Debbie White wird auf einer irischen Milchfarm groß. Ihr Onkel Billy haust in Gesellschaft der alten Griechen, einer Flasche Whiskey und des Sternenhimmels im Wohnwagen vor der Tür, ihre Mutter Maeve verbringt die Tage im Schlafzimmer, wo sie Träume aufzeichnet, die sie für Prophezeiungen hält. Als Debbie beginnt, nach Dublin zu pendeln, um dort ein Literaturstudium aufzunehmen, prallen Welten aufeinander. Debbies zunächst zögerlicher und dann ungestümer Versuch, sich trotz ihres Dialekts und ihrer abgetragenen Farmjeans einen Platz in der Stadt und den Reihen ihrer Mitstudierenden zu erkämpfen, droht nicht nur an ihren Selbstzweifeln zu scheitern, sondern auch an der Tatsache, dass die Verhältnisse auf dem Hof, der trotz allem ihr Zuhause ist, immer mehr aus dem Ruder laufen …
Mit Debbie White, die ihre Verletzlichkeit hinter ihrem trotzigen Humor verbirgt, hat Louise Nealon eine unvergessliche Heldin geschaffen, die an die Figuren von Sally Rooney erinnert.
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4.1/5.0
Bewertung
5/5
16.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Von irischen Landeiern und "Mädelskram"
Es gelingt dieser Autorin perfekt, eine bekannte Geschichte so zu erzählen, dass man dieses Buch richtig ins Herz schliesst. Denn die Story, dass sich ein Landei in einer Grosstadt an der Uni durchsetzen muss, sich unglücklich verliebt und einen ersten grossen Absturz hat, die wurde schon öfter verarbeitet. Väter heranwachsender Teenagertöchter können wohl ein Lied davon singen. Die Geschichte hier ist erstens frisch von der Leber und sehr unbekümmert erzählt und zweitens überaus traurig. Wir sind in Irland und durchaus promillelastig unterwegs. Debbie, so heißt die Ich-Erzählerin, ist die Tochter einer manisch-depressiven Mutter und eines Vaters, der nicht bekannt ist. Nur so viel, ihr Onkel Billie, der die Milchfarm betreibt, auf der sie wohnen, rät ihr im Pub vehement davon ab, mit älteren Männern aus dem Kaff, in dem Debbie aufgewachsen ist , zu flirten, weil alle als Vater in Frage kommen könnten. Billie lebt im Wohnwagen, Mutter Maeve mit Debbie im alten Farmhaus. Ihre Mutter ist sehr mit sich beschäftigt, während Debbie sich an der Uni in Dublin durchkämpfen muss. Debbie gewinnt aber mit ihrem rustikalen Charme Freunde in der Stadt. Allen voran die stets adrett gestylte Xanthe entwickelt sich zur besten Freundin. Sie ist der perfekte Gegenentwurf zu Debbie, urban, flott gestylt und immer trendmässig dabei. Sie schnappt sich genau denjenigen Jungen als Freund, in den sich Debbie verguckt hatte. Auf der Farm beschäftigt wird auch der riesige James, der Billie auf der Milchfarm zur Hand geht und jugendlicher Lover von Debbies Mutter ist. Maeve ist im Dorf als “aussergewööhnlich” bekannt, denn die dichtende Mutter nimmt auch mal ein Nacktbad in den Brennesseln neben dem Farmhaus. Als James verunglückt, zerbröckelt der Rest der verrückten Normalität auf der Farm. Maeve kann James Tod nicht verarbeiten, Billie fühlt sich verantwortlich für den Tod von James und Debbie hat genau diesen Unfall voraus geträumt. Nur allmählich finden die drei den Weg, Hilfe zuzulassen, ein Weg zu gehen aus der trauergetränkten Sprachlosigkeit. Und Debbie erkennt, wie wenig normale Menschen sie umgeben. Selbst die stets perfekte Xanthe trägt ihr Kreuz. Der Autorin gelingt es die Story so zu erzählen, dass das perfekt zum Milieu passt, in dem sich die Figuren bewegen, vielleicht auf Kosten einer gewissen Tiefe. Das Buch endet versöhnlich. Der Stoff ist wuchtig, liest sich aber mit vielen witzigen Dialogen, absurd komischen Szenen und typisch irischen und skurrilen Charakterköpfen flott, es bleiben Bilder, die man nie haben wollte, und trotz all der traurigen Momente kommt es immer wieder zu Schmunzelmomenten, die das Leseerlebnis versüßen.
