Wenn alles verloren geht, was bleibt von den Familientraditionen, der Liebe und den Menschen? Als ihr Sohn Heinrich 1881 zur Welt kommt, setzt Anna Reichenheim große Hoffnungen auf diesen Erstgeborenen. Doch Heinrich schert sich nicht um die Konventionen seiner großbürgerlichen jüdischen Familie. Er erliegt den Verlockungen des Berliner Nachtlebens und verliebt sich in die ganz gewöhnliche Marie, die seine Mutter nicht akzeptieren kann. Gemeinsam suchen Heinrich und Marie in den USA ihr Glück, bis der Erste Weltkrieg sie zurück nach Deutschland holt. Sie bleiben ausgeschlossen aus der Familie, auch als die Schatten der Weltwirtschaftskrise und des aufkommenden Nationalsozialismus sich über das Land legen. Anna stirbt 1932 unversöhnt mit Heinrich, nicht ahnend, was ihrer Familie bevorsteht. Während seine Geschwister fliehen oder vertrieben werden, bleibt Heinrich in Deutschland zurück. Wieder ist es Marie, die ihm Halt gibt, als sie ums Überleben kämpfen. Ein feinfühliger Roman über zwei ganz unterschiedliche Frauen, über zwei Leben reich an Liebe und Verlust in einem Jahrhundert voller Extreme – mitreißend gelesen von Vera Teltz.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Anke
aus Ludwigshafen
5/5
01.03.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
1.000 Punkte
Das Beste Buch, welches ich in letzter Zeit gelesen habe.
Geschichte pur!
Ich war von dem Buch hin & weg, wie man so schön sagt.
Das Buch ist so einfühlsam geschrieben, dass man meint,
man wäre gerade jetzt selbst dabei in dieser Zeit.
Dazu wollte man beachten, dass dieser Roman zum größten Teil auf
der Familiengeschichte der Autorin bassiert.
Es geht um eine sehr starke Frau, Anna, die schon als Kind ihren
eigenen Kopf hatte. Sie hat ein starkes Durchsetzungsvermögen
und beweisst es in ihrem Leben. Durch den Tod ihrer Schwester
muss sie früh "erwaschsen" werden. Das prägt in dieser schweren Zeit des Krieges. Man wird beim Lesen richtig "reinversetzt" und kann "fast" selbst spüren, wie schlimm und grausam es damals war.
Der Schreibstil der Autorin ist klasse. Das Buch lässt sich locker & leicht lesen, wie man so schön sagt. Es es absolut spannend geschrieben und man kann es kaum aus der Hand legen.
Ich bin total begeistert von diesem Roman und vergebe 1.000 Punkte!!!
Avocado
5/5
28.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bewegendes Familienporträt
In "Wellenflug" erzählt die Autorin die Lebensgeschichte zweier Frauen, nämlich von Anna Reichenheim und deren Schwiegertochter Marie. Eingebettet sind diese beiden zunächst unabhängig voneinander erzählten Lebensläufe in die große Geschichte der wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie Reichenheim aus Berlin, die sich vom 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts erstreckt. Der Leser erfährt viel über das Leben und die gesellschaftlichen Gegebenheiten in dieser Zeitspanne. Der Schreibstil der Autorin war für mich anfangs gewöhnungsbedürftig, ich fand nicht sofort in die Geschichte der Anna Reichenheim hinein. Das gab sich aber doch relativ schnell und das Buch entwickelte sich zum regelrechten Pageturner, ich konnte es kaum aus der Hand legen. Die Figuren sind auf sehr einfühlsame Weise beschrieben, es fiel mir nicht schwer, mir von allen ein lebhaftes Bild zu machen. Auch wenn die beiden Frauen unterschiedlicher nicht sein konnten, so konnte ich doch das Handeln beider in ihrer individuellen Situation jederzeit nachvollziehen und mit ihnen fühlen. Besonders interessant war für mich auch der historische Hintergrund, der sich von den Anfängen der Industrialisierung in Deutschland/Europa bis hin zum 3. Reich und der Nachkriegszeit erstreckt. Daneben noch der kleine Exkurs zum Leben europäischer Auswanderer in Nordamerika.
Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen, ich habe es, nachdem mich die Geschichte nach einigen Kapiteln gefangengenommen hatte, innerhalb kürzester Zeit bis zu Ende gelesen. Klare Leseempfehlung für alle, die große Familienepen mögen und sich für deutsche Geschichte des letzten und vorletzten Jahrhunderts interessieren.
LindaRabbit
aus Freiburg
5/5
30.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
eine jüdische Familie Schon…
eine jüdische Familie Schon der Prolog ist interessant: Die Ich-Erzählerin berichtet von ihrem Großvater und der Familiengeschichte, die sie nicht kennt; von Verwandten, die ihre unbekannt sind, von den Kerrs (Judith und Alfred, die bekannten Schriftsteller). Das alleine treibt meine Neugierde auf einen ersten Höhepunkt – denn auch ich habe erst vor kurzem von Verwandten erfahren, von denen ich nie etwas wusste. Dann geht es zurück ins 19.Jahrhundert….Das Leben der Familie, vor allem der kleinen Anna, wird erzählt. Die große Schwester stirbt an Cholera. Der Stoffhandel, Messen und ein Brand. Doch Anna wird unversöhnlich. Denn als ihr Sohn Heinrich mit Marie ankommt, lehnt sie diese ab. Für immer (manche Schwiegermütter sind so). Anna hat in die reiche Fabrikantenfamilie eingeheiratet. Als ihr Sohn, eine Spielernatur, mit der Garderobenfrau Marie ankommt, ist ihr diese nicht gut genug. Sehr schöner Erzählstil Das Titelbild ziert eine Fotografie einer sehr sensibel aussehenden jungen Frau, offensichtlich (Frisur, Patina der Fotografie) aus einer früheren Zeit (Anfang des 20. Jahrhundert?). Blickfang! Für mich schon, denn großflächige Gesichter auf dem Umschlagbild ziehen mich an.
