Als Alice die Anzeige liest, ist alles klar: "Mitreisende gesucht." Für ein Abenteuer mit offenem Ausgang. Eine Woche vor Heiligabend packt sie ihren Rucksack und bricht auf. Mit drei sonderbar sympathischen Typen, die sich Könige nennen. Ein Roadtrip durch die norddeutsche Winterlandschaft beginnt. Unterwegs begegnen sie anderen, die auch auf der Suche sind, nach einem Weihnachtsfest, das unter die Haut geht. Eine Busfahrerin, ein Optiker und Jockel, der mit seinen zweiundachtzig Jahren immer noch am liebsten hinter dem Tresen seiner Kneipe stehen würde. Eine Krähe kommt zu Wort und auch ein Wolf will manchmal nur kuscheln. Sie alle glauben an eine Welt, in der es Rettung gibt. Man muss sie nur suchen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
01.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich wollte ich bis in die Adventszeit warten, zum Glück war ich ungeduldig!
Eine wunderbare Geschichte über das Suchen und Finden, über Erwartungen und Einstellungen, über komische Kauze und Herzenswärme! Dieses Buch werde ich gerne verschenken und es bleibt als "Lese-Weihnachtsplätzchen" auf dem Nachttisch liegen!
Bewertung
Thalia Book Circle Community
4/5
27.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vom Finden, wenn man noch nicht weiß, was man sucht
Alice will nicht im alten Trott Weihnachten feiern und wird auf eine Annonce von C+B+M aufmerksam, die Mitreisende suchen (mit Rucksack, kein Lametta). Und so macht sie sich mit den dreien zu Fuß auf die Suche - was gesucht wird, weiß keiner so genau, aber am Ende werden sie etwas finden.
Und nicht nur die vier sind auf der Suche, da gibt es Jockel, den alten Wirt der Gaststätte “Zur halben Nacht”, der seine Gaststätte aus Altersgründen schloss, aber dem nun etwas fehlt. Oder die Busfahrerin, die immer den gleichen Weg fährt, aber jeden Tag etwas neues erlebt. Und dann ist da noch der Optiker, der schon lange auf der Suche ist. Alle Wege kreuzen sich und alle werden etwas gefunden haben. Weihnachten passierte, auch abseits der alten Rituale.
Man merkt, dass Susanne Niemeyer im Bereich “Bücher über Gott und die Welt” schreibt, aber das war hier ganz wunderbar eingeflochten. Auch fand ich ihren Schreibstil sehr angenehm. Insgesamt ein eher ruhiges Buch, dass mich nachdenklich werden ließ.
kuddel
4/5
22.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Auf der Suche
""Durchreise ist ein gutes Wort. Ich glaube, ich bin tatsächlich auf der Durchreise. Innen drin. " "Sind wir das nicht alle?", fragt Caspa."
Susanne Niemeyer hat hier eine besondere Kurzgeschichte geschrieben, die sich kurzweilig liest, aber länger nachwirkt. Alle Figuren sind auf der Suche nach einem Weihnachten, das berührt, herzlich und echt ist. Alle gehen ganz unterschiedlich damit um und finden Wunder dort, wo man sie immer findet ... nämlich dort wo sie keiner vermutet.
""Wohin gehen wir eigentlich?", fragt Alice ... "Nach Westen", erwidert Caspa "wo die Sonne hinterm Horizont verschwindet." "Also direkt in den Untergang..." "Hast du Angst?" "Nee", sagte Alice. "Ich bin nur sarkastisch." "Dann ist ja gut. Das legt sich.""
Alice hat gerade eine Trennung hinter sich, die sie noch nicht verarbeitet hat. Auf ihre Heilewelt - Familie hat sie keine Lust. Kurzentschlossen meldet sie sich auf ein Inserat: "Mitreisende gesucht. Bring deinen Rucksack mit. Kein Lametta. C+M+B" Das Inserat stammt von einer Männer WG, etwas schräge aber ehrliche und direkte Typen, die mit Alice kurzentschlossen ohne wirkliches Ziel loswanden. Alice hat in einem Artikel gelesen dass man zwei Dinge vor dem Aufbruch zum Pilgern machen soll: "alle Reste verzehren und das eigene Testament machen. Sie fand das eine etwas banal und das andere reichlich dramatisch, aber dann hat sie sich gefragt, ob das nicht die Pole des Lebens beschreibt: Ein ewiges Hin und Her zwischen Banalität und Drama." Alice hat ihren Zweifel immer bei sich, er - der fünfte im Bunde - sieht nicht schlecht aus, könnte ein Bankberater sein.
Die Reise ist so ganz anders als erwartet, eher ruhig aber dennoch besonders. "Das Abenteuer ist innen drin."
Jokel hat mit über 80 seine Kneipe "Zur halben Nacht" geschlossen und ist damit nicht ganz glücklich. Seine Tochter und seine Enkelin möchten, dass er seine Zeit genießt, aber er weiß nicht, was er machen soll. Wo sollen die Leute, die einen Ort brauchen denn hin und wo soll er hin? Eine Busfahrerin, ein Optiker und ein Wolf haben ihre eigene Sicht auf Weihnachten und werden überrascht, von den Dingen, die dieses Jahr geschehen.
Eine kurze Weihnachtsgeschichte, die sich sofort erschließt, aber durch die pointierten Dialoge und Aussagen schön zu lesen ist und im Nachgang noch etwas nachhallt.
Mir hat sie gut gefallen.
Kerstin1975
aus Crailsheim
4/5
12.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Intellektuelle, nachdenkliche und nicht immer einfach zu verstehende Weihnachtsgeschichte.
