Ausgezeichnet mit dem International Ski Association' s Ullr Book Award 2023
Die Geschichte des nationalsozialistischen Skilaufs in Österreich beginnt nicht erst mit dem „Anschluss“ im März 1938. Schon davor kann eine Hinwendung großer Teile des organisierten Skisports zum Nationalsozialismus nachgezeichnet werden. Eine zunehmende Ideologisierung des Sports führte zu einer Ausgrenzungspolitik im ÖSV, die in der Radikalität der NS-Diktatur seine Entsprechung fand.
Die vorliegende Forschungsarbeit beleuchtet Machtstrukturen und Handlungsspielräume des österreichischen Skisports vor und während der NS-Diktatur und geht der Frage nach, inwieweit dieser zum Träger des nationalsozialistischen Unrechts-Systems werden konnte. Im Fokus stehen besonders die handelenden AkteurInnen, ihre individuellen Handlungs-, Beteiligungs- und Deutungsmuster. Dabei erzählt die Publikation sowohl die Geschichte der TäterInnen als auch der Opfer, der Ausgegrenzten und Verfolgten und befasst sich ebenso mit dem österreichischen Skisport in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis 1955 und wie dieser ungeachtet der NS-Verbrechen zu einer nationalen Sportart und seine Aktiven zu „HeldInnen“ stilisiert werden konnte.
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Auf den ersten Seiten "Statt…
Amarra aus Hamburg am 12.05.2024
Bewertungsnummer: 2916340
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Auf den ersten Seiten "Statt eines Vorwortes - zur Forschungsmotivation" finden sich folgende Sätze: Andreas Praher schreibt " Nichts liegt mir ferner, als an dieser Stelle abrechnen zu wollen. Dieses Bild soll nicht entstehen und wäre ein falsches. Die Forschungsarbeit soll vielmehr ein erster großer Anlauf sein, die Hintergründe zu beleuchten, um das 'Warum' zu verstehen. Wie konnte es dazu kommen, dass eine Mehrheit dem nationalsozialistischen (Skisport-) System nichts entgegenzusetzen wusste, und warum taten und tun sich große Teile des österreichischen Skisports so schwer, der Vergangenheit mit all ihren Facetten, hellen und dunklen Momenten, Licht- und Schattenseiten und dem, was als Halbdunkel dazwischen liegt, ins Gesicht zu blicken und zu sagen, das war auch ein Teil unserer Geschichte?" Die Antwort auf die Frage 'Warum' ist gelungen, das umfangreiche Inhaltsverzeichnis zeigt den genauen Aufbau des Buches, Schritt für Schritt wird man in das Geschehen hinein und hindurchgeleitet, Einleitung, Vorgeschichten, bis zu Nachwehen und einer Schlussbetrachtung. Nach erstem zur Gänze Durchlesen eignet es sich sehr gut, um einzelne Kapitel wieder aufzuschlagen und Einzelheiten nochmals zu vertiefen. Ein einmaliges Durchlesen ermöglicht zwar ein Aha-Erlebnis, es ist aber nicht möglich, den umfangreichen Stoff im Kopf zu behalten. Beim Lesen all der genau ausgearbeiteten Texte und Fakten spürte ich eine Art Erleichterung beim Begreifen und Erfassen der Zusammenhänge, die in dieser sorgfältigen chronologischen Gesamtdarstellung nie irgendwo zu finden und zu lesen waren. Auch einige eigene Erlebnisse und Ereignisse in Österreich, bei denen ich anhand einiger Sätze und Handlungsweisen Einheimischer teils nebulös, teils deutlich das Gefühl hatte, die intensive Beschäftigung und Wissen zur Entwicklung der Skimode und im Zuge dessen auch Skigeschichte einer Frau (die nicht mal gut skifahren kann) aus Hamburg würde als 'anmaßend', 'verstiegen' und wie eine 'Aneignung' empfunden und bewertet, erklären sich durch die in diesem Buch vorgenommene Beleuchtung der Skigeschichte. Das Verständnis begann bereits im ersten Kapitel "Einleitung" , "Österreich als Skination". Meinem geschichtsinteressierten Bekanntenkreis kann ich dieses Buch nur ans Herz legen. Es schließt eine viele Jahrzehnte alte riesige Wissenslücke. Die Freunde der Skimode der 1920er und 1930er Jahre, die mir Fragen zu skigeschichtlichen Hintergründen weit über Modegeschichte hinausgehend stellten, finden hier Aufklärung und sachliche Antworten, die ich ihnen nur grob und zum Teil unvollständig geben konnte. Übrigens immer mit dem Hinweis, es handele sich um meine Vermutung, ich könne nicht alles genau belegen. Der Autor führt ein Verzeichnis mit Quellenangaben zu jedem Satz und Text, wie man es von einem wissenschaftlichen Werk erwarten darf, alle Aussagen werden präzis belegt. Am Buchschluss findet sich ein fast 40 Seiten umfassendes Quellen- und Literatur-Verzeichnis, Hinweise auf Quellen, Erläuterungen zu Abkürzungen und ein Personenregister. Ich habe das Buch nicht einen Moment als Anklage empfunden. Es ist eher so, als würde die Tür eines nicht betretenen Raumes endlich geöffnet, die Fenster aufgemacht, Licht ins Dunkel gebracht, entstaubt und gelüftet, aufgeräumt und lang nicht Berührtes endlich in die Hand genommen und in eine begreifbare Ordnung gebracht. Das ist erfrischend und erleichternd. Danke für die umfangreiche, langwierige Recherche, die sicher enorm viel Zeit und auch den Mut, sich unbeliebt zu machen, erfordert hat.
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