Wien, im Jahr des Herrn 1753. Ein junger Bursche aus der Provinz tritt als Lehrling in die Dienste des Uhrmachers Servasius Weisz. Er ist überaus begabt, aber seit der Kindheit ein Sonderling. All sein Streben zielt darauf ab, Welt und Leben zu fassen und neu zu erschaffen nach den Gesetzen der Mechanik. Als er sich in die Grafentochter Amalia verliebt, kommt es zu einer furchtbaren Tragödie, die ihn zur Flucht aus Wien zwingt. Er tritt in das Heer des preußischen Königs ein und zieht unter neuem Namen als Jacob Kainer in den Krieg. Im Lazarett macht er die Bekanntschaft eines geheimnisvollen Marquis, der beeindruckt ist von seinen handwerklichen Fähigkeiten. Der Marquis nimmt Jacob mit nach Paris, wo er ihm im Kampf gegen seine fortschreitende Krankheit beistehen soll. Gemeinsam suchen sie in den Schriften der Gelehrten und mit den Mitteln des Experiments nach der Triebfeder des menschlichen Leibes. Doch als ihre wissenschaftlichen Anstrengungen keinen Sieg über die Vergänglichkeit bringen, verschreibt sich der Marquis dunkleren Künsten – und das Schicksal nimmt seinen unerbittlichen Lauf.
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5.0/5.0
Bewertung
aus Villach
5/5
04.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was für ein Meisterwerk
Wohl eines der besten Bücher die ich 2023 gelesen habe.
Erzählt wird uns Ratten – so die Bezeichnung des Erzählers für uns Leser*innen - die Lebensgeschichte des Jakob Kainer aus einer Irrenanstalt.
Wir befinden uns mitten im 18. Jahrhundert. Jakob Kainer kommt vom Land in die Großstadt Wien und beginnt dort als Uhrmacherlehrling. Nach der Begehung eines Mordes (auch das berichtet uns der Erzähler gleich zu Beginn) muss er aus Wien flüchten und begibt sich als Soldat in den Dienst des Preußenkönigs.
Aufgrund einer schweren Kriegsverletzung verbringt er längere Zeit in einem Lazarett und wird dort vom Marquis D. ausgewählt, in seine Dienste zu treten. Jakob Kainer besitzt großes handwerkliches Geschick. Der Marquis D. leidet an einer Krankheit, die ihm immer wieder dazu veranlasst, sich den Arm stückchenweise zu amputieren und als Ersatz dient ihm ein eiserner Arm, der ihm direkt in die Wunde eingenäht wird.
Um dies zu optimieren und eventuell auch andere Körperteile oder Organe zu ersetzen, werden Versuche an Menschen und Tieren im Keller der Villa des Marquis D. durchgeführt, die überaus gruselig sind. Dies vermittelt der Geschichte eine besonders düstere Stimmung, da vieles sehr detailreich dargestellt wird – man kann sich das sehr real vorstellen.
Der Roman ist ein dicker Wälzer von über 900 Seiten, doch jede einzelne habe ich mit großem Genuss gelesen. Gerade die außergewöhnliche Sprache macht diesen Roman so faszinierend – ganz so, als ob dieser im 18. Jahrhundert geschrieben wurde; dies ist vielleicht am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, dann jedoch gut und quasi authentisch zu lesen. Ein Meisterwerk, wie von einem der großen, alten Franzosen geschrieben.
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