Ob in Liedern, Filmen oder Büchern: Liebe wird zu etwas Ungreifbarem, Zufälligem, Schicksalhaftem verklärt. Sie entzieht sich unserem Einfluss und überwindet alle Grenzen. Aber ist das wirklich so? »All you need is love«?
Was ist mit Rassismus, Behinderung oder tief verankerten patriarchalen Strukturen und Verhaltensmustern? Was passiert, wenn in einer Liebesbeziehung die eine Person durch ihr Aussehen oder ihr Auftreten von unserer Gesellschaft diskriminiert wird und die andere nicht? Spielt das in dieser Beziehung wirklich keine Rolle?
Josephine Apraku sagt: Doch! Denn soziale Ungleichheit macht auch vor unseren Beziehungen keinen Halt – im Gegenteil. Unsere intimsten zwischenmenschlichen Verbindungen sind im Prinzip Petrischalen unserer Gesellschaft: Was da draußen im Großen passiert, geschieht auch im Kleinen zwischen uns und unseren Lieben. Auch in der Paartherapie wird Diskriminierung als Herausforderung in Beziehungen noch nicht genug Beachtung geschenkt.
»Kluft und Liebe« zeigt, wie Diskriminierung uns in der Liebe voneinander trennt, wie wir trotzdem zusammenfinden und daran gemeinsam wachsen können.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
11.07.2025
Buch (Taschenbuch)
Liebe ist ein „Tu-Wort“: Wichtiges feministisches Sachbuch
“Kluft und Liebe” von Josephine Apraku ist ein feministischer Aufruf, sich neu mit dem Thema „Liebe“ auseinanderzusetzen.
Die Autorin erklärt die Mechanismen von Liebe, Macht und Diskriminierung. Durch eine sehr gelungene Mischung aus persönlichen Erlebnissen, Analysen und literarischen Texten ist das Buch sowohl gut verständlich als auch sehr umfassend.
Josephine Apraku zeigt auf, wie Liebesbeziehungen durch soziale Ungleichheiten geprägt werden; wie Rassismus, Behinderungen sowie patriarchal geprägte Strukturen und Verhaltensmuster unsere vermeintlich privaten, zwischenmenschlichen Beziehungen beeinflussen. Traditionelle Beziehungsnormen werden in Frage gestellt.
„Seyda Kurt macht einen wichtigen Punkt: Erzählungen über Liebe, die gesellschaftliche Vorstellungen noch immer maßgeblich prägen, sind nicht neutral. Repräsentationen von Liebe in medialen Darstellungen erfolgen noch immer vor allem aus einer mehrfach privilegierten Perspektive. Es ist meist eine weiße, bürgerliche, cis männliche, hetero und nicht be_hinderte Perspektive, die allerdings nicht transparent gemacht wird. Sie erscheint damit als neutral, als selbstverständlich und wird überhaupt erst dadurch zur Norm. Dabei ist, insbesondere weil die durch Machtstrukturen geschaffene Position nicht benannt wird, Unterdrückung immer Teil dieser Perspektive auf Liebe. Das macht etwas mit uns, nicht nur als Gesellschaft, sondern auch im Privaten. Schließlich sind es diese Darstellungen, die uns von Beginn an in unserem Leben begleiten, uns beeinflussen, an denen wir uns orientieren und an denen wir gemessen werden. Mit diesen Repräsentationen von Liebe werden zeitgleich eine Norm sowie die Abweichung von dieser gebildet und damit der Rahmen dafür gesteckt, wen wir lieben sollten und wie. „
„Ein wesentlicher Bestandteil dieses Skripts, sprich unserer Sozialisierung, ist die Annahme, dass Menschen, alle Menschen, heterosexuell sind. Nur deshalb gibt es das gesellschaftliche Phänomen eines Coming-out überhaupt: Die Tatsache, dass Menschen preisgeben »müssen«, nicht heterosexuell zu sein, hängt exklusiv damit zusammen, dass wir in einer Gesellschaft leben, die Heterosexualität zur Norm macht und institutionalisiert hat. Kurz: Wer wir sein und wen wir begehren sollten, wird mit einer der ersten Aussagen über uns - etwa “Es ist ein Mädchen!” - bestimmt.“
„Die unendliche gesellschaftliche “Liebesgeschichte”, die uns überall im Alltag begegnet - um nicht zu sagen: verfolgt -, funktioniert nach dieser simplen gleichbleibenden Formel: weiße, normschlanke, nicht be_hinderte cis Frau verliebt sich in ihr einzig angemessenes Gegenstück, den weißen, normschlanken und ebenfalls nicht be_behinderten cis Mann. Sie ist das Objekt seines Verlangens, das lernen beide von jungen Jahren an.“
„In einer kapitalistisch geprägten Gesellschaft wird uns überall suggeriert, dass die eine Sache mehr wert sei als die andere. Dieses Grundprinzip, das Teil der Basis von Unterdrückung ist, gilt auch für unsere Beziehungen: Die eine ist vermeintlich wichtiger als die andere. Verheiratet sein sticht “einfach zusammen sein”, Liebesbeziehung sticht Freund*innenschaft, und die Länge einer Partner*innenschaft gibt vermeintlich Auskunft über deren Qualität - kurz ist “schlecht”, lang ist "gut "und “echte Liebe”. Die unterschiedlichen Beziehungen, die uns durch unser Leben begleiten - das lernen wir -, sind nicht gleichwertig.“
„Denn nichts von alldem, wie wir Beziehungen denken, sie verstehen und uns in ihnen Verhalten, geschieht in einem Vakuum. Im Gegenteil, wir sind zutiefst beeinflusst von unserem Umfeld, von Vorstellungen, die nicht unsere eigenen sind. Um Beziehungen so auszuhandeln, dass sie für uns funktionieren, und sie gleichberechtigter zu gestalten, benötigen wir allerdings deutlich mehr Raum.“
Das Buch ist kein Ratgeber; es stellt vielmehr Fragen als dass es Antworten liefert.
