Produktbild: Das Mädchen, das man ruft

Das Mädchen, das man ruft

Aus der Reihe Quartbuch
2

20,00 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Verkaufsrang

46359

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

17.03.2022

Verlag

Wagenbach, K

Seitenzahl

160

Maße (L/B/H)

21,9/14,4/2 cm

Gewicht

305 g

Farbe

Anthrazit / Graugrün

Auflage

1. Auflage

Übersetzt von

Hinrich Schmidt-Henkel

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-8031-3345-8

Beschreibung

Rezension

»Tanguy Viel hat zweifelsohne seinen bisher größten Roman geschrieben.« Diakritik

Produktdetails

Verkaufsrang

46359

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

17.03.2022

Verlag

Wagenbach, K

Seitenzahl

160

Maße (L/B/H)

21,9/14,4/2 cm

Gewicht

305 g

Farbe

Anthrazit / Graugrün

Auflage

1. Auflage

Übersetzt von

Hinrich Schmidt-Henkel

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-8031-3345-8

Herstelleradresse

Wagenbach Klaus GmbH
Emser Strasse 40/41
10719 Berlin
DE

Email: GPSR Kontakt

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  • https://lieslos.blog/

    5/5

    02.06.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein anspruchsvolles literarisches Highlight mit interessantem und brisantem Inhalt!

