Lasse ich ein Flugzeug in die Luft fliegen? Hole ich es vom Himmel? Schicke ich es zur Hölle? Die Fragen, die sich ein angehender Terrorist stellt, lauten anders: Welches Ziel wähle ich aus? Woher bekomme ich die notwendige Menge an Sprengstoff - und welche Menge ist überhaupt notwendig? Wir begleiten fünf angehende Attentäter, die unabhängig voneinander auf dem Weg sind, ihre Anschläge zu planen, vorzubereiten und schließlich in die Tat umzusetzen. Es kann jeden von uns treffen. Überall. Jederzeit. • Der Selbstmordattentäter, bringt seine Bombe ganz konventionell im Reisegepäck und den Fernauslöser im Handgepäck an Bord der Maschine. Getragen von der Sicherheit, für die gute Sache zu sterben und wohlwollend im Paradies aufgenommen zu werden, bereitet er sich auf seinen todbringenden Einsatz vor. • Der freundliche Innentäter von nebenan, ein schon früher aufgefallener Psychopath, agiert selbständig und unabhängig. Als Flughafenmitarbeiter hat er Zugang zum Sicherheitsbereich und tüftelt an einem Sprengsatz, der beim Landeanflug über dem Stadtgebiet von London hochgehen soll. • Die sympathische Drohnenpilotin nutzt ihr Talent, um eine Passagiermaschine mit Plastiksprengstoff zu bestücken. Um die Politik für den Klimawandel zu sensibilisieren strebt sie eine hohe Medienwirksamkeit an: Ihr kleines Video über die Explosion des Flugzeugs würde innerhalb weniger Minuten ins Internet hochgeladen sein. • Der risikobereite Hobbychemiker will einmal im Leben die Weichen selbst stellen. Er bastelt seinen Sprengstoff zusammen und versendet ihn per Luftfracht. Ob die Explosion bei der Frachtkontrolle am Boden erfolgt oder erst bei der Landung am Zielflughafen ist ihm egal. Hauptsache, es knallt. • Der unentschlossene Gelegenheitstäter, frustriert von Schicksalsschlägen, spinnt aus Gedankenblitzen unterschiedlichste Szenarien, entwickelt sie weiter, spielt sie durch, wägt ab... Schließlich entscheidet er sich dazu, einen ICE minutiös zur Strecke zu bringen. Die Flucht eines kleinen Ganoven und die nicht immer zielgerichteten Gedanken des Sicherheitschefs am Flughafen lockern die Abläufe auf und führen die Gegenspieler vor Augen: Aufgeschreckte Polizeibeamte, routiniertes Sicherheitspersonal, paragraphentreue Behörden. Welcher Anschlag letztlich von Erfolg gekrönt sein wird, entscheidet sich im Morgengrauen, mit dem das Buch endet. So bleibt es Ihnen überlassen, ob die nächste Urlaubsreise tatsächlich mit dem Flieger stattfinden soll...
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
aus Weissach
5/5
06.03.2024
Buch (Taschenbuch)
Der Autor ist mit seiner Geschichte mitten im Heute gelandet.
Fünf Menschen auf ihrem Weg zum Showdown. Jeder der fünf hat sein eigenes Päckchen zu tragen, jeder trägt seinen Anteil an Spannung und Nachdenklichkeit bei.
Zu Beginn lockt der Autor mit seinem Prolog, der drei vollkommen unterschiedliche Szenen birgt. Man kann nachspüren, welche Gedanken sich in den Köpfen der nichts Böses ahnenden Beobachter abspielen, wie sie sich der anbahnenden Gefahr bewusst werden.
Harmlos startet die Rahmenhandlung um den schon jetzt recht sympathisch wirkenden Ganoven Danny, welcher mit wechselnden Unannehmlichkeiten zu kämpfen hat, um sich seinen Fluchtweg ins rettende Ausland zu bahnen.
Einfühlsam widmet sich der Autor dem vom Schicksal gebeutelten Kettenraucher, der seine geliebte Freundin durch einen tragischen Unfall verlor und der seither verloren durch sein Leben irrt. Kein Wunder, dass ihn seltsam anmutende Gewaltphantasien heimsuchen, in die er seine nicht verarbeitete Trauer und seinen Frust über Gott und die Welt hineinpackt.