Dennoch ist das Buch sehr wertvoll und tiefgründig und kann helfen, Machtgefälle zu überwinden und eine neue, bessere Art der Liebe zu ermöglichen.
Ich vergebe 5 von 5 Sternen für dieses wirklich berührende und kluge Buch.
Bewertung
5/5
17.10.2023
Buch (Taschenbuch)
Eine neue Perspektive
Ich habe berufsbedingt (organisiere Slow Dating Events) bereits sehr viele Bücher zu dem Thema gelesen. In keinem konnte ich bisher eine solche Perspektive von der Auswirkung sozialer Ungleichheit auf das Beziehungsleben vorfinden. Ein sehr tiefgehendes Thema, trotzdem leicht zu lesen. Mit sehr vielen Reflexionsfragen. Empfehle es jeder Person, die bereit ist, die eigene Beziehung zu reflektieren.
Bewertung
5/5
12.03.2023
Buch (Taschenbuch)
Bist du bereit, Liebe neu zu verstehen?
“Kluft und Liebe“ kombiniert das Wissen, die eigene Erfahrungen, und die Trainer*innen Kompetenz von Josephine mit literarischen Texten. Und so ist dieses Buch nicht nur das nächste Sachbuch zum Thema Liebe. Es ist vielmehr ein immersives Buch, dass Macht und Unterdrückung in der Liebe spürbar macht. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und konnte es Zeitweise gar nicht mehr weglegen. Josephine, ich habe viel gelernt von dir - insbesondere aus Rassimuskritischer Sicht - und freue mich, dass wir uns Kolleg*innen nennen können. Ich werde dich in meinen zukünftigen Trainings noch oft zitieren.
Bewertung
5/5
04.12.2022
Buch (Taschenbuch)
Ein sehr wichtiges und dringend notwendiges Buch für unsere Gesellschaft
Josephine Apraku schafft es, die Realität mit Wörtern so zu beschreiben, dass Horizonte erweitert werden. Verliebtsein vergeht und kann zurückkehren. Liebe, unabhängig ihrer Vielfältigkeit, ist eine Wahl, eine Bemühung, eine Entscheidung und eine Anstrengung. Besonders in einer von Rassismus und unterschiedlichen Diskriminierungsformen durchdrungenen Gesellschaft. Liebe unterdrückt nicht und soll auch nicht zur Rechtfertigung von Gewalt bis zu Mord missbraucht werden. Liebe besitzt Kräfte für Soziale Gerechtigkeit. Das Buch lässt sich gut lesen und bietet wirklich sehr gute Definitionen von Begriffen an, die intersektional ausgebreitet sind. Ein großer Gewinn für die Gesellschaft!
Regina F.
5/5
19.11.2022
Buch (Taschenbuch)
Lest dieses wichtige Buch!
Mittlerweile gibt es auf dem deutschsprachigen Markt einige sehr gute Sachbücher zum Thema Rassismus. Vielen weißen Menschen geht dann ein Licht auf, sie lernen Rassismus zu identifizieren (meistens bei anderen) und eigene Privilegien anzuerkennen. Was aber bisher immer zu kurz gekommen ist, sind die Machtstrukturen innerhalb von Liebesbeziehung, sowohl romantischer, als auch freundschaftlicher Natur. Dieses Buch schließt eine Leerstelle und ist absolut augenöffnend, wie wir in einer Beziehung beides gleichzeitig sein können (Unterdrücker*in und unterdrückte Person) und das ganz unabhängig davon, wie sehr wir die andere Person lieben. Ich kann dieses Buch ALLEN empfehlen, denn Machtstrukturen gibt es in jeder Liebesbeziehung.
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