    Das war mal wieder ein ganz besonderer literarischer Leckerbissen! Inhalt, Sprache und Stil haben mir sehr gut gefallen. Manchmal ist es ja mehr der Inhalt, manchmal mehr die Sprache, die einen fesseln, aber hier stimmt alles und das Ende ist nicht vorhersehbar. Der Ich-Erzähler erzählt auf knapp 160 Seiten von Laura, ihrem Vater Max, seinem Chef, dem Bürgermeister Quentin Le Bars und dessen befreundeten Casinobesitzer Franck Bellec. Es ist Anfang 2017. Die 20-jährige Laura ist kürzlich nach etlichen Jahren in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Jetzt sucht sie eine Bleibe und einen Job. Ihr Vater hat seinen 48-jährigen Chef, den Bürgermeister, gefragt, ob er ihr wohl bei der Wohnungssuche helfen könnte. Laura, die einige Jahre als Fotomodel tätig war, sitzt vor dem Café Univers in der Altstadt einer bretonischen Hafenstadt. Sie hat in Kürze einen Termin beim Bürgermeister im benachbarten Rathaus. Bis dahin genießt sie ihren Kaffee und blättert neugierig durch den Sportteil der Zeitung. Wird sie dort einen Artikel über ihren 40-jährigen Vater Max finden, der kürzlich nach längerer Pause wieder einen Sieg als Boxer errungen hat, dem der nächste Kampf bevorsteht und der das Treffen mit dem Bürgermeister eingefädelt hat? Immer wieder werden kurze Szenen aus der Zukunft eingestreut, in denen Laura von Polizisten zu dem Termin beim Bürgermeister und zum ganzen Drumherum verhört wird. Dieses Vorgehen des Autors ist ein origineller Kunstgriff, denn man wird bereits auf den ersten Seiten neugierig gemacht und auf die Folter gespannt. Es ist aber nicht nur Neugierde, die schon auf den ersten Seiten erweckt wird. Man bekommt auch eine Vorahnung davon, dass das schmale Büchlein ein sprachliches und stilistisches Juwel werden wird. Einige Beispiele dazu: „…die Trikolore, die in der lauen Luft ruhte wie ein eingeschlafener Wachsoldat.“ (S. 7) „…wenn der Blick vom Kopf zu den Füßen runtersaust wie eine Guillotine.“ (S. 10) „… ihr bisheriges Leben, das in den letzten Tagen so deutlich vor ihr inneres Auge getreten war, wie eine alte Haut, die sich nicht abstreifen ließ…“ (S. 31) „…Information, die durchaus bis zu ihrem Hirn durchgedrungen, dort aber stecken geblieben war wie ein Fahrstuhl zwischen zwei Stockwerken.“ (S. 35) Im weiteren Verlauf der Geschichte erfahren wir nach und nach Details von dem Treffen der Beiden in dem riesigen und prunkvollen Amtssitz des Stadtoberhaupts und abermals werden Episoden des Verhörs eingestreut, das, so erfahren wir bald, stattfindet, weil Laura eine Anzeige aufgibt. Mit der Zeit fügt sich ein Bild zusammen, mit dem man so nicht gerechnet hätte. Es ist eine Geschichte, die auf ein dramatisches und fulminantes Ende hinsteuert. Es geht dabei um Macht und Ohnmacht, Machtmissbrauch, Machenschaften, Abhängigkeiten, Gefälligkeiten, unausgesprochene aber klar vernehmbare Erpressungen sowie sexuelle Belästigung und Übergriffigkeit. Immer wieder stößt man verwundert auf die Tatsache, dass „das ES regiert und nicht das ICH“ („Das ICH ist nicht Herr im eigenen Haus“, Zitat von Sigmund Freud). Könnte man sonst handeln wie Laura handelt? Der Autor seziert mit bzw. in seinem Werk auf beeindruckende Art und Weise den Mechanismus, warum etwas passiert. Es geht dabei gar nicht so sehr um die Figuren. Sie werden relativ eindimensional, klischeehaft und schablonenartig gezeichnet, was mich hier nicht störte weil ich denke, dass diese einfache Art der Charakterdarstellung und die recht einfach zu umreißende (aber packende) Handlung zusammen mit dem komplexen Stil, den kunstvollen Formulierungen und den beeindruckenden Bildern in ihrer Gesamtheit dem Thema der Geschichte Nachdruck verleihen. Es geht, wie gesagt, mehr um die Thematik an sich und um den Mechanismus und die Entstehungsgeschichte dahinter. Auf den Inhalt möchte ich nicht weiter eingehen, um niemandes Lesegenuss zu mindern. Ich ärgere mich immer, wenn in Rezensionen zu viel verraten wird. Nun noch ein paar Worte zur Sprache: An die langen und verschachtelten Sätze muß man sich erstmal gewöhnen und sie sehr konzentriert lesen… wenn beide Voraussetzungen dann erfüllt sind, ist es für Liebhaber von Formulierungen, Assoziationen und Bewusstseinsströmen eine Oase, in der man sich nicht nur wohlfühlen kann, sondern geradezu muß. Dieser originelle und nur mit Aufmerksamkeit zu lesende Schreibstil mit seinen vielen Bildern wirkte auf mich weder bemüht noch gekünstelt, sondern fließend und natürlich. Die inhaltlich überschaubare und schnell zusammengefasste Geschichte ist ernst, aktuell, brisant und interessant. Sie ist gleichzeitig eine literarische Besonderheit und ein sprachlicher Hochgenuss mit unfassbar eindrücklichen Bildern. Ich muß an mich halten, sie nicht alle zu zitieren ;-) Viele Sätze „musste“ ich mehrmals, langsam und laut lesen, weil sie mich so begeistert haben. Ich bewundere die Ausdrucksfähigkeit und Wortgewandtheit von Tanguy Viel. Ich kann nicht umhin, dazu doch noch ein Beispiel anzuführen: „(Die alte und komplexe Beziehung, die zwischen ihnen bestand), war eine öffentlich bekannte Tatsache, trotz all dessen, was die beiden auf den ersten Blick so unterschied, der eine in seinen über dem Bauchansatz spannenden taillierten Anzügen, der andere unausweichlich düstere, unterweltliche Assoziationen weckend, denen sein weißer Anzug nicht nur nicht entgegen wirkte, sondern die er geradezu verstärkte, so, wie die Scheinwerfer eines Wagens in der Abenddämmerung klarmachen, dass es bald Nacht wird.“ (S. 41) „Das Mädchen, das man ruft“ ist ein anspruchsvoller Roman, der für den Prix Goncourt nominiert war. Er bereitete mir großes Lesevergnügen und ich empfehle ihn gerne weiter.

