Nachtigall & Co.: Vorhang auf für zwei smarte Detektivinnen!
Berlin, 1961. Seit dem Tod ihres geliebten Vaters führt die 21-jährige Carla die Detektivagentur Nachtigall & Co. allein weiter. Die Auftragslage für die weibliche Detektivin ist alles andere als rosig. Als am Abend des 13. August plötzlich die lebenslustige und chaotische Wally vor der Tür steht und behauptet, sie sei Carlas Halbschwester, gerät ihre Welt aus den Fugen. Wally braucht dringend Hilfe, weil sie wegen des Mauerbaus nicht mehr in ihre Wohnung im Osten zurückkann. Carla will sie jedoch unbedingt wieder loswerden. Als eine Klientin aufgrund ihres gewalttätigen Ehemanns, einem angesehenen Architekten, Hilfe bei der Agentur sucht und bald darauf des Mordes verdächtigt wird, müssen die ungleichen Schwestern zusammenhalten.
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Interessante Detektivfälle
Eliza am 10.11.2024
Bewertungsnummer: 2337554
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Der Auftakt der neuen Reihe von Charlotte Printz ist gelungen, sie zeichnet ein bestechendes Sittengemälde von Berlin im Jahr 1961.
Im Mittelpunkt des Romans stehen Carla und Wally, zwei Halbschwestern, wie sie nicht unterschiedlicher sein können. Bis vor kurzem wusste Carla nicht einmal, dass sie eine Halbschwester hat, dennoch entwickeln die beiden sich zu einem unschlagbaren Gespann. Die Figuren sind gut gezeichnet, wobei wir durch die wechselnden Perspektiven einen offenen Einblick in das Innenleben der Figuren bekommen.
Am besten hat mir ihre Tante Lulu gefallen, sie ist ein echtes Unikat und sorgt für die heiteren Momente in dem Roman.
Die Detektivfälle sind vertrackt und werden gut geschildert, sodass man als Leser*in miträtseln kann. Insgesamt schreitet der Roman chronologisch voran, es gibt aber einige Rückblenden in die Kindheit der beiden Protagonistinnen. Teilweise sind die Szenenwechsel sehr schnell, sodass der Roman ein hohes Tempo hat.
Der Schreibstil ist angenehm, der Berliner Dialekt macht ihn in Teilen sehr authentisch, Dialoge und beschreibende Elemente halten sich gut die Waage.
Thematisch geht es einmal um den Bau der Berliner Mauer und wie er das Leben in West- und Ost-Berlin beeinflusst. Die Gefühle und Gedanken der Menschen werden gut geschildert. Aber auch die Besatzungsmächte kommen in dem Roman zum Zuge, vor allen Dingen die Amerikaner spielen eine größere Rolle. Im Mittelpunkt steht aber die Detektivarbeit, hier möchte ich auf die Themen nicht genauer eingehen, um nicht zu viel zu verraten.
Insgesamt hat mir der Auftakt gut gefallen, ein wenig Potential nach oben sehe ich noch in der Kommunikation und dem Zusammenspiel der ungleichen Schwestern und dem Spannungsaufbau, leider lies dieser in diesem Band zwischenzeitlich etwas nach.
Ich werde diese Reihe mit Sicherheit verfolgen und hoffe auf weitere spannende Fälle von Carla und Wally in Berlin. Der zweite Band “Im Netz der Lügen” ist gerade bei dtv erschienen.
Zwei junge Frauen klären einen Kriminalfall im Jahr des Mauerbaus – hinreichend spannend, aber nicht gänzlich überzeugend
Renas Wortwelt am 05.07.2023
Bewertungsnummer: 1974262
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Die 22jährige Carla führt nach dem Tod ihres Vater dessen Detektei in Berlin weiter. Vor allem beschäftigen sie Fälle von untreuen oder von verlorenen gegangenen Männern. Im Jahr 1961 ist das für eine junge Frau noch eine sehr ungewöhnliche Betätigung, die Carla trotz ihres schüchternen und etwas verklemmten Wesens einigermaßen erfolgreich bewältigt. Dazu wird sie von ihrer an den Rollstuhl gefesselten Mutter stets und ständig drangsaliert, die Ursache dafür liegt nicht nur in der Ursache für ihre Behinderung. Dieses Geheimnis wird im Laufe des Romans noch eine Rolle spielen.
Am Tag des Mauerbaus steht nun plötzlich eine gleichaltrige Frau vor Carla und behauptet, ihre Halbschwester zu sein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und trotz anhaltendem gegenseitigem Misstrauen wird Wally recht schnell eine große Hilfe für Carla bei ihren Ermittlungen.
Wally ist das ganze Gegenteil, sie ist munter, frech, furchtlos, steht nun aber ohne Wohnung da, denn die lag bislang im Ostteil Berlins. Carla und Wally arbeiten insbesondere am Fall einer Klientin, die ihrem Mann getötet haben soll, was beide nicht zu glauben bereit sind.
Zwischen den Perspektiven der beiden jungen Frauen wechselnd erzählt die Autorin von dem sich langsam entwickelnden Vertrauen zwischen den beiden Halbschwestern, vom Leben im plötzlich zweigeteilten Berlin und von den Auswirkungen des Krieges, die immer noch und überall greifbar sind.
Die Geschichte entwickelt eine hinreichende Spannung, man möchte wissen, was denn nun geschehen ist und wie der Mord, sofern es einer war, begangen wurde. Die Menschen, die in den Fall verwickelt sind ebenso wie die Menschen, denen die beiden jungen Frauen begegnen, sind mit ausreichender Tiefe beschrieben, auch wenn nicht immer jedes Klischee vermieden wird.
Der Schreibstil jedoch ist wenig herausfordernd. Die ständig breitgetretenen Gedankengänge der beiden Detektivinnen, die unzähligen rhetorischen Fragen, die sie sich selbst stellen, all das lässt keinen Raum für die Fantasie der Leserin, keinen Raum, die eigenen Schlüsse zu ziehen. Stilistisch ist der Roman eher simpel, dennoch hat es Freude gemacht, ihn zu lesen. Vermutlich ist mit Fortsetzungen zu rechnen.
Charlotte Printz - Die rätselhafte Klientin
dtv, Juni 2023
Taschenbuch, 431 Seiten, 11,95 €
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