„Auf dem Segler“: ein junges Paar auf einem Segler, der Wind bläht die Segel, das Paar hält sich an den Händen und schaut in die Fahrtrichtung, wo das Ziel dieser gemeinsamen Reise liegt: eine Stadtsilhouette zeigt sich in irrisierendem Licht. Mit diesem Bild des Covers führt der Autor seine Leser sofort mitten in die Malerei Caspar David Friedrichs ein.
Ein liebendes Paar auf seiner Lebensreise, umgeben von den Elementen Wind und Wasser, das Element Erde als Ziel vor ihren Blicken: das ist der Maler mit seiner jungen Frau Caroline auf dem Weg von Greifswald, Friedrichs Heimatstadt, zurück nach Dresden. Das vierte Element, das des Feuers, verortet Illies in Friedrichs glühender Liebe zu seiner Frau. Da knirscht der Bezug zwar etwas, und solche kurzen Knirscher wird es immer wieder geben, aber immerhin: Illies hat ein Ordnungsprinzip für sein Buch gefunden, nämlich die vier Elemente.
Das erste Kapitel „Feuer“ bricht unverhofft mit der Idylle des Coverbildes und beschreibt den Brand des Glaspalastes 1931 in München, dem unter anderem neun Werke von Friedrich zum Opfer fallen. Dieser gewaltige Brand ist nicht der einzige Brand, der Gemälde unrettbar vernichtet, es folgen kriegsbedingte und andere Brände, z. B. in der väterlichen Kerzenzieherei, der Brand im Dresdner Taschenberg.-Palais oder der Brand im Bunker Friedrichshain am Ende des II. Weltkriegs. Und allmählich versteht man als Leser, wieso C. D. Friedrich so lange Zeit in Vergessenheit geraten konnte: zu viele Bilder waren zerstört worden, und die erhaltenen waren wegen der fehlenden Signatur nicht zuzuordnen.
Schon im 1. Kapitel zeigt sich Illies Vorgehen. Er verzichtet auf die Chronologie, sondern konzentriert sich auf durchgängige Erscheinungen. Er beschreibt z. B. einige Bilder, zunächst eher vordergründig, aber geht dann der Geschichte dieser Bilder durch die Jahrhunderte nach und erzählt von abenteuerlichen Diebstählen, von raffinierten Kunsthändlern und Museumsdirektoren, von Einflüssen und Querverbindungen.
Die ungeheure Recherchearbeit des Autors ist nicht zu übersehen. Das Buch hat aber keinerlei Schwere. Illies bringt seine Kenntnisse und diese unglaublich vielen Zusammenhänge eher plaudernd und auch mit persönlichen Kommentaren an den Leser heran. Der Leser holpert also nicht schwerfällig in einem wissenschaftlichen Karren einen steinigen Weg entlang, sondern er unternimmt mit dem Autor eine, wie es der Untertitel schon sagt, eine temporeiche und kurzweilige Reise durch die Zeiten.
Alles lernt der Leser schließlich kennen: den künstlerischen Werdegang, seine Traumatisierung durch den Tod des Bruders, der ihn vor dem Ertrinken rettete, seine lebenslange Schwermut, seine tief religiöse Grundhaltung, seine Familie, seinen Dresdner Freundeskreis, seine Ablehnung des klassischen Kunstideals („Erinnerungen, nichts als kalte, tote Erinnerungen“), sein schwieriges Verhältnis zu Goethe, sein Verhältnis zur Natur, seine Kunstauffassung, seine Montage-Technik, seine finanzielle Not, sein Wesen und so fort.
Die Reise geht aber weiter z. B. zu Friedrichs Einfluss auf Walt Disney und dessen „Bambi“-Film, aber immer wieder stockt sie in der Zeit des Nationalsozialismus. Caspar David Friedrich war ein Mensch, der zutiefst seine Heimat liebte („Erde“) und der in der Zeit der napoleonischen Besatzung mit den Waffen kämpfte, die er zur Verfügung hatte, nämlich seiner Kunst: er malte Hünengräber und Landschaften mit mächtigen Eichen, d. h. er beschwor die „Kräfte der Vergangenheit“, wie Illies es nennt. Und genau das dient den Nationalsozialisten zum Vorwand, diesen schwermütigen, traumverlorenen Maler zu einem germanischen Helden umzustilisieren.