raschke64
aus Dresden
5/5
29.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lesenswert
Wellenflug ist ein Buch, dass sich über gut 100 Jahre erstreckt. Es beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Erzählt wird die Geschichte einer jüdischen Familie. Sie beginnt in eher ärmlichen Verhältnissen und nach und nach wird die Familie immer reicher und bedeutender und steigt gesellschaftlich auf. Erzählt wird in erster Linie von Anna, die durch die Heirat in die Familie Reichenheim ein Leben in der gehobenen Gesellschaftsschicht führt. Anfang des 20. Jahrhunderts geht es dann um den Sohn von Anna und seine Frau Marie. Diese stammt ebenfalls aus ärmlichen Verhältnissen und wird deshalb in der Familie Reichenheim nie anerkannt sein.
Die Autorin erzählt die Geschichte ihrer Familie. Dabei konzentriert sie sich zwar auf die beiden Frauengestalten, trotzdem erfährt man viel über das damalige Leben. Das Ganze ist relativ sachlich geschrieben, trotzdem ist es interessant. Wichtige politische Ereignisse werden erwähnt, aber meist aus der Sicht der jeweiligen Frau betrachtet. Das macht das Ganze sehr persönlich. Alles in allem kann ich dann für das Buch nur eine Leseempfehlung aussprechen.
adel69
aus Baden-Württemberg
5/5
24.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lesenswerter Familienroman…
Lesenswerter Familienroman „Wellenflug“ – so nennt sich ein Fahrgeschäft auf einem Dresdner Rummelplatz. Ein Karussell, mit dem Marie, eine der beiden Frauen, über die Constanze Neumann erzählt, gefahren ist. „Wellenflug“ erzählt die Geschichte zweier Frauen. Anna wird im 19. Jahrhundert geboren, sie heiratet in die reiche Familie der Reichenheims ein. Die Reichenheims sind Fabrikanten, und Anna kümmert sich nach ihrer Heirat um ein großes Haus in Berlin, sie gibt Dinnerpartys und Empfänge. Als ihr ältester Sohn Heinrich der Spielsucht verfällt, verstößt sie ihn. Das ändert sich auch nicht, als er Marie kennenlernt, die als Garderobiere arbeitet. Seinetwegen verliert sie Ihren Job. Sie ist aber die Frau, die er heiraten will – und nachdem er in die USA ausgewandert ist, holt er Marie nach. Er bezahlt ihr die Schiffspassage und alles, was sie für ein Leben in den USA braucht. Heinrich wechselt oft die Arbeitgeber, denn er hält es nicht lange im selben Job aus. Marie versucht, aus ihrem Leben in den USA das Beste zu machen und gewinnt Freunde. In der Familie der Reichenheims bleiben Marie und Heinrich lange Zeit die Verstoßenen. Marie ist nicht standesgemäß als Frau eines Fabrikantensohns. Heinrich und auch Anna versuchen, bei den Reichenheims wieder anerkannt zu werden – auch, nachdem sie wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind. Doch das ist nicht einfach. Als Marie einen Zettel in der Tasche ihres Mannes findet, sieht sie ihre Chance, sich einen langgehegten Wunsch zu erfüllen – und auch Anne dazu zu bewegen, sie und Heinrich wieder in die Familie aufzunehmen. Anna und Marie waren mir sympathisch – wobei ich Annas harte Haltung gegenüber Marie nicht verstanden habe. „Wellenflug“ ist ein lesenswerter, spannender Familienroman über zwei Frauen, die sich über zwei Jahrhunderte spannt. Geschrieben ist er aus der auktorialen Erzählperspektive (kein Ich-Erzähler) in der Vergangenheit. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und auch einiges über die damalige Zeit gelernt. Beispielsweise, wie Anna und ihre Schwester Mathilde in die Berliner Gesellschaft eingeführt wurden. Auch, wie das Leben in den USA Anfang der 1920er-Jahre war. Ebenfalls die Zeit des Dritten Reichs wird beleuchtet. Es gibt Passagen im Leben von Anna und Marie, die ausführlich beleuchtet werden. Anderes wird nur gestreift – oder übersprungen. Das hat mich nicht gestört, denn so habe ich kein opulentes, dickes Werk zu lesen bekommen, sondern einen Familienroman in angenehmer Länge. Das Cover des Romans gefällt mir gut - das Foto einer Frau aus damaliger Zeit, ein bisschen auf "alt" getrimmt. Allerdings muss ich zugeben: In einer Buchhandlung wäre ich an diesem Buch vorbeigegangen, da mich andere - buntere - Cover eher ansprechen. Ich bin eher durch Zufall auf dieses Buch gekommen und bin froh, dass ich es gelesen habe. Ich vergebe 5 Sterne und empfehle das Buch „Wellenflug“ weiter.
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4/5
09.01.2023
Buch (Taschenbuch)
Lebenswege
Als Heinrich 1881 in die großbürgerliche jüdische Familie Reinchenheim hineingeboren wird ist er der ganze Stolz seiner Eltern. Doch er entflieht dieser Enge ins Berliner Nachtleben und lernt dort die unscheinbare Marie kennen und lieben - sehr zum Mißfallen seiner Eltern.Es kommt zum Bruch und auch die schlimmen Erlebnisse während der NS Zeit führen nicht zu einer Versöhnung.
Marie und ihre Schwiegermutter Anna tragen durch diesen Roman, ihre Schicksale fesseln und machen betroffen.
Großartige Erzählkunst und umfassende Geschichtsstunde!!!
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