Cleo weiß nichts mit ihrem Leben anzufangen. Nach schlimmen Erlebnissen in ihrer Kindheit lebt sie inzwischen in einer Wohngruppe und versucht, ihren Schulabschluss zu schaffen. Was danach kommen soll, ist ihr allerdings ein Rätsel. Sie kann nichts, sie ist niemand.
Nach einem Diebstahl wird Cleo zu Sozialstunden auf dem Friedhof verdonnert. Sie ahnt nicht, wie die Geschichten der Toten sie verändern werden …
Danic ist Zirkusartist mit einer großen Followerschaft im Netz. Doch während er mit seiner Familie durchs Land tourt und mit seiner Freundin in der Manege auftritt, träumt er davon, Jura zu studieren und sich für mehr Gerechtigkeit starkzumachen. Er versteht die Welt nicht mehr, als er auf ein Unglück in der Geschichte seiner Familie stößt, das alle im Zirkus beharrlich totschweigen.
Ist es möglich, dass sich auf dem Friedhof mehr als Staub und in der Manege nicht nur Glitzer finden lässt?
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Berührende Geschichte
Bewertung aus Glauchau am 20.04.2023
Bewertungsnummer: 1925963
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
„...Tanzen! Sie wollte tanzen. Schwerelos schweben über all dem, was da unten am Boden auf ihre Schultern drückte...“
Diese Zeilen stammen aus dem Prolog. Sie finden sich später in einem der Kapitel wieder. Sie wurden dem Kapitel vorangestellt. Der Prolog wird so zu einer Art Klammer, die den ersten Teil des Buches zusammenhält.
Die Autorin hat einen bewegenden und tiefgründigen Jugendroman geschrieben. Es geht darum, den Sinn im eigenen Leben zu finden, aber auch die Schatten und Verletzungen der Vergangenheit aufzuarbeiten. Der Schriftstil lässt sich flott lesen.Anfangs wechselt die Geschichte zwischen den beiden Protagonisten. Cleo ist eine von ihnen. Sie lebt in einer Wohngruppe.
„...Ungeduldig trommelte Cleo mit den Fingern auf ihren Oberschenkeln. Wann würde diese nervige Befragung endlich vorbei sein? Es war heiß in dem stickigen Büro des Kaufhausdetektivs...“
Warum Cleo klaut, weiß sie selber nicht so genau. Sie braucht die Dinge nicht. Es ist auch nicht der Kick, es zu können. Es scheint eher ihre Art der Vergangenheitsbewältigung zu sein. Was damals passiert ist, kommt erst nach und nach ans Licht.
„...Warum war er nur so frustriert? Es lief doch alles super. Aurelie, seine beste Freundin von Kindheit an und seit fast fünf Jahren seine Partnerin, war offensichtlich verliebt wie am ersten Tag...“
Daniel oder Danic, wie sein Künstlername lautet, ist der Star des Familienzirkus´. Zusammen mit Aurelie postet er die Kunststücke im Internet. Daniel aber will mehr. Er möchte Jura studieren. Wie jedoch soll er das seiner Familie beibringen?
Cleo bekommt Sozialstunden verordnet, die sie auf dem Friedhof absolvieren soll. Dort fühlt sie sich plötzlich angenommen. Sie lernt die Bestatterin Simone Lehmann kennen, die Cleo behutsam in ihre Arbeit mit einbezieht. Bei der Arbeit in der Kapelle sieht Cleo ein Bild von Jesu mit Schafen. Religion ist nicht ihr Ding. Ich mag aber trotzdem oder gerade deshalb ihren lockeren Umgang mit dem Thema.
„...Sorry, Jesus, ich hab jetzt keine Zeit dich anzuschauen, sagte Clementine in Gedanken zu dem Bild. Was war denn jetzt los? Seit wann sprach sie mit fiktiven Personen?...“
Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass der Jesus des Bildes ihr Gegenüber bei einem Gespräch ist. Mir gefällt, dass hier nichts aufoktroyiert wird. Es ist allein Cleos Entscheidung, sich Jesus auf dem Bild zuzuwenden.
Danic teilt seinen Eltern die Entscheidung für das Studium mit. Dabei entgegnet seine Mutter:
„...Das sagst du uns ausgerechnet heute...“
Die Worte lassen Danic nicht los. Welches Familiengeheimnis verbirgt sich dahinter?
Beide Handlungsstränge werden gekonnt zusammengeführt. Cleo und Danic reifen durch die Ereignisse.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen.
Jesus liebt dich, du bist nie…
Jedida aus Unfinden am 12.04.2023
Bewertungsnummer: 2879761
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Jesus liebt dich, du bist nie allein … sind zwei der Messages, die dieses Buch transportiert und deren Wahrheitsgehalt ich in keiner Weise negieren möchte. Religion bzw. der Glaube an etwas Höheres oder Gott mag durchaus dazu beitragen, dass sehr viele Menschen ein glücklicheres Leben führen. Viele andere Menschen aber haben traumatische Erfahrungen mit Religion gemacht – und dass diese Erfahrungen keine bloße Fiktion sind, ist mittlerweile allseits bekannt. Solche Menschen und vielleicht auch einige andere mögen es gar nicht, wenn sie in einem Jugendroman ganz unerwartet mit der Bibel zugetextet werden. Nicht, wenn weder das Cover, das ein Zirkuszelt zeigt, noch der Titel »Staub fliegt höher als Glitzer« noch der Klappentext darauf hinweisen, dass etwa ab der Hälfte des Buches alle Kapitel mit Bibeltexten überschrieben sind. Wenn diese Bibeltexte in die Geschichte eingebaut sind, indem sie z. B. der Pfarrer bei einer Beerdigung vorliest oder sie auf einem Grabstein stehen – fein. Das kann durchaus zu einem religiösen Setting passen und unterhaltsam sein. Ein Bibeltext zu Beginn eines Kapitels geht jedoch weit darüber hinaus, denn er ist an den Leser gerichtet, der in keiner Weise darum gebeten hat, bekehrt zu werden oder sonst welche Bibelsprüche aufs Auge gedrückt zu bekommen. Ich muss sagen, dass mir das den Lesegenuss dieses Buches wirklich verleitet hat, denn wer will schon gegen seinen Willen eine Meinung aufs Auge gedrückt bekommen? Dabei hat Anni E. Lindner einen angenehmen Schreibstil. Sie erzählt die Geschichte von Cleo, einer Ladendiebin, die im Heim lebt, sowie von Danic, einem Zirkusartisten, der lieber Jurist sein möchte, einfühlsam und mit Fingerspitzengefühl. Ebenso geht sie die Themen Suizid, Tod und die Suche nach dem Sinn im Leben an. Wenn über allem nicht dieses überdominante Thema Religion liegen würde, hätte dieser Roman mir wirklich gefallen können. Mittlerweile habe ich mich über den Verlag informiert und bemerkt, dass dort hauptsächlich christliche Bücher verlegt werden. Dann weiß ich zumindest beim nächsten Buch vorab Bescheid und kann die Finger davon lassen. Fazit: Ein wunderbar erzählter Jugendroman mit dem Augenmerk auf wichtige Themen, der besonders Menschen ansprechen dürfte, die sich nach göttlicher Führung und der Sicherheit und Geborgenheit einer religiösen Gruppe sehnen. Wer ein Thema mit Religion hat, sollte allerdings besser die Finger davon lassen oder zumindest wissen, worauf er sich einlässt.
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