Von den antiken Anfängen der Medizin bis in die Gegenwart, von der "wandernden Gebärmutter" bis zur Entdeckung von Autoimmunerkrankungen und Endometriose: Die englische Feministin Elinor Cleghorn präsentiert eine bahnbrechende und aufwühlende Kulturgeschichte über das Verhältnis von Frauen, Krankheit und Medizin.
Elinor Cleghorn, selbst an der Autoimmunerkrankung Lupus erkrankt, hat sich nach einer nervenaufreibenden Diagnose-Odyssee auf die Suche nach den Wurzeln der patriarchalen Mythen begeben, die unsere westliche Medizin bis heute prägen. Anhand einer Fülle von historischem Material rekonstruiert sie, wie stark die Medizin als Wissenschaft und Institution von kulturellen und gesellschaftspolitischen Umständen beeinflusst ist. Denn die Tatsache, dass Frauen als das schwächere Geschlecht galten und auf die soziale Aufgabe der Mutterschaft reduziert wurden, formte auch den medizinischen Blick auf Frauen und Weiblichkeit über die Jahrhunderte. Von der "wandernden Gebärmutter" über die "Hysterie" bis hin zum sich nur äußerst langsam wandelnden Verständnis für Menstruation und Menopause - all diese Diagnosen und Entwicklungen zeugen von einer männlich geprägten, nicht selten sexistischen Medizin.
Feminist:innen erheben seit Langem ihre Stimme gegen diesen patriarchalen Zugriff auf ihren Körper und kämpfen für eine bessere Aufklärung über weibliche Gesundheit. Wer verstehen will, warum dieser Kampf wichtig und notwendig ist, findet in Elinor Cleghorns augenöffnendem Buch die Antwort.
Sprecherin Ulrike Kapfer hat bereits Hörbüchern von Theresa Hannig und Mareike Fallwickl ihre Stimme geliehen. Klar und lebendig liest sie auch dieses spannende und gleichzeitig hoch-informative Sachbuch.
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Die Frau in der Medizin, früher und heute
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 15.10.2024
Bewertungsnummer: 2317159
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Sachbuch “Die kranke Frau: Wie Sexismus, Mythen und Fehldiagnosen die Medizin bis heute beeinflussen” von Elinor Cleghorn ist meiner Meinung nach ein sehr wichtiges Buch, ich würde sogar sagen, dieses Buch war schon sehr lange dringend fällig!
Das Buch, welches mit einem persönlichen und sehr gut geschriebenen Vorwort der Autorin beginnt, bietet einen sehr interessanten und umfangreichen Übersicht darüber, wie Frauen in der Medizin behandelt wurden und werden.
Es beginnt im 19. Jahrhundert, zieht sich über die 40er Jahre bis hin in die Gegenwart. Das Buch ist sehr aufschlussreich und an vielen Stellen auch einfach nur schockierend.
“Frauen erhalten seltener Schmerzmittel und stattdessen häufig schwache Beruhigungsmittel und Antidepressiva. Frauen erhalten nicht so oft eine Überweisung für eine weiterführende diagnostische Untersuchung wie Männer. Und ihre Schmerzen werden eher auf eine emotionale oder psychische als auf eine körperliche oder biologische Ursache zurückgeführt. Frauen leiden besonders häufig an chronischen Krankheiten, die mit Schmerzen beginnen. Doch ehe Schmerzen als Symptom einer möglichen Krankheit ernst genommen werden können, muss das Gegenüber im Behandlungszimmer sie erst einmal zur Kenntnis nehmen und glauben. Das verbreitete Misstrauen gegenüber Frauen und ihren Schmerzen ist seit Jahrhunderten fest in die Medizin eingeschrieben.”
“Als weiße Frau kann es mir passieren, dass meine Schmerzen als hysterisch abgetan werden, aber manch Schwarze Frau muss darum kämpfen, dass ihre Schmerzen überhaupt zur Kenntnis genommen werden.”
“Dass Frauen nicht zu Wort kommen, nicht gehört werden, gehört zu den Bedingungen der männergemachten Welt. Die Medizin ist ein Konstrukt dieser Welt, sie ist androzentrisch. Das heißt, der männliche Körper gilt als Standard, Männer dominiertes wissen er freut sich höchster Wertschätzung. Das heißt aber auch, dass Merkmale, die Mannsein und Männlichkeit bestimmen, privilegiert sind.”
“Nachdem die hippokratischen Schriften und andere Texte den Frauen früher Heirat und häufige Fortpflanzung empfohlen hatten, um Krankheiten von Körper und Geist fernzuhalten, verordnete nun die Kirche Ehe und reproduktiven Geschlechtsverkehr als gesellschaftliche Schutzvorkehrung gegen die Fortsetzung der Erbsünde.”
Auch wenn das Buch leider nicht komplett alle medizinischen Bereiche abdeckt (bzw. abdecken kann), sondern eben hauptsächlich frauenspezifische Gebiete, fand ich es durchaus sehr aufschlussreich und lesenswert. Es hat sich zwar seit dem 19. Jahrhundert zum Glück einiges getan, aber auch heute sind Frauen immer noch benachteiligt. Das Buch ist auch ein Aufruf, dies weiterhin zu verbessern.
“Die Medizin hat im Lauf ihrer Geschichte das Frausein und den Frauenkörper so massiv pathologisiert, dass die Unpässlichkeit der Frau in Gesellschaft und Kultur zum Normalstand wurde und ihr Recht über den eigenen Körper bis heute umstritten ist.”
“Der Feminismus hat uns unseren Körper zurückgegeben. In der Medizin sollten sich alle Beteiligten bewusst sein, wie schwer es für uns Frauen war, an diesem Punkt zu gelangen, an dem wir artikulieren können, wie es sich anfühlt und wo es wehtut. Wir sind die verlässlichsten Zeuginnen dessen, was in unserem Körper geschieht. Das Leben von Frauen hängt davon ab, dass die Medizin lernt, ihnen zuzuhören.”
‘Das ist doch normal’. Nein. Ist...
Bewertung am 10.02.2023
Bewertungsnummer: 1876810
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
‘Das ist doch normal’. Nein. Ist es nicht.Wenn Periodenschmerzen vergleichbar mit einem Herzinfarkt sind, ist das nicht ‘einfach so auszuhalten.’ Dieses Buch steckt so voller Wissen und neuen Erkenntnissen, dass ich mir wirklich viel Zeit dafür genommen habe. Großartig!
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