Nach ca. 40 Jahren erschien der weltberühmte Klassiker „Die Farbe Lila“ von Alice Walker in einer neuen Übersetzung, die dem heutigen Bewusstsein sensibler Sprache entspricht und diskriminierende Begriffe umschreibt. Ich kenne die alte Übersetzung nicht, finde jedoch die neue sehr gelungen und überaus lesenwert.
„Die Farbe Lila“ ist ein Briefroman, in dem die Afroamerikanerin Celie ab ihrem 15. Lebensjahr und über einen Zeitraum von gut 30 Jahren in Briefen, die sie an den Lieben Gott richtet, aus ihrem Leben schreibt. In der zweiten Hälfte kommen noch an Celie gerichtete Briefe ihrer Schwester hinzu. Celies Sprache spiegelt ihren niedrigen Bildungsstand wieder, statt „an einen Mann und dessen Frau“ sagt sie beispielsweise „an einen Mann und dem seine Frau“, den Komparativ bildet sie mit „wie“ statt „als“. Dennoch liest sich der Roman sehr angenehm und besitzt einen sehr eingängigen Sprachrhythmus.
Die Romanhandlung ist nicht genauer datiert, spielt aber in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dies zeigt sich etwa daran, dass gegen Ende beiläufig der zweite Weltkrieg erwähnt wird. Celies Lebenswelt ist hart, geprägt von patriarchalen Strukturen, Misogynie, Inzest und Gewalt. Frauen werden behandelt wie Ware, ihr Leben zählt nichts, sie sind ihrem Mann auf Leben und Tod ausgeliefert und haben bedingungslos zu gehorchen. Doch im Laufe ihres Lebens begegnet Celie starken Frauen, die – obwohl sie teils hart dafür bezahlen – für ihre Unabhängigkeit kämpfen und sich widersetzen. Diese Frauen setzen auch bei Celie eine Entwicklung in Gang, und insbesondere die Liebe zu Shug Avery hilft ihr, ihre eigene Stärke zu erkennen. Die Freundschaft und der Zusammenhalt zwischen den Frauen untereinander, die trotz wechselnder Familien- und Beziehungskonstellationen zusammenhalten und letztlich mit- und aneinander wachsen, ist ein zentrales Element dieses Romans.
Auch Rassismus und Diskriminierung spielen eine wesentliche Rolle, ebenso wie die Suche der afroamerikanischen Bevölkerung nach ihrer Identität. Anhand der Briefe von Celies Schwester wird auch die Missionarsarbeit in Afrika und die Ausbeutung der nativen Bevölkerung durch die Kolonialherren und Plantagenbesitzer thematisiert, die die dort seit Jahrhunderten siedelnden Stämme ihres Lebensraums und ihrer Lebensgrundlage berauben.
Ein sehr berührender, nachdenklich stimmender Roman, der noch lange im Gedächtnis bleibt.
begine
aus Lemwerder
5/5
28.11.2021
eBook (ePUB)
Außerordentliche Lektüre
Der Roman „“Die Farbe Lila“ erschien im Original 1983 und wurde mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet und wurde auch verfilmt.
Die Autorin Alice Walker schreibt eindrucksvoll über Themen, die auch heute noch geschehen.
Dieser Roman spielt in den Anfangsjahren in den Südstaaten. Er ist warmherzig geschrieben und sehr emotional.
Die junge Celie wächst in einer armen Gehend auf und Frauen haben keine Rechte. Was sie mit ihrem Vater und dann mit ihrem Mann erlebt ist Grausam.
Sie schreibt Briefe an Gott, weil sie sonst niemanden hat. Diese Art sagt mir zu.
Die Autorin schreibt mit sprachliche Lebendigkeit.
Ich bin von diesem Roman fasziniert und kann ihn nur gerne weiterempfehlen.
Bewertung
5/5
13.11.2024
Buch (Taschenbuch)
„Ich glaub, es stinkt Gott, wenn du irgendwo in einem Feld an der Farbe Lila vorbeigehst..
..und sie nicht siehst.“
Die Protagonistin Celie schreibt Briefe an Gott, da dieser der Einzige ist, dem sie ihr Leid anvertrauen kann. Bereits als Kind wird sie missbraucht und später Zwangsverheiratet - mit einem Mann, der sie schlägt. Als sie Jahre später die von ihrem Mann vor ihr versteckten Briefe von ihrer Schwester Nettie entdeckt, die sie seit langer Zeit nichtmehr gesehen hat, beginnt sie, Nettie regelmäßig zu schreiben.
Der Roman handelt von Rassismus, Gewalt und Unrecht gegenüber (farbigen) Frauen, von Kummer, Liebe und Veränderungen.
Ein sehr brührender, und sehr empfehlenswerter Roman, wobei ich mir am Ende einige Tränen verdrücken musste.
Elina Z.
5/5
25.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Berührend
Es ist ein außergewöhnlicher und berührender Roman. Roman mit erschreckenden Szenen und nicht leichten aber wichtigen Themen. Männer hier erscheinen hart, gewalttätig und unfair. Und Frauen wie Celie sind meistens Opfer deren Grausamkeiten.
Der ganze Roman besteht aus mehreren Briefen an Gott, die Celie erfasst. Es ist eine Beichte, die sie mit Gott teilt. Denn der Glaube an Gott ist das Einzige, was ihr Trost spendet, weil sie alles andere bereits verloren hat. Es ist nicht nur eine Geschichte einer dunkelhäutigen Frau, es ist die Geschichte vieler Völker. Die Autorin zeigt uns, wie man durch Schmerz einen Weg zur Hoffnung und Glück findet.
„Die Farbe Lila“ ist ein starker Roman, in dem Rolle der afroamerikanischen Frauen in der Gesellschaft sowie deren Rechte in damaliger Zeit hervorgehoben werden. Ein zeitloses Werk über Kampf um Glück, Hoffnung und Liebe. Es ist ein Klassiker, der 1983 mit Pulitzer Preis ausgezeichnet wurde, und den ich herzlich empfehlen kann.
Manu
Book Circle Community
5/5
05.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Aktueller denn je
Die Geschichte von Celie, einer Afroamerikanerin aus den Südstaaten der USA, spricht einige Themen an, die seit dem Erscheinen des Buches 1984 kein bisschen an Relevanz verloren haben: Rassismus, Inzest, häusliche Gewalt und lesbische Liebe, um hier nur einige zu nennen. Die Geschichte von Celie wird in Briefform erzählt, was einem die Entwicklung der Figuren aus nächster Nähe miterleben lässt, dies einerseits durch die informelle Sprache, aber auch durch den Mix von Erzählungen und Bewertungen. Ausserdem hilft diese Erzählform dabei, die teilweise unglaublich traurigen und schockierenden Geschehnisse besser verarbeiten zu können, als dies vermutlich mit der detaillierten Beschreibung einer Szene der Fall wäre - auch mein Grund, warum ich den Film nie geschaut habe.
Meines Erachtens ein Must Read.
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5/5
05.01.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Jahreshighlight 2022 - Ein neuentdeckter Klassiker
Schon lange hat mich kein Buch mehr so vom Hocker geworfen wie dieses. Mithilfe kurzer Briefe an Gott bzw. an ihre Schwester erzählt die Protagonistin in ungelenker und dadurch echter und eigener Sprache ihre Lebensgeschichte. Die Lektüre war heftig und berührend zugleich, und ich habe viel über die (afro-)amerikanische Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelernt. Am Ende habe ich so einige Tränen verdrücken müssen, so sehr hat es mich bewegt.
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