Was geschah auf dem Gebiet der Lenzburg vor knapp 1000 Jahren? Wie lebten die Menschen damals, was für Nöte und Sorgen trieben sie um? Die Schriftstellerin und Historikerin, Dorothe Zürcher, entführt mit ihrem Roman "Im Schatten der Krone" so authentisch ins Mittelalter, als hätte sie damals selbst gelebt und wäre sie mit einer Zeitmaschine eben erst im 21. Jh. angekommen - dank erstaunlichen Kenntnissen dieser Epoche und der Gabe, ihre Figuren mit stimmigen Charaktereigenschaften zum Leben zu erwecken, wirft sie Leserinnen und Leser mitten ins Geschehen einer rauen Zeit, lässt sie teilnehmen an den Sorgen und Nöten einer Adelsfamilie und macht die Lektüre zu einem einmaligen Kopfkino. Und darum geht es: Trotz einer arrangierten Ehe verleibt sich Ulrich von Lenzburg in seine Braut Richenza. Als Richenzas Onkel versucht, den König zu vergiften, ist Ulrich bestürzt. Die Lenzburger bleiben königstreu. Das Paar hält zusammen und führt seine Grafschaft zur Blüte. Doch dann ächtet der König den Papst, dieser verbannt den König. Die alten Fehden reißen wieder auf. Ulrich entscheidet sich für eine Seite - gegen den Willen seiner Frau. Ein Roman, der auf wahren Begebenheiten des 11. Jahrhunderts beruht.
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Geschichte spürbar
Bruno aus Aargau Schweiz am 13.04.2025
Bewertungsnummer: 2465215
Bewertet: Buch (Paperback)
Im Buch geht es um die ersten Grafen von Lenzburg, als die Burg noch aus Holz war und bloß einen einzigen Turm aufwies: 1050, also vor rund tausend Jahren. Im Zentrum steht Richenza, Tochter aus den Häusern Lothringen und Habsburg und spätere Mutter des Grafen Ulrich von Lenzburg.
Die Autorin hat alle Fakten sehr detailliert recherchiert und in eine spannende Reise verpackt. Es ist, als durchlebe man die Wirren und Abenteuer der Protagonistin an ihrer Seite. Selten ist Geschichte so lebendig und spannend erzählt worden, wie hier von Dorothe Zürcher. Nicht nur für Lenzburger ein absolut empfehlenswertes Buch - aber auch.
Zwei außergwöhnliche Charaktere verbunden durch Zweckheirat
phantastische_fluchten aus Walzbachtal am 01.11.2023
Bewertungsnummer: 2058795
Bewertet: Buch (Paperback)
Ich beginne die Rezension mit einem Zitat von Seite eins: » Als Witwe darf ich mich nicht mehr vermählen«, erklärte Richenza spitz. Ein Kaiser hatte die Witwenheirat verboten, das wusste sie von ihrer Mutter.
»Ich handelte mit Graf Arnold aus, dass du keine richtige Witwe bist«, antworte er. Da du vom Nellenburger keine Frucht getragen hast ist eure vielleicht gar nie ausgeübt worden«.
So beginnt die Geschichte der Richenza, die im Alter von 19 Jahren mit Ulrich von Lenceburg verheiratet wird. Es ist ihre zweite Zwangsheirat und nachdem die erste sehr unglücklich und brutal verlaufen ist, erhofft sie sich von der zweiten Ehe keine Besserung. Ulrich von Lenceburg sollte ursprünglich Bischoff werden, wird aber von seinem Bruder, dem Grafen von Lenceburg, aus dem Kloster geholt und verheiratet. Ulrich ist um einiges jünger als seine zukünftige Frau aber im 11. Jahrhundert galt man mit 14 Jahren schon durchaus als Mann.
Nach einer sehr zögerlichen Annäherung kommen sich die zwei sehr unterschiedlichen Eheleute näher. Sie gehen respektvoll miteinander um und es keimt sogar Zuneigung auf. Ulrich von Lenceburg ist ein aufrechter Mann, der König Heinrich IV. treu zu Seite steht. Und obwohl Richenza keine Gräfin ist, schaltet und waltet sie auf der Lenzburg bald nach eigenem Gutdünken.
Kommentar:
Dies ist ein Buch, das nicht in mein übliches Genre passt. Aber ich habe von Dorothe Zürcher mittlerweile vier Bücher aus sehr unterschiedlichen Genre gelesen und ihre Art eine Geschichte zu erzählen fasziniert mich immer wieder.
