Er ist kein Tourist, sondern ein junger, neugieriger Schriftsteller, der Kuba besucht und dort wach die Stimmungen und Verhältnisse registriert. Sechs Monate bereist er die »Sonneninsel« – von Nueva Gerona über Havanna nach Santiago de Cuba. Er stößt dabei auf unterirdische Verteidigungstunnel, erlebt die Hyperinflation, in der sich weltweit gefragte Universitätsangestellte keinen Cafecito leisten können, und spricht mit krebskranken Patienten, die wegen des US-Embargos von lebensrettender Medizin abgeschnitten sind. Er erlebt die Lebensfreude der Kubaner wie ihre massiven Sorgen in einer Zeit, in der wegen der Pandemie die Touristen fernbleiben, Naturkatastrophen das Land treffen und die Inflationsrate steigt. Er berichtet von Erlebnissen in Fabriken, Bauernhöfen, Museen und Exkursen in Kubas lebendige Kunstszene, spricht mit der Kinderärztin Aleida Guevara, der Tochter Ches, und mit Menschen auf der Straße, die ihm sagen: »Hier ergibt sich keiner.« Den 1. Mai feiert er mit Raúl Castro und 700 000 Menschen in Havanna. Er schildert sie und ihr Land – das von den internationalen Krisen härter getroffen wird als viele andere und doch plan- und hoffnungsvoll seinen Weg geht. Ken Merten hat ein kluges, geschichtenreiches Tagebuch verfasst, das nicht nur informiert, sondern anregt und der Frage nachgeht, vor welchen Herausforderungen der Inselstaat steht und wo seine Chancen liegen, sich aus der Geiselhaft der Wirtschaftsblockade zu befreien.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
j.h.
aus Berlin
5/5
17.12.2023
Buch (Taschenbuch)
SONNE UND SICHEL: EIN KUBANISCHES NOTIZBUCH - Fesselnde Momentaufnahmen einer Reise.
"Den Wegfall Kubas würden wir hier nicht wirklich merken. Umso mehr der globale Süden. Ärzte und Lehrerbrigaden und eine Stimme auf der internationalen Bühne, die sich für die vom Imperialismus Ausgebeuteten und Unterdrückten ausspricht, wären weggebrochen ... Seit 1960 haben die USA das Wirtschaftsembargo gegenüber dem sozialistischen Inselstaat verhängt, der wohl längste Wirtschaftskrieg der Menschheitsgeschichte, einseitig erklärt von der ökonomisch stärksten Nation gegen Ohren ehemaligen Vasallen, eine kleine Republik, die noch nie mehr als 11,34 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner zählte." (S. 6 f.) Mit diesen Sätzen aus dem Vorwort stimmt Ken Merten (*1990) den Leser auf fesselnde Momentaufnahmen ein, die sich aus den Notizen über einzelne Tage und Begegnungen ergeben. 6 Monate bereiste der Autor 2022 gemeinsam mit einer Studiengruppe die "Sonneninsel". Das vorliegende "Notizbuch" ist nicht wie ein klassischer Reisebericht strukturiert. Die Texte erschienen bereits als Kolumne "Notas de Cuba" in der Tageszeitung junge Welt. Mit viel Sympathie und Neugier nimmt der Autor am Alltag der lebensfrohen Nation Anteil, erlebt die massiven Sorgen des lebenswichtigen Tourismus-Sektors in Folge der Pandemie und trifft Raoul Castro bei den Feiern zum 1. Mai.
Das lesenswerte Buch vermittelt zahlreiche interessante Kenntnisse über ein Land, über das man hier nur wenig weiß.
Gisela.1318
5/5
08.11.2023
Buch (Taschenbuch)
Ein sorgfältig recherchiertes Reisetagebuch zu Kuba
So wie ein Reisetagebuch liest sich Ken Merten’s "Sonne und Sichel": persönlich, zum Teil auch lustig; eindrucksvoll, so dass man als Leser direkt in sein Kuba eintaucht. Und trotz seiner lockeren Erzählweise ist er kein einfacher Tourist, sondern verknüpf diese Eindrücke mit Kuba’s Vergangenheit, mit den Reaktionen auf Biden’s Politik und den Sorgen der Bevölkerung, die wegen der Pandemie und steigenden Inflationsraten in erheblich schweren Situationen stecken. Trotz der harten Umstände der verschiedenen Menschen, die Merten kennenlernt, wirkt sein Werk nie schwerfällig, sondern schafft es durch einer schlichten und zugleich sinnlichen Sprache trotzdem eine belebende Leseerfahrung zu sein. Durch die knappen Kapitel, die meist nicht mehr als anderthalb Seiten spannen, kann der Leser sich immer mal wieder kurzzeitig in Merten’s Kuba verlieren. Ein informationsreiches und zugleich lebendiges Buch, das ich auf jeden Fall empfehlen kann.
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