»Eine erzählerische Wundertüte. ... Das ist spannend, berührend und liest sich wie im Rausch.« NDR Kultur
Gibt es das, eine Seelenverwandtschaft zwischen bislang Unbekannten? Ist es manchmal leichter, mit einer Fremden zu sprechen als mit den Menschen, die man schon lange kennt und liebt? Als die junge Fotografin Nico zufällig zwischen den Jahren der Schauspielerin Ellen Kirsch auf den nächtlichen, winterlichen Straßen Berlins begegnet, fühlt sie fast unmittelbar eine unheimliche Nähe, die sie sich nicht erklären kann. Was haben sie schon gemeinsam, der inzwischen weltberühmte Hollywoodstar und die noch um Anerkennung ringende Fotografin? Was sieht Ellen in ihr, was sie selbst nicht erkennen kann? Vor allem aber: Warum schert sich Nico darum, dass Ellen eines Tages einfach wieder aus ihrem Leben verschwindet? Und zwar so plötzlich, wie sie gekommen ist? Als Nico endlich begreift, warum sie nicht loslassen kann, macht sie sich auf die Suche – nicht nur nach Ellen, sondern auch nach ihrer Mutter und ihrer eigenen Geschichte.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Booklover
4/5
03.07.2024
Buch (Taschenbuch)
eine besondere Geschichte
Kann eine einzige Begegnung ein ganzes Leben verändern? Das ist die zentrale Frage im Roman „Die Kunst des Verschwindens“ von Melanie Raabe. Die Geschichte handelt von den beiden Frauen Ellen und Nico. Ellen Kirsch ist Anfang 30, eine berühmte Schauspielerin und kehrt gerade von Dreharbeiten aus New York nach Berlin zurück.
Nico (eigentlich Nicolette) Roba ist eine Fotografin, die ebenfalls in Berlin lebt und im selben Alter wie Ellen ist. Durch Zufall zieht Ellen in das Penthouse gegenüber von Nicos Wohnung und die beiden beobachten einander oft, ohne dass die andere es merkt. Allgemein begegnen sich Ellen und Nico anfangs häufig in der Stadt; erst durch Zufall, dann immer beabsichtigter. Dabei entsteht von Anfang an eine Bindung zwischen den Frauen, eine Art Seelenverwandtschaft, die sich beide nicht richtig erklären können, die sie aber miteinander umgehen lässt, als seien sie schon immer Freundinnen.
Gemeinsam mit Ellen ist alles ganz leicht und Nico erlebt magische Dinge, traut sich mehr zu und wird allgemein mutiger. Bis es schließlich soweit kommt, dass Ellen verschwindet. Nico sucht sie und startet dabei eine Reise durch halb Europa, bei dem sie nicht zuletzt die Geschichte um den Tod ihrer Mutter und deren verschwundener Kette löst. Doch beide Frauen bergen noch mehr Geheimnisse, die sie bisher niemandem anvertraut haben …
Ein unglaublich interessantes und spannendes Buch über die Freundschaft zweier Protagonistinnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber doch mehr gemeinsam haben als man zunächst annimmt. Die Frage, wie eine einzelne Begegnung Einfluss auf unser Leben nehmen und es schließlich verändern kann, ist die zentral behandelte Frage, anschaulich beschrieben am Beispiel von Protagonistin Nico.
Eine besondere Geschichte über Mut, Freundschaft, Geheimnisse, ein bisschen Magie und die Veränderung eines ganzen Lebens durch eine einzige Begegnung mit einer besonderen Person.
Der Titel „Die Kunst des Verschwindens“ zielt tatsächlich gerade auf diese ab. Er deutet wohl auf Ellens angekündigtes Verschwinden hin und wie es ist, einfach von heute auf morgen ohne große Ankündigung z. B. eine Auszeit von Social Media zu nehmen und somit „nicht mehr existent“ zu sein. Und dies alles genau geplant und von ihr so gewollt.
