"Trotz allem, was du vielleicht glaubst, bist du nicht wichtig für die Welt." Das waren die Worte, die Adalbert Hanzons Vater ihm als Kind mitgab. Vielleicht nicht das ermutigendste Motto, aber Adalbert kommt trotzdem ganz gut zurecht. Zumindest bis die Liebe und der Wahnsinn, der so oft darauf folgt, zuschlagen. 43 Jahre und eine Haftstrafe später ist Adalbert Hanzon ein dem Alkohol zugeneigter älterer Herr mit Rückenproblemen und zunehmend nachlassendem Gedächtnis. Plötzlich holt ihn die Vergangenheit ein: bei einem Apothekenbesuch glaubt er die einzige Frau, die ihm jemals etwas bedeutet hat, wiederzuerkennen. Und die einzigen Menschen, die ihm helfen können, Licht in das Dunkel zu bringen, was vor fast einem halben Jahrhundert passiert ist, sind sein nervtötender Nachbar und seine allzu gesprächige Cousine. Aber Not ist die Mutter der Erfindung, und Adalbert fest entschlossen, der Wahrheit auf den Grund zu gehen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
aus Mülheim
5/5
07.12.2022
Hörbuch (Audio)
Ein unterhaltsamer Seniorenkrimi
"Du bist nicht wichtig in der Welt", diese Worte hat der Erzähler als Kind von seinem Vater gehört, bevor dieser sich das Leben nahm. Sie scheinen sein Leben zu bestimmen und beweisen damit paradoxerweise genau das Gegenteil.
Das Hörbuch war anders als erwaret. Es ist kein klassischer Krimi, sondern eher eine Erzählung. Der Protagonist schreibt als alter Mann seine Biographie und die Geschichte, wie er für seine große Liebe zum Halbmöder wurde.
Anfangs hatte ich etwas Probleme, den Zeitsprüngen zu folgen, aber Dietmar Bär erzählt die Geschichte in solch einer amüsanten und hervorragenden Weise, dass es trotz der vielen Abschweifungen nicht langatmig wird. Man kann sich den alten Mann am Schreibtisch bildlich vorstellen, seine Arthosen spüren und seine Vergesslichkeit nachempfinden.
Die Geschichte ist humorvoll, leicht dramatisch und in einem sehr ruhigen Erzähltempo geschrieben. Etwas anders als gewohnt, aber wenn man sich darauf einlässt, ist zumindest das Hörbuch ein absoluter Genuss, den ich nur empfehlen kann.
Koriander
aus Penzberg
5/5
02.12.2022
Hörbuch (Audio)
Wenn Dich durch Zufall die…
Wenn Dich durch Zufall die Vergangenheit wieder einholt Adalbert Hanzon ist alt, eher ein Einzelgänger und allmählich plagt ihn die Vergesslichkeit. Da begegnet ihm in der Apotheke eine Frau, in der er die große Liebe seines Lebens zu Erkennen glaubt. Sofort sind seine Lebensgeister geweckt! Mit Hingabe beginnt er, seine Erinnerungen niederzuschreiben, und begibt sich zeitgleich voller Hoffnung auf eine beschwerliche Spurensuche. Hakan Nesser hat mich schon immer mit seinen eher ruhigen, besinnlichen und getragenen Krimis bestens unterhalten. Ich mag seine Tiefsinnigkeit, die oft ins Philosophieren gleitet, wie man es zum Beispiel auch von Kommissar Van Veeteren kennt, der sich nach seiner Pensionierung ein Antiquariat zulegt. Adalbert Hanzon reiht sich da für mich ein. Sehr, sehr geschickt lässt Nesser seinen schrulligen, aber liebenswerten Protagonisten erzählen. Von zwei Seiten nähert er sich der „Tat“. Seine Aufzeichnungen beginnen weit in der Vergangenheit und spielen andererseits im Hier und Jetzt, an dem der Hörer/Leser teilhaben darf. Man fragt sich oft, was das Schicksal für die Menschen bereit hält, welche Zufälle und Ausweglosigkeiten das Leben bestimmen, während Adalbert Hanzon seiner Angebeteten immer näher kommt. Für mein Empfinden handelt es sich nicht um einen klassischen Krimi, aber die Handlung ist spannend, entbehrt nicht einer gewissen Ironie und punktet mit jeder Menge trockenem Humor. Und wird in Perfektion eingelesen von Dietmar Bär, der es für mich wie kein anderer versteht, Stimmungen einzufangen und Personen lebendig zu gestalten!
