Mira fährt von Wien zu ihrer Mutter Anni nach Südkärnten. Anni soll aus dem Haus, in dem sie lebt, ausziehen. Der geplante Abriss bringt die familiären Routinen ins Wanken. Die alten, unaufgelösten Konflikte brechen auf: der frühe Tod des Vaters, das Leben als slowenische Minderheit, der soziale Aufstieg der Kinder, der von familiären, sprachlichen und kulturellen Ablöseprozessen begleitet wurde. Doch endlich werden auch die lange beschwiegenen Lebensgeschichten der Ahninnen ans Licht gebracht. Ein kraftvoller Roman über drei Generationen von Frauen, deren Entfremdung und Wiederannäherung, über Familie, Herkunft und Erinnerung. Ungekürzte Lesung mit Petra Morzé, Gertrud Roll 1 mp3-CD | ca. 9 h 23 min
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Edith Berger
aus 3istau
5/5
05.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
berührendes Leseerlebnis
Nach der Matura hat Mira ihre Südkärntner Heimat verlassen um in Wien zu studieren. Eigentlich ist sie geflohen. Vor der strikt patriarchalen Gesellschaftsordnung, der erzkatholischen Gesinnung, den slowenisch-kärntnerischen Zerwürfnissen, der Schweigsamkeit der Mutter. Nun ist sie auf dem Weg zurück. Ihre Mutter ist gebrechlich geworden und muss aus dem Haus ausziehen, dass jahrzehntelang Heimstatt der Familie war.
Bewertung
Book Circle Community
5/5
02.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Herkunft ist doch immer auch ein Teil von uns...
Mira ist eine junge Slowenin, die in Kärnten aufgewachsen ist, nun aber in Wien lebt und sich “eigentlich” von ihrer slowenischen Herkunft distanziert hat. Während eines Besuches bei ihrer Mutter setzt sie sich jedoch intensiv mit ihren Wurzeln auseinander. Auch die schwierige, weil oft sehr sprachlose, Beziehung zu ihrer Mutter wird erneut ein Thema für sie. Langsam erfahren wir mehr über Miras Leben, aber auch darüber, was ihre Mutter und Grossmutter erlebt haben, wie deren Leben aussah.
Ein schwieriges Thema, oft hält man inne und kommt ins Grübeln. Ein Buch über die Stellung der Frauen, über ihr Verhältnis zueinander, ihre Position in der Familie oder Paarbeziehung. Ein Buch über Herkunft. Ein Buch, das aufzeigt, wie wichtig es ist, miteinander zu sprechen!
begine
aus Lemwerder
5/5
11.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Frauen
Die Kärntner Autorin Maja Hagerlap führt uns Leser in ihrem Roman Nachtfrauen in das Kärntner Slowenische Grenzgebiet.
Es geht um drei Generationen Frauen.
Die Letzte Mira fährt zu ihrer Mutter, die ihre Wohnung aufgeben soll, da der Neffe den Platz braucht.
In der Familie waren die Mütter nicht so liebevoll. Allerdings mussten sie schwer arbeiten und wurden früh Witwe.
Der Großvater blieb im Krieg und der Vater hatte einen Unfall.
Besonders die Erinnerungen Der Mutter Annie kamen jetzt ans Licht.
Die Autorin verstand es gut die Landschaft, die Politik und Familie unter einen Hut zu bringen.
Auch die Stimmung hat sie gut herüber gebracht.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen.
»Stankos Stimme am Telefon fiel ihr ein, seltsam tonlos. Du wirst dich um Mutter kümmern müssen, sagte er. Ich weiß, sagte Mira. Wann kommst du? In zwei Tagen. Stanko legte auf.«
Mira lebt seit über drei Jahrzehnten in Wien. Nun muss sie zur Mutter nach Kärnten. Kein leichter Besuch, aus mehreren Gründen. Vorrangig geht es aber darum, der Mutter zu helfen das Haus zu räumen – auch wenn sie sich noch recht gut selbst versorgen kann. Aber geerbt hat das Haus ein anderer und dieser Cousin will das Haus abreißen, um dort eine Werkstatt bauen zu können. Anni, die Mutter, soll ins Altenheim, leidet unter der Situation sehr und würde lieber gleich sterben, als umzuziehen.
Der so belastete Besuch bei der Mutter geht für Mira auch mit einer Menge anderer Wiedersehen und Erinnerungen einher. Jedes öffnen alter Kartons und Kisten und Begegnungen mit Dorfbewohnern weckt oft große Emotionen. Als sie gar eine ehemalige Liebe trifft, lässt sich die verheiratete Mira mit dem Mann ein, bringt ihre Ehe in Gefahr.
Auch wird sie natürlich immer wieder mit ihrer Kindheit konfrontiert, mit dem frühen Tod des Vaters, der gerade dann vom Baum erschlagen wurde, als Mira ihm das Mittagessen brachte. Die Schuldgefühle deswegen wurde sie nie los.
Als Mira auf dem Dachboden Unterlagen aus ihrer Studienzeit findet, für die sie Interviews mit Frauen führte, für eine Arbeit über die Erwerbstätigkeit von ungelernten Frauen, ist darunter auch ein Gespräch, das sie mit ihrer Mutter führte und das Mira ihre Mutter Anni als eine tolle, starke und unerschrockene Frau ins Gedächtnis ruft.
Diese beginnt sich dann an ihren Gefühle und Gedanken von damals und auch an die eigene Mutter Agnes, eine Taglöhnerin zu erinnern.
„Nachtfrauen“ ist aber nicht nur Mutter/Tochter Geschichte, sondern vielmehr ein Roman über Herkunft. Über das Schweigen zwischen den Generationen, das Unvermögen, über Gefühle zu sprechen – bis es eigentlich zu spät ist.
Über politische Vergangenheit. Als das slowenische geächtet war, Mira sich am Gymnasium vom Slowenischunterricht abgemeldet hat, weil die anderen Kinder ihrer Herkunft wegen auf sie herabsahen. Eigentlich war sie immer auf der Suche nach ihrer Identität – denn entweder war sie bei den Deutschkärntern schlecht gelitten, bekannte sie sich zu ihren slowenischen Wurzeln, oder eben andersherum.
Sprachlich eindringlich, inhaltlich sehr gelungen, ausgesprochen gern gelesen und somit eine klare #Leseempfehlung!
"Wenn ich meine Mutter zeichnen wollte, würde ich sie als dunkle Bergkönigin zeichnen, die im Eis lebt und die Eigenschaft hat, an manchen Tagen als Riesin aufzutreten, an anderen hingegen als durchsichtiges Geschöpf.“
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