Das Cover zeigt die Gesichter zweier Frauen, die mit eher schwerem Blick an den rechten Bildrand schauen. Die Antlitze befinden sich dabei leicht versetzt nebeneinander und sind nur von der Seite zu sehen. Ihre Augen haben die beiden Damen entweder geschlossen oder niedergeschlagen. Beide Köpfe sind in den Farben Pink, Gelb, Weiß und Schwarz gehalten, wobei Pink den größten Farbanteil einnimmt.
Der Buchtitel ist ebenfalls in Pink geschrieben, das Wort „Verschwindens“ ist dabei von einer feinen weißen Linie durchzogen. Dies soll die langsame Auflösung, das langsame Verschwinden, symbolisieren. Der Name der Autorin dagegen ist in Schwarz gehalten.
Einen richtigen Bezug vom Bild des Einbands zur Geschichte konnte ich nicht erkennen, außer dass die beiden abgebildeten Gesichter Frauen sind und wohl Ellen und Nico darstellen sollen. Die schweren Blicke könnten eine Anspielung auf die Geheimnisse der beiden Frauen sein, die man im Roman nach und nach erfährt. Das Cover gefällt mir richtig gut.
Der Roman ist in moderner Sprache verfasst und „ein Buch von heute“. Er behandelt aktuelle Themen wie Social Media, Mobbing und Hetzkampagnen in den sozialen Medien, sexuelle Belästigung, Rassismus etc. Die Kapitel haben genau die richtige Länge, was das Lesen sehr angenehm macht.
Die Figuren sind sehr gut ausgearbeitet und man kann sich super in sie hineinversetzen. Die Kapitel werden anfangs abwechselnd aus der Sicht von Ellen oder von Nico jeweils in der ich-Form erzählt. Später übernimmt dann Nico den Großteil der Erzählungen allein. Daher baut man zu Nico auch die größere Beziehung auf, da sich der Roman hauptsächlich mit ihr und ihrer Entwicklung durch die schicksalhafte Begegnung mit Ellen beschäftigt.
Eigene Meinung:
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich habe es unheimlich gerne gelesen. Am Anfang kann man nicht erahnen, in welche Richtung sich die Geschichte noch entwickelt und die Story wurde zunehmend spannender. Aufgrund der großen Themenvielfalt und der aufgelösten Geheimnisse bleibt es bis zum Ende interessant. Alle offenen Fragen werden am Schluss aufgelöst, sodass man nicht im Unklaren bleibt.
Auch die Tatsache, dass ganz am Ende der Geschichte ein Bogen zum Anfang geschlagen wird, hat mir sehr gut gefallen.
Die Autorin Melanie Raabe war mir persönlich vorher unbekannt. Dies liegt wohl auch daran, dass sie zuvor mehrere Krimis veröffentlicht hat, was nicht meinem Genre entspricht. Mit „Die Kunst des Verschwindens“ wagt sie sich zum ersten Mal in einen neuen Bereich vor, was ihr nach meinem Empfinden gut gelungen ist.
Da es sich bei diesem Roman um etwas ganz Besonderes handelt, er mir wirklich Freude beim Lesen bereitet hat und ich ihn so schnell nicht mehr vergessen werde, vergebe ich vier von fünf Sternen.
Jade
Book Circle Community
3/5
07.01.2026
Buch (Taschenbuch)
Guter Schreibstil, inhaltlich war es Okay
Anfangs dachte ich es geht um ein Buch, welches zwischen den Jahren spielt. Zu Beginn war es auch so. Aber ich hatte mir ein inspirierendes Buch vorgestellt. Leider entpuppte es sich als eine Art “light Thriller” in dem aufs Mal ein Stalker vorkam. Irgendwie konnten mich die Geschehnisse und die Wendungen nicht ganz abholen. Dennoch war der Schreibstil gut und es hat sich flüssig lesen lassen.
