlegte zu halten. Tóibín hat sich seinem Protagonisten angenähert, sich in ihn hineingedacht. Er hat versucht, seinen Weg, sein Verhalten und seine Entwicklung auszuleuchten und wo nötig zu interpretieren. Als Romancier war es ihm dabei möglich, Szenen nachzustellen oder Gedanken auszuformulieren, die vielleicht nicht genau so überliefert wurden. Im Zuge der Lektüre fragt man sich zwangsläufig immer wieder, ob sich dies oder jenes wohl wirklich so zugetragen hat. Fest steht, dass das Gesamtkonstrukt glaubwürdig gelungen ist. Tóibín zeigt einen Mann, der bisher eher als unnahbarer Intellektueller beschrieben wurde, in seiner Vielschichtigkeit als Mensch und Familienoberhaupt. Die von Tóibín gewählte personale Erzählperspektive ermöglicht dem Leser einen sehr intimen Einblick in die Gedankenwelt Thomas Manns.
Der Autor wählt als Einstiegsjahr 1891, das Jahr, in dem der Vater von Thomas Mann nach kurzer schwerer Erkrankung verstarb. Die Familie musste sich neu ausrichten. Während der ältere Bruder Heinrich sofort finanziell von der Mutter unterstützt wurde, um sich ganz der Schriftstellerei widmen zu können, musste sich Thomas diese Freiheit erst erkämpfen. Mit dem Roman „Die Buddenbrooks“ hatte er einen ersten großen Erfolg zu verzeichnen. Er heiratete Katia Pringsheim, die aus wohlhabendem Münchener Bürgertum stammte. Gemeinsam bekamen sie sechs sehr unterschiedlich veranlagte Kinder. Vieles wird von dieser bunten Familie erzählt. Die beiden ältesten Kinder Klaus und Erika dürften eine Herausforderung gewesen sein. Sie zogen Zeit ihres Lebens viel Aufmerksamkeit auf sich. Als Künstler suchten sie den Widerspruch, mischten sich in Politik und Gesellschaft ein, liebten es aufzufallen oder sich zu exponieren. Beide lebten ihre Homosexualität im Gegensatz zu ihrem Vater offen aus. Doch auch ihre Geschwister bekommen Raum im Buch.
Zahlreiche intelligent ausgearbeitete Dialoge geben Aufschluss über persönliche Beziehungen, Verhältnisse oder Animositäten untereinander. Reine biografische Daten werden mit Leben gefüllt. Man lernt die Familienmitglieder immer besser kennen, teilt Freude, Schmerz und (Miss-) Erfolge mit ihnen. Doch es geht wahrlich nicht nur um Persönliches. Thomas Mann lebte in historisch bewegten Zeiten, allein zwei Weltkriege und damit einhergehende politische Umstürze hat er erlebt. Lange Zeit hielt er sich mit politischen Äußerungen zurück. Erst als die Nationalsozialisten eine ernste Gefahr für die Freiheit wurden, bezog er als Humanist Position – dann aber deutlich und mit persönlichen Konsequenzen. Wunderbar herausgearbeitet werden dabei seine inneren Konflikte. Mann war sich der Tragweite seines Tuns durchaus bewusst. Er fürchtete um seine Sicherheit sowie um die seiner nahen Freunde und Angehörigen. Früh musste er ins Exil, das ihn über mehrere Stationen nach Amerika führte. Auch von dort aus setzte er sich für die Vernichtung des Nationalsozialismus und den Eintritt der USA ins Kriegsgeschehen ein.
Der Roman beleuchtet auch die lebenslange Rivalität der beiden Brüder Heinrich und Thomas. Zahlreiche prominente Zeitgenossen wie Berthold Brecht, Alma Mahler-Werfel, Agnes Meyer oder Franklin D. Roosevelt flankieren die Handlung. Thomas Mann hatte Zugang und Einfluss in höchsten Kreise. Trotz allem hat er seine Liebe zur deutschen Sprache nie verloren. Nach dem Krieg zog er in die Schweiz.
