Berlin 1944: Die sechzehnjährige Mara Prager liebt den Film … und die Sterne. Seit sie denken kann, verschlingt sie alles über die noch junge Weltraumforschung. Ihr Alltag im Fahrkartenschalter eines Vorortbahnhofs ist weniger glamourös. Wann immer sie kann, träumt sie sich in andere Welten. Für sie sind die gewaltigen Flaktürme am Bahnhof Zoo keine Kriegsmaschinen. Sie bewundert ihre Technik, die Funkschüsseln und Peilsender, denn sie weiß ganz genau … wenn man nur wollte, könnte man mit diesen zwischen die Sterne lauschen.
Eines Tages beobachtet sie einen echten Filmstar im Nachbarhaus und erfährt, dass dort bekannte Musiker wohnen. Diese Bekanntschaft bringt sie tief in die Traumwelt der UFA und zu den Dreharbeiten von ›Unter den Brücken‹. Aber die Reihen der Stars lichten sich. Beliebte Schauspieler verschwinden oder werden verhaftet, manche hingerichtet. Andere verstummen, sobald das Scheinwerferlicht verlischt.
Beinahe zeitgleich lernt sie den Soldaten Manfred und den Flakhelfer Helmut kennen, die ihre Leidenschaften teilen. Interesse erregt das junge Mädchen, das so neugierig und voller Tatendrang scheint, unglücklicherweise bald bei Gestapo und militärischer Abwehr.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
ancla_books4life
aus Schwerte
5/5
16.05.2026
Buch (Taschenbuch)
So fühlt sich ein All-Time-Favorite an
**** Mein Eindruck ****
Dieses Buch ist für mich eines dieser seltenen Fundstücke auf dem Buchmarkt – eine Geschichte, die sich angefühlt hat, als wäre sie genau für mich geschrieben worden. Es hat sofort einen Platz auf meiner All-Time-Favorites-Liste bekommen und einen ganz besonderen Stellenwert in meinem Regal und meinem Herzen verdient.
Warum? Weil dieses Buch einfach ist. Es erzählt, ohne sich anzubiedern, ohne künstlich gefallen zu wollen oder sich in Dramatik zu verlieren. Es nimmt uns mit in das Leben von Mara, einer sechzehnjährigen Jugendlichen im Zweiten Weltkrieg. Sie liebt amerikanische Geschichten, kreative Filme und vor allem die Astronomie. Ihre Fantasie kennt kaum Grenzen, ebenso wenig wie ihre Begeisterungsfähigkeit.
Mara schließt schnell Freundschaften – und gerät dadurch auch ins Visier der falschen Menschen. Wer hier tatsächlich Freund oder Feind ist, entfaltet sich erst nach und nach und macht einen großen Reiz der Geschichte aus.
Besonders beeindruckt hat mich, wie das Buch ein anderes Bild von Berlin zeigt: eines voller Hoffnung, Menschlichkeit und kleiner Schönheiten trotz der allgegenwärtigen Zerstörung. Die deutsche Geschichte wird hier nicht nur erzählt, sondern durch Mara spürbar gemacht.
Und trotzdem verliert die Geschichte nie den Blick für die Realität. Auch Mara stößt irgendwann an ihre Grenzen – und genau dort hat mich das Buch emotional vollkommen getroffen. Ich habe mit ihr gelacht, gehofft und geweint. Beim Lesen hatte ich stellenweise das Gefühl, selbst mit ihr durch Berlin zu gehen: jung, neugierig, voller Leben und gleichzeitig alles andere als naiv gegenüber den Gefahren ihrer Zeit.
Mara ist dabei eine Figur, die man nicht vergisst. Nicht perfekt, nicht überhöht, sondern menschlich – mit Ecken, Gefühlen und Mut.
Neben ihr überzeugt das Buch auch durch viele weitere Figuren, die bewegen, überraschen oder herausfordern. Freundschaft, historische Details und zwischenmenschliche Dynamiken greifen dabei wunderbar ineinander. Besonders schön fand ich außerdem, dass sich die Geschichte Zeit nimmt und nicht einfach nur bekannte Kriegsklischees abarbeitet.
Dazu kommt ein angenehm flüssiger Schreibstil, der einen tief in die Geschichte hineinzieht und immer wieder Raum zum Verweilen lässt.
Dieses Buch hat mein Herz vollkommen erobert. Für mich ein absolutes Highlight und etwas ganz Besonderes.
**** Empfehlung? ****
Für alle, die historische Romane suchen, die nicht nur vom Krieg erzählen, sondern vom Menschsein mitten darin – emotional, atmosphärisch und mit einer Protagonistin, die lange im Herzen bleibt.
Bewertung
5/5
07.02.2025
Buch (Taschenbuch)
Ein berührender Roman , Zeitgeschichte und die Kraft zu leben
Leben zwischen Traumfabrik und totalem Krieg, so lautet der Untertitel. Maras Freund nannte sie „kleine Frau im Mond“, aber was war das für ein Leben in Berlin vom 3.März 1944 bis zum 3.August 1944? Frühling und Sommer 1944 war für die Menschen in Berlin vom stetig sich verschlimmernden Bombenkrieg durch die Engländer und Amerikaner einerseits und dem Gestapoterror gegen das eigene Volk geprägt.
Der Autor beschränkt sich auf zählbare Tage in der Handlung, die fiktiv ist, aber tief in das profunde Wissen um die Zeit eingebettet wird.