MarieOn
3/5
08.07.2024
Buch (Taschenbuch)
Zu viele Themenschwerpunkte
Ellen ist seit kurzem ein angesagter Star, genauer gesagt, seit sie in der Serie The Vanishing eine der großen Rollen besetzt. Sie hat keine bedeutende Technik, war nie eine der besten, hochgearbeitet, hat sie sich, von den Theaterbühnen und dann glücklicherweise Anthony getroffen. Den Regisseur, der ihr Vater sein könnte und in ihr etwas sah, das er fördern wollte. Anthony, mit dem sie mittlerweile eine enge Freundschaft verbindet, ihre einzige. Auf dem Flug New York – Berlin denkt sie an ihn, sie wird ihn gleich Morgen besuchen.
Nico wäre auch gerne Schauspielerin geworden, ist aber krachend durch die Aufnahmeprüfung gepoltert. Jetzt ist sie Fotografin, hauptsächlich Porträts, na ja und Passfotos. Sie weiß, dass sie ihrem Freund von Kurt erzählen muss, schiebt das aber seit Tagen vor sich her. Genaugenommen seit sie in der U-Bahn – Station drei Jugendliche entdeckte, die auf einen am Boden liegenden eintraten, sie schreiend auf die Gruppe zu rannte und sich einen heftigen Faustschlag über dem Auge einfing.
Ellen hasst Hotelzimmer und so hat ihre Agentur ihr ein Penthouse in Berlin besorgt, um ihr den Aufenthalt bis zur Premiere so angenehm wie möglich zu machen. Sie huscht noch schnell runter zum Späti, sich was zu Trinken besorgen, stolpert in Nico hinein, sieht sie genauer an und fühlt eine nicht zu erklärende tiefe Verbundenheit, die sie ergründen will.
Fazit: Melanie Raabe schreibt im Präsens. Der Schreibstil liest sich flüssig und temporeich. Jedes Kapitel handelt abwechselnd von Nico oder Ellen und erzählt aus deren Sicht. Beide träumen viel von Wasser und Klippen. Die Geschichte enthält einige Fabelelemente und rätselhafte Ereignisse, die dem Ganzen eine esoterische, hellseherische Note geben. Insgesamt wimmelt die Erzählung nur so vor Themenschwerpunkten, Gewalt, Gewalt gegen Frauen, Krankheit, Verlust, Stalking, Suizid und Wal sterben. Die Hauptprotagonistin fand ich charakterlich ziemlich blass gezeichnet, kaum zu einer Gefühlsregung fähig und wenn sie doch einmal Gefühle zeigte, dann für mich unverständliche. Sie kann sich darüber aufregen, dass man Pfingstrosen die Blütenkelche zubindet, um sie am verfrühten Blühen zu hindern, als sie aber völlig umsonst nach Brügge fährt, weil jemand sie vorführt, hat sie dafür Verständnis. Die Autorin hat von Anfang an vorweggenommen, dass die Beziehung zwischen Nico und Ellen keiner erotischen Natur ist, warum überlässt sie mich als Leserin nicht meinen eigenen Gedanken und greift so korrigierend ein. Alles in allem habe ich die Geschichte mit Spannung gelesen, obwohl sie mich am Ende wegen der Übersinnlichkeit und der Vielzahl an Themen nicht überzeugt hat.
Leni
5/5
08.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Viele Themen, viele Überraschungen!
Ich muss sagen das war für mich seit langem mal wieder ein Buch, welches mir einen richtigen Mehrwert geben konnte.
Die Charaktere hatten Tiefe und waren nachvollziehbar, sodass man emotional ganz bei ihnen sein konnte.
Aber vor allem hat es mich umgehauen wie viele wichtige Themen Raabe brillant in ihre Geschichte mit eingewebt hat! Ohne das es trocken oder erzwungen gewirkt hat. Alles war einfach schlüssig und rund! Danke Frau Raabe.
Bewertung
5/5
04.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Überraschend abwechslungsreich
Diese Geschichte ist so voller Lebendigkeit. Abwechslungsreich, spannend, überraschend, echt und tief.
Und dazu noch an keiner Stelle zuviel oder gar langweilig.
Ein Buch mit Sogwirkung.
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