Alles dreht sich um einen monströsen Tintenfisch. Einen Riesenkalmar. Als dieser ein Tiefseekabel berührt, beginnen seine Arme und Tentakel zu erzählen. Davon, wie es ist, in ständiger Dunkelheit zu leben, wie es ist, für den Menschen ein Ungeheuer zu sein. Sie erzählen von Sanja, die ein Praktikum auf einem Frosttrawler absolviert und sich um einen gefangenen Kalmar kümmert. Sie erzählen von Dagmar, die für einen Geheimdienst in der Antarktis stationiert ist und diesen Kalmar unbemerkt nach Deutschland schaffen soll. Sie erzählen von einer Kindheit als Schäferstochter. Sie erzählen von einer Familie, deren Urahn schon mit einem Kalmar gekämpft hat. Sie erzählen von dem jungen Jules Verne, der von diesem Kampf hört und darüber zu schreiben beginnt. Am Ende erzählen sie davon, wie schwierig es für Menschen ist, von Tieren zu erzählen, und warum sie es dennoch tun.
Kundinnen und Kunden meinen
3.7/5.0
Bewertung
5/5
07.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
literarischer Perspektivenwechsel
Kalmare haben in jedem Arm verschiedene Charaktere. Von schüchtern bis eingebildet bis hin zu müde. Diese Arme erzählen uns hier ihre Geschichte und entlang einer Familie, die der Kalmar über Generationen selbst gestreift hat.
Ein unglaublich schöner, literarischer und neugieriger Perspektivenwechsel.
Lassen Sie sich darauf ein, zwischen den Seiten zu springen. Ein Buch, für das es zwei Lesezeichen braucht...
Bewertung
5/5
08.05.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einfach fulminant Perfektion
Dieses Buch war einfach genial! Es hatte alles, was ich mag; mehrere Familiengeschichten die zusammenhängen (es hat auch einen Stammbaum hinten drin), eine absurde Geschichte die mehrere Perspektiven anschneidet und vereint, und eigentlich geht (fast) alles um ein Kalmar und seine Arme, die erzählen und eigene Persönlichkeiten haben.
Und genauso unterschiedlich und eigene ist das gesamte Buch. Es geht dann auch noch um eine Kindheit in den Alpen, dann um Jules Vernes und Parfüm und irgendwie ist alles miteinander verbunden und verwoben. Die Familiengeschichten ziehen sich über Generationen entlang und am Schluss kommt die Geschichte zurück zum Meer, das konstant im Hintergrund rauscht. Einfach fantastisch!
Wer eine wirklich gut geschriebene und komplett neu gedachte Geschichte mag (und Tintenfische), ist bei diesem Buch absolut aufgehoben!
nil_liest
aus RheinMain Gebiet
5/5
05.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein großes Tier, kein Ungeheuer.
Die Liebe zum Riesenkalmar des Autors Luca Kieser schlägt sich in seinem Roman wieder mit dem er auf der Longliste zum Deutschen Buchpreis 2023 landete. Eine allumfassende Konstruktion, die sich mit der Frage beschäftig wie man über ein Wesen erzählt, dass uns als Mensch ferner nicht sein könnte. Er nimmt die tierische Perspektive ein ohne die eigenen Ängste zu projizieren. Gar dekonstruier er solche, wie sie durch den weißen Hai bekannt sind.
Er schreibt über die Andersartigkeit des Tintenfischs. Die Geschichte wird erzählt von einer Riesenkalmarin, aber nicht aus der Gesamtheitssicht, sondern aus der Sicht jedes einzelnen Armes.
Im Grunde sind wiederum drei Erzählstränge im Roman eingebettet, zum einen gibt es da den Trawler in der Antarkis, dem dieser Riesentintenfisch ins Netz geht. Dann gibt es eine künstlerische Beschäftigung mit dem Kalmar und ein dritter Kontext ist eine Familie im Jahr 1829.
Der junge Autor Luca Kieser, ein studierter Philosoph und Sprachkünstler, nutzt viele literarische Formen wie Tagebuch oder Chronik. Dadurch bekommt der Text auch einen ganz eigenen Sound. Auch das Element der Fußnoten wird Teil des Textes, wenn die Arme sich widersprechen. Ein wirklich neugedachter Text.
Ein abgefahrener toller Roman! Lesenswert in jedem Fall, auch wenn Hintergrundwissen an der einen und anderen Stelle von Vorteil ist.