Bewertung
5/5
19.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Coming-to-Age-Roman einer jungen, kraftvollen irischen Stimme
Debbie Whites wächst auf einer irischen Farm unweit von Dublin heran. Mit ihrem Onkel Billy beobachtet sie nachts in Decken eingehüllt vom Dach aus den Sternenhimmel. So ist sie Expertin für die Sagen der Sternbilder geworden. Ihre Mutter erzählt ihr ihre Träume, lebt aber zurückgezogen im sogenannten "Tabernakel", ihrem mit einer goldenen Tür verschließbaren Zimmer. Kaum einmal verlässt sie es. Nun will Debbie täglich zum Studium nach Dublin fahren. Kann sie wirklich diese zwei Erwachsenen in ihrer zerbrechlichen Existenz zurücklassen, was wird aus der Farm werden? Debbie wagt den Sprung, schließt neue Freundschaften, macht verstörende Erfahrungen und findet ihren eigenen Weg.
Karolina
5/5
07.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gelungen!
In Snowflake geht es um Debbie White, die auf einer Milchfarm in Irland aufwächst. Hier lebt sie mit ihrem Onkel Billy sowie ihrer Mutter Maeve zusammen. Billy wohnt im Wohnwagen vor der Haustür, wo sich die leeren Whiskey Flachen stapeln und ihre Mutter verlässt vor Depressionen kaum ihr Zimmer. Debbie entscheidet sich schlussendlich für ein Literaturstudium in Dublin und beginnt aus der ländlichen Heimat in die Stadt zu pendeln.
Debbie wird von den Gegensätzen der Orte getroffen und fühlt sich weder in ihrer Heimat noch in Dublin richtig verstanden und akzeptiert.
Die Auseinandersetzung mit den Gegensätzen ist unglaublich gut gelungen. Man merkt, wie Debbie durch den Beginn ihres Studiums den Zugang zu ihrer Heimat und den Personen der Heimat verliert (langsam und nach und nach), während sie sich gleichzeitig nicht richtig in das Leben in der Großstadt einfinden kann. Es findet eine interessante Auseinandersetzung mit Debbie’s Gedanken und ihren Handlungen während dieser Zeit statt, die häufig von viel Chaos und Verzweiflung geprägt sind. Es handelt sich um eine Suche nach dem Selbst, die durch die Existenz verschiedener Arten des Selbst erschwert wird. Meiner Meinung nach handelt es sich bei Snowflake um ein unglaublich gelungenes Werk mit einer sehr interessanten Betrachtung der eigenen Identität und der Suche nach dem wirklichen Selbst.
Karolina
5/5
07.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
In Snowflake geht es um…
In Snowflake geht es um Debbie White, die auf einer Milchfarm in Irland aufwächst. Hier lebt sie mit ihrem Onkel Billy sowie ihrer Mutter Maeve zusammen. Billy wohnt im Wohnwagen vor der Haustür, wo sich die leeren Whiskey Flachen stapeln und ihre Mutter verlässt vor Depressionen kaum ihr Zimmer. Debbie entscheidet sich schlussendlich für ein Literaturstudium in Dublin und beginnt aus der ländlichen Heimat in die Stadt zu pendeln. Debbie wird von den Gegensätzen der Orte getroffen und fühlt sich weder in ihrer Heimat noch in Dublin richtig verstanden und akzeptiert. Die Auseinandersetzung mit den Gegensätzen ist unglaublich gut gelungen. Man merkt, wie Debbie durch den Beginn ihres Studiums den Zugang zu ihrer Heimat und den Personen der Heimat verliert (langsam und nach und nach), während sie sich gleichzeitig nicht richtig in das Leben in der Großstadt einfinden kann. Es findet eine interessante Auseinandersetzung mit Debbie’s Gedanken und ihren Handlungen während dieser Zeit statt, die häufig von viel Chaos und Verzweiflung geprägt sind. Es handelt sich um eine Suche nach dem Selbst, die durch die Existenz verschiedener Arten des Selbst erschwert wird. Meiner Meinung nach handelt es sich bei Snowflake um ein unglaublich gelungenes Werk mit einer sehr interessanten Betrachtung der eigenen Identität und der Suche nach dem wirklichen Selbst.
Wortwandeln
5/5
30.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Von leiser Wucht
Die 18jährige Debbie White wächst unweit von Dublin auf einem Milchviehhof auf. Sie lebt dort mit ihrer Mutter Maeve, die in den Träumen anderer lebt, deren viel jüngerem Liebhaber James und ihrem Onkel Billy, der im Wohnwagen haust, die griechischen Sagen liebt, ab und zu mit ihr die Sterne betrachtet und morgens zur Melkzeit oft noch seinen Rausch ausschläft.