Bewertung
aus Penzberg
5/5
02.12.2022
Hörbuch (Audio)
Wenn Dich durch Zufall die Vergangenheit wieder einholt
Adalbert Hanzon ist alt, eher ein Einzelgänger und allmählich plagt ihn die Vergesslichkeit. Da begegnet ihm in der Apotheke eine Frau, in der er die große Liebe seines Lebens zu Erkennen glaubt. Sofort sind seine Lebensgeister geweckt! Mit Hingabe beginnt er, seine Erinnerungen niederzuschreiben, und begibt sich zeitgleich voller Hoffnung auf eine beschwerliche Spurensuche.
Hakan Nesser hat mich schon immer mit seinen eher ruhigen, besinnlichen und getragenen Krimis bestens unterhalten. Ich mag seine Tiefsinnigkeit, die oft ins Philosophieren gleitet, wie man es zum Beispiel auch von Kommissar Van Veeteren kennt, der sich nach seiner Pensionierung ein Antiquariat zulegt.
Adalbert Hanzon reiht sich da für mich ein. Sehr, sehr geschickt lässt Nesser seinen schrulligen, aber liebenswerten Protagonisten erzählen. Von zwei Seiten nähert er sich der „Tat“. Seine Aufzeichnungen beginnen weit in der Vergangenheit und spielen andererseits im Hier und Jetzt, an dem der Hörer/Leser teilhaben darf. Man fragt sich oft, was das Schicksal für die Menschen bereit hält, welche Zufälle und Ausweglosigkeiten das Leben bestimmen, während Adalbert Hanzon seiner Angebeteten immer näher kommt.
Für mein Empfinden handelt es sich nicht um einen klassischen Krimi, aber die Handlung ist spannend, entbehrt nicht einer gewissen Ironie und punktet mit jeder Menge trockenem Humor. Und wird in Perfektion eingelesen von Dietmar Bär, der es für mich wie kein anderer versteht, Stimmungen einzufangen und Personen lebendig zu gestalten!
Bewertung
5/5
24.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kurzweilig und amüsant
Seit über 20 Jahren mein erster Nesser und ich muss sagen, es hat sich gelohnt.
Adalbert Hanzons Gedächtnis lässt mit 74 Jahren langsam nach, Rückenprobleme hat er auch, manchmal trinkt er mit seinem Nachbarn Ullberg, den er eigentlich nicht ausstehen kann, einen Whiskey. Im Allgemeinen ist er ein mürrischer, pessimistischer alter Sack, der sich wöchentlich Erinnerungslisten schreibt, um sein Gedächtnis in Schuss zu halten, was ihm nur leidlich gelingt.
Bei einem Apothekenbesuch glaubt er, Andrea Altman wiederzuerkennen, die einzige Frau, die ihm je etwas bedeutet hat. Obwohl ihm das gar nicht passt, braucht er die Hilfe anderer, um herauszufinden, was vor fast 50 Jahren wirklich geschah.
Aber zuerst sitzt er an seinem Küchentisch und schreibt seine Chronik. Und zwar wortwörtlich, wie wir uns einen etwas altersenilen Herrn vorstellen. Manchmal schweift er ab und erzählt uns was ganz anderes. Eigentlich so, als würde uns tatsächlich ein alter Mann seine Geschichte erzählen. Am Ende muss er sich immer wieder auf die Couch legen, um seinen Rücken zu schonen.
»Trotz allem, was du vielleicht glaubst, bist du nicht wichtig für die Welt.«
Das einzige Lebensmotto, das ihm sein Vater mitgegeben hat. Auch wenn er nach seinem Abitur nur als Hausmeister arbeitete, kam er ganz gut zurecht. Jetzt, ein halbes Jahrhundert und eine Haftstrafe später, holt ihn seine Vergangenheit wieder ein.
