Das große, verstörende Porträt der Sackler-Familie, die sich als Philantropen feiern lassen, deren Vermögen durch Valium entstand und die mit der Erfindung des Medikaments OxyContin die Opioidkrise in den USA auslöste. Und Millionen Menschen weltweit in die Abhängigkeit stürzte.
Der preisgekrönte Autor Patrick Radden Keefe zeichnet das Sittengemälde einer Industriellenfamilie, die die Welt prägt. Die Geschichte der Sackler-Dynastie birst vor Dramen - barocke Privatleben, erbitterte Verteilungsschlachten, machiavellistische Manöver in Gerichtssälen und der kalkulierte Einsatz von Geld, um sich als Kunstmäzene Zugang zur Elite zu kaufen und die weniger Mächtigen zu brechen. Ein narratives Meisterwerk, umfassend recherchiert und erschreckend zwingend argumentiert.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
mima
5/5
04.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Brilliant erzählter Abstieg in moralische Abgründe
„Imperium der Schmerzen“ erzählt die Geschichte der Familie Sackler und zugleich die Geschichte davon, wie Geld, Macht und ein kaputtes System Menschen unantastbar machen.
Was als Familiensaga beginnt, entpuppt sich als erschütterndes Porträt gesellschaftlicher Verantwortungslosigkeit: Realitätsverlust, Ego, Arroganz. Und ein System, das bereitwillig wegsieht. Keefe schreibt dabei mit großer Sachlichkeit, ohne erhobenen Zeigefinger. Gerade das macht die Wirkung so eindringlich.
Auch wenn einige Abschnitte (etwa zu Nachlass und Stiftungen) etwas zu ausführlich geraten sind, bleibt das Buch durchweg nachvollziehbar, selbst als Hörbuch. Die Vielzahl an Figuren und Ereignissen ist komplex, aber klar strukturiert.
Einzig die Verbindung zur heutigen Fentanyl-Krise hätte für meinen Geschmack noch stärker betont werden können.
Insgesamt: ein journalistisches Meisterwerk - faktenbasiert, fesselnd und mit langem Nachhall.
Bewertung
5/5
27.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fantastische Recherche, Spannend zu lesen
Kann mich meinen Vorrednern nur anschließen, dem ist nichts mehr hinzuzufügen! Ich hatte den Titel ehrlicherweise zuerst als Hörbuch, da ich die ca. 22 Stunden jedoch in nullkommanix "weg gehört" hatte, habe ich mir das Buch gekauft um es erneut zu "genießen".
Bewertung
5/5
26.03.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
verstörende, informative Analyse
„Die gleiche utopische Verheißung, die die Sacklers einst in Creedmoor gepredigt hatten - die Vorstellung, dass jedes menschliche Leiden eines Tages mit einer Pille geheilt werden könnte -, begann die Alltagskultur zu prägen.“
„Imperium der Schmerzen" von Patrick Radden Keefe liefert eine detaillierte Analyse der Ursprünge und Auswirkungen der Opioidkrise in den USA. Das Buch zeigt auf beeindruckende Weise die Komplexität der Krise und die verschiedenen Akteure, die dazu beigetragen haben, sie zu schaffen und zu verschlimmern.
Der Autor schreibt im Nachwort, das zum Teil erschreckend ist: „[…] ich wollte etwas anderes erzählen - eine Familiensaga, die Geschichte dreier Generationen. Ich wollte von einer Dynastie erzählen, die die Welt verankert hat, von Ambitionen und Philanthropie, Verbrechen und Straflosigkeit, von korrupten Institutionen, Macht und Gier.“
Keefe beschreibt, wie Unternehmen wie Purdue Pharma gezielt Ärzte und Patienten täuschten, um den Verkauf ihrer Opioid-Medikamente zu steigern. Es ist erschreckend, wie skrupellos manche Menschen sind, vor allem, weil es in erster Linie Ärzte waren, deren Beruf es ist, Menschen zu helfen.
„Arthur [Sackler] hatte entdeckt, das unter seinen vielen Talenten er eines am besten beherrschte: Leuten was verkaufen.“
Den ersten Abschnitt fand ich gegen Ende etwas in die Länge gezogen, das Thema ist so schon komplex genug, aber ab dem zweiten Abschnitt wurde es wieder spannend.
Insgesamt ist „Imperium der Schmerzen" ein wichtiges Buch, das aufzeigt, wie eine Kombination aus Gier, Ignoranz und Versagen dazu beigetragen hat, eine Krise zu schaffen, die die USA nachhaltig beeinflusst hat. Patrick Radden Keefe liefert einen eindringlichen und detailreichen Einblick in die Opioidkrise und zeigt auf, dass eine Lösung nur durch eine umfassende Veränderung der Politik, der Gesellschaft und der medizinischen Praxis erreicht werden kann.
Eine klare Leseempfehlung von mir für dieses preisgekrönte Werk!
Yasmin Tiefenthaler
aus Gmunden
5/5
20.01.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Imperium der Schmerzen
Ein Buch über die außergewöhnliche Geschichte der Familie Sackler, wie sie zu Reichtum gekommen sind und eine weltweite Opioidkrise auslösten.
Man erfährt auch einiges über die Machenschaften der Pharmaindustrie.