Das 11. Jahrhundert ist eine Zeit des Umbruchs. Während Kirche und Papst immer mehr an Einfluss gewinnen, spielt auch der Aberglaube noch eine große Rolle. (Seite 228 …dunkle Wälder, Hort von Kobolden und Geistern...)
Die Autorin hat wunderbar recherchiert und sich zwei Personen als Charaktere ausgesucht, die für ihre Zeit sicher außergewöhnlich waren.
Persönliche Belange und Wünsche spielen in dieser Zeit keine Rolle. Kinder sind politische Werkzeuge, die gewinnbringend verschachert werden. Egal ob Junge oder Mädchen. Jeder muss seinen Beitrag leisten, um das Haus zu stärken und der Familie Gewinn zu bringen.
Als Richenza auf der Lenceburg ankommt, empfindet sie sofort eine heftige Abneigung gegen den Grafen Arnold, Ulrichs Bruder. Dieser hat nie geheiratet und er überlässt seiner Schwägerin nach und nach den Haushalt. Die Burg blüht auf, denn Richenza regiert zwar mit harter Hand aber auch gerecht. Ulrich versteht die Abneigung zwischen seinem Bruder und seiner Frau nicht. Bis zum Tode von Arnold bleibt er ahnungslos. Erst als sein Erstgeborener, ebenfalls Arnold mit Namen, die gleichen Anzeichen wie sein Onkel zeigt, klärt Richenza ihren Gatten auf. Hier zeigt sich besonders deutlich, dass, trotz aller religiösen und politischen Belange, Eltern sehr viel Liebe für ihre Kinder empfinden können und sich um ihr Wohl sorgen.
Mir hat es besonders gefallen, wie die Autorin auf die kleinen Alltäglichkeiten eingeht, die man im Schulunterricht nicht erfährt. Solche Dinge wie, dass man in der Fastenzeit Biber essen darf, weil er im Wasser lebt und somit zu den Wassertieren wie Fisch gezählt wird.
Auch die Diskrepanz zwischen Aberglaube und Glaube ist erstaunlich. Richenza geht zum Kaplan der Burg um ihn zu bitten, den Burgbewohnern die Beichte abzunehmen und Absolution zu erteilen und während des Gesprächs denkt sie schon darüber nach, dass sie zur Zauberin gehen muss um Schutzamulette gegen den bösen Blick zu bestellen.
Die Geschichte umfasst über 30 Jahre und spiegelt sowohl das gesellschaftliche als auch das politische Bild der damaligen Zeit wieder. König Heinrich IV. ist uns hauptsächlich durch den »Gang nach Canossa« bekannt. Während er beim Papst weilt und Abbitte leistet, wird in der Heimat ein Gegenkönig ernannt und Ulrich muss sich entscheiden, für welche Seite er sich entscheidet. Niemand weiß, ob Heinrich Absolution gewährt wird, jede Entscheidung kann die falsche sein. Doch Ulrich ist ehrlich und treu, er zweifelt keine Sekunde an seiner Entscheidung, auch wenn er weiß, dass Richenza diese kaum akzeptieren kann.
Dorothe Zürcher erzählt die Lebensgeschichte der beiden Charaktere sehr eindringlich und intensiv, ihre Art Sprache vermittelt ein genaues Bild der damaligen Zeit, man ist als Leser mittendrin. Die Eheleute haben vier gemeinsame Kinder und Ulrich zeugt noch einen Bastard, der auf der Burg lebt. Eheliche Treu galt damals bei den Männern wenig, wenn aber eine Ehefrau der Untreue verdächtigte wurde, konnte man sie verstoßen.
Am Ende des Buches hat die Autorin noch eine Zeittafel und ein Verzeichnis der Orte und Personen hinzugefügt, das ichzum Schluß des Romans ebenfalls gelesen habe. Die Geschichte spielt teilweise hier in meinem Umland und einige Städte waren mir durchaus ein Begriff. Viele der Burgen und Klöster sind heute noch erhalten und zu besichtigen, eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ich habe einige der erwähnten Orte nachgeschlagen, weil ich durch die bildhaften Beschreibungen sehr neugierig wurde, was aus den genannten Burgen und Klöstern wurde. Also durchaus auch ein lehrreiches Buch.
Fazit:
Ein faszinierender, sehr gut recherchierter Roman, der zu fesseln weiß. Ich hätte gerne ein paar Seiten mehr gelesen, weil zum Ende hin doch einiges zu schnell abgehandelt wurde. Gerade weil das Buch sehr intensiv und langsam begann, viel mir das als Leserin zum Ende hin etwas auf. Aber es spricht ja für die Autorin, wenn man noch mehr von ihr lesen möchte.
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