Sehr ausführlich widmet sich Illies besonders zwei Bildern. „Gescheiterte Hoffnung“ (1842) ist das eine, und Illies hebt deutlich den persönlichen Hintergrund des Malers hervor, dessen Hoffnung auf eine besser bezahlte Stelle eines Ordentlichen Professors in Dresden sich zerschlagen hatte. Seine Bilder seien „zu trübsinnig“. Das andere ist das radikalste und wohl modernste Bild: „Mönch am Meer“. Ein Bild, das einen Menschen in all seiner Verlorenheit vor der mächtigen Natur zeigt und Kleist zu der Bemerkung veranlasste, es sei, als ob einem die Augenlider weggeschnitten seien. Kleist erschoss sich wenige Tage später.
Illies‘ Begeisterung für den Maler springt auf den Leser über. Was mir aber über alle Maßen gut gefällt, ist die Tatsache, dass Illies den Maler aus seiner Vergangenheit herausholt und in unsere Zeit stellt. Vergangenheit und Gegenwart werden durch die vielen Bezüge miteinander verflochten.
Illies lässt die Bilder Caspar David Friedrichs über die Jahrhunderte hinweg zu uns sprechen. Und eine solche Belebung der Geschichte finde ich in den aktuellen Zeiten von Geschichtsvergessenheit wichtiger denn je.
Bewertung
5/5
01.09.2025
Buch (Taschenbuch)
Es ist wie eine warme Umarmung.
Der Titel hat alles gesagt. Das Buch ist wunderbar, angenehm zu lesen und doch so informativ. Das perfekte Mischverhältnis von Humor, Tiefe, Beschreibung und Information. Ich bin begeistert!
Eric
aus Dresden
5/5
15.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Grandioses Buch
Der Auto Florian Illies studierte Kunstgeschichte in Bonn und Oxford. Den Bann um den berühmten Maler ist er schon lange eingesogen. Es ist ein grandioses Buch!!
Das Buch - geteilt in 4 Kapitel, jeweils in die Elemente der Erde. Die Gemeinsamkeit es werden über Gemälde gesprochen. Wie ist die Entstehungsgeschichte? Was macht das Gemälde besonders, sehenswert? Jedes Bild erzählt eine individuelle Geschichte. Es ist fein, detailliert erzählt. Besonders machen die Analysen und Rätsel zu Bildern, ob es die „echten“ Friedrich‘-Gemälde sind. Der Maler hat nie seine Bilder unterzeichnet und über die Geschichte sind Bilder verschwunden und aufgetaucht. Stellenweise hat es Züge eines Krimis und als Leser*in fiebert den Ausgang mit.
Illies beschäftigt sich nicht nur um die Gemälde von Friedrich, sondern beschreibt sein Leben. Gibt Einblicke in den Alltag. Es ist phantastisches Portrait über den Maler und deren Familie. Besonders aufschlussreich fand ich die Beziehung zwischen Goethe und Friedrich.
Es ist umfassend gut recherchiertes Buch.
Florian Illies hat ein tolles Buch über Caspar David Friedrich geschrieben. Es hat einen gewissen Humor, betreibt Aufklärungsarbeit und äußert gut zu lesen. Am Ende bleibt, ich betrachte ab jetzt die Gemälde von David Caspar Friedrich mit anderen Augen.
Als Tipp: Für alle Wanderfreunde in der Sächsischen Schweiz gibt es den Caspar-David Friedrich Rund- und Panoramawanderweg. Wandern auf Spuren des Malers und die Originalschauplätze anschauen.
Udo Reins
aus NRW
5/5
16.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Zeitreise
Zauber der Stille
Wunderbare, interessante und unterhaltende Geschichten, Informationen und Anekdoten über Casper David Friedrich, seinen Werken, seinem Leben und die Wirkung seines Schaffens. Florian Illies Buch ist abwechslungsreich und gut geschrieben. Es nimmt mich mit in die Zeit von Friedrich und in viele andere Epochen. Ein sehr schönes Buch. Es fordert dazu auf, sich mit der Kunst von Casper David Friedrich zu beschäftigen.
Mimi
5/5
14.04.2024
Hörbuch-Download
Hervorragend
Wieder ein sehr plastisches und hervorragendes Buch von Florian Illies. Von der Geburt Caspar David Friedrichs bis zum Zusammenhang mit dem Ukrainisch-Russischen Krieg der Gegenwart. Absolut brilliant recherchiert und zu Papier / Gehör gebracht. Mein Lieblings Autor ❤
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5/5
21.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Florian Illies widmet sich mit...
Florian Illies widmet sich mit viel Witz und Empathie dem Leben und dem Werk des Romantikers Caspar David Friedrich. Und erzählt die wechselvolle, verblüffende und die erschütternde Geschichte seiner Werke bis heute.