Als dunkler, undurchsichtiger Typ passt der fremdländisch auftretende und frei von jedem Privatleben und jeden Empfindungen umschriebene Einzelgänger ins Bild des uns allen so typisch erscheinenden, unnahbaren Terroristen. Ein Typ, der keineswegs Einzelgänger ist, sondern Teil eines subtilen Netzwerks, das jeden Einzelnen des komplexen Vorhabens von seinen Mittätern abschottet und damit Anonymität gewährleistet. Dass das Vorhaben der Organisation in einem tödlichen Anschlag auf den Luftverkehr besteht, wird zügig klar. Fast beiläufig erklärt der Autor in diesem Abschnitt, worauf sich der Titel „Dunkelalarm“ des Werks gründet.
Bereits im darauf folgenden Kapitel kommt auch schon der Untertitel zum Zuge: „Eine Leiche fällt vom Himmel“. … aus heiterem Himmel ist man versucht, in Gedanken hinzuzufügen. Basierend auf mehreren tatsächlichen Vorfällen in der Anflugschneise des Londoner Flughafens beschreibt der Autor die Inspiration des Innentäters. Beschrieben als impulsiv und leicht cholerisch mit krimineller Vorgeschichte, hat er sich seinen Weg in den Sicherheitsbereich des Flughafens erarbeitet. Akribisch und mit großer Einfühlsamkeit bringt Reinhold Walliser seinen Lesern die technischen Details nahe, deren Kenntnis es erst ermöglichen, die teuflische Konstruktion des Tüftlers zu begreifen.
Ebenso wird Technik-Freaks die anschaulich und detailverliebt dargestellte Herstellung des Sprengstoffs TATP begeistern. Fabriziert von dem seinem Schicksal fatalistisch ergebenen Verlierer, der seinem Leben nur einmal noch einen letzten, selbst erdachten Kick verleihen will. Mit einfachsten Mitteln synthetisiert er den Sprengstoff und spielt alle denkbaren Varianten durch, die bei den Unwägbarkeiten des hochexplosiven Gemischs in Kauf zu nehmen sind. Den Lesern bleibt es überlassen, ob sie mitraten wollen, welche weiteren Alternativen sich aus der Unberechenbarkeit eines so brisant zu handhabenden Explosivstoffes ergeben könnten.
Technisch geht es auch bei der einzigen Frau zu, die das Buch als Attentäterin bereichert. Vorsicht scheint ihr zweiter Vornahme, denn sie will nichts dem Zufall überlassen, keinesfalls bei ihren Vorbereitungen den Behördenmitarbeitern auffallen. Dafür lässt sie sich ausgiebig Zeit und bereitet ihren Angriff akribisch vor. Als Drohnenpilotin ersinnt sie natürlich ihre eigene Idee zur Platzierung von Plastiksprengstoff an Flugzeugen. Getragen von dem Glauben, mit ihrer spektakulären Aktion Politik und Gesellschaft aufzurütteln, um das Weltklima noch zu retten, geht sie weit über das hinaus, was Klimaschützer jeder Couleur gemeinhin verantworten.
Anspruchsvolles Vergnügen bereitet die begleitende Gestalt des Flughafenmitarbeiters, der aus der Perspektive der Sicherheitsbehörden Einblick in deren Gedankenwelt verschafft. Trotz seiner Aversion gegenüber allen modisch-denglischen Begriffen erkennt er doch, dass nicht alles dumm ist, nur weil es englisch benannt wird. Auf wohltuende Weise kommt mit ihm auch ein Hauch von Erotik und menschlicher Schwäche ins Buch, ohne aufgesetzt oder fehl am Platz zu erscheinen.
Reinhold Walliser ist es gelungen, technisches und luftfahrtspezifisches Detailwissen in eine spannende Geschichte zu verpacken. Nicht nur die bis zum Ende des Buchs anhaltende Spannung, ob wohl die vorbereiteten Anschläge gelingen werden. Auch die leisen Anspielungen am Rande der Geschichte, die mit leichter Süffisanz angedeuteten Schwächen der Sicherheitsapparate und vor allem die Nachdenklichkeit, die das Buch beim Leser erzeugt, machen es lesenswert. Und die Tatsache, dass für die Geschichte - wie Reinhold Walliser selbst betont - nicht ein einziges Mordopfer notwendig ist. Das Thema Terrorismus begleitet uns seit jeher. Der Autor ist mit seiner Geschichte mitten im Heute gelandet.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.