Mara Prager ist gerade 16 geworden und arbeitet zunächst in einem Fahrkartenschalter der Reichsbahn, denn ihre Schulzeit ist bereits beendet. Ihre Mutter ist verstorben und sie lebt gemeinsam mit ihrem Vater in einer kleinen Wohnung. Es ist ein karges Leben im Krieg. Mara träumt sich gern in die Zukunft, liest Zeitungsartikel und Geschichten über Raketen, Zukunft der Technik, Flüge in den Weltall, sehr ungewöhnlich. Sie hält sich aus politischer Tätigkeit heraus, versucht, einfach durchzukommen, zu überleben. Bei ihren langen Spaziergängen durch die Stadt besucht sie regelmäßig einen Zeitungsladen und bekommt hin und wieder neue Lesehefte und vor allem die, die bereits seit Jahren niemand mehr erhält, auch in englischer Sprache. So fördert der Zeitungshändler ihre Wissbegierde und sie lernt unbewusst auch Menschen kennen, die durchaus nicht regimetreu sind und ihr sogar gefährlich werden können. Und durch Zufall lernt Mara Menschen aus der Filmindustrie kennen, ein sehr spannender Teil des Buches.
Maras beruflicher Weg setzt sich fort als Büroangestellte in der Wehrmachtsauskunftstelle. Hier spürt sie sehr schnell die Eiseskälte des Regimes und die Gefährlichkeit ihres Tuns, auch wenn sie dies noch nicht vollständig überblickt, vor allem die möglichen Konsequenzen.
Neben Mara gibt es eine Reihe weiterer Personen, die das Mädchen beeinflussen und beeindrucken, besonders Leute der UFA, aber auch eine erste Liebe.
Die Handlung des Roman hat mich zutiefst gefesselt, zeigt sie doch, wie schwer es für ein so junges Mädchen, stellvertretend für viele andere, war, sich in dieser aus den Fugen geratenden Welt zurecht zu finden. Dies wird vom Autor sehr überzeugend dargestellt. Die Hauptfigur wird sehr geschickt in gut recherchiertes Zeitgeschehen eingebettet. Mara ist so voller Hoffnung und weiß nicht, dass sie noch viele Monate aushalten muss, bis dieser Wahnsinn des 2.Weltkrieges zu Ende geht.
Stefan Piasecki versteht es, sprachlich das Zeitgeschehen so sachlich wie möglich darzustellen und die Handlung darin wie ein Pflänzchen aufkeimender Hoffnung einzubetten.
Die Bedeutung des Romans in der Gegenwart ist unstrittig. Er sollte unbedingt gelesen werden, denn es ist eine Hommage an den Frieden.
Bewertung
5/5
02.02.2025
Buch (Taschenbuch)
Wenn Interesse und Wissensdurst eine Gefahr für deine Existenz bedeuten
Berlin, Bahnhof Zehlendorf West, März 1944. Maria Prager, eine sechzehnjährige Fahrkartenverkäuferin der Deutschen Reichsbahn ist nicht ganz bei der Sache. Sie träumt von der Welt des Filmes und den Sternen. Auf dem Heimweg bemerkt sie, dass im Nebenhaus zwei berühmte Musiker wohnen, bei denen bekannte Größen der Filmwelt ein und aus gehen. Als sie durch Zufall den Tontechniker Simeon, kennenlernt, ist das ihr Tor in diese Welt. Im Zeitungsladen am Bahnhof Zoo von Wilhelm Darburg bekommt sie nicht nur Lesestoff, der nicht mehr einfach zu bekommen ist, sie lernt auch sehr interessante Persönlichkeiten kennen. Tja und als sie zur Wehrmachtauskunftsstelle versetzt wird, lernt sie auch noch Manfred und später den Flakhelfer Helmut kennen, die bei ihr bisher unbekannte Gefühle erwecken. Doch durch ihr vielfältiges Interesse und ihre Aktivitäten gerät sie ins Blickfeld von Abwehr und Gestapo . . .
Der Roman von Stefan Piasecki führt uns in eine dunkle Zeit, in der Interesse und Neigungen nicht immer offenbart werden durften. Ob es gleichgeschlechtliche Liebe, Herkunft, Religion oder einfach ausländische Literatur war, alles konnte zur Verhaftung oder gar zum Tode führen. Einziger Schutz war, wenn man für die Führungselite wichtig erschien. Der Autor lässt uns in diesem Roman viele Personen der Zeitgeschichte treffen. Manche von ihnen mussten jederzeit mit Verfolgung rechnen, so ist das Misstrauen spürbar, dass trotz aller Verbundenheit in den Gruppen herrschte. Ein unbedachtes Wort, eine leichtsinnige Handlung konnte einem ja schließlich das Leben kosten. So war ich beim Lesen oft versucht, „Mensch Mara!“ zu rufen, wenn sie wieder mal völlig enthusiastisch aber auch noch sehr naiv, sich und andere in Gefahr brachte. Aber auch die kleinen Nebengeschichten zeichnen ein bedrückendes Bild dieser Tage.
Stefan Piasecki hat hier sehr genau recherchiert und ein Bild einer Zeit geschildert, die sich so niemals wieder wiederholen darf!
Es wird bei mir definitiv nicht das letzte Buch des Autors bleiben, mit seinen geschichtlichen Details trifft er genau meinen Geschmack.
Hass und Gewalt aus JEGLICHER Richtung haben auf dieser Welt keine Berechtigung!
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