Als Debbie am Trinity College in Dublin angenommen wird, sieht sie dies als Chance, ihrem Landei-Dasein und der drückenden Verantwortung für all die „kaputten“ Erwachsenen zu entfliehen. Doch ihr Selbstbild, geprägt von Unsicherheit, Understatement und der Angst, genauso verrückt und haltlos zu werden wie ihre Mutter, führt sie auf selbstzerstörerische Pfade. Dann geschieht ein furchtbares Unglück auf dem Hof, und kurz darauf fast ein zweites, und Debbie muss sich entscheiden, wer und was sie sein möchte…
Ganz ohne Paukenschlag und doch eine Wucht! Vermutlich bin ich in einem wunderlichen Alter angekommen; ich staune immer, wenn Menschen, die noch so jung sind wie die irische Schriftstellerin Louise Nealon, schon so lebenskluge Dinge von sich geben und so vielschichtige Charaktere erschaffen. Denn die Romandebütantin kann sich nicht auf „akribische Recherchen“ oder sonstiges Faktenmaterial zurückwerfen, anhand dessen Kritiker gern die Substanz eines Buches messen. Louise Nealon greift tief ins Leben, schöpft aus vollem Herzen und schreibt den Lesenden die Geschichten ihrer ProtagonistInnen direkt unter die Haut. Das tut sie auf unspektakuläre und sehr ehrliche, tabufreie Weise, fast beiläufig, in episodisch erzählten Kapiteln, kurzen, prägnanten Sätzen, treffsicheren Beschreibungen und einem trockenen, schlagfertigen Humor.
Dass Louise Nealon ihre Figuren wirklich liebt, ist offensichtlich; sie sind literarisch allerbestens geformt, ihre Entwicklung nachvollziehbar und spannend. Vor allem in den scheinbar mühelos perfekt geratenen Dialogen, die ich sehr genossen habe, gibt sie ihnen Tiefe und echte Persönlichkeit, lässt sie sich nach und nach in eigenen Worten offenbaren. Denn jede/r ist gezeichnet, trägt Masken aus Verletzungen, Geheimnissen oder vermeintlicher Schuld. Allen gemeinsam ist aber auch eine erstaunliche Kraft, ein ansteckender, lebensrettender Humor und die Gewissheit zusammenzugehören, die sie am Ende retten wird.
Dieses Gefühl von Wärme zwischen den Zeilen erinnerte mich an Ray Bradburys „Löwenzahnwein“, ein ebenso stilles und doch eindrückliches Buch!
Brillant ins Deutsche übertragen hat dies alles Anna-Nina Kroll, die wie die Autorin und die Hauptfigur eine Zeit am Trinity College verbracht hat. Und sie steht da, wo sie als Co-Autorin hingehört, auf dem Cover.
Große Leseempfehlung!
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5/5
06.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Erwachsenwerden mit Hindernissen
Die achtzehnjährige Debbie lebt mit ihrer Mutter und ihrem Onkel auf einer irischen Milchfarm. Ihre Mutter ist psychisch labil und beschäftigt sich hauptsächlich mit Schlafen und dem Aufzeichnen ihrer Träume. Onkel Billy versucht für Debbie Vaterersatz und Halt zu sein, verliert jedoch selber jeden Abend im Dorfpub den Boden unter den Füssen. Als Debbie nun in Dublin ein Studium beginnt, prallt ihre skurille Dorfwelt auf das ihr völlig fremde Uni-und Grossstadtleben. Und hinterlässt etliche blaue Flecken.
Das Besondere an diesem Roman ist, dass die Figuren viel mehr beinhalten, als man auf den ersten Blick erkennen mag. Sie passen allesamt nicht unbedingt in die Schublade, in die man sie vielleicht anfangs einsortieren möchte.
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5/5
03.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine junge Frau lässt sich trotz aller widrigen Umstände nicht unterkriegen.
Man mag es kaum glauben; wie schafft es Debbie bei diesem Elternhaus, ein "normales" Leben in Angriff zu nehmen? Die Mutter pflegt ihre exzessive Lebensform, und droht nach einem Schicksalsschlag endgültig in den Wahnsinn zu entgleiten, der wichtigeste Pol in Debbies Leben, der Onkel, scheint am Alkohol zu zerbrechen. Und Debbie selbst kommt am Anfang mit dem Großstadtleben so gar nicht klar. Aber neue Freunde, eine ehemalige Klavierlehrerin, der starke Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft und Debbies eigene Stärke, ebnen ihr den Weg ins Erwachsenwerden.
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