Tóibín zeigt eine ambivalente Familie Mann, die sich ihrer umfangreichen Privilegien durchaus bewusst war, diese schätzte und auch zum eigenen Vorteil einzusetzen wusste. Der Autor versucht nicht, sie zu verklären. Nicht alle Familienmitglieder waren glückliche, unbeschwerte Menschen, manche hatten einen Hang zu Depression, Sucht oder Selbstmord. Der vermeintlichen Homosexualität Thomas Manns widmet sich der Autor an verschiedenen Stellen, indem er seinen Protagonisten immer wieder in homoerotischen Fantasien schwelgen lässt. Das geht mir persönlich zu sehr ins Private, was mein einziger Kritikpunkt am Roman ist.
Im Schreibstil hat sich Tóibín in angenehmer Weise an den Thomas Manns angepasst. Der Roman liest sich flüssig und leicht verständlich. Leben und Werk werden miteinander verwoben, denn offenbar hat sich der Nobelpreisträger immer wieder vom wahren Leben für seine Arbeit inspirieren lassen. Diese Zusammenhänge machen den Roman für passionierte Leser zu einer Fundgrube. Man wird inspiriert, Manns große Werke (wieder) zu entdecken oder sich intensiver mit seiner Biografie zu beschäftigen.
Der Roman „Der Zauberer“ sollte ein breites Publikum erfreuen. Er eignet sich sowohl für Leser, die sich bislang noch gar nicht mit der Lebensgeschichte Thomas Manns befasst haben, als auch für jene, die sie auf kurzweilige Art auffrischen wollen. Die Parallelen zwischen Leben und Werk sind augenfällig. Historische Begebenheiten laufen eher im Hintergrund ab, im Vordergrund stehen durchgängig die Aktionen der Familie Mann. Thomas Mann wird dabei keineswegs als Held präsentiert, sondern als ein Mann mit Stärken und Schwächen. Seine Kinder hat er als liberaler Patriarch erzogen. Obwohl er sie lebenslang finanziell unterstützte, warfen sie ihm vor, dass er seiner Arbeit stets Vorrang eingeräumt und sie nicht ausreichend respektiert habe. Von seinen Kindern stammt aber auch der Spitzname „Der Zauberer“, da Thomas Mann gerne zur allgemeinen Unterhaltung Zaubertricks im Familienkreis vorführte. Diesen Titel hat Colm Tóibin seinem Roman gegeben, eine schöne Idee finde ich.
Mich hat er damit von Beginn an gefesselt. Sachlich und unter Verzicht auf jegliche Effekthascherei passt das Buch, das Giovanni Bandini gekonnt ins Deutsche übertragen hat, zu seiner Hauptfigur. Ein Roman, dem ich eine große Leserschaft wünsche und der sich auch bestens als Weihnachtsgeschenk eignen dürfte.
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
5/5
20.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Thomas Mann wird in dieser Biografie...
Thomas Mann wird in dieser Biografie in Romanform zu einer greifbaren historischen Figur, die jenseits der schriftstellerischen Erfolge im Leben oft zu kämpfen hatte. Wer sich für deutsche Literatur oder das Leben der Exilkünstler interessiert, sollte diese Buch unbedingt lesen.
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
4/5
21.03.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Magisch anmutend und doch ganz bodenständig
Zugegeben: ich habe damals von Thomas Mann nur "Der Zauberberg" in der Schule für ein Referat gelesen - und fand es alles andere als zauberhaft. Trotzdem wollte ich mich auf diese Sichtweise "von außerhalb" auf den deutschen Autor und Dichter einlassen.
Auch wenn ich als Deutsche mir nie anmaßen würde, über Oscar Wilde einen Roman zu schreiben, Colm Tóibín tut es mit seiner den Iren ganz eigenen Art. Er schafft dabei einen Spagat zwischen der an die mann'sche Zeit angepasste Sprache und einem interessanten und packenden Schreibfluss, sodass man sich in die Gefühls- und Gedankenwelt des jungen Thomas durchaus hineinversetzen kann.
Und auch wenn mir die Magie, die die Titelgebung vermuten lässt, ein bisschen fehlt oder ob der Übersetzung verloren ging, ist es dennoch ein lesenswerter Roman und kurzweiliger Zeitvertreib - trotz seiner über 500 Seiten.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.