nil_liest
aus Frankfurt
5/5
05.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein großes Tier, kein…
Ein großes Tier, kein Ungeheuer. Die Liebe zum Riesenkalmar des Autors Luca Kieser schlägt sich in seinem Roman wieder mit dem er auf der Longliste zum Deutschen Buchpreis 2023 landete. Eine allumfassende Konstruktion, die sich mit der Frage beschäftig wie man über ein Wesen erzählt, dass uns als Mensch ferner nicht sein könnte. Er nimmt die tierische Perspektive ein ohne die eigenen Ängste zu projizieren. Gar dekonstruier er solche, wie sie durch den weißen Hai bekannt sind. Er schreibt über die Andersartigkeit des Tintenfischs. Die Geschichte wird erzählt von einer Riesenkalmarin, aber nicht aus der Gesamtheitssicht, sondern aus der Sicht jedes einzelnen Armes. Im Grunde sind wiederum drei Erzählstränge im Roman eingebettet, zum einen gibt es da den Trawler in der Antarkis, dem dieser Riesentintenfisch ins Netz geht. Dann gibt es eine künstlerische Beschäftigung mit dem Kalmar und ein dritter Kontext ist eine Familie im Jahr 1829. Der junge Autor Luca Kieser, ein studierter Philosoph und Sprachkünstler, nutzt viele literarische Formen wie Tagebuch oder Chronik. Dadurch bekommt der Text auch einen ganz eigenen Sound. Auch das Element der Fußnoten wird Teil des Textes, wenn die Arme sich widersprechen. Ein wirklich neugedachter Text. Ein abgefahrener toller Roman! Lesenswert in jedem Fall, auch wenn Hintergrundwissen an der einen und anderen Stelle von Vorteil ist.
PMelittaM
aus Köln
5/5
20.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Faszinierend
Eine Riesenkalmarin berührt mit ihren Armen ein Tiefseekabel – und die Arme beginnen zu erzählen. Das alleine klingt schon fantastisch genug, oder?
Tatsächlich ist der Roman dann anders, als ich erwartet hatte. Die Arme, ein Kalmar hat zehn davon, zwei zu Tentakeln entwickelt, erzählen nämlich nicht nur ihre Geschichte bzw. die ihrer Kalmarin, sondern auch die verschiedenster Menschen. Jeder Arm hat seinen eigenen Namen, es gibt den Armen Arm, den Hehren Arm, usw., sein eigenes Wesen und eine eigene Geschichte, die er erzählt, wobei diese immer mehr ineinandergreifen. Besonders gut haben mir die Fußnoten gefallen, die nicht etwa – nur – Erklärungen oder ähnliches liefern, sondern auch davon berichten, wie sich die Arme gegenseitig ins Wort fallen und zu ihren eigenen Geschichten locken wollen.
Ich habe mir sehr früh im Roman erst einmal Wissen über Kalmare angelesen, einfach, damit ich manches besser verstehe. Zunächst gibt es auch viel über das Tier zu erfahren, später dann immer mehr über die Menschen. Menschen allerdings, die in irgendeiner Weise mit Kalmaren zu tun haben, so z. B. Jules Verne, in dessen Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ ein solcher vorkommt, der aber auch noch eine andere Beziehung hat. Oder Peter Benchley, der nicht nur über einen Hai geschrieben hat. Und dann gibt es noch Sanja, die auf einem Krillfangschiff in der Antarktis unterwegs ist, hier u. a. kommt auch das Thema Klima zum Tragen. All dies und noch viel mehr ist irgendwie miteinander verbunden. Wie der Autor das alles in seinen Roman packt und entwickelt, finde ich ebenfalls sehr faszinierend.
Sicher ist der Roman nicht einfach zu lesen, man muss schon aufmerksam sein, und vielleicht auch ein bisschen Wissen mitbringen, allerdings nichts, was man nicht leicht recherchieren könnte. Ich hatte mir zwar mehr „Unterwasser“ erhofft, letztlich bin ich dennoch zufrieden mit dem Roman, auch, wenn ich noch manche Frage hätte. Dass nicht alles beantwortet wird bzw. das eine oder andere offen bleibt, ist aber sicher Absicht, und nicht nur ich werde noch ein bisschen länger über den Roman nachdenken.
Luca Kiesers Roman hat mich fasziniert und mich auf gewisse Weise gepackt. Man braucht zum Lesen Aufmerksamkeit und sollte offen sein für Unerwartetes. Ich bin gespannt darauf, mehr von dem jungen Autor zu lesen.
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4/5
30.06.2025
eBook (ePUB 3)
Sprachliches Meisterwerk
Luca Kieser schafft es mit seiner sprachlichen Finesse, jede*n in seinen Bann zu ziehen und erst mit beenden des Romanes wieder loszulassen. Zwar gab es zwischendurch einige "Häh"-Momente, in denen ich mir nicht sicher war, was mir der Roman sagen wollte, jedoch bin ich schon allein wegen der Sogwirkung des Buches bei der Stange geblieben und habe es nicht bereut. Das etwas andere Lesevergnügen ;).
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3/5
21.09.2023
eBook (ePUB 3)
Leider etwas verworren
"Weil da war etwas im Wasser" wird aus der Perspektive von Riesenkalmararmen erzählt. Riesenkalmare haben zehn Arme (und zwei Tentakel) und ungefähr so viele Erzählansätze hat der Roman: Es geht unter anderem um die Geschichte des Kalmars, um Krill und um Jules Verne. Die einzelnen Themen sind interessant, besonders der zweite Teil, wenn der Autor von seiner eigenen Beziehung zu seiner Männlichkeit und zum Schreiben spricht, aber leider geht keiner der Ansätze genug in die Tiefe. Die Struktur des Romans ist sowohl interessant als auch verwirrend - die Arme unterbrechen sich in ihren Erzählungen ständig gegenseitig, um auf ihre eigenen Geschichten zu verweisen, man sollte also zwischen den einzelnen Erzählsträngen hin und her blättern. Luca Kieser als Autor hat viel Potential, aber "Weil da war etwas im Wasser" hat mich leider nicht ganz gepackt.
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