Thomas Piketty über soziale Ungleichtheit und globale Gerechtigkeit
«Das ist ja interessant, was Sie schreiben, aber können Sie es vielleicht auch kürzer sagen?» Diese Frage ist Thomas Piketty, der mit seinem umfangreichen Bestseller «Das Kapital im 21. Jahrhundert» eine internationale Debatte über die Ursachen sozialer Ungleichheit in Gang gebracht hat, oft gestellt worden. Piketty hat diese Bitten ernst genommen und das Ergebnis ist eine Weltgeschichte der sozialen Konflikte und Konstellationen und eine Lektion in globaler Gerechtigkeit
Ungekürzte Lesung mit Herbert Schäfer
9h 59min
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Ein zugänglicher Einstieg in ein komplexes Thema – klug und visuell stark umgesetzt
Madame F aus Dresden am 22.04.2026
Bewertungsnummer: 3116981
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ich tue mich mit klassischen Sachbüchern oft schwer: viel Text, viele Details, hoher Anspruch an Konzentration. Umso überraschter war ich, wie gut Eine kurze Geschichte der Gleichheit als Graphic Novel funktioniert.
Das Buch fühlt sich an wie ein stark verdichteter „Espresso-Shot“ an Wissen: kompakt, konzentriert und auf den Punkt gebracht. Natürlich geht diese Verdichtung mit einem gewissen Verlust an Tiefe einher – das lässt sich bei der Komplexität der zugrunde liegenden Inhalte kaum vermeiden. Gleichzeitig liegt genau darin eine große Stärke: Das Buch macht ein anspruchsvolles Thema deutlich zugänglicher und ermöglicht überhaupt erst einen Einstieg.
Besonders gelungen ist die visuelle Umsetzung. Die Illustrationen sind nicht nur unterstützend, sondern tragen aktiv zur Vermittlung der Inhalte bei. Komplexe historische und gesellschaftliche Zusammenhänge werden dadurch greifbarer und verständlicher als in vielen klassischen Sachbüchern. Auch die Farbgestaltung hilft bei der Orientierung und strukturiert die verschiedenen Themenbereiche klar.
Inhaltlich spannt das Buch einen großen historischen Bogen und behandelt zentrale Themen wie Kolonialismus, Klassismus und soziale Ungleichheit. Dabei wird Gleichheit nicht als selbstverständlicher Fortschritt dargestellt, sondern als fragiles Ergebnis gesellschaftlicher Entwicklungen, das immer wieder neu erkämpft und verteidigt werden muss. Diese Perspektive empfand ich als besonders überzeugend.
Der Ton des Buches ist klar positioniert und enthält eine deutliche kapitalismuskritische Perspektive. Für mich wirkte das jedoch nicht belehrend, sondern eher transparent und nachvollziehbar.
Insgesamt sehe ich dieses Buch vor allem als sehr gelungenen Einstieg oder Überblick. Es ersetzt keine vertiefende Auseinandersetzung, bietet aber eine hervorragende Grundlage und macht Lust, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.
Fazit: Eine klug gemachte, visuell überzeugende Einführung in ein komplexes Thema – besonders empfehlenswert für alle, die einen verständlichen Zugang suchen.
Thomas Pikettys „Eine kurze…
Semper aus Berlin am 19.06.2025
Bewertungsnummer: 2945099
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Thomas Pikettys „Eine kurze Geschichte der Gleichheit“ ist ein mutiges, komprimiertes Plädoyer für eine gerechtere Welt – geschrieben von einem Ökonomen, der sich nicht damit zufriedengibt, soziale Ungleichheit nur zu vermessen, sondern sie auch zu hinterfragen und zu bekämpfen. In klarer Sprache, gestützt auf umfangreiche Daten und historische Beispiele, erzählt Piketty, dass Gleichheit kein Naturzustand ist, aber sehr wohl eine Geschichte hat – und eine Zukunft haben kann. Das Buch beeindruckt durch seinen Optimismus: Trotz aller Rückschläge skizziert Piketty eine Linie fortschreitender Demokratisierung, Bildung, Gleichstellung und Teilhabe – nicht als Selbstläufer, sondern als Ergebnis politischer Kämpfe. Er entwirft keine Utopie, sondern zeigt konkrete Reformschritte auf, von Vermögenssteuern über demokratisierte Eigentumsmodelle bis hin zu globaler Umverteilung. Es ist ein Buch, das nicht klagt, sondern entwirft. Besonders erfrischend ist dabei, dass Piketty keine falsche Wissenschaftsgläubigkeit kultiviert. Er nimmt Partei, ja – aber nicht parteipolitisch, sondern menschenrechtlich. Ihm geht es nicht um Klassenrhetorik, sondern um eine funktionierende Demokratie, die ohne soziale Mindestgleichheit nicht auskommt. Dass er dabei nicht jedes Wort definiert, sondern viele Debatten voraussetzt, mag manchen stören – aber das liegt eher an der Kürze des Formats als an theoretischer Schlamperei. Piketty schreibt mit Haltung, aber ohne Dogma. Er stellt unbequeme Fragen, ohne sie besserwisserisch zu beantworten. Wer dieses Buch liest, wird vielleicht nicht jeder These zustimmen – aber man wird verstehen, warum soziale Gleichheit kein romantisches Ideal ist, sondern eine politische Notwendigkeit. Und dass sie machbar ist.
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