»Damit alles bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern.« Der berühmte Satz aus dem Roman Der Leopard ist so etwas wie das inoffizielle Motto des gemäßigten Konservatismus. Parteien wie die CDU arrangierten sich mit Veränderungen und erwiesen sich als Anker der Stabilität. Heute ist nicht mehr sicher, ob die rechte Mitte hält: Setzen ihre Vertreter weiterhin auf Ausgleich und behutsame Modernisierung? Oder auf polarisierenden Kulturkampf? In der Bundesrepublik waren die letzten Merkel-Jahre von unionsinternen Richtungsstreits geprägt. Doch nicht zuletzt der Aufstieg Donald Trumps hat gezeigt, dass die Identitätskrise der rechten Mitte kein exklusiv deutsches Phänomen ist: In Italien füllten Berlusconi und radikal rechte Parteien wie Giorgia Melonis Fratelli d'Italia das durch die Implosion der Democrazia Cristiana entstandene Vakuum. In Frankreich spielen die Républicains zwischen Macron und Le Pen kaum noch eine Rolle. Und die Tories versinken nach dem Brexit-Chaos in Unernst und Realitätsverweigerung. Thomas Biebricher widmet sich dieser internationalen Dimension und zeichnet die turbulenten Entwicklungen seit 1990 nach. Seine Befunde sind auch deshalb brisant, weil sich am gemäßigten Konservatismus die Zukunft der liberalen Demokratie entscheidet.
Kundinnen und Kunden meinen
3.5/5.0
Willy
5/5
18.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr lesenswert
Zunächst erschien mir der Umfang des Buches und das Vorhaben Drei Analysen in so 'wenig' Umfang zu veranschaulichen als trockener Brocken, doch dass ist absolut nicht der Fall.
Das Buch gibt einen sehr aufschlussreichen Überblick und Verständnis über aktuelle politische Entwicklungen. Gerade für den derzeitigen Aufstieg der AfD bietet das Buch dem Leser ein durchaus gutes Verständnis für Vorbedingungen und den internationalen Kontext dieser Entwicklungen.
LichtundSchatten
2/5
19.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein langatmiges Buch, das man…
Ein langatmiges Buch, das man mit der Einleitung und der Zusammenfassung ausreichend begreifen kann. Länge muss nicht notwendigerweise Präzision beinhalten. Das Buch fußt auf einer mMn fragwürdigen Definition von Konservatismus, dem man unterstellt, nicht veränderungswillig zu sein. Konservativ zu sein, bedeutet für mich aber, das Gesetz der praktischen Vernunft anzuwenden. Neuem gegenüber ist man aufgeschlossen, man begleitet alles kritisch und ist offen und optimistisch. Zu den Besonderheiten des Konservatismus gehört, dass er keine geschlossene Theorie hat. Er ist praktisch veranlagt und schafft ein Gegengewicht zum blinden oder zu moralischen Fortschrittsglauben, dem er sich keinesfalls entzieht, den er aber skeptisch und verantwortungsethisch begleitet und auf ein menschliches, unideologisches Maß korrigiert.
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