Buchinhalt:
Das Weihnachtsfest steht vor der Tür und mit ihm eine Fülle aus Traditionen, Familientreffen, Stress und Erwartungen. Für Jockel hat sich viel verändert: mit inzwischen über 80 hat er vor Kurzem seine Kneipe, die im Viertel seit Jahrzehnten eine Institution gewesen ist, geschlossen. Die Kneipe war bislang sein Lebensmittelpunkt – doch was tun, wenn einem gerade an Weihnachten die Leere dermaßen übermannt?
Alice knabbert noch an ihrer gescheiterten Beziehung und antwortet auf eine merkwürdige Anzeige. Zusammen mit drei verschrobenen WG-Bewohnern macht sie sich am Weihnachtsfest auf eine Art Pilgerreise auf der Suche nach... ja, nach was?
Persönlicher Eindruck:
Zur halben Nacht ist eine relativ intellektuelle Kurzgeschichte, deren Inhalt und Sinn mach dem Lesen erst mal sacken muss. Keine heimelige süß-kitschige Weihnachtsgeschichte unter Tausenden sondern eine Art literarische Sinnsuche. Zusammen mit den WG-Bewohnern Caspa, Melchior und Balthasar und natürlich Alice, macht sich der Leser auf die Suche nach dem tiefen Sinn der heiligen Nacht, fernab von Tannenbaum, Geschenkestress und Familientreffen.
Es fällt zunähst nicht so leicht, mit den Figuren richtig warm zu werden. Natürlich schafft es eine Kurzgeschichte mit unter 100 Seiten nur bedingt, ausreichend Tiefe zu erzeugen, aber das ist auch nicht die Hauptsache in diesem Buch.
Der episodenhafte Charakter lässt den Leser viele verschiedene Charaktere kennen lernen: da ist zum einen Jockel, der Kneipenwirt, Alice und die drei WG-“Könige“, eine Busfahrerin, ein schüchterner Optiker und sogar ein Wolf, um nur die wichtigsten zu nennen.
Inhaltlich geht es um den tieferen Sinn des Weihnachtsfestes und das, was sich jenseits von Konsum, Weihnachtsessen und dem obligatorischen Kirchgang am Heiligen Abend abspielt.
So ganz verstanden und erfasst habe ich beim Lesen nicht alles. Möglicherweise ist Zur halben Nacht auch eine Geschichte, deren tiefere Bedeutung sich erst nach dem zweiten oder dritten Lesen völlig erschließt. Am besten gefallen hat mir die Anekdote ganz zum Schluss, bei der in der Heilgen Nacht sogar der Wolf friedlich bei den Schafen schläft. Ja, wenn wir den eigentlichen, ursprünglichen Sinn des Weihnachtsfestes wieder neu begreifen, ist das durchaus möglich.
Insgesamt eine nachdenkliche, nicht immer leichte, aber sehr gut und flüssig lesbare Weihnachtsgeschichte fernab des Mainstreams!
Bewertung
aus Lugau
4/5
11.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Auf der Suche….
Kurz vor Weihnachten entdeckt Alice eine Anzeige: „Mitreisende gesucht. Bring deinen Rucksack mit. Kein Lametta. C+B+M“ und spontan entschließt sie sich aufzubrechen. Zu viert machen sie sich auf den Weg… doch wohin führt sie ihr Weg? Wohin führt sie ihre Sehnsucht?
Auch Jockel sehnt sich nach etwas… Seit er seine Kneipe „Zur halben Nacht“ aus Altersgründen schließen musste, ist er einsam, ohne Aufgabe und voller Sehnsucht…
„Zur halben Nacht“ ist eine etwas andere Weihnachtserzählung, eine Geschichte von der Sehnsucht nach Wärme, Sinn, Erfüllung und nach einem anderen Weihnachtsfest ohne alte Tradition und Konsum. Und so begleitet der Leser abwechselnd Alice und drei sympathische Typen, die sich Könige nennen, auf einer Wanderung durch das winterliche Norddeutschland, Jockel,den alten Wirt, eine Busfahrerin auf ihrer Tour und einen einsamen Optiker…
Die Geschichte umfasst nur 96 Seiten und ist schnell gelesen. Es ist eine ruhige Geschichte, die hauptsächlich von ihren Dialogen lebt, von Gedanken und Aussagen, die noch lange in mir nachklingen….
„… sagt Alice: ‚Durchreise ist ein gutes Wort. Ich glaube, ich bin tatsächlich auf der Durchreise. Innen drin.‘ ‚Sind wir das nicht alle?‘, fragt Caspa. (Alice:) ‚Ich weiß nicht. Irgendwie geht es doch immer darum anzukommen. Etwas geschafft zu haben…...Das Ergebnis zählt.Niemand bekommt ein Zertifikat, weil er aufbricht. Eigentlich ist das doch schade.‘“ (s.S.25)
Am Ende ist der Heilige Abend gekommen und die Vier sind immer noch unterwegs. Für sie scheint das Ende noch offen, obwohl sie an einem warmen, einladenden Ort ankommen. Jockel dagegen hat seine Kneipe wieder aufgesperrt und wirkt zufrieden als er zur Busfahrerin sagt:
„Muss ja einer bereit sein, wenn wer kommt. Muss ja einer dafür sorgen, dass Licht im Fenster ist. Und selbst, wenn du nicht reingehst, weißt du: Du könntest. Weil du einen Unterschlupf brauchst oder ‘n ordentlichen Kaffee…. Und ich brauch auch so einen Platz, wo ich weiß, es kommt wer….“ (s.S.92)
Mir hat die Geschichte gut gefallen. Der Erzählstil der Autorin lässt sich angenehm lesen, berührt, lässt mich nachdenklich zurück. Das Ende ist relativ offen und es bleibt Raum für eigene Gedanken. Gern empfehle ich das Buch weiter.
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