Das erste Buch über die organisierte Kriminalität der mächtigsten Mafia Europas
Momentan steht sie im Rampenlicht, obwohl sie lieber im Dunkeln arbeitet: Der bisher größte Prozess gegen die 'Ndrangheta, die mächtigste Mafia Europas, läuft seit Januar 2021 in Italien und zieht Aufmerksamkeit auf sich. Denn: Die 'Ndrangheta ist schon lange kein rein italienisches Problem mehr, sondern betrifft ganz Europa. Und damit unser aller Leben. Von der Lebensmittelproduktion bis zur Müllentsorgung - die "Krake aus Kalabrien" hat ihre Finger im Spiel. Mit unglaublichem Mut und Durchblick gelingt es der Journalistin Sanne de Boer, das System hinter dieser äußerst raffiniert agierenden Mafia zu durchdringen, die besonders von Krisenzeiten wie der jetzigen enorm profitiert und der die europäische Gerichtsbarkeit kaum etwas entgegenzusetzen hat. Ein ebenso enthüllendes wie erhellendes Buch!
»Ein eindringliches Porträt der größten kriminellen internationalen Organisation der Welt.« Volkskrant
»Ein ausgezeichnetes, mutiges und wichtiges Buch.« Bas Mesters, ehemaliger Italien-Korrespondent für NOS und das NRC Handelsblad
»Neben 'Gomorrah' von Roberto Saviano eines der besten Bücher über die Mafia auf dem Markt.« NBD Biblion
»Ein herausragender Einblick in die Wirkungsweise dieser Verbrechervereinigung. Die `Ndrangheta sitzt auch hier in den Kapillargefäßen von Wirtschaft und Politik.« TROUW
»Was für ein brilliantes Buch über die erbarmungslose `Ndrangheta in Italien. ... Lesetipp!« DE TELEGRAAF
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Sowohl faszinierend, als auch abschreckend. In jedem Fall aber unglaublich interessant!
Sue aus Uelzen am 08.08.2023
Bewertungsnummer: 1996702
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
"'Ndrangheta" von Sanne de Boer gibt einen wirklich guten Einblick in die Wirkungskreise und -weise der 'Ndrangheta, die ihre Finger in der Politik und Wirtschaft Deutschlands haben - und das nicht erst seit 2007.
Übersetzt aus dem Niederländischen von Christine Burkhardt und Gerd Busse. Mit einem Vorwort von Petra Reski.
Sanne de Boer verlässt als junge Frau Amsterdam, um ihrer Italiensucht nachzukommen. Es zieht sie ganz in den Süden Italiens, ins sonnengeküsste Kalabrien. Damals wusste sie noch nicht, was es mit der 'Ndrangheta auf sich hat. Doch schon bald findet de Boer heraus, dass die 'Ndrangheta für organisierte Kriminalität als Erfolgsmodell schlechthin fungiert. Sie ist föderal organisiert und damit wesentlich flexibler als die sizilianische Cosa Nostra.
Die Strukturen der Mafia fand ich schon immer sehr interessant und ich habe auch das ein oder andere Buch dazu schon gelesen, bisher aber ausschließlich zur Cosa Nostra - also dem sizilianischen Zweig der Mafia. Die Einblicke und Erkenntnisse, die ich daraus gewinnen konnte, haben mich immer genauso stark fasziniert, wie sich mich erschrocken haben. So ging es mir nun auch mit den Einblicken, die Sanne de Boer in die kalabresische Mafia gewährt. Ich bin fasziniert wie abgestoßen zugleich. Die Faszination begründete sich sicherlich auch auf romantischen Vorstellungen, aber auch auf den Zusammenhalt und die Loyalität, ihre eigenen Werte und Traditionen, die mir fremd sind. Was mich abstößt sind hingegen die Praktiken: Es geht um Erpressung, Bestechung, Drohung und im Bezug auf Verräter aus den eigenen Reihen um bestialische Morde. Ohne Gnade.