  • Christian1977

    aus Leipzig

    3/5

    07.04.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Eine kleine Hafenstadt in der…

    Eine kleine Hafenstadt in der Bretagne: Max Le Corre, ein abgehalfterter Boxer, der als Chauffeur des Bürgermeisters Quentin Le Bars arbeitet, legt bei seinem Chef ein gutes Wort für seine Tochter ein. Die 20-jährige Laura ist gerade aus Rennes zurückgekehrt und sucht in ihrer Heimatstadt nun eine Wohnung und einen Job. Und siehe da: Le Bars lässt seine Beziehungen spielen und besorgt ihr beides innerhalb kürzester Zeit - jedoch nicht ohne Hintergedanken, denn ohne gewisse "Gefälligkeiten" macht so ein Provinzbürgermeister schließlich keinen Finger krumm... "Das Mädchen, das man ruft" ist der neue Roman des französischen Autors Tanguy Viel, der kürzlich im Wagenbach-Verlag erschienen ist. Der Roman mit dem recht sperrigen Titel ist eine Mischung aus Krimi und Sozialdrama und punktet vor allem durch seine originelle Erzählweise. Denn Viel breitet auf gerade einmal 160 Seiten das gesamte Spektrum seines literarischen Könnens nahezu komplett aus und trifft dabei zumeist den richtigen Ton. Zugegebenermaßen dauert es eine Weile, bis man sich als Leser:in an die vielen Verschachtelungen und an den Bewusstseinsstrom gewöhnt, an die endlos wirkenden Bandwurmsätze, die zum Teil ganz oben auf einer Seite beginnen und sich manchmal bis über die Seitenmitte hinwegziehen, hier einen Schlenker einlegen, um Boxer Max apathisch in einer Autowaschanlage zu beobachten oder sich plötzlich im Casino der Stadt wiederfinden, wo Bürgermeister Quentin Laura gerade besucht, um sich eine der besagten "Gefälligkeiten" abzuholen und dabei nicht aufgehalten wird, weder von Casino-Inhaber Franck, der aber ohnehin ein recht schmieriges Bündnis mit dem Bürgermeister eingegangen ist, so glauben wir es zumindest, wenn wir uns die erste Szene in Erinnerung rufen, noch von Francks Schwester Hélène, von der man sich dann als Leser:in doch noch eine gewisse Unterstützung für Laura erhoffte, aber Pustekuchen. Mir gelingt es natürlich nicht einmal ansatzweise, so gut zu formulieren, aber der oben stehende Satz könnte zumindest als exemplarisch betrachtet werden. Nach den geschilderten Anpassungsschwierigkeiten fand ich diesen Erzählstil jedenfalls durchaus gelungen, auch wenn Viel es bei seinen Metaphern manchmal übertreibt und nicht jede davon sitzen mag. Durch den Schreibstil wirkt die eigentliche Handlung jedoch recht aufgebauscht, denn die Geschichte ist relativ simpel zusammenzufassen: Ein junges Mädchen in Not lässt sich sexuell von einem Machtmenschen ausnutzen, ohne direkt dagegen zu protestieren, während ihr naiver Boxer-Vater den Bürgermeister sogar noch zu diesen Treffen karrt. Ein wenig "MeToo in der Bretagne" und thematisch recht gefällig, denn wer mag schon Widerworte dagegen erheben, dass eine solche Geschichte ihre Berechtigung hat, erzählt zu werden? Dennoch gelingt es dem Autoren über weite Strecken ziemlich gut, trotz der simplen Handlung einen veritablen Spannungsbogen aufzubauen, denn tatsächlich fiel es mir schwer, vorauszusehen, in welche Richtung sich diese Geschichte denn nun entwickeln wird. Und so ist die größte Schwäche in meinen Augen auch gar nicht die Handlung, sondern es sind die Figuren, die fast schon erschreckend eindimensional geraten sind. Auf der einen Seite der Bürgermeister, ein korrupter Machtmensch aus dem Lager "Old White Man" und sein Lakai Franck, ein Provinzlude im weißen Anzug - auf der anderen Seite Laura, eine Art Fille Fatale, die sich ihrer Reize durchaus bewusst ist, aber nicht in der Lage scheint, gegen den Missbrauch zu protestieren und ihr völlig verblödeter Boxer-Vater, der offenbar nicht erst im letzten Boxkampf seine finalen Hirnzellen geopfert hat. Gerade Boxer Max ist ein echtes Ärgernis, denn selbst Tanguy Viel scheint keine große Empathie für den armen Tropf übrig zu haben. So ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass auch ich keinen Zugang zu den Figuren fand und mir ihr Schicksal größtenteils leider egal blieb. Insgesamt ist "Das Mädchen, das man ruft" trotz dieser Kritikpunkte ei

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