Dadurch dass sich Adalbert beim Erzählen immer wieder verzettelt, erfahren wir lange nicht, was es nun mit dieser Haftstrafe auf sich hat. Die Neugier hat mich quasi durch das Buch getrieben.
Der Roman hat alles, was ich mir als Leserin wünschen kann. Spannung, die unterschwellig am Köcheln ist und einen Humor, der so furztrocken ist, dass ich den alten Griesgram am liebsten durchgeschüttelt hätte. Nessers Schreibstil ist locker und lässt sich leicht lesen, so dass ich die 285 Seiten an zwei Tagen durch hatte.
Aber am meisten begeistert hat mich, dass er uns die Geschichte um Andrea und den Grund für Adalberts Haft wie eine Möhre vor die Nase hält, und ich einfach immer weiterlesen musste. Trotz all der nicht gerade löblichen Eigenschaften Adalberts, mochte ich den alten Kauz. Ich hatte es jedes Mal vor Augen, wie seinen noch muffeligeren Nachbarn missmutig beäugte, aber nicht nach Hause gehen wollte, bevor dessen Whiskey leer ist. Warum Adalbert aber nun im Knast war, müsst ihr schon selbst rausfinden. Aber wie heißt es so schön: Am Ende kommt immer alles anders, als man denkt. Das Buch wandert umgehend auf den Geschenkestapel für liebe Menschen. Nesser hat die Wesenszüge der Charaktere so fein herausgearbeitet, dass es mir eine Freude war, den alten Herrn zu begleiten. (Übrigens stammt der Ausdruck »alter Sack« nicht von mir, das hat er von sich selbst behauptet.)
Bewertung
5/5
19.11.2022
Hörbuch (Audio)
Faszinierende Erzählfigur, als Hörbuch sehr gelungen
Die Chronik des Adalbert Hanzon in Gegenwart und Vergangenheit, von ihm selbst verfasst:
Schon beim Untertitel wird deutlich, dass man mit einem geradlinig erzählten Krimi nicht zu rechnen braucht. Stattdessen erfahren wir die Geschehnisse aus der Sicht des inzwischen alten Erzählers, der seine Erinnerungen niederschreibt. Diese wandern mal hierhin, mal dorthin, schweifen scheinbar ziellos ab, verlieren den Faden und finden ihn an unverhofften Stellen wieder, wenn man selbst schon nicht mehr weiß, worum es eigentlich ging, weil auch diese Um- und Abwege durch sein Leben auf charmante Weise interessant sind. Wir haben es jedenfalls mit einem wohl recht unzuverlässigen Erzähler zu tun, und auch besonders kriminell geht es auf weiten Strecken nicht zu.
Dass er ein Mörder ist, ebenso wie sein Freund, Feind, Nachbar und alter Haftkumpane Henry, gibt Adalbert zwar sehr freimütig zu, mehr erfährt man darüber allerdings (noch) nicht von ihm. Eine Aufklärung eines Falles ist in diesem Kriminalroman, der mehr Roman als Krimi ist, nicht das zentrale Element, vielmehr entsteht die Spannung aus philosophischer Betrachtung des Lebens aus dem Alter heraus, und aus der Psychologie menschlicher Beziehungen und Entscheidungen.
Dietmar Bär hat auch dieses Hörbuch in seiner gewohnt wunderbaren Art eingelesen, die perfekt zur Figur des Adalbert passt. Besonders der stimmliche Kontrast zwischen Adalbert und Henry, den zwei grantigen Trinkbrüdern, die es anscheinend lieben, sich zu streiten, aber auch sonst beide niemand anderen haben, bildet ihre Charakter und Wesenszüge fantastisch heraus. Auch Nessers feinsinniger Humor kommt in Bärs Vortragsweise sehr gut zur Geltung.
Als selbst gelesene Print-Ausgabe hätte ich dem Buch wahrscheinlich nur 4 Sterne gegeben, da die Geschichte doch einige Längen hatte. Das Hörbuch aber hat mich sehr gut unterhalten und erhält daher 5 Sterne.
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