Ein Muss für alle Kunstliebhaber!
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5/5
10.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Puzzle zwischen Kunst, Geschichte, Vergangenheit und Gegenwart
Illies beschreibt nicht nur einschneidende Erlebnisse in Caspar David Friedrichs Leben, die sich auf sein künstlerisches Werk ausgewirkt haben, sondern ordnet diese auch auf eine sehr spannende und interessante Weise historisch ein. Stehen heutzutage eigentlich immer Gemälde wie beispielsweise "Mönch am Meer" oder "Der Wanderer über dem Nebelmeer" im Zentrum künstlerischer Betrachtungen, schafft Illies Platz für den Künstler selbst: Wie hat Caspar David Friedrich gelebt? Warum erzeugen seine Gemälde eine Faszination und Stille, die bis heute reicht. Warum sind so viele Werke verloren gegangen? Warum hat sich der Künstler zu einer Art Ikone für die Deutschen entwicklet? Durch amüsante Anekdoten und Fakten schafft Illies eine sehr angenehme Leseatmosphäre und einen abwechslungsreichen sowie sehr gut recherchierten Ausflug in die Kunstepoche der Romantik.
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5/5
28.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hier erwacht Geschichte zum Leben!
Passend zum 250. Geburtstag des Malers Caspar David Friedrichs, hat Florian Illies ein Buch über den beliebtesten deutschen Maler der Frühromantik herausgebracht.
„Zauber der Stille“ hat mir außerordentlich gut gefallen.
Illies ist ein meisterhafter Erzähler, der es versteht, Informationen in kleine, berührende Anekdoten zu verwandeln, denen er eigene, kurze Kommentare hinzufügt. Das führt zu einem sehr kurzweiligen Lesevergnügen.
Das Buch ist nicht chronologisch aufgebaut, sondern thematisch in vier Kapitel, benannt nach den Elementen Feuer, Wasser, Erde und Licht, unterteilt. In dem Kapitel „Feuer“ geht es zum Beispiel um die vielen Bilder des Malers, die verbrannt sind.
Man erfährt nicht nur jede Menge Einzelheiten über das Leben des Malers und über die Entstehung seiner Bilder, sondern auch über die Geschichte, die seine Werke in den den letzten Jahrhunderten genommen haben.
Außerdem geht Florian Illies der Frage nach, warum die Bilder des Malers, die voller Sehnsüchte und Stille sind, uns auch heute noch so faszinieren und berühren.
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5/5
06.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Mönch vom Meer
Illies versteht es, seine Begeisterung und Liebe für den eher menschenscheuen, kauzigen Caspar David Friedrich zu vermitteln, der aus seiner Greifswalder Geburtsstadt nach Dresden übersiedelte, die Sehnsucht nach der heimatlichen Küste und dem Meer jedoch nie verlor. Er erzählt vom vergeblichen Bemühen des Künstlers um die Anerkennung Goethes, der ihn ebenso wenig zu schätzen wusste wie viele seiner Zeitgenossen, die ratlos vor revolutionären Bildern wie dem „Mönch am Meer“ standen. Erst die Nachwelt sollte den großen Romantiker für sich entdecken. lllies berichtet von der oft abenteuerlichen Geschichte vieler ikonischer Werke, die von Kriegswirren, Brand oder Raub bedroht waren und zu einem nicht geringen Teil vernichtet wurden. Auch Friedrichs ausgeprägter Patriotismus und seine missbräuchliche Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten kommen zur Sprache. Mit „Zauber der Stille“ ist dem Autor eine unterhaltsame, kenntnisreiche Einführung gelungen, und gerne möchte man anschließend die darin vorgeschlagene Zugreise von Dresden über Berlin nach Hamburg unternehmen, um die großen Werke des Künstlers zu bestaunen.
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5/5
19.11.2023
Hörbuch (Audio)
Ein von Elementen geprägtes Leben
In gewohnt unterhaltsamen Ton erzählt Illies von den Höhen und Tiefen im Leben des Malers Caspar David Friedrich. Die Ereignisse werden den Elementen zugeteilt, die eine wichtige Rolle in den Gemälden spielen. Deshalb gibt es chronologische Sprünge, bleibt aber hoch interessant. Stephan Schad lässt uns Dank seiner sehr angenehmen, weichen Erzählstimme in die Geschehnisse zwischen 1774 und 1840 und noch über 100 Jahre darüber hinaus eintauchen.
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