Fasszinierend, dramatisch, erschreckend und auf jeden Fall fesselnd!!
Buechermango
5/5
18.12.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schockierend unterhaltsam
Was hab ich hier bitte gelesen?! Als ich Imperium der Schmerzen zum ersten Mal gesehen hab war klar, dass ich es haben MUSS! Ich hatte also wirklich hohe Erwartungen und das ist ja immer ziemlich gefährlich bei Büchern. Hier wurde ich aber nicht enttäuscht, im Gegenteil.
Von der Opiod-Krise habe ich natürlich vorher schon gehört, von der Sackler-Familie bisher nicht. Ich war beim Lesen immer wieder entsetzt, konnte kaum glauben, was da alles passiert ist. Und das alles war so unheimlich fesselnd und aufregend, dass ich nächtelang in diesem Buch lesen musste, ich konnte einfach nicht anders. Auf die Opiod-Krise wird hier eher weniger eingegangen, da werde ich mir definitiv noch andere Bücher anschauen müssen, hier wird ‚nur‘ das Portrait einer Familie gezeichnet, die ihren Reichtum auf dem Grab vieler Leute aufgebaut haben und bis heute keine Einsicht zeigen.
Wir erleben die Sacklers über mehrere Generationen. Der Beginn, wie sie ihr Vermögen mit Valium aufbauen und die Pharmaindustrie revolutionieren ist schon nicht ohne. Mit Werbung kannte Arthur Sackler sich ähnlich gut wie mit Medizin aus und kombinierte direkt beides, um sein Medikament bestmöglich unter Menschen zu bekommen. Dabei bequatscht sein Team Ärzte und sorgt mit einprägsamen Texten dafür, dass seine Erfindung im Kopf der Patient*innen bleibt. Eine wirklich gruselige Entwicklung, die hier eindrücklich geschildert wird und später auch hilft, noch krassere Medikamente zu vermarkten.
1996 bringt die neue Generation dann OxyContin auf den Markt. Ein Opiumderivat, dessen Gefahr von Anfang an runter gespielt wird. Es werden Studien gefälscht und Ergebnisse ignoriert, Menschen bezirzt und gekauft. Raffinierte Werbung zieht die Kund*innen an und auch wenn vieles davon gelogen ist, funktioniert es. In den ersten 25 Jahren nach der Markteinführung starben etwa 450000 Amerikaner*innen durch OxyContin.
Dass sich der Familie Sackler so groß gewidmet wird, ist nicht selbstverständlich. Ihre Medikamente vertreiben sie über ihre Firma, in der sie im Vorstand sitzen, aber nicht im Vordergrund stehen. Ihre vielen Geheimnisse bleiben im Verborgenen und ihre Anwälte schrecken vor nichts zurück, um die Wahrheit verschlossen zu halten. Durch viele Spenden und ihr Interesse an Kunst sind sie bekannt und nicht ungeliebt. Woher ihr Geld kommt und wie viel Blut an ihm klebt, ist lange nicht klar, ihr Geld wird aber überall gern angenommen. Offensichtlich genießt die Familie den Luxus, aber nicht unbedingt das Rampenlicht. Anerkennung scheint in dem Fall weniger wichtig, als die Kontrolle und das eigene Gefühl, etwas großes zu tun.
Auch für die Patente ihrer Medikamente kämpft die Familie mit ihren Anwälten und lässt sich immer neues einfallen, um Generika zu verhindern. Ihre Hauptbeschäftigung scheint darin zu liegen, Tatsachen zu verdrehen und ihr Geld für Berater, Anwälte und Kunst auszugeben.
Auch als die ersten Toten auftauchen und immer mehr Menschen abhängig von Oxycontin werden, sind sich die Sacklers keiner Schuld bewusst. Einsicht sucht man hier vergeblich, stattdessen lobpreisen sie ihr Medikament und zeigen sich stolz. Die Verantwortung weisen sie immer wieder von sich, laut ihnen ist das Problem die ‚Suchtpersönlichkeit der Menschen’.
Auf das Privatleben der Sacklers wird hier ausführlich eingegangen. Wir erleben Brüder, die sich voneinander entfernt haben, interne Streitereien, interessante Ehen und traurige Familien. Auf ihre persönlichen Interessen wird eingegangen und auch die Persönlichkeiten werden deutlich. Wirklich beeindruckend, wie gut die einzelnen Familienmitglieder gezeichnet sind und was für tiefe Einblicke wir bekommen.
Zu lesen, wie gut die Familie am Ende davon gekommen hat, wie viel Geld ihnen bleibt und wie viele Menschen darunter leiden, war dann unheimlich frustrierend. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie das alles passieren konnte, aber ich hoffe, dass diese Einblicke dabei helfen, dass sowas nicht wieder passiert.
Ich kann gar nicht auf alle Lügen und Tricks eingehen, die hier über Jahrzehnte angewendet wurden. Es war aber wirklich faszinierend und hätte ich das als Roman gelesen, hätte ich wahrscheinlich hier gesessen und gedacht ‚Ja klar, als ob’. Aber es ist passiert und Patrick Radden Keefe hat das perfekt aufgearbeitet. Eine eindrückliches, wertvolles Buch, das leider verdammt unterhaltsam ist.
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