In "Der Doppelgänger" entwirft Fjodor Michailowitsch Dostojewski eine tiefgründige Analyse der menschlichen Psyche, die die Verstrickung des Individuums in seine eigene Identität thematisiert. Die Novelle folgt dem bescheidenen Verwaltungsangestellten Jakow Petrowitsch Goliadkin, dessen Existenz vollkommen auf den gesellschaftlichen Erwartungen fußt. Der literarische Stil ist geprägt von einer intensiven psychologischen Schilderung, die das Innenleben der Figuren beleuchtet und dabei die Grenzen zwischen Realität und Wahn zunehmend verwischt. Dostojewski nutzt dabei eine Kombination aus Ironie und tiefem Mitleid, um die Absurdität menschlicher Existenz zu reflektieren und die existenziellen Ängste seiner Zeit zu verarbeiten. Dostojewski, einer der einflussreichsten Autoren der russischen Literatur, war bekannt für seine Auseinandersetzungen mit psychologischen, philosophischen und gesellschaftlichen Themen. Nach jahrelanger Haft und persönlichem Leid war sein Schreiben stark beeinflusst von der Suche nach dem Sinn des Lebens sowie der Frage nach Moral und Identität. "Der Doppelgänger" entstand in einer Zeit, in der Dostojewski selbst mit seinen eigenen inneren Konflikten kämpfte und die Komplexität des menschlichen Selbst erforschte. Dieses Werk ist eine unverzichtbare Lektüre für jeden, der sich mit der Natur der menschlichen Identität auseinandersetzen möchte. Es lädt den Leser ein, über das Zusammenspiel von Selbstbild und gesellschaftlicher Wahrnehmung nachzudenken und bietet dabei sowohl psychologische als auch philosophische Einsichten, die bis in die moderne Zeit relevant bleiben. Tauchen Sie ein in Dostojewskis faszinierende Welt und entdecken Sie die vielschichtigen Facetten des menschlichen Daseins.
Kundinnen und Kunden meinen
3.7/5.0
Bewertung
5/5
12.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tiefgründiger Dostojewski
Laut Nabokov soll der Doppelgänger das beste Buch von Dostojewski sein. Die Sprache, die Handlung und die psychologische Tiefe ist einfach nur beeindruckend. Ich fand es sehr angenehm, dass der Handlungsstrang deutlich direkter ist als z.B. bei Schuld und Sühne.
Ich empfehle es allen, die bereits ein Buch von Dostojewski gelesen haben und sich vielleicht auch für Thematiken wie Schizophrenie interessieren.
the hopeless romantic
3/5
05.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tolles Buch
Ich bin baff…
Zunächst muss ich sagen, dass es sehr schwer ist als Leser:in die Handlung nachzuvollziehen, besonders in den ersten vier Kapiteln. Erst später konnte sich für mich rauskristalisieren worum es geht, darum die Abzüge. Auch finde ich die Sprache umständlich, auch wenn ich verstehen kann, dass es für die Figuren der Handlung charakteristisch sein könnte.
Abgesehen davon halte ich ,,Die Doppelgänger“ von Dostojewski für ein klasse Buch! Die Spaltung des ,,Ichs“ von Goljadkin wird auf jeder Dimension beleuchtet, besonders die inneren Monologe gefallen mir sehr, da sie das Innenleben einer in sich gespaltenen Person wiedergeben. Nach dem Lesen gibt es vieles zu reflektieren und interpretieren, auf psychologischer Ebene unglaublich interessant und nervenaufreibend!
Raumzeitreisender
aus Ahaus
3/5
05.06.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen Realität und Wahn…
Zwischen Realität und Wahn Die Novelle erschien erstmals 1846 und gehört zu den Frühwerken von Fjodor Dostojewski. Seine Vorliebe für menschliche Abgründe, wie er sie in „Schuld und Sühne“ perfektioniert hat, zeichnet sich in diesem Werk bereits ab. Dennoch ist „Der Doppelgänger“ weit entfernt von seinen genialen Hauptwerken. Das Buch handelt von Jakow Petrowitsch Goljadkin, einem Titularrat an einer Petersburger Behörde und seiner psychischen Erkrankung. Bereits zu Beginn des ersten Kapitels deutet sich sein Realitätsverlust an, der sich durch das gesamte Buch zieht. „... ob er aufgewacht ist oder noch schläft, ob alles, was jetzt um ihn herum vorgeht, Wahrheit und Wirklichkeit ist oder eine Fortsetzung seiner wirren Träume.“ (7) Es geht um verschmähte Liebe, um Verleumdung und um Probleme mit der Identität, alles drei Themen, die Stoff für große Romane liefern. Mit Identitätsproblemen haben sich in der Vergangenheit verschiedene Autoren beschäftigt, z.B. Leo Perutz in „Der schwedische Reiter“ und José Saramago in "Der Doppelgänger". Während es bei Perutz um real vertauschte Identitäten geht, ist es bei Saramago die psychische Zerrissenheit seines Protagonisten Afonso, die im Fokus steht. Psychisch zerrissen ist auch Protagonist Goljadkin. Schwer verständlich aber vielleicht auch genial ist, dass dieser nicht wechselhaft mit unterschiedlicher Identität agiert, sondern „real“ als zwei Personen in Erscheinung tritt. Phasenweise ist für den Leser die Situation klar („Aber wie groß war das Erstaunen, als [um 8:00 Uhr morgens] nicht nur der Gast [Jakow Petrowitsch Goljadkin], sondern sogar auch das Bett, auf dem der Gast geschlafen hatte, aus dem Zimmer verschwunden war!“ (99)) und phasenweise ist das Thema einfach schwer verständlich umgesetzt worden. Wer Dostojewski kennen lernen möchte, sollte „Die Brüder Karamasow“ oder „Schuld und Sühne“ lesen. „Der Doppelgänger“ ist m.E. eher was für diejenigen Leser, die sich im Rahmen literarischer Studien mit dem Lebenswerk Dostojewskis beschäftigen. Es ist ein Entwicklungsroman, der deutlich macht, dass die Beschreibung der menschliche Psyche zu Dostojewskis Stärken gehört.
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