Überwiegend mischt die 'Ndrangheta bei der illegalen Müllbeseitigung mit, dem Drogenhandel (der größte Teil ihrer Drogengeschäfte läuft über die niederländischen Häfen), dem Lebensmittelhandel und dem Gesundheitswesen.
Besonders interessant finde ich auch, dass Deutschland für die 'Ndrangheta das wichtigste europäische Land ist. Denn nirgendwo sonst ist Geldwäsche in so großem Stil möglich wie bei uns.
Am Erstaunlichsten fand ich, dass Journalisten, die in Deutschland aufgrund irgendwelcher Publikationen (Artikel, Bücher...) von der Mafia verklagt werden, hier immer verlieren, selbst wenn sie ihre Vorwürfe belegen können. In Italien hingegen verlieren die Enthüllungsjournalisten fast nie, wenn die Mafia sie anklagt, solange sie ihre Aussagen belegen können. Und das obwohl Italien in Bezug auf die Pressefreiheit weit hinter Deutschland und den Niederlanden rangiert. Das macht doch sehr nachdenklich.
Die Investigativjournalistin Petra Reski schrieb nach den Morden in Duisburg, die im August 2007 stattfanden, das Buch "Mafia: von Paten, Pizzerien und falschen Priestern", in dem es um die kalabresische Mafia geht. Die Enthüllungen in jenem Buch gingen einigen italienischen Geschäftsleuten gegen den Strich und sie verklagten Reski. Einer der Kläger war ein Kalabrese dem ein Duisburger Luxushotel gehört und der beste Beziehungen zur High-Society und Politikern hat. So ist es wohl kaum verwunderlich, dass ein deutscher Richter diese Anklagen zuließ und dafür sorgte, dass das Buch zensiert werden musste und mit diesen geschwärzten Passagen nachgedruckt wurde. Ein Fakt, der in Italien selbst für Kopfschütteln und Erstaunen sorgte. Die Schwärzungen finden sich auch in den Übersetzungen auf niederländisch, englisch, spanisch und polnisch. Der erwähnte Ankläger Reskis hat so gute Verbindungen, dass er für sein Luxushotel nicht nur die Genehmigung bekam in einem Naturschutzgebiet zu bauen, nein, er bekam sogar finanzielle Unterstützung (inkl. europäischer Fördergelder)!
Während in Italien das strenge Anti-Mafia-Gesetzt seine Wirkung zeigt, zieht es die Clans vermehrt nach Deutschland und die Niederlande. Hier gibt es keine Gesetze dagegen, ganz im Gegenteil: Man scheint gewissermaßen von der Mafia zu profitieren...
Weitere Beispiele dazu, wie Journalisten in Deutschland gegen die Mafia klein beigeben müssen, findet man bei dem Journalisten Jürgen Roth, in dessen Fall sogar die Buchhändler bedroht wurden, oder auch im Fall des Präsidenten der Antimafia-Kommission des italienischen Parlaments Francesco Forgione, dessen Buch in der deutschen Übersetzung ebenso geschwärzt werden musste wie Reskis. Das zeigt mir ganz deutlich, dass die Pressefreiheit nichts wert ist, wenn man einen investigativen Artikel über jemanden schreibt, der Freunde in der Politik oder bei einer der drei großen Medienfamilien (Fam. Springer, Fam. Mohn und Fam. Burda) hat, die ihrerseits sämtliche deutschen Medien im Griff haben...
Mafia Gruppierungen gibt es überall...
Bianca Penz am 19.05.2023
Bewertungsnummer: 1944675
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Mafia Gruppierungen gibt es überall auf der Welt, manche klein, manche groß, aber niemand in Europa kann den 'Ndrangheta so schnell das Wasser reichen, wenn es um ihren Einfluss und ihre Macht angeht. Faszinierende Einblicke in eine korrumpierte Welt.
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